WinHEC: Windows 10 soll auf ARM-CPUs kommen

Microsoft hat gerade auf der WinHEC-Entwicklerkonferenz angekündigt, dass Windows 10 auch auf ARM-CPUs laufen soll. Zumindest bei mir wurden bei dieser Meldung ungute Erinnerungen an Windows RT wach. Hier einige Details, die ich aus den Ankündigungen deriviert habe.


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Aktuell findet die WinHEC Entwicklerkonferenz (Windows Hardware Engineering Community) in Shenzhen, China statt. Dort hat Microsoft in einer Keynote angekündigt, das es demnächst auch möglich sein soll, Windows 10 auf ARM-Chips von Qualcomm auszuführen.

Windows 10 on ARM
(Quelle: Microsoft)

Im Bereich Windows 10 Mobile ist das ja schon länger der Fall, aber diese Plattform dümpelt nur vor sich hin. Und es gab ja mal das Projekt Windows RT, welches auf ARM-Chips lief, aber nur Apps konnte. Die älteren Blog-Leser werden sich noch erinnern – jüngere Blog-Leser kennen Windows RT schon nicht mehr, das das Projekt und die Surface RT-Tablets mit Windows 10 den Gnadentod gestorben sind. Das meine ich mit unguten Erinnerungen.

Ich meine, es ist für einen Hersteller, wenn er denn so will, kein Problem, seine Betriebssysteme sowohl auf x86 als auf ARM CPUs zu bringen. Android macht das, Linux kann das, Windows IoT kann das, und einige Betriebssysteme mehr.

Microsoft hat nun bekannt gegeben, dass Windows 10, in Zusammenarbeit mit Qualcomm auf ARM-Plattformen komme. Nutzer sollen damit erstmals in der Lage sein, Windows mit Apps, Peripherie und Enterprise-Funktionen auf einem “mobilen, energieeffizienten, ständig eingeschalteten ‘cellular’ PC” zu nutzen …

Microsoft schreibt: Hardware partners will be able to build a range of new Qualcomm Snapdragon-powered Windows 10 PCs that run x86 Win32 and universal Windows apps, including Adobe Photoshop, Microsoft Office and popular Windows games.

Die Ankündigung findet sich hier im Microsoft-Blog und Microsoft hat auch das nachfolgende Video eingebunden.

(Quelle: YouTube)

Auf der Qualcomm-Plattform (zuerst ist wohl ein Qualcomm Snapdragon 835 geplant) sollen Win32-Anwendungen und auch Apps laufen. Ich bin da aber noch extrem vorsichtig, was wir da wirklich zu sehen bekommen. Es gab vor einiger Zeit ja das Gerücht über einen x86-Emulator für ARM von Microsoft. Möglicherweise begrenzt man die ARM-Geschichte auf UWP-Apps (man kann ja auch Win32-Anwendungen in Apps überführen). Aber möglicherweise ist es wirklich so, dass echte Win32-Anwendungen unter der ARM-Plattform ausgeführt werden können – im Video deutet sich so etwas an. Und man muss abwarten, was mit “mobile cellular” am Ende des Tages gemeint ist. Vielleicht sind es kleine Tablet PCs mit UTMS-/LTE-Anbindung, die für ARM als Konkurrenz zu Android positioniert werden sollen. Obwohl Microsoft da mit dem “Windows 10 Fußabdruck” in meinen Augen gegen Android nicht wirklich Chancen hat. Ist aber alles Spekulation meinerseits, denn es ist wie so oft, Microsoft kündigt was an, aber nichts genaues weiß man nicht. Ein Desktop-PC auf ARM-Basis unterm Schreibtisch sehe ich noch nicht. Oder wie schätzt ihr das ein?


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Nachtrag: Bei mspoweruser.com gibt es noch einen Artikel mit ergänzenden Informationen. Die Geräte sollen Gigabit LTE haben und Win32-Programme ausführen können. Weiterhin sollen diese Geräte eine eSIM (elektronische SIM-Karte) bekommen. Da wird es spannend, wie die Provider hierzulande reagieren und ob eine LTE-Unterstützung für Deutschland kommt. Also noch mehr Fragezeichen. Auch bei neowin.net stellt man sich die Frage, dass die WinHEC-Ankündigung keine Garantie sei, dass das neue Windows 10 für ARM wirklich ein “vollständiges Windows mit x86-App-Emulation” sei.

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8 Antworten zu WinHEC: Windows 10 soll auf ARM-CPUs kommen

  1. Ben sagt:

    Super, den verbreitet sich der Trojaner genannt “Windows 10” ja auch auf ARM-Systemen. :-/

    Apropos Viren: Da dann Windows-Programme ausgeführt werden können, braucht man dann für solche Geräte wohl eine AV-Lösung, die sicher viel Akkuleistung frisst…

    • Das kann man sehen wie man will, ich denke aber mal das ein aktualisiertes Windows 10 mit dem Defender immer noch sicherer ist als diverse OS die auf heutigen IoT Systemen installiert sind.

      • besonders wenn man an die Update – Politik bei Android etwa denkt, was ja eher Glückssache ist, je nach Gerät / Hersteller.

        Merkwürdig ist für mich, dass viele Anwender sehr streng bei Windows sind, aber bei Android z. B. scheinbar im Traumland leben

  2. Dieter Schmitz sagt:

    Für den Raspberry Pi gibt es ja bereits eine angepasste Windows 10-Version:

    Windows 10 IoT

    https://developer.microsoft.com/de-de/windows/iot/getstarted

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  4. Tim sagt:

    “Möglicherweise begrenzt man die ARM-Geschichte auf UWP-Apps”

    Wobei man sogar bei dieser begrenzenden Aussage vorsichtig sein sollte… selbst auf UWP portierte Spiele werden gern als UWP Apps bezeichnet, nur weil sie aus dem Store stammen und obwohl sie eben noch immer nicht Universell auf allen Geräten laufen können. Selbst mit Liebe und Spucke nicht…

    Was UWP nun alles einschließt und was nicht, unterliegt einer gewissen Willkür, genauso die Frage nach dem, was läuft denn nun wo wirklich.

  5. Tim sagt:

    “Ein Desktop-PC auf ARM-Basis unterm Schreibtisch sehe ich noch nicht. Oder wie schätzt ihr das ein?”

    Der Trend zeigt ja aber doch schon in die Richtung, das Aufgaben wie surfen oder Office mit mobilen Geräten möglich wird. Es ist ja sogar schon möglich und wird vermutlich in der Masse auch so kommen, das dahin spezialisierte Geräte den Kasten unterm Tisch ablösen. Den wollen immer weniger Menschen bei sich zu Hause stehen haben und wenn man ehrlich ist, sind heutige Notebooks durchaus schon vollwertiger Ersatz für den Tower PC. Sehr vielen anderen reicht sogar Tablet, oder Smartphone.

    Interessant dürfte diese Entwicklung wohl in Firmenumgebungen werden.
    Letztlich verschwindet so ein alter PC ja auch nicht ganz so schnell in einer Tasche…

    • Wieso nicht, wenn Microsoft das mit dem Speicherverbrauch unter Windows 10 Gebacken bekommt, könnte ich mir schon vorstellen einen Desktop-PC auf ARM-Basis unterm Schreibtisch stehen zu haben, nur kann ich mir nicht vorstellen das der dann steht, wohl aber das er unter der Tischplatte oder an der Rückseite des Monitors Klebt.
      Für Office und Internet sollte die Leistung eines Smartphones schon ausreichen, nicht das ich mir so etwas auf den Schreibtisch stellen oder damit Arbeiten wollte.

      Aber die Ersten Atom PCs waren auch nicht besser.

  6. Holger K. sagt:

    Mit RISC-Prozessor emuliert CISC-Prozessor habe ich schon damals ab 1998 mit Connectix Virtual PC auf Apple PowerMac Erfahrungen sammeln können. Da geht für die Emulation einiges an Rechenpower verloren. Damals gab es im Desktopbereich nur Singlecore-Prozessoren. Bei den heutigen Mehrkernern könnte solch eine Technik effizienter umsetzbar sein.

    Wie Microsoft so etwas technisch für die anvisierte Geräteklasse designt, ohne dass dadurch die Akkulaufzeit beim Ausführen von Win32-Anwendungen drastisch verkürzt wird, bleibt offen. Das Knowhow hätten sie, da Microsoft die Technik von Connectix gekauft und seitdem sicher weiterentwickelt hat.

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