LiMux-Nachlese

Letzte Woche Mittwoch ist im Stadtrat von München die Entscheidung gefallen, die Linux-Clients bis 2020 auf Microsofts Windows 10 im Verbund mit Microsoft Office 365 umzustellen. Hier noch eine kurze Nachlesen zum Thema.


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Zum Hintergrund

München setzt in seiner Stadtverwaltung seit 2004 auf Linux und Open Source (OpenOffice/LibreOffice). Die Entscheidung war seinerzeit durch Rot-Grün getroffen worden, um sich von der Abhängigkeit Microsofts zu lösen und Lizenzkosten einzusparen.

Mit den sich wandelnden politischen Verhältnissen ist das Projekt in die Mühlen der Parteipolitik geraten und letzten Mittwoch wohl gekippt worden. Es kristallisierte sich seit Monaten heraus, dass einzelne Fraktionen im Stadtrat, u.a. Bürgermeister, aus der Linux- und Open Source-Infrastruktur aussteigen und auf Lösungen mit Microsoft Windows-Clients sowie Office-Lösungen umschwenken wollen.

Im Artikel Münchens Intrigantenstadel: Neues zu LiMux und der Rückkehr zu Microsoft hatte ich voriges Jahr einige Details berichtet. Von der Verwaltung wurde die Unternehmensberatung Accenture (mit Microsoft verbandelt) beauftragt, ein IT-Konzept für die zukünftige Entwicklung der IT-Systeme für die Stadtverwaltung zu erstellen. Dort ging es aber um die IT-Struktur der Stadt, die auf neue Füße gestellt wurde. Die Gutachter von Accenture empfahlen, den Neuaufbau eines Windows-Clients und die weitere Verwendung des LiMux-Clients auf diversen Arbeitsstationen.

Wechsel bis 2020 auf Windows und Office

In der Stadtratssitzung wurde letzte Woche der Abschied von LiMux eingeleitet und der Wechsel auf eine Infrastruktur, bestehend aus Windows 10 und “marktgängiger Software” (aka Microsoft Office) beschlossen. Kolportiert wird, dass dies der Verlagerung der Zentrale von Microsoft Deutschland nach München geschuldet sei.

Die Entscheidung wurde bereits letzte Woche von heise.de in diesem Artikel aufbereitet und hier kommentiert. Tenor: Man begibt sich erneut in die Abhängigkeit Microsofts, die die komplette Kontrolle über das Betriebssystem und die Software haben. Und Golem schreibt hier, dass der Stadtrat sein selbst beauftragtes Gutachten ignoriert. Es wird teuer für München, alleine die Lizenzkosten werden für die kommenden Jahre auf 90 Millionen geschätzt (Quelle: The Document Foundation in einer Stellungnahme) – dass da plötzlich viel neue Hardware gebraucht wird, ist noch nicht berücksichtigt.

Wie sich das Ganze aus technischer Sicht darstellt, kann ich persönlich nicht beurteilen. In diesem Kommentar hier im Blog wird von erheblichen Mängeln in der Stadtverwaltung berichtet. Ein interessanter Kommentar von Frank Scholl findet sich bei administrator.de. Ergänzung: Ein Abriss des gesamten Themas findet sich bei Golem im Artikel LIMUX: Die tragische Geschichte eines Leuchtturm-Projekts.

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3 Antworten zu LiMux-Nachlese


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  2. Jochem sagt:

    Moin,
    ich kopier mal den Beitrag aus einem anderen, schon genannten, Forum hier hinein, um mal ein wenig den Blickwinkel zu verändern:

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    Zitat: “In einer Stadtverwaltung geht es zu 95% um Standartanwendungen und paar gestrickte Formulare”

    Muaah, der war gut, der war richtig gut!

    Einwohnerwesen, Ausländerwesen, Sozialwesen, Personalwesen, Finanzwesen, Kassenwesen, Personenstandswesen, etc. sind also alles “Standardanwendungen mit ein paar gestrickten Formularen”? Willkommen im Leben!

    Es geht hier nicht darum, ein paar Texte zu verfassen, E-Mails zu verschicken oder den Kalender zu bearbeiten. Das lässt sich alles wunderschön in beiden Welten bewerkstelligen.
    Es geht um Software, die zwingend durch die Verwaltung aufgrund von gesetzlichen Vorgaben einzusetzen ist. Und die ist nun mal Microsoft-basierend. Punkt.
    Den Markt der sog. Kommunalsoftware ist unter ein paar Herstellern aufgeteilt und die entwickeln in der Umgebung, die zum großen Teil bei den Verwaltungen im Einsatz ist. Und das ist nun mal Microsoft mit seinen Betriebssystemen und Anwendungen.
    Von den oben aufgeführten “Wesen” ist mir keines bekannt, das auf irgendeinem UX-BS basiert.

    Erst langsam ist der Schwenk von der lokal installierten Anwendung zu einer C/S-Lösung gelungen. Aber längst nicht alle Verfahrens-Hersteller sind mit der Umstellung befaßt oder haben überhaupt schon einmal daran gedacht.
    Im Bereich Einwohnerwesen ist in diesem Jahr noch der Einsatz einer browsergestützen Version vorgesehen.
    Im Bereich Kassenwesen/Finanzwesen fährt man notgedrungen zweigleisig, da die Web-Anwendung noch nicht alle Features der C/S-Anwendung “kann”.
    Der Bereich Sozialwesen wird durch die AKD abgedeckt. Dort ist eine browsergestütze Anwendung im Einsatz.

    Die meisten kreisfreien und/oder kreisangehörigen Städte und Gemeinden betreiben zwar ihre eigene IT-Abteilung, sind verfahrens- und anwendungsmäßig aber einem Gebietsrechenzentrum angeschlossen, da sie weder die personellen noch materiellen Ressourcen haben, diese Aufgaben (“Wesen”) selbst zu stemmen. Große Kommunen wie z. Bsp. München, haben auch ihre eigene IT-Abteilung, sind aber anwendungstechnisch ebenso an die Weisungen “von oben” gebunden und damit sitzen sie im selben Boot, wie die übrigen Kommunen. Insofern war die Aktion “LiMux” schon eher eine “sportliche” Aufgabe.

    Die Kommune, ob groß oder klein, kann zwar entscheiden, welche Hard- und Software sie einsetzt, sofern nicht die “übergeordnete Stelle” auch dort Vorgaben macht. Sobald es aber um Anwendungen geht, die über den eigenen Dunstkreis hinaus gehen, müssen sie mit den Wölfen heulen, ob sie wollen oder nicht.Die Außenwirkung ist nicht nur der Bürger oder Einwohner, es sind auch die anderen Kommunen, die im Zusammenspiel miteinander auskommen müssen.

    Nicht zu unterschätzen ist auch der KnowHow-Faktor: Wenn die Nachbarkommune dieselben Programme einsetzt, wie die eigene, können die Mitarbeiter bei Problemen auch mal den Kollegen aus der anderen Verwaltung anrufen und um Hilfe bitten. Mit einer eigenen Lösung ist man dann der Rufer in der Wüste.

    Da ich aus NRW komme, beziehen sich meine Ausagen auf den Kenntnisstand aus diesem Bundesland. Aber ich glaube, daß es in den anderen Bundesländern nicht viel anders aussieht. Das Meldegesetz z.Bsp. ist bundeseinheitlich und da sich meines Wissens nach nur zwei Hersteller um diesen Bereich der öffentlichen Verwaltung kümmern, dürften die Ergebnisse übertragbar sein.
    ###########################################################

    Gruß J :-) chem

  3. Dieter Schmitz sagt:

    Die Münchener sind reich genug, um die 90 Mio zuzüglich der neuen Hardware zu finanzieren!

    Schliesslich sind es genau die Vertreter, die von der Bevölkerung gewählt wurden und somit den Wählerauftrag haben. Die können bis zur nächsten Wahl tun und lassen, was sie wollen.

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  5. Seita sagt:

    Ich persöhnlich halte von Windows 10 schon als privat Person nichts.
    Ich hatte mit noch keinem anderen Microsoft OS soviel Probleme und “Theater”.
    Und München will die ganze Stadtverwaltung diesen Murks-OS anvertrauen?!
    Ne ne das kan ja was werden.

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