Windows 10: Diagnostic Data Viewer kommt

Am 28. Januar 2018 ist Europäischer Datenschutztag (am 28.1.1981 wurde die Europäische Datenschutzkonvention unterzeichnete). Microsoft nimmt dies zum Anlass, breit für seinen neuen Windows Diagnostic Data Viewer, der in Windows 10 kommen soll, zu trommeln. Hier einige Informationen.


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Am 24. Januar 2018 wurde von Microsoft USA der Blog-Beitrag Microsoft introduces new privacy tools ahead of Data Privacy Day veröffentlicht, der auf neue Funktionen eingeht, die in Windows 10 Einzug halten sollen. Gleichzeitig hat Microsoft Deutschland für die Presse einen deutschsprachigen Text vorbereitet, auf den ich mich hier beziehe.

Windows Diagnostic Data Viewer, diese Daten sammeln wir

In der Presseinformation schreibt Microsoft, dass sich die moderne, vernetzte Welt sich immer schneller dreht. Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) oder Smart Devices würden immer leistungsfähiger und verändern die Art wie wir leben, lernen und arbeiten (sollen). Eine Konstante in diesem steten Wandel wäre aber die Verpflichtung Microsofts, die Privatsphäre der Menschen zu schützen. Mit dem Windows Diagnostic Data Viewer (Deutsch: Diagnosedatenanzeige) verfolgt Microsoft das Ziel, die von Windows-Geräten gesammelten Diagnosedaten und ihre Verwendung transparent zu machen und den Nutzern eine bessere Kontrolle über diese Daten zu ermöglichen.

Darüber hinaus ermöglicht das Microsoft-Datenschutz-Dashboard, mehr Daten zu sehen und zu verwalten, die mit einem Microsoft-Konto verknüpft sind. Diese Änderungen sind Teil von größeren Verbesserungen, die Microsoft jetzt und in den kommenden Monaten einführen will. Als erstes bekommen Windows Insider diese Funktion in einer frühen Version angeboten. In Windows 10 Version 1803, die im Frühjahr erwartet wird, dürfen sich dann alle Nutzer ansehen, welche Daten Microsoft über sie sammelt.

Windows Diagnostic Data Viewer
(Diagnosedatenanzeige, Quelle: Microsoft)

Die Diagnosedatenanzeige wird über den Microsoft Store verfügbar sein und ermöglicht einen Einblick in Diagnosedaten von Windows-Geräten. Dazu bietet das Tool die Option, in diesen Daten zu suchen und damit zu arbeiten. Die im Menü des Viewer dargestellten Diagnosedaten umfassen:

  • Allgemeine Daten wie Name und Version des Betriebssystems, Geräte-ID, Geräteklasse oder die Auswahl der Diagnosestufe,
  • Konfigurationen und Eigenschaften etwa für Peripheriegeräte und Netzwerkverbindungen,
  • Produkt- und Servicedaten zu Gerätestatus, Leistung und Zuverlässigkeit sowie zum Konsum von Audio- und Videodateien. (Wichtig: Diese Funktion ist nicht dazu gedacht, die Seh- oder Hörgewohnheiten der Benutzer zu erfassen!)
  • Daten zur Nutzung von Produkten und Dienstleistungen inklusive Informationen über die Nutzung des Geräts, des Betriebssystems und einzelner Dienste.
  • Software-Setup und Inventarisierung inklusive installierte Anwendungen und Installationshistorie sowie Informationen über Geräte-Updates.

Diagnosedatenanzeige
(Diagnosedatenanzeige, Quelle: Microsoft)

Aktivitätsverlauf im Microsoft Datenschutz-Dashboard

Das Microsoft-Datenschutz-Dashboard wird um eine neue Seite zum Aktivitätsverlauf erweitert. Diese soll Anwendern eine übersichtliche und leicht zu navigierende Möglichkeit bieten, die mit einem Microsoft-Konto gespeicherten Daten zu sehen. Über das Dashboard lassen sich diese Daten verwalten und jederzeit auch – durch Anpassungen der Datenschutzeinstellungen auf dem Gerät oder im Browser – ändern.


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Diagnosedatenanzeige
(Diagnosedatenanzeige, Quelle: Microsoft)

In den kommenden Monaten will Microsoft zusätzliche Funktionen anbieten, über die es möglich ist:

  • die Mediennutzungsdaten sowie Produkt- und Serviceaktivitäten im Ereignis-Protokoll anzuzeigen und zu verwalten
  • alle Daten aus dem Dashboard zu exportieren oder bestimmte Elemente zu löschen, um eine größere individuelle Kontrolle über die eigenen Daten zu bekommen.

Die Teilnehmer des Windows-Insider-Programms sollen zu zu den ersten gehören, die den neuen Viewer und die erweiterten Optionen des Dashboards kennenlernen. Sie werden in den kommenden Wochen zudem auch einen ersten Blick auf weitere Änderungen in Funktionalität und Einstellungen werfen können.

Meine spontanen 2 Cent

Als ich das gelesen habe, ist mir schon etwas die Kinnlade herunter geklappt. Während man auf vielen Webseiten die Transparenzoffensive ‘feiert’, schossen mir gleich zwei Gedanken durch den Kopf.

  • Warum der Krampf, dass ich mir die Daten ansehen darf und löschen kann. Zum Prinzip der Datensparsamkeit gehört, dass ich die Datenerfassung als Nutzer komplett deaktivieren kann. Basta, alles andere sind Nebelkerzen!
  • Microsoft sammelt Telemetriedaten und wird nicht müde, uns zu erzählen, wie notwendig und toll das alles sei. Aber Hand aufs Herz: Das Produkt Windows 10 samt Updates wird (zumindest mein Gefühl) seit dem Start im Sommer 2015 immer schlechter.

Es vergeht kein Patchday, an dem es nicht massive Kollateralschäden gibt. Gerade heute morgen wollte ich eine virtuelle Maschine mit Windows 10 V1709 für einen Test nutzen. Es wurde ein Update fertig installiert, und dann ging die Maus in der VM nicht mehr. Also 3 Mal die VM abgewürgt, um in den Windows PE-Modus zu gelangen. War aber nicht, denn ich wurde mit einem BlueScreen 0xc0000017 begrüßt (Beschreibung hier). Ich werde das Gefühl nicht los, dass immer mehr gesammelt wird, aber der Überblick verloren geht.

Provokant gefragt: Finde ich die Nadel im Heuhaufen besser, wenn ich den Heuhaufen vergrößere?

heise.de hat bei der Presseabteilung von Microsoft Deutschland nachgefragt, was die Passage:

sowie zum Konsum von Audio- und Videodateien. (Wichtig: Diese Funktion ist nicht dazu gedacht, die Seh- oder Hörgewohnheiten der Benutzer zu erfassen!)

die mir in obigem Text sofort ins Auge gesprungen ist, bedeutet. Hier herrscht bisher Schweigen im Wald. Das Ganze dann im Vorfeld des Europäischer Datenschutztags als Transparenzoffensive der Öffentlichkeit anzudienen, halte ich schon für …. (setzt euren eigenen Begriff ein). Die Kommentare hier sprechen das aus, was sich wohl so mancher bei denkt. Und den Verweis, Apple und Google machen das doch auch, Microsoft schafft wenigstens Transparenz, den man im Web häufiger liest, kann ich echt nicht mehr sehen. Weder Apple noch Google haben jemals versucht, meine Windows 7- und Windows 8.1-Systeme auf Windows 10 upzugraden (ist nun leider schon in Vergessenheit geraten).

Und weder Apple noch Google sind schuld, wenn mal wieder ein Featureupdate nicht aufhaltbar ist und die Privatsphäreneinstellungen zurück setzt. Ich kenne den aktuellen Stand nicht, erinnere aber mal an den heise.de-Artikel Niederländischer Datenschützer: Microsoft bricht mit Windows 10 Datenschutzrecht. Da nützt womöglich auch kein Persil-Schein, um das Zeugs zur Datenschutzgrundverordnung und weiteren rechtlichen Belangen konform zu machen. Aber möglicherweise wird das Ganze politisch passend gemacht. Oder wie seht ihr das so?

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15 Antworten zu Windows 10: Diagnostic Data Viewer kommt


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  2. nook sagt:

    …”Dazu bietet das Tool die Option, in diesen Daten zu suchen und damit zu arbeiten. “…

    ab diesem Satz dachte ich, da brauchst gar nicht mehr weiterlesen!

    Skrupel haben die ja gar keine mehr, bei dem Repertoire an Schnüffelei was die schon selber zugeben.

    Obwohl, schade das es das transparente “Schau jetzt in die letzte Ecke Dashboard Tool” für mein Win 7 nicht geben wird.
    Würde den Microsoft Jungs gerne (aber nur 1x) zeigen wie Microsoft kastriert ein Win7 laufen kann ;-)

    Eins ist nun noch klarer für mich, nach win7 geht es mit Linux weiter.

  3. sh sagt:

    wer sagt denn dass das Ding überhaupt Alles anzeigt …
    so wie MS z.Z. gestrickt ist glaube ich eher das sie uns wieder linken.

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  5. Oh das klingt interessant zu werden, bin heute Morgen etwas später als sonst aufgestanden und dachte schon das wird so ein gewöhnlicher Scheiß Tag, Rücken und Muskelschmerzen wie sonst auch und ein bisschen an PCs von anderen Leuten herumspielen.

    Über die Diagnosedatenanzeige wird es sicherlich noch ne menge an Blog Einträge geben und ich schätze mal diverse Leute die ich kenne werden das Ding so richtig zerpflücken, das wird ganz sicherlich wieder ne menge netter Tools zu tage fördern.

    Auch die (DSGVO) wird nicht so Heiß gegessen wie sie gekocht wird.

  6. sgsuser sagt:

    Und was ist mit den Betriebssystemen, die kein MS Konto verknüpft haben? Bleiben mir diese Einstellungen verwehrt?

    • Tim sagt:

      Ich würde mal ganz blöd vermuten, das es einen enormen (Datenschutzrechtlichen-) unterschied macht, ob man angemeldet Daten abgeben muss, oder eben nicht.
      Die ansonsten eh sogenannten “annonymen Daten” sind womoglich überhaupt nicht Ziel der Transparenzplanungen… weil ja eh vermeintlich nicht personalisiert nutzbar.

      Deswegen auch via Store in dem man sich halt in der Regel doch auch anmeldet…

    • der_Puritaner sagt:

      Sobald du irgendein zusätzliches Programm aus dem Store kaufst oder dein MS Office Aktivierst können deine Telemetriedaten die bei Updates und Upgrades entstehen auch einem Nutzer hinzugefügt und verarbeitet werden, alleine schon durch deine Standort Daten als auch anhand deiner IP Adresse bekommst du eine Werbe ID ab selbst wenn du diese Unterbindest.

      Die ganzen Microsoft Apps wie Groove, Film & TV senden unentwegt Daten von deinem Nutzungsverhalten an Microsoft zurück diese einer eindeutigen Werbe ID zuzuordnen wäre ja wie Perlen vor die Säue.
      Windows 10 Spionage Funktionen deaktivieren
      Kann man aber durch das Editieren der Hostdatei unterbinden.

  7. Uwe sagt:

    Zitat
    Das Produkt Windows 10 samt Updates wird (zumindest mein Gefühl) seit dem Start im Sommer 2015 immer schlechter.
    Zitat Ende

    110% Zustimmung!

  8. Steter Tropfen sagt:

    Also was mir bei solchen Angeboten immer durch den Kopf schießt:
    Ja habe ich denn nichts anderes zu tun als jetzt auch noch korrekturzulesen, was die über mich ausspionieren? Wie viel Zeit soll man sich denn noch mit dem Computer-Innenleben befassen? Eigentlich hat man sich das Ding doch als Arbeitshilfe angeschafft!

    Da sind solche angeblichen Einblicke doch nur eine großtuerische Geste, wohlwissend, dass die Leute sich das mal ansehen und dann beruhigt vergessen werden. Was tatsächlich mit den erhobenen Daten alles getrieben wird und wie sich mit statistischen Methoden so manches intime Detail daraus ableiten lässt, das kriegt der Nutzer sowieso nicht mit.

    Wohl dem, der sich Win10, Facebook & Co. erspart.

    • Cmd.Data sagt:

      Wohl dem, der sich Win10, Facebook & Co. erspart.

      Das geht kaum noch, weil Windows der “Standard” in Firmen und Büros ist.

      Persönlich finde ich diesen Online-Zwang bei Word, Excel und Co. noch VIEL schlimmer.

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  10. Blupp sagt:

    Zu den 2 Cent … Oder wie seht ihr das so?
    Hmm ja das war ein herzhafter Lacher den ich heute gut gebrauchen konnte :-D
    Logisch betrachtet müsste in immer größeren Heuhaufen auch mehr Nadeln zu finden sein. Somit würde ich das weniger als provokant, als eher sehr logisch sehen.
    An dieser Stelle möchte ich auch gleich mal den Blickwinkel auf Nvidia erweitern. Wie schaut es dort mit der “Telemetrie” aus? Ursprünglich in Nvidia Experience und somit optional, ist die Telemetrie aktuell in der Treiberinstallation enthalten. Da wird der Nutzer ebenso hintergangen, die fragen nicht einmal ob man das auch möchte. Die Telemetrie lässt sich zwar entfernen, aber nur mit Eingriffen in das System, was der Normalanwender wohl nicht hinbekommt.
    Stellt sich als nächstes die Frage wie es da mit den proprietären Treibern für Linux aussieht. Irgendwie scheint es mit den moralischen Werten heut zu Tage eher schlecht bestellt.
    Davon abgesehen ist es hier für Microsoft zu spät. Alles was sie bisher “verbessert” haben kam gefühlt nur durch massivem Druck von Außen und selbst diese “Verbesserungen” sind eher von geringem Wert. Ohne entsprechendem Druck würde man wahrscheinlich noch immer versuchen den Nutzer im Geheimen zu veralbern. In so weit ist es eine Vertrauensfrage ob Windows hier jemals wieder auf einen Datenträger kommt. Sie können sich aktuell auf den Kopf stellen, das Vertrauen haben sie verwirkt. Es müsste schon ein Windows kommen wo man wieder Herr über seine Systeme ist, das jedoch sehe ich für die Zukunft eher nicht, hier läuft produktiv ein Debian und ich sehe keinen Grund zu Windows zurückzukehren.

  11. der_Puritaner sagt:

    Gleiches findest du bei Google, Facebook oder auch bei Amazon, gerade die Woche gabs einen sehr informativen Bericht über Amazon https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/amazon-gnadenlos-erfolgreich-102.html
    Selbst das was du über dich nicht weist, weiß Amazon über dich.

    Also da sollte man sich nicht Wundern wenn Microsoft auch mit so einem Kram beginnt, von mir steht in der Timeline nur ganz wenig drinnen, da ich die ganzen Schnüffel Apps gleich gekillt hab einzig läuft bei mir noch die Wetter App und der Kalender weil mein Arbeitgeber dort die ganzen Aufträge hinein schaufelt, aber dafür habe ich ja auch einen Firmen Account.

  12. Trillian sagt:

    Moin Herr Born!

    “Meine spontanen 2 Cent…. Oder wie seht ihr das so?”

    Für mich ein weiterer Grund kein Windows 10 Dingens auf einen meiner productive systems einzusetzen.

    That’s all…. ^^

  13. anthropos sagt:

    Die Daten kann man missbrauchen und sollten gar nicht anfallen oder müssen sehr sorgfältig behandelt werden.
    Es bleibt ein Risiko, dass so viel gesammelt wird, aber wenigstens gibt es bald einen besseren Einblick in die Daten.

    Windows 10 verändert sich zu schnell und viele Firmen scheinen noch an Windows 7 zu kleben, weswegen deren Programme unter Umständen Probleme machen. Das geht auf fehlende Absprachen zurück: die Einen zu eifrig, die Anderen zu langsam.

    Dass Einige hier oder woanders mutmaßen, das Programm würde nicht alles anzeigen, weil ja Microsoft dahintersteckte, verhindert, diese Einige ernst nehmen zu können: was nutzen diese Leute da?
    Ein Fremdsystem von ebender Firma, die sie des Betrugs verdächtigen, und dann streicheln sie womöglich Windows 7, als hätten sie es selber ausgetragen. Das ist die beste Selbst-Veralberung, die ich von Windows-Nutzern las.
    Die Gerätschaften ihrer Rechner sollten diese mündigen Nutzer nicht vergessen, die könnten an demselben Hang zur Spionage leiden und diese mündigen Nutzer haben leider auch da nichts beigetragen zur Entwicklung oder Einblick, ob alles funktioniert, wie angegeben. Da fällt schwer, nicht zu lachen.

  14. Elke sagt:

    Ich möchte denen so gerne meine ganzen Daten geben, wenn ich denn wüsste welche die eigentlich haben wollen.
    Dazu ein Programm, welches täglich meine Daten ändern würde ohne mein zutun.
    Man stelle sich vor, 1.000.000 User würden jeden Tag und bei jedem “Neustart” mit neuen Daten “online” gehen. Das mit dem “Neustart” regelt Windoof bestimmt selbst “am Besten” und mit steigendem Erfolg.
    Jetzt suche ich nur noch jemanden, der ein Programm schreibt, die dabei auch gleich auslesbare die MAC Adresse ändert, und diverse “Hard- & Software Daten manipuliert” sowie meine persönlichen Daten von mir aus stündlich ändert, dann kann es eigentlich los gehen.

    Dann wären die gesamelten Hardware, Software, Personen und Telemtry Daten irgendwie reif für den Mülleimer.

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