Windows 10 und die Clover Trail-Falle

Benutzer von Systemen mit Intel Clover Trail-CPUs, die Windows 10 installiert haben, könnten bald aus dem Support herausfallen. Hier einige Informationen zum Thema.


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Scheitern mit Ansage

Es ist mal wieder ein Scheitern mit Ansage, bei dem Windows 10-Nutzer doof aussehen könnten. Seit Juli 2015 gibt es ja Windows 10 – welches als Windows as a service zwei Mal im Jahr aktualisiert und als ‘bestes aller Windows’ angepriesen wird.

Das Betriebssystem wurde (und wird) verschenkt und ein Jahr wurden Windows 7 SP1- und Windows 8.1-Nutzer sogar zwangsweise auf Windows 10 umgestellt. Die ‘Begeisterungsstürme’ kannten und kennen keine Grenzen. Ständig muss ich mich belehren lassen, dass Windows 10 ja so genial ist – auch in Firmen – was sein mag.

Mir stehen nur die Patchday-Kollateralschäden vor Augen, die regelmäßig die Besucherfrequenz hier im Blog in schwindelnde Höhen treibt. Für einige Nutzer hat sich das As a Service aber bereits als Giftpille erwiesen, schafft es die Hard- oder Software nicht mehr, neuere Windows Builds zu unterstützen. Die Leute sehen dann halt doof aus – Pech gehabt, aber Windows 10 war ja gratis (nur das Mainboard sollte man nicht wechseln, da die digitale Lizenz bei OEM-Systemen daran gebunden ist).

An Clover Trail scheiden sich die Geister

Systeme mit Clover Trail-CPUs (Intel Atom Z2760, Z2520, Z2560 oder Z2580) wurden meist mit Windows 8 ausgeliefert, ließen sich auf Windows 8.1 upgraden und bekamen dann auch das Gratis Zwangs-Update auf Windows 10. Bis dahin ist möglicherweise noch alles fein (möglicherweise auch schon nicht).

Im Frühjahr 2017 wurde dann Windows 10 Creators Update ausgerollt – und schon gab es Meldungen, dass bestimmte CPUs nicht mehr unterstützt würden. Konkret ging es um Clover Trail-CPUs (Intel Atom Z2760, Z2520, Z2560 oder Z2580) . Wer auf diesen Prozessoren installieren wollte, bekam Probleme. Ed Bott hat es bei ZDNet.com thematisiert und ist von einem HP Envy X2 betroffen. Obwohl das Windows Setup-Programm die Kompatibilität prüft und bestätigt, dass die Maschine Windows 10 V1703 kann, scheitert die Installation mit der Fehlermeldung:

Windows 10 is no longer supported on this PC

Uninstall this app now because it isn’t compatible with Windows 10.

Es heißt zwar gerüchteweise, dass Microsoft versucht, etwas zu tun. Aber eine offizielle Stellungnahme, dass Clover Trail künftig von Windows 10 unterstützt, gibt es nicht. Jetzt ist auf einer ASUS-Supportseite ein Dokument “Intel Clover Trail processors are not currently supported in Windows 10 Creators Update.” mit Details aufgetaucht. Darin heißt es nebulös:

The following Intel Clover Trail processors are currently not supported on Windows 10 Creators Update:

  • Atom Z2760
  • Atom Z2520
  • Atom Z2560
  • Atom Z2580

Microsoft is working with us to help provide compatible drivers to address this incompatibility. If you install the Windows 10 creators update, icons and text may not appear at all, or may show up as solid color blocks or bars. If you have already installed Creators Update and are experiencing problems, you can use Windows 10 recovery options to restore your system to the previous build.

Als Kunde siehst Du einfach doof aus – hast ein System mit Windows 10 Anniversary Update und kannst nicht auf das Creators Update und kommenden Build aktualisieren. Kollege Martin Geuß spekuliert hier, dass Microsoft das entweder fixt oder den Support für Windows 10 Anniversary Update (V1607) verlängert. Aber egal wie man es dreht – das Windows as a Service ist unter Kundenaspekten einfach nur als kaputt zu bezeichnen. 

Die Support-Hypothek


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Und jetzt kommen wir zum wirklichen Knackpunkt des ganzen Windows as a service-Ansatzes, der vom Marketing initiiert wird, aber die Niederungen der Praxis nicht besteht.

  • Die Windows 10-Maschinen werden ja per Auto-Update zur Aktualisierung auf neue Builds gezwungen. Wenn dieses Funktionsupdate aber scheitert, laufen Nutzer im Privatbereich in Update-Schleifen. Das Update (3 GByte und mehr) wird heruntergeladen, installiert, scheitert und der Vorgang beginnt erneut.
  • Microsoft unterstützt jede Build genau 18 Monate mit Updates (Ausnahmen Windows 10 Enterprise LTSB). Danach ist Schluss – sprich: Wer eine Maschine mit Clover Trail-CPU besitzt, für den ist spätestens im Frühjahr 2018 mit dem nächsten Featureupdate Schluss mit Windows 10-Support (es sei denn, Microsoft fixt das Problem).

Und auch die Leute, die in Firmen auf Windows 10 Enterprise LTSB setzen, bekommen ein Problem: Dort werden nämlich neue CPU-Generationen wohl nicht mehr unterstützt (siehe Windows 10 LTSB: Kein Support für neue Intel CPUs). Sieht momentan danach aus, als ob sich Microsoft und Intel mit aller Macht aus dem Rennen um die Kunden rausschießen wollen. Oder wie seht ihr das so? (via)

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7 Antworten zu Windows 10 und die Clover Trail-Falle


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  2. deo sagt:

    Windows 10 kann sich als Konjunkturprogramm herausstellen, das in Wellen Millionen PCs aufs Abstellgleis stellt. Voraussetzt, Windows 10 bleibt alternativlos.

  3. Da-T sagt:

    Ist es nicht so, dass die EU gerade dagegen vorgehen will?
    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Produktlebensdauer-EU-Parlament-gegen-Software-Obsoleszenz-3763365.html
    Die in Brüssel dürften zwar vorrangig Android (und womöglich auch Produkte mit dem Apfel-Logo) im Blick haben… aber in Redmond wird man sich denken: Hey, wir sind Fa. Micro$oft, wir können doch nicht hinter den Geschäftsmodellen anderer hinten anstehen!

    Fehlt bloß noch, dass Geräte ein “SMHD” bekommen (Software Mindesthaltbarkeitsdatum): siehe Prägung auf Display.

    Was das für die Umwelt bedeutet, wenn Millionen Geräte (geplant) in den Schrott wandern – das wage ich mir nicht vorzustellen.

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  5. Dieter Schmitz sagt:

    Windows 10 is no longer supported on this PC

    Uninstall this app now because it isn’t compatible with Windows 10.

    Welche App soll man denn deinstallieren???

  6. Herr IngoW sagt:

    Vielleicht blockiert MS ja mit Absicht die “ersten” INTEL-CPU’s wegen des Streits mit INTEL und MS um die “32bit-Technik” mit “ARM”-basierten Geräten.
    Hoffentlich geht es nicht um die Produktlebensdauer.
    Oder es ist doch nur ein Fehler im BS.

  7. Wolfgang sagt:

    “Windows 10 is no longer supported on this PC”

    Gott sei Dank! – Kann ich endlich ohne Bedenken Linux drauf installieren.
    M$ will es ja so!

  8. deo sagt:

    Der Patchsupport soll bis 2023 weiterhin erfolgen, auch ohne neues Feature Update.
    https://www.pcwelt.de/a/microsoft-gibt-entwarnung-clover-trail-pcs-mit-windows-10-bekommen-sicherheits-updates,3447487
    Das ist wohl die beste Lösung, da neue Features eh nicht greifen und dann muss man nicht krampfhaft neue Treiber entwickeln für eine verkorkste Technik.
    Die Ausnahme darf gerne zur Regel werden. Dann würde ich mich auch noch mit Windows 10 anfreunden können. Das wären über 5 Jahre Patchsupport ohne lästige Featureupgrades; ein Traum würde wahr. Da kann man ja zu einem der betreffenden Atom Geräte raten und damit Sorgenfrei die nächsten Jahre leben. ;-)

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  10. _RGTech sagt:

    Irgendwann ist einfach jede Hardware ausgelutscht und tauschenswert. Manche taugt schon neu nicht viel (ob nun Windows-Geräte mit 2GB RAM oder Androidtelefone mit 8GB Speicher… brandneuer Elektroschrott, sowas).
    Mein Lenovo ThinkPad Tablet 2 (mit dem betroffenen Z2760) ist ebenfalls lahm und kann die immer größeren Datenmengen im Web sowieso kaum noch verarbeiten (und das Ding war wohl schon beim Kauf nicht schnell). Dass dafür dann der erweiterte Support auf die gleiche Dauer wie das vorherige 8.1 verlängert wurde, ist insofern okay, und bietet wenigstens keinen Nachteil für die Nutzer.

    Davon abgesehen, haben sich die Hardwarelaufzeiten trotz angeblich geplanter Obsoleszenz in den letzten Jahren weitaus verlängert. Es ist nahezu unfassbar, auf was für Krücken ich schon Windows 7 und 10 installieren und sogar nutzen konnte. Gut, manchmal muss man kämpfen: Ein Dell d505 vom Februar 2004 läuft nach Speicherupgrade gut mit 7 SP1 (x86), das wird jetzt nur wegen dem Supportende durch ein d430 vom November 2008 ersetzt – dort rennt Windows 10 (1903 x86). Während ich beim d505 noch mit dem Grafikkartentreiber kämpfen musste (auch ein Intel-Chipsatz… hier der 855GM), war das d430 anstandslos installierbar. 11 Jahre alt, SSD rein, flutscht.
    Und jetzt kommt der Hauptgrund für meinen Kommentar: das TP Tablet 2 läuft auch! Grafikkartentreiber für den Z2760? Unter 1903 wohl kein Problem mehr!
    Gut, dafür muss man sich andere Treiber (WLAN, GPS, NFC, WWAN etc.) umständlich zusammensuchen. Aber es geht. Und falls noch irgendjemand dieses uralte Ding upgraden will: Die Treiberpakete (in der Reihenfolge) heißen
    gehp04ww.exe / gewg08ww.exe / gew413ww.exe / guna01ww / grwp05ww.exe / g7wo09ww.exe
    Immer schön neustarten und falls es sich aufhängt, nicht entmutigen lassen, die Reparaturroutine kriegt das wieder hin, danach kann es weitergehen.

    Ob das nun allerdings auch neuere Editionen bekommen wird oder nach dem Serviceablauf für 1903 (Dezember 2020) Ende ist, und ich dann für Sicherheitsupdates auf 8.1 oder 1607 (Service bis 2023) zurück muss – wir werden ja sehen…

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