Connected-Car: Überwachung seit 15 Jahren gang und gäbe

Connected Car ist ja ein Stichwort, welches momentan in der Autoindustrie (abseits der Abgasthematik) in Diskussion ist. Auch Car-Entertainmentsysteme mit Sprachbedienung sind der neueste Schrei. Wie sich jetzt herausstellt, nutzen US-Strafverfolger seit 15 Jahren Telemetriedaten und Spracherfassung zur Überwachung von Personen. Ergänzung: Und das Tesla Modell S scheint im “keyless driver”-Modus auszufallen, wenn keine Mobilfunkverbindung vorhanden ist.


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Gelegentlich gibt es hier ja Blog-Beiträge, wo ich vor Telemetriedatenerfassung und Sprachassistenten warne. Da gab es kürzlich den im Blog-Beitrag IoT-Datenschutz: Polizei will Amazon Echo-Daten beschriebenen Fall, wo die Polizei an Amazon Echo-Daten heran wollte. Oder Verbraucherschützer warnen vor intelligenten Geräten mit Sprachbedienung als perfektes Überwachungsinstrument. Als ich den Beitrag Krass: Amazon Alexa bestellt tausende Puppenhäuser hier publizierte, kam der Kommentar, dass da ja eine Bestätigung erforderlich sei und man die Bestellgeschichte deaktivieren solle. Warnungen vor Cortana in Windows 10 werden als “Aluhut” und Apple/Google machen das doch auch abgetan.

Welche Laus sich die Leute in den Pelz setzen und dass die Geschichte jetzt eine Eigendynamik bekommt, wo alles in Sachen “stoppt die Überwachung im eigenen Bereich” ans Rutschen kommt, zeigt die Autoindustrie. Irgendwann kriegst Du kein Auto mehr ohne Telemetriedatenerfassung und Sprachsteuerung. Und die Folgen? Du wirst gläsern. Ich erinnere an diesen heise.de-Artikel (von 2012) zu den Wünschen der deutschen Polizei und diesen Welt-Artikel aus 2013 zur Datenerfassung im Auto. Und bei netzpolitik.org gab es im Sommer diesen Beitrag, mit dem Inhalt, dass BMW die Bewegungsdaten eines CarSharing-Fahrzeugs an ein Gericht zur Auswertung weitergegeben hat.

Strafverfolger nutzen GPS-Daten und Spracherfassung

Forbes.com kommt aktuell mit dem Artikel Cartapping: How Feds Have Spied On Connected Cars For 15 Years an die Öffentlichkeit, die ein Licht auf diese Thematik wirft. In US-Fahrzeugen gibt es wohl ein SiriusXM-System, welches Satellitenkommunikation und Telematikdaten (Fahrzeugdaten) erfasst. Bei der Opel-Mutter GM gibt es das OnStar-System zur Erfassung von Fahrzeugdaten. Auch andere Hersteller wie BMW etc. haben Systeme zur Datenerfassung an Bord.

Aus Gerichtsunterlagen geht jetzt hervor, dass die US-Strafverfolger seit 15 Jahren regulär auf die Bewegungsdaten und teilweise auf die Spracherfassung von solchen Systemen zugreifen. Es gibt dann einen Gerichtsbeschluss, dass die Provider die Überwachung ermöglichen müssen – und schon haben die Ermittler das Fahrzeug im Visier. Die in US-Filmen immer gerne kolportierte Szene, dass der Aufenthaltsort eines Verdächtigen per Satellitenbild auf einem Monitor aufblinkt, ist möglicherweise noch nicht möglich – aber Positionsbestimmung und mithören von Gesprochenem scheint Stand der Technik zu sein.

Tesla bleibt bei fehlender Mobilfunkverbindung liegen

Wie weit die Telemetriedatenerfassung bereits von Mobilfunkverbindungen abhängt, lässt sich an einem weiteren Fall erkennen (der aber nichts mit der obigen Überwachung zu tun hat). Bei Tesla-Fahrzeugen gibt es einen “keyless driving”-Modus, wo die Leute keinen Schlüssel mehr benötigen. Stattdessen wird beim Tesla Modell S eine Smartphone-App verwendet, um das Fahrzeug zu entsperren und die Zündung freizuschalten.

Ein Technik-Enthusiast wollte das in den USA mal so richtig testen. Also setze er sich mit seinem Smartphone in das Fahrzeug und fuhr los, zu einer kurzen Spritztour in die Wüste. Nachdem er wendete, um wieder nach Hause zu fahren, stellte er den Motor kurz ab, um nach seinen Hunden, die im Auto waren, zu sehen. Kein wirkliches Problem?

Doof war, dass wohl an seinem Standort kein Mobilfunkempfang möglich war. Sein Smartphone war daher nicht mehr in der Lage, das Fahrzeug zu entriegeln und zu starten. Hintergrund ist, dass die Smartphone-App zwingend eine Verbindung zu Tesla benötigt, um den “keyless driving”-Modus zu nutzen. 

Stranded 6 miles from home, 2 miles from cell service; our Saturday morning. The thought was to go for a quick drive to take some photos of the freshly-fallen mountain snow. Having only my phone in my pocket, I unlocked and started the car with it, and we left. 6 miles down the road we decided to turn back, but before that, had to adjust Mozy & Millie’s car bed, so I exited the vehicle…bad idea. Need to restart the car now, but, with no cell service, my phone can’t connect to the car to unlock it. Even with cell service, the car would also need cell service to receive the signal to unlock. @amymnegri, the hero she is, started running to reach cell service height. After about 2 miles she reached signal and called a friend for a ride to the house to grab the key fob. The key that will always be with me (now) when I drive that car.

A photo posted by Ryan Negri (@ryannegri) on


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Der Pechvogel hat seine Geschichte auf Instagram veröffentlicht – neowin.net hat es hier aufgegriffen. Gut, immer einen Schlüssel bei sich zu haben. Der Fall zeigt erneut, in welcher Filterblase so einige Entwickler im Silicon Valley bzw. in den USA leben. Oder wie seht ihr das?


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8 Responses to Connected-Car: Überwachung seit 15 Jahren gang und gäbe

  1. Thorky sagt:

    Nach dieser Erkenntnis wird es sicherlich einen Run auf Autos geben, die 20 Jahre und älter sind – es lebe hoch der Vintage-Gebrauchtwagenmarkt! ;) :)

    • Thomas Bauer sagt:

      Wir müssen allesamt umdenken und dringend weg von bequemer und noch bequemer. Die Bequemlichkeit und der Komfort wird von der Industrie mit deinen Daten und einer Cloud verbunden. Die Zeiten sind vorbei wo man seine Motorhaube aufmacht und nur einen Motor und ein paar weitere Teile sieht. Bequemlichkeit hat eben ihren Preis und der kommt dich als gläserner Bürger teuer zu stehen. Leider bin ich auch diesen Wahn verfallen und aktiviere alle Funktionen weil ich den Kram liebe.

  2. keyuser sagt:

    Wenn ich beim Einzelhändler um die Ecke einkaufen gehe, dann suche ich mir meine Produkte aus und gehe an die Kasse zum Bezahlen. Der erstellt kein Bewegungsprofil von mir und will auch keinen Fingerabdruck, oder eine Spracherkennung. Nur weil ich ein Produkt Online bestelle, soll das plötzlich alles erforderlich sein? Diese „Notwendigkeit“ hat sich mir bisher noch nicht erschlossen.

    Auch ein Onlinehändler braucht im Prinzip nur eine Lieferadresse, eine Bankverbindung und ggf. noch mein Geburtsdatum. Das sollte ausreichen um eine Geschäft abzuwickeln.

    Ich frage mich bei dieser ganzen Entwicklung, wo die Selbstbestimmung bleibt? Wenn ich mich zum Beispiel dazu entscheide kein Smartphone zu nutzen, dann kann ich also irgendwann kein Auto mehr fahren?

    Ich habe mich zum Beispiel ganz bewusst dazu entschieden nicht die sogenannten „sozialen“ Medien zu nutzen, weil mir reale Freunde lieber sind, als Virtuelle. Uns reicht ein Telefonat, um den nächsten gemeinsamen Treffpunkt zu vereinbaren.
    Nutzt man diese Medien also nicht, dann ist man bei vielen Firmen bereits außen vor. Du hast Fragen zu unserem Produkt, dann nutze bitte unseren Facebook, Twitter usw. Kanal. Bei vielen Onlinehändlern sieht man halt nur noch die bekannten Logos, wenn es um das Thema Feedback geht. Bist du nicht bei diesen Medien aktiv, dann ist die Feedback-Tür zu. Bleibt nur zu hoffen, dass es den Händler um die Ecke noch lange gibt.

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  4. Dieter Schmitz sagt:

    1. Der war ja gerade einmal 9,7 km von seiner Wohnung entfernt… Und da ist bereits Wüste ohne Handy-Empfang? Staun.

    2. Sie haben vollkommen recht. Die Spinner sind die, die hier immer schwärmen, wie toll Windows 10 ist und dass jemand, der nichts zu verbergen hat, nichts befürchten muss.

  5. 44Fove sagt:

    Hinweise der Politik, dass der Verzicht auf Datenschutzaspekte dem „Kampf gegen den Terror“ dienen, erweisen sich als leere Worthülsen. Auch die Forderung, das Bargeld abzuschaffen und lediglich auf elektronischem Weg zu bezahlen, passt ins Bild. Und der Hinweis vieler Zeitgenossen, “man habe doch nichts zu verbergen”, ist nicht wirklich hilfreich und zielführend. Allerdings bin ich skeptisch, dass dieser Trend der Aushöhlung des Datenschutzes aufzuhalten ist. Wie bereits oben erwähnt, wird z.B. die intensive Nutzung von sozialen Netzwerken durch die Werbung, Wirtschaft und Industrie stark gefördert bzw. gefordert.

  6. Tja wer am Arsch der Welt wohnt, hat entweder Glück dem ganzen zu entkommen oder eben Pech wenn die Autoelektronik einen nicht mehr als Eigentümer erkennt.

    Tja wenn das alles immer so einfach wäre, die Consents Industrie ist eben so aufgebaut das wir immer und überall erreichbar sein sollten, das der Einzelhändler um die Ecke dich per Facebook App her kennt und deine Vorlieben vor dem Einkauf eben schon genau weiß um dir ein Angebot zu machen welches du nicht Abschlagen kannst.
    Ob man da mit macht oder nicht, bleibt dir schon fast nicht mehr selbst überlassen.
    Ich verzichte auch schon auf so vieles, nicht deshalb weil ich es mir nicht leisten könnte, sondern weil es mich einfach nicht interessiert oder weil es mir zu blöd ist.
    Thema Soziale Medien, hat mich mal interessiert weils ja so einfach ist sich mit anderen zu treffen auch den Leuten die ich nicht Täglich auf der Arbeit oder auf dem Weg begegne, ist ganz Praktisch.
    Aber da, diverse Soziale Medien sich nicht nur an Hand der Werbung Finanzieren, muss ich leider nein sagen das kann und wird die Zukunft nicht für mich sein.
    Telemetrie und Metadaten, tja wir sind mittlerweile an einen Punkt gelangt wo Telemetrie und Metadaten wichtiger sind als das was uns ausmacht, eigenständige Persönlichkeiten sind nicht mehr gefragt, sondern wo habe ich was und wann gekauft, das lässt sich natürlich auch nicht mit Bargeld zurückverfolgen somit macht Bargeld auch keinen Sinn für Wirtschaft und Handel, bei bargeldlosen Bezahlen lässt sich herausstellen woher das Geld kommt und wohin es hingeht.

  7. Thomas Bauer sagt:

    H. Born ich lese täglich ihren Blog und sie haben Recht. Recht mit ihren Ansichten und Darstellungen und ich begrüße ihre Ansichten da die Entwicklung sehr negativ für den Einzelnen verläuft. Was mir fehlt ist die alternative Darstellung. Was soll ich nach Windows 7 installieren? Linux? Auf Wunder warten? Nutzt es überhaupt etwas auf alle Komfortfunktionen zu verzichten? Werden nicht trotzdem elementare Daten gespeichert? Ich empfinde es als gute Idee vielleicht einen Workshop im Blog zu erstellen der den Betroffenen nicht nur Fakten an den Kopf wirft sondern konkrete Hilfen bietet. Selbst wenn man bei Windows 7 bleibt so ist doch für den Einzelnen kaum zu überblicken welche Updates noch installiert werden können.

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  9. Thürk Maschke sagt:

    “Irgendwann kriegst Du kein Auto mehr ohne Telemetriedatenerfassung und Sprachsteuerung.”

    MoinMoin:

    Mögen die Daten-Flüsse sich bis in den Himmel türmen und die Megafluten sie fortreißen und ersäufen. Howgh!

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