Tim Sweeney: Windows 10 Cloud ist Ransomware

[English]Microsoft hat bisher ‘Windows Cloud’ (aka Windows 10 Cloud) noch nicht einmal angekündigt. Aber Epic Games Mitgründer Tim Sweeney attackiert Windows 10 und speziell Windows 10 Cloud als “Ransomware”. Und so ganz falsch scheinen seine Argumente, bei Licht betrachtet, wohl nicht.


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Was ist Windows Cloud?

‘Windows Cloud’ (aka Windows 10 Cloud) ist bisher noch nicht einmal durch Microsoft als Produkt angekündigt – im vorigen Jahrtausend wäre das unter Vaporware gesegelt und nicht ernst genommen worden. Nneuerdings spekulieren wir ja alle über ungelegte Eier.

Die Gerüchteküche besagt, Windows 10 Cloud (oder kurz Windows Cloud) ist Microsofts Antwort auf die Google Chromebooks. Eine reduzierte Ausgabe von Windows 10 auf “Billig-Hardware”, die nur Microsoft Universal Windows Platform (UWP) Apps aus dem Windows Store ausführen kann. Ein paar Einblicke hatte ich, an Hand einer frühen Build, im Artikel Erste Impressionen von Windows 10 Cloud gegeben.

Das Problem mit den UWP Apps

Das Kürzel UWP steht für Universal Windows Platform, Microsofts Ansatz, Apps für verschiedene Windows 10 Geräte (Desktop, Mobile, Xbox) zu vereinheitlichen. UWP Apps sind ausschließlich über den von Microsoft betriebenen Windows Store erhältlich.

Und es gibt ein zweites Projekt von Microsoft: Die Desktop Brigde Centennial, mit dem Entwickler ihre Win32-Desktop-Anwendungen in Apps konvertieren und in den Windows Store einstellen können. Auch Microsoft hat begonnen, seine Win32-Desktop Apps wie WordPad, XPS Viewer etc. in Apps zu konvertieren und in den Windows Store einzustellen (siehe).

Das führt, sofern die Strategie aufgeht, zu einer Monopolisierung beim Vertrieb von Windows-Anwendungsprogrammen. Entwickler wären dann beim Vertrieb auf den Windows Store und die Gnade Microsofts hinsichtlich der Aufnahme ihrer Software angewiesen. Microsoft wäre künftig der Türsteher, der entscheidet, ob Nutzer eine Software bekommen oder nicht. Alles, was Microsoft Konkurrenz macht, wird dann geblockt – eine erschreckende Vorstellung – mit “Windows Cloud” wäre das real. Und Apple hat ja schon mehrfach bewiesen, wie man so was macht und Entwicklern die Konten für das Erstellen von Apps sperrt oder Apps aus dem Store wirft. Auch Microsoft ist mir da schon diesbezüglich aufgefallen.

Tim Sweeney warnt seit längerem vor dieser Strategie

Tim Sweeney hatte bereits vor Monaten vor der Strategie Microsofts gewarnt, Entwickler mit “Sirenenklängen” zum Vertrieb von Apps per Windows Store zu locken. Er hat Microsofts UWP Ansatz vor Monaten schon mal als ‘walled garden’ bezeichnet (iehe meinen Artikel Windows 10 Cloud: Killer für Steam Edition? sowie die Beiträge bei neowin.net und im The Guardian). In den verlinkten Artikeln wurde Sweeney folgendermaßen zitiert:

The specific problem here is that Microsoft’s shiny new “Universal Windows Platform” is locked down, and by default it’s impossible to download UWP apps from the websites of publishers and developers, to install them, update them, and conduct commerce in them outside of the Windows Store.

Eine Position, die ich nicht wirklich als falsch bezeichnen würde. Und mit dem kolportierten “Windows Cloud” würde Microsoft die Nutzer wirklich auf UWP Apps, ausschließlich aus dem Windows Store beziehbar, festnageln. In einer Reihe von Tweets warnt Sweeney jetzt vor der “Windows Cloud” und bezeichnet diese als Ransomware.


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Würde ich auch nicht gänzlich als falsch interpretieren. Die Benutzer wären mit Windows Cloud auf Store Apps festgenagelt. Windows-Anwendungen wie Firefox, Thunderbird, Google Chrome etc. ließen sich dann nicht mehr ausführen.

Auch Win32-Apps, die mit Centennial konvertiert und in den Windows Store eingestellt wurden, könnten von der Windows 10 Cloud ausgesperrt bleiben (bzw. Microsoft behält sich vor, wessen Apps ausführbar sind). Ein “Aussperren” des Benutzers, welches von von Ransomware kennt. Microsoft-Kritiker und Kryptologe Rüdiger Weiß bezeichnet Windows 10 daher auch schon mal als Botnetz (Warnung vor “Botnetz” Windows 10 …). Bei Interesse, die Leute von neowin.net haben hier einige Statements von Tim Sweeney zusammen getragen. Was denkt ihr über die Position von Tim Sweeney und die Risiken, die von Microsofts UWP-Ansatz ausgehen?

Anmerkung: Die erste Fassung dieses Artikels war mir in der englischen Fassung rausgeschlüpft. Habe dass dann schrittweise überarbeitet – alles ist nun korrigiert – ich werde alt (wobei meine Frau da doppeldeutig ‘hoffentlich’ anmerkt).

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20 Antworten zu Tim Sweeney: Windows 10 Cloud ist Ransomware


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  2. Dieter Schmitz sagt:

    Ganz egal, was Microsoft macht, die Nutzer werden jubeln…

    Für Firmen ist das irrelevant, so dass auch der Widerstand gering ausfallen wird.

  3. Robert Richter sagt:

    In der Vergleichstabelle auf https://developer.microsoft.com/de-de/windows/bridges/desktop steht bei UWP: “Modernisierte Benutzeroberfläche”

    Der war gut, hab vor Lachen fast meinen Morgen-Kaffee über mich verschüttet.

    • Günter Born sagt:

      Hab das auch am Rande wahrgenommen. Hier dümpelt seit Wochen die Idee für einen Blog-Beitrag, wo ich mal unter den Teppich schauen will. Habe es aber noch nicht gebacken bekommen.

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  5. Thorky sagt:

    Der Artikel ist leider voller Deutschfehler. Wurde er nicht Korrektur gelesen?

    • Günter Born sagt:

      Ich lese (ganz im Sinne von Karl Valentin) niemals nie Korrektur – alles wird am lebenden Objekt zelebriert ;-).

    • Holger K. sagt:

      Korrekturlesen der eigenen Ergüsse kann man nur andere lassen, denn die eigenen Fehler erschließen sich einem teilweise selbst nach mehrmaligem Durchlesen nicht sofort. Wenn man also gerade niemanden zur Hand hat, dann gilt eben das Motto “Wer Rechtsschreibfehler findet, darf sie behalten”.

      Das Prinzip kommt in etwa dem in der Softwareindustrie gleich “Ship first, fix later”. ;-)

    • Was ist eigentlich ein “Deutschfehler”, ich kenne eigentlich nur Rechtschreibfehler oder Grammatikfehler die sind mir aber eigentlich auch egal da mir meist der Inhalt wichtiger ist!

  6. 44Fove sagt:

    Ich kann dieser “düsteren” Prognose nur zustimmen. Ich gehöre nicht zu dem Personenkreis, die jede Neuerung von Microsoft bejubelt. Ich verfolge sehr interessiert, wie sich das Betriebssystem weiterentwickelt. Schon heute frage ich mich, welchen Mehrwert manche Neuerungen von Windows 10 für den Normaluser haben. Sollte sich dieser Trend verfestigen, werde ich mittelfristig auf ein anderes Betriebssystem wechseln. Ich denke, dass dies die einzig richtige Antwort auf ein Betriebssystem ist, das den User immer stärker am Gängelband führt.

    • Nils sagt:

      Der Hintergedanke von Window 8 RT und damit auch von Windows 10 Cloud ist eigentlich nicht schlecht.

      Die Apps aus dem Store haben nämlich einen entscheidenden Vorteil…. jede App läuft in einem eigenen Container und hat keinen direkten Zugriff auf den Kernel oder Treiber. Ein Kommunikation damit und auch untereinander ist nur über definierte APIs möglich. Damit können solche Apps viel schwerer Schaden am System anrichten (Viren, Spyware und andere Schädlinge). Auch in der Registry haben die Apps nur auf ganz bestimmte Bereich Zugriff. Das heißt, die Apps vermüllen das System nicht. Ein typisches Problem, dass Windows mit der Zeit immer langsamer wird, je mehr man Installiert und Deinstalliert, besteht so nicht. Außerdem lassen sich die Apps viel einfacher rückstandslos vom System entfernen.

      Also eigentlich ist das App Konzept nicht verkehrt und geht technisch gesehen in die richtige Richtung. Aber klar, solange die App Verfügbarkeit im Store nicht wirklich gut ist, passt das Konzept nicht. Auch die Qualität der Apps muss besser werden, wenn die nämlich passt, dann läuft das ganze auch stabiler als herkömmliche Anwendungen, die sich übertrieben ausgedrückt an viel weniger Regeln halten müssen. Das wäre dann auch neben der gesteigerten Sicherheit wegen den Containern der zweite Vorteil für den Anwender.

      Und klar, so wie heute in der Registry rumfummeln oder im Filesystem, das ist dann natürlich auch nicht mehr, wenn alles in Containern läuft. Ob ich das ganze dann haben möchte…. NEIN., der Ansatz ist aber trotzdem nicht ganz falsch.

      • 44Fove sagt:

        Eine Windows-Variante, bei der man ausschließlich UWP-Apps installieren kann, finde ich wegen dieser Einschränkung wenig interessant.

        • So ein kastriertes Betriebssystem Interessiert mich eigentlich auch nicht wirklich, da baue ich mir dann doch lieber selbst einen PC oder Kauf mir ein Notebook ohne Betriebssystem da habe ich dann jegliche Freiheiten das zu installieren wo nach es mir steht.

      • Tim sagt:

        “Auch in der Registry haben die Apps nur auf ganz bestimmte Bereich Zugriff. Das heißt, die Apps vermüllen das System nicht. Ein typisches Problem, dass Windows mit der Zeit immer langsamer wird, je mehr man Installiert und Deinstalliert, besteht so nicht. Außerdem lassen sich die Apps viel einfacher rückstandslos vom System entfernen.”

        …ach deshalb gibt es schon jetzt Anwendungen, die nach “deinstallation” auf der Platte bleiben und mit jedem neuen Benutzerkonto wieder auftauchen…

        In der Theorie mag dieses “Argument” stimmen und überzeugend klingen, aber das ist nicht das was Microsoft macht!
        Gegen die “Vermüllung” vorzugehen und/oder Entwickler zum sauberen Arbeiten zu bewegen, ist nicht Ziel von UWP.

        Nebenbei bleibt die Registry eine Datenbank und wenn du 1 Million Einträge hinzufügst, wird sie nicht langsamer… Die Werte müssen dazu ja überhaupt erst abgefragt werden, was eben nicht der Fall ist.

  7. Paule21 sagt:

    Die Kritik ist durchaus berechtigt, denn Windows Cloud ist dürfte genau das sein, wo Microsoft hin möchte. Ein geschlossenes System ist das finale Ziel und Windows Cloud der erste Schritt dorthin. Aber es ist halt wie es immer ist, wir werden alle schimpfen und dann doch wieder Windows nutzen, weil einfach die Alternativen fehlen. Klar, ein paar werden dann vielleicht zu Linux wechseln, der große Teil bleibt aber wo er ist.

  8. Janami25 sagt:

    Wieso ?! Wenn man mal vor der Frage steht, welches geschlossene System man nehmen möchte, würde Ich mich definitiv lieber für Apple als Microsoft entscheiden. Wenn alle Windows Vorteile dahin sind, kann Ich mich auch gleich an den erfahrensten und besten “ausliefern”, als einem zu Vertrauen, der immer Wasser predigt, und Wein säuft ;)

    Sprich, Microsoft kommt mir nur noch verlogen vor.

    Apple hat nie einen Hehl um seine Ziele gemacht, Microsoft veräppelt die User doch nur nach Strich und Faden. Wie man zB plötzlich von einem Preview Build zum anderen im Creators Update die automatische Treiber Deaktivierung wieder entfernt hat, oder die Beschränkung der GPO’s und noch etliche andere Dinge wie “versehentliche” Zwangsupgrades auf Windows 10. Alles nur Lug und Trug und viele Schäfchen laufen alle hinterher und glauben jeden Mist, den Microsoft Ihnen erzählt.

    Was Ich verstehe ist….Was bleibt den meisten auch anderes übrig, um Ihre teuer verdiente Software weiter nutzen zu können, als auf Windows zu setzen. Und das nutzen die Redmonder schamlos und gewissenlos aus. Jedenfalls, man kann noch Windows 7 und 8.1 benutzen, da läuft alles mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser, als auf dem AlphaBeta Windows 10. Aber dem legen die Jungs aus Redmond natürlich auch noch Steine in den Weg, weil ja Windows 10 unbedingt verbreitet werden muss. Schlecht machen, kaputt patchen von Win7 und 8.1 ist die Devise, um die Ziele zu erreichen.

    Sollen Sie doch ruhig so ein System mit einem dicken Schloss aufbauen, mal schauen wie es dann im Markt aussehen wird, wenn alle Vorteile dahin sind. Vielleicht hat dann Linux endlich mal eine richtige Chance. Vorher wird das nämlich nie und nimmer was werden.

    Vielleicht würde das ganze der Entwicklung gut tun. Der Zuwachs für Windows 10 entwickelt sich nicht besonders, und hätte es das Gratis-Zwangsupgrade nicht gegeben, wo wäre Windows dann jetzt ?! Die Mehrzahl der User weiss hier schon zu differenzieren, und wird sich garantiert nicht komplett einschränken lassen. Erst recht nicht, mit einem geschlossenen System. Aber Microsoft ist ja “klug” genug, und nimmt hier und da immer ein bisschen mehr weg, als auf einmal. Schön schleichend ebend… ;)

    • Nils sagt:

      Dieses Windows 10 Cloud ist ja kein Ersatz für das aktuelle Windows 10, sondern zusätzlich. So wie das eben bei Windows 8.1 RT auch der Fall war.

      Und genauso wie bei Windows 8.1 RT wird sich auch Windows 10 Cloud nicht durchsetzen. Wie ich weiter oben geschrieben habe, hat die App Geschichte zwar durchaus auch seine Vorteile. Aber solange die App Auswahl im Store und die Qualität der Apps sich nicht drastisch steigt, ist Windows 10 Cloud eine Totgeburt.

      Und klar, die Gewohnheiten der Anwender ein relativ freies Betriebssystem zu haben, an dem man selber rumbasteln kann, wird einen “Erfolg” von Windows 10 Cloud ebenfalls verhindern.

      • Holger K. sagt:

        Ja, eine Totgeburt so wie Windows 8 RT, denn im Prinzip hat sich seit damals nicht wirklich etwas geändert an den Rahmenbedingungen, sollte Windows 10 Cloud als Produkt tatsächlich so an den Start gehen.

        Wenn es dann wieder ein Reinfall wird, werden den größten Teil des Schadens abgesehen von den Käufern mal wieder die OEMs haben, die einfach nicht erkennen wollen, dass sie an der kürzeren Seite des Hebels sitzen.

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