Spotify, der SSD-Killer? Update soll Besserung bringen

Die Apps zur Teilnahme am Musikdienst Spotify stehen im Verdacht SSD-Killer zu sein. Hintergrund ist wohl, dass die Apps hunderte Gigabyte an Daten beim Hören von Musik auf das Systemlaufwerk schreiben.


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SSDs verkraften nur eine gewisse Anzahl an Schreib-/Lesevorgängen auf den einzelnen Speicherzellen, bevor diese ausfallen. Ausgefeilte Algorithmen in den SSD-Controllern sollen dafür sorgen, dass die Schreibvorgänge möglichst gleichzeitig über die Speicherzellen einer SSD erfolgen. Andernfalls kommt es mittelfristig zu einer schleichenden Kapazitätseinbuße und irgendwann zum Ausfall der SSD.

Bei Windows 10 werden beispielsweise Funktionen wie die Defragmentierung des Systemlaufwerks bei SSDs deaktiviert, um unnötige Schreibvorgänge zu vermeiden. So mancher Nutzer verbiegt unter Windows Nutzer- und temporäre Ordner auf die HD, um die SSD vor Schreibvorgängen zu schützen. Im September hatte ich den Artikel Firefox und Google Chrome verhunzen SSDs hier im Blog, der einige Wellen schlug. Die genannten Browser fielen auf, weil sie Megabyte an Daten über geöffnete Tabs auf das Systemlaufwerk schreiben.

Spotify ist das egal, da wird gespeichert

Szenenwechsel: Der Musikdienst Spotify bietet Programme und Apps als Clients an, um DRM-geschützte Musik auf Mobilgeräten (Android, iOS), Mac OS, Linux oder Windows anzuhören. Seit Monaten ist wohl bekannt, dass diese Clients riesige Datenmengen beim Hören von Musik auf das Systemlaufwerk schreibt. Ist dies eine SSD, die unter Linux, Mac OS oder Windows läuft, hat dies das Potential, die Lebensdauer dieses Speichers signifikant zu reduzieren. Bei Spotify gibt es seit Juni 2016 diesen Foreneintrag zum Problem. Der Nutzer schreibt:

I recently noticed that something was writing a lot of data to my SSD so I started looking trough what could be causing it, and Spotify ended up being the culprit, it was writing close to 10GB an hour to my drive at one point.

I checked the I/O write data with the S.M.A.R.T data on my drive and it wrote 28.305.469.806 Bytes of data in about 2 and a half hours, I’ve also noticed that it only writes the data when playing music, still completely unacceptable.

I just reinstalled and tested again, and got it to use 1GB in 17 minutes. (and according to S.M.A.R.T that was indeed written to my SSD)

and another one using 320MB in 4-5 minutes.

While this is a heavier usecase than I would typically present to Spotify.

The issue at hand seems to be that it tries to cache every song you play as when I went back to a song that I played at the start of the tests it wouldn’t go up, but that still doesn’t explain that one time it used 28GB (or about 26GiB) while listening to a song on auto replay.

I didnt have this problem a couple of months ago, but started noticing it around may.

I’m very dissapointed with this issue because it makes me have to avoid software I used to love.

Binnen 4 bis 5 Minuten wurden bei ihm 320 MByte an Daten von den Spotify-Clients auf das Systemlaufwerk geschrieben. Ein anderer Nutzer ließ Spotify über Nacht laufen und hat das Ganze im Prozess Explorer unter Windows ausgewertet. Es wurden über 50 GByte auf die SSD geschrieben.


(Quelle: Spotify-Forum)

Das Problem ging die Tage virulent und wurde auf diversen Webseiten diskutiert (siehe hier und hier, ich bin bisher nicht dazu gekommen, den Beitrag zu verfassen). Einem Kommentar bei ArsTechnica ist zu entnehmen, dass unnötige “compact”-Anweisungen an die benutzte SQLite-DB (siehe diesen SQLite-Beitrag).

Spotify schiebt ein Update auf Version 1.0.42 nach

Im Spotify-Forenthread gibt es hier den Hinweis von Greg111, dass das Problem bei der neuen Version 1.0.42 des Spotify-Clients für Windows wohl gefixt sei. Von einem Forenmoderator gibt es nur eine “halbgare” Verlautbarung. Gleiches gilt wohl auch für die Linux- und Mac OS-Clients. So, wie ich es verstanden habe, müssen Nutzer aber die neue Version des Clients manuell von der Spotify-Webseite herunterladen und aktualisieren. Nachtrag: Ein paar Informationen finden sich auch in diesem Golem-Artikel. So bringt das Update, laut einigen Nutzern, nur partielle Verbesserungen.

Nachtrag: Zwischenzeitlich hat sich heise.de des Themas angenommen und noch einige ergänzende Informationen veröffentlicht.


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14 Antworten zu Spotify, der SSD-Killer? Update soll Besserung bringen

  1. Tim sagt:

    „SSDs verkraften nur eine gewisse Anzahl an Schreib-/Lesevorgängen auf den einzelnen Speicherzellen, bevor diese ausfallen. “

    Hört sich ja schlimm an… können wir da bitte mal eine Beispielrechnung bekommen, die aufzeigt, was das im schlimmsten Fall bedeutet?

    Ah, ich hab schon was, danke:

    https://www.compuram.de/blog/die-lebensdauer-einer-ssd-wie-lange-haelt-sie-und-was-kann-ich-ihr-gutes-tun/

    Wenn die Elektronik der Dinger nicht immer sterben würde, würde ich froh sein, nur das „Problem“ der Schreib/ Lesevorgänge zu haben…

  2. Gibts dazu auch noch ein anderes Progrämmchen als SSD Life was mir die Lebensdauer von SSDs Anzeigt, M.2 SSDs werden wohl von SSD Life nicht unterstützt, zumindest wird meine SSD Toshiba RD-400 nicht erkannt.

  3. Rolf Dieter sagt:

    Bei uns läuft seit vier Jahren ein individuell zusammengestellter Supermicro Server mit vier SSD von Intel als VMware Maschine. Kackfrech wurde die Maschine als RAID 0 mit einem LSI Controller konfiguriert! (SSDs waren ja damals richtig teuer). Wir haben ja ein Image. :-) Es laufen dort ein halbes Dutzend VMs. Vom Domain bis zum Exchange Server. Bisher ohne erkennbare Probleme. Ein Neustart einer VM, z.B. Exchange mit ca. 30 GB EDB Datei startet in 10 Sekunden. Wir können nicht klagen. Da sind die normalen SAS Festplatten in der gleichen Zeit bei Kunden öfter ausgefallen.

  4. deo sagt:

    Meistens werden keine Vorzeige- oder Enterprise SSD bei Endnutzer laufen, die mehreren PBW (Petabyte) schreiben können , sondern die billigsten, die OEMs verbauen und was es sonst mit billigen NAND gibt. Bei einigen ist die Herstellergarantie schon bei unter 50 TBW angekommen. Wenn dann Spotify 1 TB pro Tag schreibt, ist die Herstellergarantie schon nach weniger als 2 Monaten abgelaufen und nicht nach 3 Jahren. Die 3 Jahre Herstellergarantie gelten nur, wenn die garantierten TBW des NANDs noch nicht überschritten sind. Spotify macht ihre nichtsahnende Nutzer zu Powerusern und für die sind die Consumer SSDs nicht vorgesehen.
    Bei dem Sachverhalt kann man davon sprechen, dass Spotify SSDs killen kann.
    Die kann auch wegen einem anderen Fehler kaputt gehen, aber wenn dann die garantierten TBW dank der Nutzung von Spotify schon überschritten sind, wird die Garantieleistung verweigert.

  5. Ich meine ich nutze ja kein Spotify ich mache einfach das Radio an ;) oder genieße einfach mal die Stille, Stille habe ich ja mit meinem Tinnitus ja auch nicht wirklich, also eher Weises Rauschen erinnert mich immer an den TV Sendeschluss den es ja nun auch nicht mehr gibt.

    Also Radio ist wirklich Phänomenal da werden Stücke gesendet die ich mir nie im leben auf meinen Zettel schreiben würde und dann gibts wieder Musik wo man sich echt zurücklehnen und mit pfeifen könnte was ich aber wegen meinem Gebiss nicht mehr kann ;)
    Sollte man echt mal wieder Probieren Radio zu hören, momentan Achtung *Schleichwerbung* höre ich RadioBob Rock bis zum abwinken.

  6. Holger K. sagt:

    Einmal unabhängig betrachtet vom SSD-Wearlevel als Konsequenz ist ineffiziente Programmierung, die zu unnötigen I/O-Vorgängen wie Schreib-Lesezugriffen auf Datenträgern führt, aufgrund der Tatsache, dass die Entwicklungszeiten immer kürzer werden sollen, Entwickler vielfach nicht genügend während ihrer Ausbildung in effizienter Programmierung geschult werden, ein Problem, dass sich nicht so schnell lösen lässt. So lange der Fokus auf möglichst geringer Time-to-Market liegt, wird es, fürchte ich, wohl dabei blieben, dass wir mit solchen Phänomenen zu kämpfen haben.

    Ich möchte nicht wissen, wieviel Terawatt Energie sich jährlich weltweit einsparen ließe, wenn bei der Entwicklung wieder mehr Sorgfalt, auf das was nach dem Kompilieren herauskommt, gelegt würde. Software würde performanter und stromsparender laufen, Hardware wie Netzteile, Datenträger oder andere empfindlichere Komponenten würde länger leben und damit den Geldbeutel und die Umwelt schonen.

  7. woodpeaker sagt:

    Meistens wird es nicht so heiß gegessen wie gekocht. :-)

    Hier mal belegbare Werte eines Dauertests verschiedener SSDs:

    http://www.hardwareluxx.de/index.php/artikel/hardware/storage/32186-haertetest-was-haelt-eine-ssd-aus.html

  8. Was unter Windows definitiv einer SSD hilft ist, nach dem Einbau die SSD nicht zu Partitionieren und das Betriebssystem auf die Herkömmliche Festplatte zu installieren dann hält die SSD auch ein leben lang.

    • woodpeaker sagt:

      Ich will dir zwar nicht zu nahe treten, aber was du da von dir gibst ist TOTALER Quatsch. Dann brauche ich auch keine SSD.

      • deo sagt:

        Er treibt die Angst vor der Abnutzung der SSD auf die Spitze.
        Einerseits ist es angesagt eine SSD zu haben, hat man dann allerdings ein, fangen die Sorgen an, sie sterbe vorzeitig. Bei einer Festplatte macht man sich solche Sorgen nicht.
        Da ist es aber genau das gleiche. Geht ein Datenträger kaputt, hat man ohne Datensicherung verloren. Verkehrt ist es nicht, wenn die Leute über die begrenzte Lebensdauer einer SSD angeregt werden, ihre Daten zu sichern.

      • Ihr habt die Ironie in seinem Beitrag nicht bemerkt. Ich habe hier auch eine Festplatte im Schrank. Solange ich die nicht in Betrieb nehme, gehen da auch keine Daten drauf verloren ;-).

        • woodpeaker sagt:

          Günter, dann muss man ihm mal erkären für was Smilies gedacht sind. Das seine Tastatur schon länger eine defekte Shift Taste hat, daran habe ich mich ja schon gewöhnt. ;-)

  9. Na das hätte doch jeder feststellen müssen das dies ein Troll Beitrag war, wobei das natürlich Sinn macht die wichtigsten Daten per Kopie auf einer Externen Festplatte zu sichern.
    Selbstverständlich benutze ich eine M.2 SSDs vor allem eine Schnelle

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