Auch Brasilien will von Open Source zu Microsoft wechseln

Momentan stehen die Zeichen für Open Source-Protagonisten schlecht. Jetzt erfahre ich gerade, dass Brasilien vor einem Wechsel hin zu Microsoft-Produkten steht.


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Brasilien hatte ja seit einigen Jahren (so 2003) die Devise ausgegeben, dass bevorzugt Open Source-Software in staatlichen Einrichtungen zu verwenden sei. Ziel war es, die Lizenzkosten für ausländische Software zu reduzieren. Das sollte auch das Zahlungsbilanzdefizit reduzieren und lokalen Software-Anbietern die Möglichkeit geben, mit eigenen Lösungen zu punkten. Scheinbar ist der Ansatz aber an fachlich qualifiziertem Personal gescheitert bzw. nie in die Gänge gekommen.

Jetzt lese ich bei ZDnet.com, dass die Regierung in Brasilien damit liebäugelt, Open Source-Lösungen den Rücken zu kehren und vor dem größten Kauf von Microsoft Software, einschließlich Windows 10, Windows Server und Office 365 stehe. Der Deal muss aber heute (11.11.20165 bis 11:11 Uhr Ortszeit) unterschrieben sein Zwinkerndes Smiley.

Ziel des Deals soll es sein, kosteneffiziente Software-Lösungen für die staatliche Verwaltung einzukaufen. Die Vereinbarung würde es den diversen staatlichen Stellen innerhalb der nächsten 12 Monate ermöglichen, kräftig bei Microsoft einzukaufen. Ob die Einkäufe aber so “kräftig” ausfallen, muss angesichts der wirtschaftlichen Probleme in Brasilien bezweifelt werden.

Das Ganze ist aber ein weiterer Marketing-Erfolg für Microsoft, wenn es denn so kommt, der sich nahtlos in weitere Meldungen der letzten Zeit einfügt (siehe Link-Liste). Momentan muss man einfach nüchtern feststellen: Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera. Windows 10 und Office 365 wird den Nutzern imho auf lange Sicht keine Freude bereiten. Andererseits steht sich die Open Source-Gemeinde bei allen Projekten kräftig selbst auf den Füßen – man braucht sich nur das Trauerspiel um OpenOffice versus LibreOffice, den Distributions-Wirrwar bei Linux oder den Hickhack bei vielen anderen Projekten anzusehen.

Nur in Ländern wie China oder in Russland schwenkt man von Microsoft-Produkten auf eigene Software, die auf Open Source basiert um. Gerade hat Russland einen Gesetzentwurf vorgelegt, der freier Software im öffentlichen Bereich die Priorität einräumt. Bei Ausschreibungen soll freie Software im öffentlichen Sektor den Vorzug vor proprietären Angeboten erhalten. Verantwortliche müssen ggf. begründen, warum sie kommerzielle Software beschaffen müssen. Auch hier soll das geplante Gesetz die lokalen Entwickler stärken. Weiter Hinweise finden sich z.B. bei heise.de.

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13 Antworten zu Auch Brasilien will von Open Source zu Microsoft wechseln

  1. Karsten sagt:

    Ist das ein alter Artikel?
    Zitat: „Der Deal muss aber heute (11.11.2015 bis 11:11 Uhr Ortszeit) unterschrieben sein“, das war bereits letztes Jahr :-)

  2. Chonta sagt:

    Oh man……
    Man könnte auch einfach die Mitarbeiter Schulen, kompetentes Personal einstellen und den Opencource Firmen ein paar Millionen auf den Tisch legen um z.B. bei Libre Office im Calc die Multikernunterstützung einzubauen….
    Dan hat man einmal die die ausgaben und dan Lebenslang keine Softwarekosten mehr……
    Wenn man einmal umgestiegen ist macht es keinen Sin zurück zu MS und deren Lizenzverworrenheit zurückzukriechen!
    Wenn die Leute mit der Software nicht klar kommen, müssen die geschult oder ausgetauscht werden, kommt auf lange sicht wirklich Kostengünstiger, denn wenn die Leute es einmal drauf haben, haben sie s drauf und wenn man keine Lizenzkosten hat, hat man keine Lizenzkosten und das dauerhaft…

    Gruß

    Chonta

  3. Speedy sagt:

    Pest und Cholera? Das ist hart… Bei dieser negativen Meinung wundere ich mich etwas, dass du noch Bücher zu MS-Produkten schreibst.

    • Verstehe ich nicht! Was hat Bücher zu einem Produkt und dessen Funktionen mit meiner persönlichen Einstellung zu einem Produkt zu tun? Wenn Du für deinen Arbeitgeber nicht mehr brennst, hörst Du dann auf zu arbeiten?

      Hat so eine ähnliche Qualität wie die Anschisse der MS-Fanboys in sozialen Netzwerken, dass ich doch gefälligst nicht mehr über Windows 10 bloggen, sondern mich mit Linux zu befassen habe. Kopfschüttel …

      • Nils sagt:

        Ja genau so ist es. Wer innerlich bereits gekündigt hat, der sollte das auch konsequent umsetzen und die Firma wechseln.

        Aber klar, in der Praxis sieht das natürlich anders aus. Irgendwie muss man ja auch seine Kohle verdienen. Das ist bei dir nicht anders. Irgendwo muss das Geld ja herkommen, da muss man private Meinung und Beruf schon trennen.

        • Ja innerlich habe ich mit Microsoft auch schon längst abgeschlossen, aber äußerlich beschäftige ich mich nach wie vor noch mit MS Windows schließlich verdiene ich mir damit meine Brötchen.
          Die Fragen nach Linux werden zwar vermehrt Lauter aber die Überwindung dauert ja bekanntlich länger für eingefleischte Windows User.

        • Dieter Schmitz sagt:

          @Nils

          „Wer innerlich bereits gekündigt hat, der sollte das auch konsequent umsetzen und die Firma wechseln.“

          Unsinn.

          Einfach einmal nachdenken. Es gibt nicht nur schlechte Mitarbeiter, es gibt auch schlechte Chefs.

          Windows 7 war gut, jeder hatte auf Windows 8/8.1 gehofft.

          Und jetzt bekommen wir Windows 10, weil Microsoft sauer auf Apples iPhone Erfolg ist und mit Nokia einen Fehlgriff getan hat.

      • Michael Bickel sagt:

        manchmal muss man in den sauren Apfel beißen, aber wenn man selbstständig ist oder Freiberufler, dann hat man doch die Wahl (mehr oder weniger). Mir persönlich würde es auf jeden Fall eher schwerfallen dauernd über etwas zu schreiben, von dem ich gar nicht mehr überzeugt bin, sondern mir dann doch lieber einen neuen Ansatz suchen.

        Aber das muss natürlich jeder selber wissen und wenn dann nur aus eigener Überzeugung und nicht wegen Kritik anderer.

  4. Sack Reis in China sagt:

    Scherze zum 11. 11. kannte ich bislang nicht. Ich dachte, das gäbe es zum 1. April. Aber gut – da hat bestimmt MS was dran verstellt.

  5. Herr IngoW sagt:

    Die Effizienz dürfte dabei wohl eine Hauptrolle spielen und da ist es mit vielen „Open Source-Produkten“ wohl nicht so dicke.
    Man weiß halt nie wie lange die Sachen funktionieren, an Sicherheitslücken gar nicht zu denken. (das Linux das sicherste BS sein soll ist da nur ein Wunschdenken)

    Und schon mal an „Horch und Kuck“ (Nachrichtendienste aller Weld) gedacht, jeder Entwickler freut sich doch über diverse Zuwendungen, ist aber nur Spekulation.

    • CS sagt:

      > Man weiß halt nie wie lange die Sachen funktionieren
      Das weiß ich auch bei proprietärer Software nie.

      > das Linux das sicherste BS sein soll ist da nur ein Wunschdenken
      Tja, Praxis vs. ihr persönlicher Glauben. Wie viel Trojaner/Viren gibt es denn für Linux?

      > Und schon mal an „Horch und Kuck“ …
      Das dürfte der Hauptgrund sein, in Zukunft Windows komplett aus Behörden/staatl. Einrichtungen zu verbannen.

  6. ThBock sagt:

    Wir wünschen den Brasilianern von ganzem Herzen:
    Gute Unterhaltung!

  7. Dieter Schmitz sagt:

    Ein Land wie Brasilien hat kein fachlich qualifiziertes Personal???

    DAS glaube ich einfach nicht.

    Brasilien beherbergt z.B. den weltweit drittgrössten Flugzeughersteller, Embraer.

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