Was kostet ein Chinese? Chinas Einwohner sind gläsern

Kleiner Informationssplitter zum Sonntag. China überwacht seine Bürger und mit diesen persönlichen Daten wird offenbar Kasse gemacht. Gegen Geld kann man wohl alle Informationen über chinesische Staatsbürger abrufen, die an allen möglichen Stellen gesammelt werden. Ein Blick über den Schüsselrand – was uns demnächst auch blühen könnte.


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Dass Big Brother in China zum Alltag gehört, ist ein offenes Geheimnis. Die Internetkommunikation, Telefonate und sogar der Datenverkehr von Apps wird für chinesische Bürger überwacht. Gut, wird so mancher einwerfen, was kümmert mich der Sack Reis, der in China umfällt.

Viele Facetten der Geschichte

Aber die Geschichte hat einige weitere Aspekte. Einmal kaufen wir ja viele chinesische Produkte (u.a. Smartphones und Gadgets), die aus genau diesem Überwachungsumfeld kommen. Könnte also die Technik zur Überwachung “ins Haus geholt werden”? Über Backdoors in China-Hardware hatte ich im Blog häufiger berichtet. Und stützen wir mit solchen Gerätekäufen die Überwachung in China? Fragen über Fragen.

Und noch was: Unsere Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, wirft ja die Frage auf, ob unsere bisherige “Datenschutzregelungen” nicht hinderlich seien und wir im Rahmen des Fortschritts so was über Bord werden sollten. Die Weichen werden politisch in diese Richtung gestellt.

Untersuchung, wie Informationstechnologie die Überwachung beeinflusst

Das Citizen Lab, eine Gruppe von Forschern an der University of Torontos Munk School of Global Affairs hat nun in einer Studie untersucht, wie Informationstechnologie die Überwachung von Menschen und die Menschenrechte weltweit beeinflusst. Dazu hat man diverse Apps, unter anderen die in China populäre App WeChat, untersucht und dort vielfältige Funktionen zur Zensur und zu Überwachung gefunden. Chinas Machthaber lagern quasi die Überwachung und Kontrolle an private Unternehmen aus – und das offenbar sehr erfolgreich.

Frag mal, was der Nachbar gestern gemacht hat

Zwischenzeitlich wird alles und jeder in China überwacht, und die anfallenden Daten landen bei diversen privaten und staatlichen Überwachern. Die machen offenbar Kasse mit diesen Daten.  In einem Artikel hat ein chinesisches Nachrichtenmagazin aufgedeckt, dass man für 700 Yuan (ca. 100 Euro) den Aufenthaltsort von Kollegen, Ehepartnern, Chefs etc. kaufen kann. Mit der Identifikationsnummer eines Kollegen konnten die Reporter detaillierte Informationen über dessen Hotelübernachtungen, Flüge, Zugfahrten, Ein-/Ausreisen etc. erfahren. Selbst Mietzahlungen oder Überweisungen waren einsehbar. Für einen kleines Extra-Bonus konnten die Reporter auch erfahren, wer mitgereist ist.

Die Details lassen sich in diesem Artikel nachlesen – quasi ein Vorgeschmack, was uns mit Vorratsdatenspeicherung und weiteren Überwachungsmaßnahmen, im Zusammenhang mit moderner Kommunikationstechnologie und dem Ansatz der Politik, den Datenschutz zu schleifen, droht. Nur mal angemerkt, speziell für die “ich habe nichts zu verbergen Fraktion”.

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6 Responses to Was kostet ein Chinese? Chinas Einwohner sind gläsern

  1. Rene sagt:

    Vorgeschmack?

    Das ist in Europa schon lange Gang und Gebe. Nur das nicht jedermann die Daten kaufen kann.

    Irgendein Politiker hatte doch mal von sich selbst die Daten angefordert, die man so über ihn hat.
    Es war wohl der absolute Horror. Jeder Schritt, jede Art der Kommunikation […] Einfach alles wurde fein säuberlich abgespeichert.

    China zeigt aber sehr schön, was wir hier im Westen alles nicht mitbekommen, weil die Datengeschäfte heimlicher abgehalten werden.

  2. Tim sagt:

    Es ist aber doch gar nicht nur China… warum schauen wir immer in alle Richtungen und sehen nichts? Stellen sie sich lieber mal vor was los wäre, wenn die Chinesen plötzlich nicht mehr mitspielen wollen…

    Können wir Überwachung bitte auch langsam mal streichen und von Kontrolle reden?

    Egal in welches Land man schaut ist das Muster gleich. Oben entscheiden welche, darunter Labern welche, dann kommen schon die die arbeiten und kaufen, aber bloß nicht denken oder reden sollen und unterhalb davon der traurige Rest. Mal schlimmer mal besser, aber grundsätzlich ist diese Pyramide das Lebensmodell der Menschen dieser Welt und die Spitze ändert sich manchmal etwas und versucht durch Kontrolle die Änderung zu verhindern… Pharao, Kaiser, König, Diktator oder Regierung… nen echten unterschied macht das kaum vom Ding her.

    Unsere Kanzlerin sagte auch schon mal: “Deutschland geht es gut” nur was bedeutet das? Satt, nen Dach übern Kopf, Smartphone, Internet und gut?
    Ist Leben in Deutschland in allen Bereichen auch Lebenswert?
    Nur weil es schlechter geht, heißt es nicht, das es nicht auch besser ginge…

    Wann immer über Preise von Menschen geredet, geschrieben wird, wird mir schlecht! Das wir Menschen bös viele geworden sind, lässt sich aber nicht abstreiten…

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  4. Andreas B. sagt:

    Ist nur ‘ne Fußnote: Die Gesundheitsdaten von ganz Island gibt’s als Datenbank (natürlich für med. Forschungszwecke!) schon seit längerem. – Da wird’s dann richtig gruselig … und (klaro) alles für den guten Zweck.

  5. Andreas B. sagt:

    Was die Privatsphäre betrifft ist es für (Festlands-)Chinesen nicht wirklich neu. – Ich erinnere mich an manche komischen kulturellen Missverständnisse und Besonderheiten, die Michael Kahn-Ackermann schon 1979 in seinem (noch heute aus historischen Gründen lesenswerten) Büchlein China – Drinnen vor der Tür: Erfahrungen mit dem chinesischen Alltag beschrieb. (Damals waren es noch die allwissenden/allzuständigen Blockwarte Orts-/Brigadegruppenleiter.) Heute läuft das unter den Vorzeichen des Turbokapitalismus und einer (“marktkonformen”!? – wer sprach denn bei uns mal davon?) Regierung im Prinzip ähnlich so weiter.

  6. Andreas B. sagt:

    Eine Barriere in Deutschland ist (noch) der Bargeldverkehr. Da fallen zu wenig personenbezogene Daten an. Das ist ja schon in Arbeit …
    Übrigens hatte ich bei diesem nun schon 5 Jahre alten Artikel von heise ein richtiges Ahaerlebnis Studie: Was soziale Netzwerke über Nicht-Mitglieder wissen. – Ja, richtig gelesen: Nicht-Mitglieder! Selbst individuelle Datensparsamkeit hilft schon lange nichts mehr, denn jeder hat in seinem Bekanntenkreis mindestens einen (ansonsten netten) Menschen, der mit seinen Daten herumspratzt. Das ergibt die Knotenpunkte (samt Umfeld) in einem dann flächendeckenden Netz. Und daraus läßt sich dann mit einiger Wahrscheinlichkeit ermitteln, wie andere Personen dieser jeweiligen Umfelder (auch über mehrere Knoten) zusammenhängen. (Die Studie ist dort verlinkt, übersteigt aber meine mathematischen Fähigkeiten.)
    Datensparsamen können auch seltsame Dinge passieren. – Wilde Geschichten über Wirtschaftsauskunfteien wie Arvato, die mit “betriebsgeheimen” Formeln beliebige Rankings schlicht erfinden für Personen, über die es gar keine Daten gibt, schafften es schon öfters ins TV. (Warum die dann nicht wegen übler Nachrede belangt werden können, entzieht sich meiner Kenntnis. – Die Lobby spendet wohl reichlich.)

    • Andreas B. sagt:

      In meinem Fall hat die Sache mit dem Freundefinder damals alte Bekanntschaften, die mir lieb sind, eine Zeit lang etwas getrübt. Es gab via fb Mails (von denen sie gar nichts wussten) unter deren Namen(!), dass sie mich zu Facebook einlüden … und sie verstanden natürlich überhaupt nicht, worum es ging und wie das käme.
      Gut, das ist eine alte Sache, aber ich wollte es hier mal als anschauliches Beispiel bringen, dass das Thema Datenschutz schon längst nicht mehr nur aus der individuellen, egozentrischen Verhaltens-Perspektive gesehen werden muss! (Reflexartige Kommentare, dass man für sich selbst alles schlau und richtig macht, weil man sich auskennt, gibt es ja sofort.) Nur leider ist die Entwicklung schon viel weiter. Und das hinterlässt ein ungutes ohnmächtiges Gefühl.

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