Privatsphäre: Daten sind das ‘neue Öl’

Seit einiger Zeit herrscht ja Goldgräberstimmung auf dem Markt der Datenerfassung. Benutzerdaten, abgegriffen von vielen kostenlosen Diensten und Apps, befeuern die Phantasie vieler Firmen. F-Secure-Forschungschef Mikko Hyppönen warnt vor der wachsenden Anfälligkeit von sozialen Medien und Geräten mit Internetanbindung.


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Bundeskanzlerin Merkel will die Lockerung des Datenschutzes, wie man im November 2016 auf dem nationalen IT-Gipfel erfahren konnte (siehe diesen Deutschlandfunk-Artikel). Und im heise.de-Artikel De Maizière hält Losung "Meine Daten gehören mir" für falsch kann man die Ideen des Bundesinnenministers in Punto Datenschutz nachlesen. Von Verkehrsminister Dobrindt ist auch bekannt, dass er den Datenschutz lockern will (siehe Link-Liste am Artikelende).

Warnungen des F-Secure-Forschungschefs

Der Data Privacy Day war zwar bereits am 28. Januar, aber die Warnungen des F-Secure-Forschungschef Mikko Hyppönen vor der wachsenden Anfälligkeit von sozialen Medien und Geräten mit Internetanbindung passen auch noch im Februar, März, April und so weiter.

„Ich sage, Daten sind das neue Öl. Und genau wie Öl uns Wohlstand und Probleme brachte, werden uns auch Daten Wohlstand und Probleme bringen.", ist die Position von Mikko Hyppönen, immerhin Chief Research Officer von F-Secure. In einem Vortrag in Lille ging Hyppönen kürzlich auf das unaufhaltsame Wachstum, sowohl der sozialen Medien als auch des Internets der Dinge, ein. Beides stelle für die Verbraucher, nach seiner Sicht, zunehmende Herausforderungen hinsichtlich der Privatsphäre dar. Unternehmen, die darauf angewiesen sind, Daten zu sammeln und zu monetarisieren, dringen immer mehr in das Leben der Nutzer ein.

Kostenfreie Dienste als Datenkraken

Hyppönen hat lange davor gewarnt, dass kostenfreie Dienste ihre Kunden mit einer schockierenden Menge an Spezifität beurteilen können. „Twitter weiß, ob Sie in den nächsten sechs Monaten ein Kind in Ihrer Familie erwarten", erklärt er. „Und Werbetreibende in Twitter können danach Ihre Anzeigen entsprechend ausrichten. Es ist ganz klar, dass diese Informationen nicht aus Ihren Tweets kommen oder den Nutzern, den Sie auf Twitter folgen. Es stellte sich heraus, dass diese Informationen tatsächlich Twitter von großen Data-Warehousing-Unternehmen gekauft hat. Twitter verbindet diese Informationen dann über Ihre Telefonnummer mit Ihrem Nutzerkonto."

Snapchat, das weltweit am schnellsten wachsende soziale Netzwerk, verwendet jetzt Offline-Daten, die zu den mobilen IDs der Nutzer passen, um seinen Kunden eine bessere Erfassung zu ermöglichen, heißt es in AdWeek. [Anmerkung: Auch Facebook kauft Daten aus anderen Quellen zu, um Nutzerprofile zu vervollständigen.]

Toaster, Waschmaschine und die IoT-Manie als Alptraum

Und dieser potenzielle Albtraum für die Privatsphäre könnte noch schlimmer werden – etwa dank neuer Toaster, so Hyppönen. „Irgendwann wird jeder Toaster, den Sie kaufen, ein IoT-Toaster sein, auch wenn es keine sinnvollen IoT-Funktionen für den Kunden gibt", sagt er. „Der Grund dafür ist, dass es so billig sein wird, einen Chip zu integrieren, dass es alle tun werden, auch wenn die Vorteile für den Verbraucher marginal sind. Die Vorteile für die Hersteller hingegen sind klar – in Form von sehr nützlicher Analytik und möglicherweise sogar Daten, die sie an ein Data-Warehousing-Unternehmen verkaufen könnten."

Aber die Benutzer werden kritischer

Die gute Nachricht ist laut Hyppönen, dass die Nutzer immer sicherheitsbewusster werden, wie eine F-Secure-Umfrage zeigte. 93 Prozent der deutschen Besitzer von Mac- oder iOS-Geräten stimmen zu, dass ihr Computer Virenschutz benötigt, bei den Nutzern von Windows- oder Android-Geräten sind es 97,6 Prozent. Dies ist eine positive Entwicklung bei den Apple-Nutzern, die ebenso viele kommerzielle Transaktionen auf ihren Geräten durchführen.

Über Privatsphäre nachdenken

Hyppönen empfiehlt den Anwendern, über Privatsphäre nachzudenken, wenn sie sich das nächste Mal für einen „kostenlosen" Dienst entscheiden oder ein Gerät mit Internetanbindung kaufen. Darüber hinaus rät er zu besonderer Vorsicht bei WLAN-Netzwerken. „Verwenden Sie ein gutes VPN, um sich bei der Nutzung von WLAN-Netzwerken zu schützen", erläutert er. „Ohne VPN, ist es für alle anderen im gleichen WLAN nicht schwer, große Teile des Traffics zu sehen." Da passt natürlich der aktuelle heise.de Artikel hier wie die Faust aufs Auge: Bei den in der IoT-Kommunikation genutzten MQTT-Protokoll ist die Kommunikation öffentlich einsehbar. Hyppönen rät: "Nutzen Sie unbedingt ein VPN auf Ihrem Notebook, Telefon und Tablet." Zum Nutzen von VPN schiebe ich aber gleich den Artikel Sicherheit: Finger weg von freien Android VPN-Apps nach. Bleibt eigentlich nur der Verzicht auf das ganze Geraffel. Da könnte Nokia mit seiner Neuvorstellung des "ohne Schnickschnack"-Handy Nokia 150 (siehe Spiegel Online) einen Trend aufgreifen.


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9 Antworten zu Privatsphäre: Daten sind das ‘neue Öl’

  1. Da will uns jemand tatsächlich glauben machen wir hätten keine Rechte gegenüber unserem Staat und unserer Regierung, wir haben aber das Freie Recht zu Wählen wenn wir wollen und die CDU gehört ganz sicherlich nicht zu der Partei die meine Stimme dieses Jahr zur Bundestagswahl erhält.
    Die Bürger Rechte werden immer weiter eingeschränkt und das Grundgesetz immer weiter ausgehöhlt, ich glaube Herr de Maizière verwechselt da so einiges in seiner Rede, wer Daten von mir haben will muss darum Bitten und mir beweisen das er diese Daten zu meinem Schutz vor dem Zugriff anderer auch schützen kann!
    Gerade der NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags der seit 3 Jahren versucht aufzuklären zeigt doch wohl ganz deutlich das man unsere Bundesregierung keinerlei Daten anvertrauen darf, da sie nicht dazu in der Lage ist die rechte des einzelnen vor dem Zugriff dritter zu schützen.
    Manchmal habe ich das Gefühl das es den Leute scheiß egal ist was unsere Regierung da hinter unserem Rücken treibt, es ist und bleibt eine gnadenlose Frechheit was unsere Regierung da so unter dem Deckmantel Demokratie treibt.

    • Dieter Schmitz sagt:

      Du wählst also lieber diesen Schulz? Aus der Hartz IV-Partei?

      Der rechts blinkt und links abbiegt?

      Prost Mahlzeit. Wir sollten wirklich auf Wahlen verzichten.

  2. Ben sagt:

    Als VPN gg. neugierige WLAN-Betreiber nutze ich VPNcilla in Verbindung mit meiner eigenen Fritzbox zu Hause.

  3. Gaga sagt:

    Das inzwischen ein gewisses Bewusstsein für Virenschutz eingetreten ist, ist das eine. Das Bewusstsein, dass man für kostenlose Dienste teuer mit seinen persönlichen Daten bezahlt ist aber längst nicht bei den „Haushaltsnutzer" angekommen.

    Steht ja bereits im Artikel, dass Snapshot einen Höhenflug hinlegt. Facebook und Co. sind schon dick im Geschäft.

    Und wieder bringe ich Windows 10 ins Spiel. Meines Erachtens die derzeit größte Datenschleuder überhaupt. Denn die Millionen von Nutzer, die sich in der Regel in den einschlägigen „Fachmärkten" mit PCs und Notebooks versorgen, bekommen den Datenkraken kostenlos mit dazu. Und wer bitteschön macht sich über das Betriebssystem Gedanken? Da wird bei der Ersteinrichtung auf „Express Einstellungen" geklickt (soll ja schnell gehen), das W-LAN Passwort eingegeben und ab geht's. Im besten Falle klatschen sich die stolzen Neubesitzer einen kostenlosen Virenscanner drauf (wenn nicht schon vorhanden – McAfee ist da ja ganz vorn dabei) und das war es dann auch schon.

    Ein bekannter von mir, ein freiberuflicher CAD Konstrukteur, der für die Automobilbranche Aluräder konstruiert und designet, hat sich 2016 ein neues Notebook gekauft. Die Empfehlung für die Hardware kam von mit, so weit so gut denke ich. In stundenlanger Arbeit habe ich Windows 7 auf das Gerät installiert (musste eine Menge Treiber zusammensuchen). Alles war gut, die Kiste lief schnell, stabil und ohne irgendwelche Fehler. Wochen später rief er mich erneut da er einen neuen Drucker gekauft hat (ein Multifunktionsgerät mit Fax, Scanner usw.) und bei der Einrichtung nichts falsch machen wollte. Und siehe da, der gute Mann hat in der Zwischenzeit auf Windows 10 migriert (weil es kostenlos war…). Natürlich war alles so wie es Microsoft gerne hat – offen wie ein Scheunentor.

    Was ich für sehr gefährlich halte (moralisch und natürlich auch rechtlich): Er bringt ja nicht nur seine Daten in Gefahr sondern auch die seiner Auftraggeber. Auf dem Gerät liegen ja nicht nur tonnenweise CAD Zeichnungen sondern auch Angebote, Rechnungen und Korrespondenzen jeglicher Art.

    Was soll man dazu noch sagen? Jetzt ist der Mann seit 25 Jahren im Geschäft und sicherlich kein dummer…

    • Dieter Schmitz sagt:

      Ist doch sein Problem, wenn der auf alles klickt, was Klicki-Bunti-MicroSoft ist!

      • Gaga sagt:

        Ja ist es da hast Du schon recht.

        Aber die Dummheit und Leichtsinnigkeit solcher "Haushaltsbenutzer" stellt auch eine Gefahr für andere dar. Wenn deren Rechner gehackt wird und die Daten abgeschöpft werden, geraten auch die Verbindungen (Kontakte) in den Focus der Eindringlinge. Die harmloseste denkbare Variante ist, das Massen an Spam dort abgekippt werden. Weitere Möglichkeiten kann sich jeder denken…

  4. Ben sagt:

    Klassischer Fall von "Geier frisst Hirn"…

  5. Dieter Schmitz sagt:

    Toaster mit Internetzugang? Was soll der Quatsch?

    Und wenn ich ihn nicht anschliesse, funktioniert der nicht?

    Welche Pfeife denkt sich so etwas aus?

    Nicht jeder lebt in einem Gebiet mit guter Internetanbindung.

    So ein IoT-Schwachsinn kann doch nur im Silicon-Valley entstehen – und bei den Politiker, dir für Nichtstun bezahlt werden.

    • Gaga sagt:

      Klassischer Fall von "braucht kein Mensch".

      Wird aber trotzdem gekauft werden weil es a. so schon funny ist, b. uns die Industrie bald sagen wird das wir so etwas unbedingt brauchen (für ein tollen neues Benutzererlebnis) und c. weil die Menschheit immer dümmer wird.

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