Mindestens 17 Firmen überwachen Twitter für Regime

Despotische Regime bedienen sich auch Twitter-Meldungen, um Dissidenten zu jagen. Und Gehilfen sind mindestens 17 Firmen, die die notwendige Auswertesoftware liefern.


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Wer auf Twitter posted, ist im öffentlichen Raum unterwegs. Trotzdem wird Twitter von Protestbewegungen zur Koordinierung von Demos und anderen Aktionen genutzt. Im arabischen Frühling spielte der Kurznachrichtendienst zur Organisation von Demonstrationen eine entscheidende Rolle. Viele Regime schalten daher Twitter in vermeintlichen Krisenzeiten ab (in der Türkei waren Twitter und YouTube nach dem Putsch zeitweise gesperrt).

Aber es gibt noch andere Ansätze, denen sich US-Behörden, aber auch despotische Regime weltweit bedienen. Die Tweets können durch geschickte Überwachung und Auswertung Behörden Hinweise auf Aktivitäten und Demos liefern. Dazu kann entweder die Twitter-API oder Twitter Firehose verwendet werden. Mit Firehose kann man Twitter quasi in Echtzeit nach bestimmten Kriterien durchsuchen und alle Statusmeldungen überwachen lassen.

Im Blog-Beitrag Analysefirma versorgt US-Polizei mit Social Media-Nutzerdaten zur Überwachung hatte ich über einen entsprechenden Fall in den USA berichtet. Dort wurden lokale Aktivisten, die sich nach der Tötung von Afroamerikanern durch Polizisten organisierten, überwacht.

Nun kommt Bloomberg mit dem Artikel How Despots Use Twitter to Hunt Dissidents an die Öffentlichkeit. Dort erfährt der Leser, welche Risiken Twitter für Dissidenten besitzt. Despotische Regimes setzen offenbar gezielt auf die Auswertung und Überwachung von Twitter, um Dissidenten zu jagen.

Gerade in Saudi Arabien sind viele Bewohner bei Twitter aktiv. Im September 2012 wurde der saudische Twitter-Nutzer Bader Thawab wegen des Tweets “down with the House of Saud” verhaftet. Im März March 2014 gab es eine 8 jährige Haftstrafe für einen anderen Benutzer, der den König und die Religion auf Twitter beleidigt haben soll.

Geofeedia wurde für die Zusammenarbeit mit US-Polizeibehörden von Twitter rausgeworfen. Aber es gibt weitere Firmen, die in diesem Bereich arbeiten. Mindestens 17 Firmen verdienen Geld damit, über Twitter Firehose Nutzer oder Tweets für solche despotischen Regimes zu überwachen. So verkauft die in Austin, Texas, beheimatete Firma Snaptrends laut Bloomberg Tools zur Twitter-Überwachung an Aserbaidschan, Bahrain, Malaysia, Saudi Arabien, die Türkei und weitere Länder. Blomberg berichtet, dass man bei Twitter darüber nachdenkt, wie man Nutzer besser schützen kann. Details lassen sich hier nachlesen.

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5 Antworten zu Mindestens 17 Firmen überwachen Twitter für Regime

  1. Nobody sagt:

    Beschämend, dass Unternehmen aus demokratischen Ländern perfide Überwachungssoftware an Diktaturen verkaufen.
    Andererseits könnte man auch sagen, dass so die simplen Regeln des Kapitalismus sind.

  2. Remo sagt:

    Firmen, welche mit dem Leid anderer Menschen Kohle machen, hat es schon immer gegeben.
    Einfach nur widerwärtig ist der Umstand, dass diese Firmen bzw. deren Besitzer gut davon leben, wenn sie wieder mal viele Menschen irgendwelchen durchgeknallten Regimes und ihren Verbrechern .. äh ihrer Führungsriege ausliefern.
    Und das im Jahr 2016 … es ist nur beschämend.

    • Was ist daran beschämend, schau dir mal unsere Rüstungsexporte an, wir liegen hinter den USA und Frankreich weltweit an 3ter stelle mit dem Verkauf von Rüstungs Exporten ins Ausland zwar wird das alles Stattlich überwacht aber sobald man sich die Nachrichten mal genauer betrachtet bemerkt man recht schnell wohin die Güter gehen.
      Das G3 Sturmgewehr der Bundeswehr (von Heckler & Koch) zb. liegt an zweiter stelle hinter der Kalaschnikow als das am weitesten verbreitete Gewehr in Krisenregionen und das alles völlig legal und legitim.

      • Remo sagt:

        Das sind in der Tat weitere Facetten dieses Dreckgeschäftes.
        Kürzlich habe ich ein Statement gelesen, das den Nagel hierbei auf den Kopf trifft. Den genauen Wortlaut weiss ich nicht mehr. Es ging dabei um die Rüstungsexporte der sog. zivilisierten Staaten in die uns bekannten Länder mit gewissen Defiziten.
        Die selben zivilisierten Staaten beklagen sich dann über die Flüchtlingsströme, welche ihre Rüstungsgüter-Lieferungen an die Verbrecher dieser Länder auslösen.
        Irgendwie ist das nur noch krank.

  3. Fin Fischer gehört im übrigen auch mit zu den Führenden Software Herstellern die Überwachungssoftware herstellt, als auch Überwachungssoftware ins Ausland (zb. Barein) verkauft, Finfischer ist mittlerweile eine Italienische Firma mit deutschen Hintergrund, kurz nach dem Inkrafttreten des sogenannten Hackerparagraphen sind diverse Firmen gleich ins Ausland abgewandert weil sie fürs Deutsche Rechtssystem nicht Komform sind.
    Hab darüber mal nen längeren Vortrag gehalten

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