180 Grad-Volte: Will München zurück zu Windows/Office?

LiMux und OpenOffice in der Stadtverwaltung von München war gestern (oder old school von 2004), Die Stadtoberen wollen (möglicherweise, vielleicht, eventuell) zurück zu Windows und Office wechseln.


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Die Information findet sich aktuell bei techrepublic.com und es ist noch nix in trockenen Tüchern. Ein externer Bericht gibt Oberbürgermeister Dieter Reiter jetzt Munition an die Hand, über eine 180-Grad-Volte weg von Linux und OpenOffice bzw. LibreOffice und hin zu Windows und Office zu wechseln.

Hintergrund ist wohl, dass es aus bestimmten Bereichen der Stadtverwaltung wie z.B. Personal- und Organisationsreferat Kritik an der Linux/LibreOffice-Lösung gibt. Von dort kommt der Hinweis, dass die Produktivität seit der Einführung der OpenSource-Software durch Abstürze und Probleme drastisch gesunken sei. Bereits 2015 gab es die Anweisung an die IT, Fakten für die Entscheidung zusammen zu stellen, wie sich die IT der Stadt München weiter entwickeln soll (siehe mein Blog-Beitrag Linux-Splitter: LiMux und ‚TuriNux‘).

Jetzt liegt also ein externer 450-Seiten-Bericht von Accenture vor, der die Einführung von Windows und Office sowie die Verwendung von Standardsoftware im SAP-Umfeld vorsieht – weil LiMux und LibreOffice dies nicht leisten können. Dem Techrepublic-Beitrag entnehme ich aber, dass der Accenture-Bericht mit keinem Wort Windows erwähnt, sondern lediglich die Ablösung von LiMux empfiehlt. Matthias Kirschner, Präsident der Free Software Foundation Europe (FSFE), kritisiert in einem Statement die Beauftragung von Accenture als Co-Autor des Berichts. Denn Accenture ist über ein Joint Venture mit Microsoft verbandelt.

Wie dem auch immer sei, bei der Stadt München werden ca. 20.000 PCs mit Linux und 4.163 PCs mit Windows betrieben, wobei der Accenture-Bericht heftige Problemzonen aufdeckt. Die Clients laufen mit total veralteter Software. Im Bericht wird folgendes festgehalten:

  • Die Mehrzahl der Client (45%), die halbwegs aktuell seien, läuft mit LiMux 5.x,welches auf Ubuntu 12.04 LTS basiert. 32 % laufen noch mit LiMux Version 4.1 und 23 % verwenden LiMux Version 4.0.
  • Bei den Windows-Clients laufen 77 % mit Windows 7, 9 % mit Windows XP / Vista und 14 % mit Windows 2000.

Der Bericht soll laut TechRepublik den Eindruck vermitteln, dass die Verwaltung der Windows-Clients sehr aufwändig sei. Hintergrund ist die unterschiedliche Software, die in einzelnen Abteilungen installiert sei. Zudem sei der Prozess zum Verwalten der Windows-Clients nicht besonders gut etabliert.

Angesichts der obigen Situation ist es unwahrscheinlich, dass der Wechsel zu Windows 10 mit einem Fingerschnippen stattfindet. Vielmehr dürften wir auch weiter viele Diskussionen um das Thema erleben. Da rauscht noch viel Wasser die Isar herunter, bis die Situation geklärt ist. Und ob es dann noch Windows 10 gibt – keine Ahnung. Spannend bleibt es auf jeden Fall – und zu bloggen hat man dann auch genügend. Ansonsten empfehle ich wirklich den TechRepublik-Artikel (Englisch) zur Lektüre.(via)

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13 Antworten zu 180 Grad-Volte: Will München zurück zu Windows/Office?

  1. Sam sagt:

    Hatten die nicht in München eh auf ihren Linux-Kisten reihenweise Windows-Emulatoren laufen, weil sonst interne Anwendungen nicht verfügbar waren?
    Ich meine mich zu erinnern das damals bei Heise was in der Richtung stand. Dann muss man ja doppelt aktuell halten, nämlich sowohl das Host-Linux wie auch das Gast-Windows.

  2. Ich dächte ich hätte damals gelesen das es für Diverse Leute einfach zu schwierig war einfach Software unter Limux zu installieren und irgendjemand hat dann den Vergleich zu seinem Privaten Windows PC gezogen, wie einfach es dort ginge.
    Alleine der Vergleich ist natürlich Quatsch weil man sicherlich in der Verwaltung nicht einfach irgendwelche Software nach Gutdünken installieren kann.

    • Nils sagt:

      Ja, aber finde einmal eine Softwareverteilung, die Linux 100% unterstützt.
      Die gängigen Lösungen wie SCCM, Matrix42 oder Landesk können allenfalls Softwareakete auf Linux verteilen. Mit der Installation des kompletten Systems incl. Betriebssystem tuen sich alle schwer. Und auch die Verteilung von Softwarepaketen ist zum Vergleich zu Windows relativ eingeschränkt.

      Da ist die zentrale Verwaltung der Linux Kisten sicher deutlich aufwendiger.

    • Dieter Schmitz sagt:

      Wenn jemand in einer Firma einfach so private Software installiert, gehört der erst abgemahnt und dann gefeuert. Punkt.

      So etwas geht NUR in Absprache mit der IT-Abteilung.

      Auch wenn es für einen Beamten schmerzhaft ist, wenn er da nichts zu sagen hat.

      Übrigens:

      Die Deutschlandzentrale von Microsoft wurde von Unterschleissheim nach München verlegt. Wer wundert sich da noch???

  3. Herr IngoW sagt:

    Da die Bayern ja eh die „schlauesten“ sind werden die das schon hinkriegen, in 5 bis 10 Jahren. Bei den Verwaltungen dauert es ja immer bisschen länger bis sich wirklich was bewegt. (Denn merke, alles was Verwaltungen/Beamte machen oder Verwalten geht erst mal in die Hose. Die Beispiele dafür sind die Elbphilharmonie Hamburg, der Bahnhof in Stuttgart oder der Flughafen in Berlin)

  4. VGem-e sagt:

    Moin,

    viele Fachverfahren für öffentliche Verwaltungen laufen nur unter Windows!!

    In Bayern sind, wie vermutlich auch in anderen Bundesländern, nur sehr wenige Anbieter für diese Fachverfahren verfügbar.

    Und ob sich da für kleinere Verwaltungen (z.B. eine Gemeindeverwaltung) ein Umstieg bzw. eine Portierung auf Linux überhaupt rechnet??

    Das Handling von Linux mag zwar irgendwie bzw. irgendwann klappen, aber wie sieht es mit fachlich qualifiziertem Personal in solchen Verwaltungen aus, das Linux überhaupt administrieren kann?

    Gruß

  5. Tim sagt:

    Hört sich also eher danach an, als seien die Administratoren irgendwie in der Unterzahl zum Aufwand, oder doch wieder zu sehr blutsverwand statt Vollblut Admin…?

    Da ist Windows 10 mit seinen Pflichtupdates natürlich die problemfreie Lösung schlecht hin…

    Macht mal, ihr Münchner… ist ja Euer Geld und davon habt ihr ja genug, als tollstes Bundesland der Welt…

  6. Andreas K. sagt:

    …und wir haben die SAP-Einführung abgebrochen, weil die versprochenen bzw. erforderlichen Features mit SAP _nicht_ umsetzbar waren.

  7. Nachtrag zum Artikel

    Als ich den Artikel geschrieben habe, waren kaum Details zum Gutachten bekannt. Die Redaktion von heise.de hat wohl Zugriff auf das Accenture-Gutachten erhalten und heute einen ausführlichen Artikel zur Thematik veröffentlicht.

    Linux in München: Berater empfehlen Ausstieg aus LiMux auf Raten

  8. Nice Word Play :-) sagt:

    „…dass der Accenture-Bericht mit keinem Word Windows erwähnt…“

  9. ThBock sagt:

    „Dem Techrepublic-Beitrag entnehme ich aber, dass der Accenture-Bericht mit keinem Wort Windows erwähnt..“
    Da wollten die wohl subtil sein.

    Wenn ich das hier so lese:
    https://www.accenture.com/de-de/company-news-release-accenture-microsoft

    …da weiss ich: Das Geld für das Gutachten war Steuerverschwendung.
    Da weiss man doch vorher, was dabei ‚rauskommt.

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