Ungereimtheiten bei Telefónica, O2 & Co.

Der spanische Telefonkonzern Telefónica ist in Deutschland ja mit O2, Fonic, Netzclub etc. unterwegs und hat vor einiger Zeit auch den Anbieter E-Plus übernommen. Nachdem ich die Tage einen Beitrag über das Ende der Mobilfunkdrosselung bei O2 gelesen habe, gibt es heute einen Beitrag, in dem ich einige Infosplitter zum Gesamtbild zusammenfasse. Nachtrag: Und es gibt ein neues Angebot für "mehr Datenvolumen".


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Ich selbst habe einige SIM-Karten von Fonic und Netzclub, um bei Bedarf mobiles Internet nutzen zu können. War das vor einigen Jahren noch recht sinnvoll, wächst sich einiges zum Ärgernis aus. Da ist der ständige Versuch von Fonic, eine SIM-Karte wegen nicht Gebrauchs zu sperren – oder die mangelnde Netzqualität, die bei mir die Zeiten der Nutzung in den Keller treiben. Auch andernorts scheint es einen ruppigen Umgang mit Kunden zu geben, wie ich hier lese. Aber zurück zum Thema: Hier ein Abriss dessen, was mir so die Tage aufgefallen ist.

O2: Ende der Drosselung – oder Papiertiger?

Letzte Woche bin ich bei heise.de auf den Artikel O2 entschärft Drosselung: Neue Tarife immer mit mindestens 1 Mbit/s gestoßen, der das Herz eines jeden mobilen Webworkers höher schlagen lassen müsste. Bei heise.de schreibt man, dass in den neuen O2-Tarifen für Privat- und Geschäftsnutzern das mobile Internet nur noch auf 1 Mbit/s (statt auf 64 Kbit/s) gedrosselt wird, sobald das High-Speed-Datenvolumen aufgebraucht ist. Hört sich gut an, ist aber (in meinen Augen) teilweise ziemlicher Bullshit.

Die Kunden können bei Erreichen der Drosselung – nach Meinung von heise.de das O2-Netz noch "mit ordentlicher Geschwindigkeit nutzen, wenn ihr gebuchtes Volumen aufgebraucht ist" – man gibt aber an, dass das die Nutzung "allerdings nur noch im 2G/GSM- und 3G/UMTS-Netz von O2" möglich sei.

Und hier liegt der Hase im Pfeffer. Ich bin mit meinen Fonic-/Netzclub-SIM-Karten immer mal wieder unterwegs. An meinen Wohnort habe ich HSDPA-Geschwindigkeit (meistens). Aber abseits der Ballungsräume hängt man im Telefónic-Netz in der Regel auf 2G/GSM mit Edge-Geschwindigkeit. Wäre ja noch zu tolerieren, wenn das Unternehmen dort die abgerufenen Datenmengen gleich mit Edge verbuchen und nicht auf das High-Speed-Volumen anrechnen würde (du surfst mit langsamer Geschwindigkeit, bekommst das aber als "schnelles Internet" abgerechnet).

Aber es geht noch weiter. Vor Jahren konnte ich unter Edge noch halbwegs per Netbook über mein Mobilfunk-Gerät Blog-Beiträge erstellen, hochladen und bearbeiten. Heute stelle ich fest, dass ich in der Provinz selbst unter Edge oft für Minuten oder mal eine halbe Stunde überhaupt keine Datenverbindung habe. Das Mobilfunknetz ist faktisch für den Internetzugang unbrauchbar. Die Kommentare der Nutzer zum obigen heise.de-Artikel bestätigen das ebenfalls (siehe z.B. hier).

Und ich möchte an dieser Stelle an den Blog-Beitrag LTE-Probleme bei O2/Telefonica? erinnern, der ein anderes Problem adressiert. Seit der Übernahme vo E-Plus gibt es wohl im LTE-Netz erhebliche Performance-Probleme, wie teltarif.de hier aufdeckt. Also ist die Meldung über die "Drosselung auf 1 Mbit/s" das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurde – oder täusche ich mich?

Telefónica: Wir wollen deine Daten versilbern

Eine Meldung, die mich alarmiert hat, findet sich bei heise.de im Artikel Telefónica Deutschland will Bewegungsdaten von Mobilfunkkunden vermarkten. Laut heise will Telefónica Deutschland aggregierte Bewegungsdaten seiner Mobilfunkkunden an Behörden und Unternehmen verkaufen. Und das mit dem Segen der Datenschützer, was der eigentliche Skandal ist. Denn hier wird mal wieder Salami-Taktik gefahren. Es heißt zwar heute, dass die Daten dreifach anonymisiert werden sollen, so dass kein Rückschluss auf den Kunden möglich wird.

Aber mal Hand aufs Herz: Die Hacks bei Yahoo, bei weiteren Webdiensten etc. haben ja alle nicht stattgefunden. Und es kam noch nie vor, dass jemand bei der Datenweitergabe geschlampt hat oder moderne Analyseverfahren die Zuordnung anonymisierter Datensätze zu Individuen doch noch möglich gemacht haben. Zudem: Du zahlst als Kunde deinen Mobilfunkvertrag, und das nicht zu knapp, um bei der Datenrate über den Tisch gezogen zu werden. Und on top sollen jetzt auch noch deine Bewegungsdaten versilbert werden. Fall von geht gar nicht, finde ich.


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Da ist es nur das Tüpfelchen auf dem i, wenn heise.de einen Tag später mit dem Artikel Vermarktung von Bewegungsdaten: Opt-out-Portal von Telefónica sorgt für Verunsicherung herauskommt. Die Opt-out-Website listet auch die Mobilfunknummern anderer Anbieter, sofern diese zur Anmeldung benutzt werden, als "zur Weitergabe" eingestuft auf. Ist nur ein Bug, zeigt aber erneut, wie schlampig das alles zusammen geklickt wird. Und unsere Datenschützer sollen das Ganze auch noch einmalig ab nicken und für gut befinden. Ich fühle mich momentan verraten und verkauft. Oder wie seht ihr das?

Nachtrag: Mehr Datenrate für Blau

Neukunden bei Prepaid-Tarifen der Telfónica-Tochter Blau wird ab dem 4. Oktober 2016 ein neues Angebot gemacht. Wie teltarif.de hier berichtet bekommen die Kunden in den Tarif-Optionen Blau M und L sowie in Allnet L ein bis zu 3,3 fach höheres Datenvolumen. Details finden sich im verlinkten Artikel.

Nachtrag: O2 Free, die mobile Quasi-Flatrate

O2 Free löst den O2 Blue All-In-Tarif ab. Interessant: nach  Verbrauch des Inklusiv-Datenvolumens wird auf 1 MBit/s im UMTS-Netz gedrosselt. Was ändert sich mit o2 Free ab dem 5. Oktober gegenüber den bisherigen Blue-All-In-Tarifen? Die Site teltarif.de hat sich im Artikel o2 Free: Alle bekannten Features dieses Themas angenommen. Und in diesem Kommentar beklagt Teltarif.de, dass "ein gutes Konzept nur halbherzig umgesetzt wurde.

Nachtrag: Telfónica: LTE wieder mit 1800 MHz-Band

Nach der Übernahme von E-Plus musste Telfónica das frühere LTE-Netz von E-Plus abschalten. Grund: Der Frequenzblock war von Vodafone ersteigert worden. Es kam zu den oben bereits erwähnten Kapazitätsengpässen im LTE-Netz des Betreibers. Diversen Telfónica-Kunden (O2 etc.) ist nun aufgefallen, dass das LTE-Band bei 1800 MHz in bestimmten Gegenden wieder freigeschaltet wird. Mehr Details zu diesem Thema samt Hinweisen auf Einschränkungen finden sich in diesem Teltarif.de-Beitrag.


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5 Antworten zu Ungereimtheiten bei Telefónica, O2 & Co.

  1. Herr IngoW sagt:

    Man wird nur noch besch…….. egal bei welchem Anbieter man ist oder was man sonst noch so treibt, irgendwo wird ständig versucht die Leute auszutricksen, man hat kaum eine Chance sich in irgendeiner Form zu wehren, und Datenschutz existiert meiner Meinung nach nur auf dem Papier.

  2. berni sagt:

    Ja ehrliche Firmen die sich für den Kunden interessieren und Geschäfte mit gegenseitigen Interessen anbieten gibt es kaum noch. Es geht nur noch um Gewinnmaximierung und das fängt bei den Banken an und geht hin bis zu den Mobilfunkbetreibern.

  3. Paul sagt:

    Ein sehr emotionaler Artikel. Ich versuche sachlich zu begegnen.

    1. High-Speed Volumen
    Das weiss nun mittlerweile jeder, dass diese Bezeichnung ein Produktname ist und nicht zwanghaft mit der angebotenen bzw. örtlich möglichen Geschwindigkeit einhergeht. Bedeutet halt nur, maximale verfügbare Geschwindigkeit. Streiche High-Speed und es bleibt Volumen. Dass dieses schrumpft, bei Datennutzung egal in welcher Technologie, ist ja logisch. Auch bei Nutzung von Edge (wenn es denn geht).

    2. Download im ländlichen Gebiet
    Sicher ist es so, das ausserhalb der Ballungszentren die Geschwindigkeiten oft unzureichend sind. Unbestritten. Deutlich erschwert wird dies aber dadurch, dass Dein WordPress vor 3-4 Jahren noch nur etwa die Hälfte der Installationsgröße hatte. Wenn überhaupt. Und das betrifft eben auch den Rest des Internets. Alles wird größer (weil unsere Datenleitungen ja performanter werden) und so kommt es, dass Dein Gefühl Dich auch nicht trügt, wenn Du das Internet quasi nicht nutzen kannst. Edge ist ja nicht "dicker" geworden – alles was Du im Netz ansehen möchtest, jedoch schon. Da passt das Verhältnis nicht mehr. Diese WordPress Seite hat übrigens die stolze Größe von 418KB und benötigt bei meiner 200MBit/s Leitung 2,57 Sekunden zum Laden. Und es werden 38 Elemente heruntergeladen. Das bedeutet, es werden 38 Mal Verbindungen aufgebaut, auf Grund des HTTP Protokolls. Das ist der Tod für eine schwache Leitung. Theoretisch würde es bei gutem Edge rd. 2 Sekunden dauern diese Seite zu laden. Aber das ist eben nur technische Theorie. Auf einem Mobile wirst Du daher hauptsächlich mit Timeouts kämpfen. "Vor Jahren" hatte Deine Seite wohl nur 50-80KB und rd. 10-20 Ressourcen. Früher halt, da war alles besser. Aber da hatten wir auch nur GIF Animationen. Aber ja, Du hast auch recht. Oft ist gefühlt Edge nicht wirklich Edge. Und das wachsende Datenbegehren der Anwendungen machen das nicht wirklich besser.

    3. Daten verkaufen
    Hand aufs Herz: vor Jahren hast Du ein vielfaches für Deine mobilen Tarife bezahlt. Ok, die Gewinne der Telco's waren auch ziemlich hoch. Das kippte aber – wie allgemein bekannt. Schon mal die Börsenkurse der Telco's angesehen? Wir bekommen einen Dienst, ohne den wir nicht mehr leben wollen und können und gleichzeitig darf er quasi nichts kosten und muss dennoch stets mit dem maximal technischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen? Wie soll das gehen? Nur staatlich subventioniert. Und das hat mit dem Modell DDR schon nicht geklappt. Es ist wirtschaftlich legitim, dass die Telco's sich andere Einnahmequellen suchen. Und die Telekom macht das auch. Und über Vodafone spricht man noch nicht. Bist Du bei Google gelistet? Nutzt Du Facebook Google Maps? Denen schenkst Du Deine Daten ohne mit der Wimper zu zucken. Ist ja in den USA. Dort kennst Du niemanden, so denken doch die meisten. Ein Trugschluss. Ich gebe lieber meine Daten einem Konzern, der sich die Sicherheit und das Verfahren zur Anonymisierung hat abnehmen lassen. Und wenn wir über Daten sprechen, die verkauft werden, ist das eher eine medienwirksame Überschrift. Tatsächlich aber kann man nachlesen, dass KEINE Daten verkauft werden. Sondern Erkenntnisse aus den Daten – also Analyseergebnisse. Das ist etwas völlig anderes. Da werden Äpfel in der Presse verkauft, wo es gerade um Trauben geht. Medienwirksam eben. Aber dadurch platziert man sich schön bei Google – und hängt am Tropf der Datenkraken. Dort, wo nichts anonymisiert wird und wo man genau weiss, wer was macht. Aber die sitzen ja in den USA. Das ist weit weg :-)

    Ich finde diese Datenkrakenmentalität in Zeiten von Big Data übrigens alles andere als gut. Was jetzt passiert, ist hinnehmbar. Aber zukünftig wird es schärfer. Für unsere Kinder. Und das macht mir Sorgen, Anfangen, mit unserem Protest müssen wir aber dort, wo Schindluder getrieben wird. Wo man Datenschutz nicht kennt als Wort. Aber das ist weit weg, das ist in den USA. :-)

  4. Ich benutze jetzt sehr viel den Hot Spot der Telekom, Telefonieren tue ich mit Blau.de Und surfen falls ich Mobiles Internet habe mit Netzclub.
    War am Wochenende auf einer Veranstaltung in Hannover Blau.de = Superverbindung, Netzclub = ein Balken kaum zu benutzen, Telekom Hot Spot = Überall in Hannover Verfügbar super schnelles Internet.

    Netzclub war mal eine gute Verbindung als Insider, mittlerweile könnte ich die Karte echt Raus nehmen Zuhause habe ich immer Prima Empfang mit Netzclub aber da benutze ich gewiss kein Mobiles Internet.

  5. Markus sagt:

    Ich ärgere mich auch gerade über o2.
    Ich habe vier Business Verträge. Alle Tarife heißen gleich, bzw. 3 mal M und einmal L.
    Keiner der Tarife hat die gleiche Kostenstruktur. Alle wurden zu unterschiedlichen Zeiten abgeschlossen und werden nur verändert, wenn ich mit Kündigung drohe. Und das auch nur wenn die zwei Jahre fast abgelaufen sind (und ich kaufe meine Handys Bar, habe also null Vorteile, von wegen alle zwei Jahre ein neues Handy oder so).

    Ein Vertrag hat 1,5 GB Datenvolumen im europäischem Ausland, das andere Extrem 50 MB. Beide Tarife heißen o2 Blue M und laufen auf den gleichen Namen im gleichen Konto. Der eine Vertrag ist schon seit ein paar Jahren bei o2 der andere recht neu.

    Was sagt mir das? Die legen keinen Wert auf Ihre langjährigen Kunden oder hoffen einfach das man zu blöd ist zu bemerken das man immer weiter mit immer schlechteren Konditionen (im Vergleich zum Neuvertrag) das gleiche Geld bezahlt.

    Wenn ich beim Laden an der Ecke für ne Flasche Wasser 7 Euro zahlen müsste, weil das so teuer war als ich das erste mal da was gekauft habe und die anderen nur 50 Cent, ich denke fast ich würde in dem Laden nicht mehr kaufen wollen.

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