Erste Impressionen von Windows 10 Cloud

[English]Microsoft entwickelt intern wohl eine neue Windows 10 SKU mit dem Namen “Windows 10 Cloud”. Ich hatte die Gelegenheit, auf eine frühe Version dieser SKU zuzugreifen und ein wenig zu probieren.


Anzeige

Erste Informationen zu Windows 10 Cloud

Die ersten Informationen zu “Windows 10 Cloud” kamen erst vor ein paar Tagen auf, als Brad Sams auf petri.com ein paar Informationen aus seinen Quellen streute. Später publizierte Mary Foley einen Artikel bei ZDNet.com, der einige Präzisierungen und Details enthielt. Windows Cloud soll ein Windows 10 Plattform werden, auf der ausschließlich Unified Windows Platform (UWP) Apps aus dem Windows Store ausführbar sind.

Dann wurden erste “Spuren” der Windows 10 Cloud SKUs in der Windows 10 Insider Preview Build 15002 gefunden. Ich hatte das im Blog-Beitrag Windows 10 Cloud – Windows RT reloaded? thematisiert. Bisher gibt es aber keine Ankündigung zu dieser SKU von Microsoft.

Erste Eindrücke von einer führen Windows 10 Cloud Build

Ich hatte Gelegenheit, auf eine Windows 10 Cloud SKU zuzugreifen (wie WindowsBlogItalia oder die bloggenden Kollegen bei deskmodder.de). Die getestete SKU meldet sich zwar als “Windows 10 Pro”, intern handelt es sich aber um Windows 10 Cloud (64 Bit Version).

Windows 10 Cloud start menu

Das Setup verläuft wie gewohnt, aber Cortana drängelt sich quäkend dazwischen, um durch die Einrichtung zu führen. Ich habe dann den Ton abgedreht, um Ruhe zu haben. Man kann die Express-Einstellungen anpassen und schon wird man zum normalen Windows 10 Desktop gelangen. Der unterscheidet sich nicht von einem Windows 10 Desktop. Nach einer frischen Installation wird das Startmenü noch viele leere Kacheln mit einem Download-Pfeil aufweisen. Windows Cloud ist dann noch mit dem Download der Apps aus dem Windows Store beschäftigt.

Updating apps from store (Windows Cloud)

Der obige Screenshot zeigt die Download-Seite des Windows Store, wo einige Downloads laufen. Andere Downloads stehen an, den VLC Player hatte ich manuell aus dem Store zum Download angewählt. Auf einem frisch installierten System stehen auch Desktop Apps wie Notepad, WordPad, Paint, Explorer und der Internet Explorer zur Verfügung.


Werbung

Windows 10 Cloud desktop apps

Den Registrierungseditor regedit.exe, der mit Windows ausgeliefert wird, konnte ich nicht ausführen. Windows Cloud zeigte nur den Hinweis, dass das Programm nicht für diese Plattform entworfen wurde.

Windows Cloud kommt mit den aus Windows 10 bekannten Apps wie Fotos, Mail, Edge, Kamera, Store, Maps, sowie Apps für Facebook, Twitter etc. Auch OneNote und eine Kachel Get Office (Beta) sind vorhanden. Allerdings will Get Office (Beta) nicht, es erscheint ein Hinweis, dass die App nicht gestartet werden kann, weil nur Store Apps laufen.

App error

Es poppten auch häufiger Benachrichtigungen auf, die Probleme mit den Standardeinstellungen für Apps meldete (siehe obiger Screenshot). Mein Test mit dem Download des Google Chrome Installers im Internet Explorer brachte das kürzlich angekündigte Windows Defender Security Center zur Anzeige (der Download war beschädigt).

Defender Security Center

Der Versuch, Google Chrome portable im Edge herunterzuladen klappte zwar. Aber bei der Ausführung des Programms gab es folgende Meldung.

No Win32 apps

Windows Cloud blockiert Win32 (Desktop) Apps, obwohl das Betriebssystem auf x86-Maschinen läuft und einige Win32 Apps (WordPad) in Windows Cloud mitgeliefert werden. Das hängt mit dem von Microsoft eingeführten Sicherheitskonzept zusammen, Drittanbieter Win32 (Desktop) Apps zum Geräteschutz zu blockieren.

Store apps

Win32 Apps werden blockiert

Aber es ist möglich, UWP apps (Universal Windows Platform) aus dem Windows Store herunterzuladen und zu installieren. Die Kacheln für die Standard-Apps (Fotos, Kamera, People, Nachrichten, Maps etc.) im Startmenü werden auf diesem Weg mit Apps versorgt.

Ich wollte natürlich besonders schlau sein und Win32 Apps die in Centennial Apps konvertiert waren, aus dem Store laden. Der Open Live Writer ist eine dieser Apps. Aber Windows Cloud blockt diese App (siehe den obigen Screenshot). Dort wird man informiert, dass ‘This version of Windows was made to help protect you and your device by exclusively running Windows Store apps.’

Abschließende Hinweise

Ich habe eine frühe Build von Windows 10 Cloud in den Fingern gehabt – aber man erkennt, wo Microsoft hin will. Es wird eine Art Windows RT 10 – welches die Oberfläche von Windows 10 verwendet, aber auf Windows Store UWP Apps und Desktop Apps von Microsoft beschränkt ist. Windows 10 Cloud läuft aktuell auf x86 CPUs, dürfte aber auch für ARM verfügbar gemacht werden.

Ergänzung: Da die Frage nach dem Fußabdruck dieser “abgespeckten” Windows 10-Version kam, noch eine Ergänzung. Beim Schreiben des Artikels hatte ich bereits zwei Sätze zum “fetten Fußabdruck” (Footprint) von Windows Cloud im Vergleich mit Chrome OS im Hinterkopf, hatte die aber wieder rausgeworfen. Hier mal ein paar nackte Zahlen.

Da wird wohl klar, welche Welten dazwischen liegen. Bei Cromebooks, die mit 32 oder 64 GByte SSD kommen, hat man Speicherkapazität satt, bei Windows 10 Cloud wird man meinem Gefühl nach – speziell bei Feature Upgrades – schnell an die Grenzen stoßen (siehe Blog-Beitrag Windows 10 und seine ‘Hardware-Hypotheken’).

Es wird wohl gelegentlich auch der Vergleich mit Windows 8.1 with Bing gezogen, welches auf Low Cost-Hardware ausgeliefert wurde. Ich denke aber, dass das es nicht trifft. Unter Windows 8.1 with Bing konnte man Win32-Anwendungen ausführen, was mit #WindowsCloud nicht mehr geht. Der Ärger mit Windows 8.1 with Bing kam auf, weil die Leute nicht vernünftig damit arbeiten und auf Windows 10 aufrüsten konnten. Ständig stieß man auf Hardware-Limits (Stichwort: zu kleiner Festplattenspeicher) oder die Leistung lag im Keller. Bezüglich der letztgenannten Punkte, so fürchte ich, wird Windows 10 Cloud mithalten – mag mich aber täuschen.

Die Vermutung ist, dass Windows 10 Cloud für Low Cost-Systeme als Konkurrenz zu Googles Chromebook mit Chrome OS positioniert wird. Aber ich bin mir nicht sicher, ob wir so ein System in Europa oder in den USA sehen werden. Das Projekt Intune for Education als Chromebook-Killer weist wiederum in diesem Richtung (siehe Windows 10 Intune for Education als Chromebook-Killer?).

Generell stellt sich die Frage nach den Marktchancen. Windows RT ist ja ziemlich kläglich gescheitert. Warum soll ich mir ein kastriertes Windows 10 Cloud OS holen, wenn ich ein volles Windows 10 haben kann, welches Windows 10 und Win32 Desktop Apps ausführen kann? Andererseits: Wenn ich schon ein Low Cost-System haben will, könnte ich zu einem Chromebook greifen, welches die Hardware sparsamer nutzt. Warten wir ab, was aus dem Thema wird – denn noch hat Microsoft nichts angekündigt und wir bewegen uns im spekulativen Nebel.

Die Build der Windows 10 Cloud wurde durch @adguard geleaked. Ich rate aber von einer Installation auf realen Maschinen ab, da die Quelle unbekannt ist.

Ähnliche Artikel:
Windows 10 Cloud – Windows RT reloaded?
Windows 10: Build 15019: Edge-Probleme, Windows 10 Cloud, Treiber-Updates
32/64-Bit-ISO von Windows 10 Build 15025 verfügbar
Windows 10 Intune for Education als Chromebook-Killer?


Anzeige
Dieser Beitrag wurde unter Windows 10 abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Responses to Erste Impressionen von Windows 10 Cloud

  1. Die Idee ist nicht gerade alt schon vor zwei Jahren gabs darüber in einem Artikel bei ZDnet.de mit den wildesten Spekulationen, auch kann man das was Microsoft nun damit vorhat nicht im geringsten mit der Windows 8 mit Bing Version vergleichen.

    Eine Frage hätte ich jedoch spiegelt sich diese Abgespeckte Win10 Version irgendwie in der Größe wieder?

    • Günter Born sagt:

      Ich habe noch was im obigen Text zu Windows 8.1 w Bing und dem Footprint nachgetragen. War sogar schon im im Artikel, hatte aber eine Fehlinterpretation, dass Chrome OS bei 9,7 GByte Speicherbedarf läge (war der freie Speicher auf einer 16 GB SSD) – so dass ich den Text wieder rausgeworfen habe.

      Die obigen Zahlen zeigen, dass da nicht wirklich viel eingespart wurde (gut, ist noch eine Alpha). Meine Erfahrungen zeigt, dass die von UWP Apps benötigten Speichergrößen (im Vergleich zu Android, iOS oder Chrome OS) recht heftig ausfallen. Die Office-Apps habe ich daher in Android, Windows und iOS gekickt (in den durch eine Word App belegten Speicher konnte ich ein komplettes Office von einem anderen Anbieter ablegen und habe immer noch was gespart). SSDs werden zwar günstiger, aber es zeigt, dass Microsoft sich enorm anstrengen muss, um halbwegs mit Chromebooks mitzusegeln.

  2. Al CiD sagt:

    … bei den Einschränkungen und trotzdem hohen Resourcenverbrauch ist diese Version auf dem gleichen Ast wie WindowsPhone …

    Möge man doch bei MS endlich anfangen, den Speckgürtel von Windows abzubauen und, ganz wichtig, das OS zu stabilisieren, dann könnte es vielleicht mal wieder was werden…

    Der in den letzten Jahren eingeschlagene Weg ist definitiv der falsche, vollkommen am Benutzer vorbei.

  3. Werbung

  4. Tim sagt:

    “Möge man doch bei MS endlich anfangen, den Speckgürtel von Windows abzubauen”

    das hat man mit Windows 8 mal angekündigt, zum Teil in die Tat umgesetzt und stolz erzählt… daraus geworden ist jetzt Windows 10 und ein Feature Ballast Feuerwerk…

  5. Michael Uhlenbruck sagt:

    ich denke, das die Marktchancen im Industriellen Bereich und im Öffentlichem Sektor (Stadtverwaltungen, Arbeitsagentur ecetera) liegen.

    Grund: Diese Unternehmen haben die nötige Infrastruktur (schnelle Internetanbindung, Serverbasierte Systeme mit genügend Speicherplatz, Nur Clients notwendig um Daten und Schriftstücke nutzen zu können). Der Große Vorteil dieser Clientsoftware gegenüber Chrome ist, das der IE 11 mit an Board ist und Microsoft wahrscheinlich auch seine OFFICE-Pakete an das System anpasst. Damit wäre der Grundstock gelegt.

Schreibe einen Kommentar zu Tim Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.