LiMux Rückabwicklung – Real Satire 4.0

Noch ein kleiner Blick auf München und den kürzlich gefassten Beschluss, bis 2020 von Linux weg und auf Standard-Software von Microsoft mit Windows 10 zurück zu kehren. Das Ganze artet bei näherer Betrachtung und Auswertung der Antworten einiger Verantwortlicher in Real Satire aus – und da heute alles, was an der Spitze der Entwicklung steht, die Versionsnummer 4.0 verpasst bekommt (Industrie 4.0 z.B.), habe ich das Prädikat Real Satire 4.0 vergeben.


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Münchens Stadtverwaltung ist ja seit 2004 auf Linux und Open Source umgestiegen. Das Projekt läuft unter dem Namen LiMux und sorgt zuverlässig für Schlagzeilen. Im Februar 2017 fiel dann im Stadtrat durch CSU und SPD der Beschluss, aus LiMux auszusteigen und sich auf einen Windows 10-Client samt “Standardsoftware” zu fokussieren.

Die Entscheidung des Stadtrats hatte ich im Artikel LiMux-Nachlese thematisiert. Die Entscheidung wurde außerhalb der Regierungsfraktionen des Stadtrat mit Kopfschütteln quittiert. Denn einmal verursacht diese Rolle Rückwärts Kosten in Millionenhöhe. Zudem steht dieser Beschluss auch nicht im Einklang mit einem von Bürgermeister Reiter beauftragten Gutachten der Firma Accenture. Die schlugen nämlich nur die Reoganisation der IT-Abteilungen und die Standardisierung eines LiMux- und eines Windows-Clients vor.

Kann man bis zu diesem Punkt noch den Kopf schütteln, artet die Reaktion der verantwortlichen Politiker auf Presseanfragen in “Real Satire” aus. Die Redaktion von Golem hat sich die Mühe gemacht, einen Fragenkatalog an die Fraktionen von CSU und SPD zu schicken, und um Beantwortung gebeten. Unter anderem wurde gefragt, warum man von den Empfehlungen des Accenture-Gutachtens abrückte.

Man kann es kurz fassen: Die Schreiben der Verantwortlichen geben Antworten auf Fragen, die von Golem nicht gestellt wurden, schweigt sich zu Kosten aus und enthalten sonst auch viel Geschwurbel und heiße Luft. Von Sachkompetenz und Begründung für die Volte findet sich wohl nichts. Golem weist in diesem Artikel, darauf hin, dass der Beschluss zur Abkehr von LiMux bis 2020 eigentlich nicht zu schaffen sei – da der Zeitplan weder eine Evaluierung noch eine Planungsperiode enthalte.

So beschließt die Stadtversammlung irgend etwas, was von der Konzeption ziemlich unausgegoren ist, von Projektsteuerung nicht in den gegebenen Fristen klappen kann und dessen Erfolgsaussichten alles andere als rosig sind. Am Ende des Tages sieht es für mich so aus, als ob Microsoft mit dem Beschluss ein ziemlich fauler Apfel in den Schoß gefallen ist. Man mag jetzt in der Microsoft-Fraktion jubeln – für die Presse ist das eine schöne Schlagzeile – die Schlacht wird aber in der Etappe geschlagen. Und da heißt es, über Jahre entwickelte Fachanwendungen, die ja angeblich nie liefen, auf die neue Microsoft-Umgebung umzusetzen. Die wolkigen Sprüche von “Fachanwendungen” sind da nämlich heiße Luft. Da wird umgestellt werden müssen – und ich denke, das Ganze wird noch lustig. Wir können gespannt sein, was in den kommenden Jahren an Negativ-Schlagzeilen und Durchstechereien an die Presse gelangt. So hat jedes Ding seine zwei Seiten. Wenn ich also noch ein wenig sonntägliches Adrenalin braucht, lest einfach diesen Artikel.

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5 Antworten zu LiMux Rückabwicklung – Real Satire 4.0


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  2. Al CiD sagt:

    “Verschont mich mit der Demonstration eurer Inkompetenz”… das geht mir durch den Kopf.
    Und München lacht sich über den BER kaputt?…

    Alles nur politisches Säbelrasseln… mal gucken, wessen Kopf das mal kosten wird… upps

  3. Da-T sagt:

    Ein Link zu Wikipedia – die beleuchten u.a. auch die Geschichte des LiMux Projektes:
    https://de.wikipedia.org/wiki/LiMux

    Interessant wird es im Hinblick auf die Entwicklung des LiMux Projektes ab 2013 / 2014: Umkehr der Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat, geplanter Umzug von Microsoft (Anm.: mittlerweile abgeschlossen), Rolle des heutigen OBs Reiter.

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  5. Herr IngoW sagt:

    Wiedermal nur typisches Geschwafel.
    Die Politiker erzählen viel aber sagen nichts wie immer.
    Mal sehen wer eher fertig ist, der Flughafen BER oder die IT in München. Die Inkompetenz der Leute die was zu sagen haben ist wohl bei beiden gleich hoch. Die Arbeiter bzw. Angestellten müssen dann den Mist der gemacht wird wegräumen (ausbaden).
    Was lange wert wird (vielleicht) gut. (Oder? Es gibt ja immer noch den Steuerzahler!)

    • Al CiD sagt:

      Sehr lesenswert!

      Zitat:

      Die auch in einer Umfrage teilweise attestierte Unzufriedenheit bei Anwendern mit der IT nährt sich Schneider zufolge vor allem daraus, dass IT@M schneller aktuelle Betriebssystem- und LibreOffice-Versionen zur Verfügung stelle, als sie die dezentralen IT-Einheiten der einzelnen Ämter an die Endnutzer ausrollen könnten: “Das führt zu einer Vielzahl alter und uralter LiMux-, Windows- und Office-Versionen”, unter denen auch vom Hersteller nicht mehr unterstützte Varianten wie Windows XP oder sogar 2000 seien.

      UND WEITER:

      Die Systemausfälle im Kreisverwaltungsreferat (KVR) in den jüngsten Jahren, die auch viele Bürger massiv verärgerten, “hatten nie etwas mit LiMux zu tun”, stellt der IT@M-Chef klar. Die Probleme seien von einem neuen Fachverfahren ausgelöst worden, das seit seiner Einführung im Juli 2015 bis Mai 2016 nicht stabil lief. Es seien dort aber “ausschließlich Windows-Clients im Einsatz sowie neben Linux- auch Windows-Server”.
      Die Probleme seien oft durch unqualifiziertes Personal vor allem auf der Entscheidungsebene hausgemacht, ist aus dem KVR selbst zu hören.

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