Windows 10 on ARM: Erstes Reviews; cool oder ernüchternd?

Geräte mit Windows 10 on ARM sind ja länger versprochen und kommen wohl auch langsam von den Herstellern. Langsam kommen auch Reviews des Asus NovaGo mit Windows 10 on ARM an die Öffentlichkeit. Hier ein kurzer Blick auf Artikel, die mir die Tage unter die Augen gekommen sind, welche von cool bis Vorbehalte scheinen sich zu bestätigen reichen.


Anzeige

Windows 10 auf ARM ist ja ein kniffliges Unterfangen, aber Microsoft geht die Wette auf die Zukunft ein und verspricht ‘eine Erfahrung ohne Kompromisse’, die nur Vorteile wie lange Akkulaufzeit, ständige Verbindung und Zugriff auf alle Ihre regulären Anwendungen bietet, ohne jegliche Nachteile. Das klingt zu schön, um wahr zu sein.

Zusammenfassung bei MS Power User

Es war der Beitrag First review of Windows 10 on ARM – worse than expected, der mir heute ins Auge gesprungen ist. Es handelt sich um den Asus Nova Go, den ich hier kurz erwähnt hatte, auf den sich die Leute bei MS Power User beziehen.

ASUS NovaGo
(Quelle: Microsoft)

Die Redakteure von MS Power User haben wohl kein Gerät in den Fingern gehabt. Stattdessen wurde eine Auswertung anderer Reviews aus US-Medien zum Gerät zusammen gestellt. Diese Medien hatten wohl Testgeräte. Das ist zwar kein ‘first hand’-Bericht, aber gibt einen schnellen Überblick und ermöglicht erste Einschätzungen.

The Verge

The Verge hat ein Review zum Gerät veröffentlicht, welches man als ‘geht, aber braucht noch Nacharbeiten’ zusammen fassen könnte. Windows 10 fühle sich wie erwartet an, die Akku-Laufzeit ist lang (11-12 Stunden). UWP-Apps (für ARM) aus dem Store laufen wohl gut. Aber ‘andere’ Apps scheinen durch Lags zu frusten. Zitate:

However, other apps were much more sluggish on the Snapdragon computer, leading to a frustrating experience (more on app stuff in a bit).

Windows on Snapdragon is a 32-bit platform, which means that any 64-bit (x64, in Microsoft parlance) apps will fail to install or run on it. And 32-bit support doesn’t guarantee that every app will work, either.

Bei 32-Bit-Apps scheint es zu haken, 64-Bit-Apps laufen sowieso nicht (siehe auch meinen Artikel Windows 10 on ARM: App-Einschränkungen dokumentiert). Und zum Browser schreibt The Verge: EDGE IS LIFE; CHROME IS PAIN.

Laptopmag

Auch Laptopmag.com hat einen Artikel Why I’m Waiting for the Next Generation of Windows ARM Laptops verfasst, welcher folgendes bei Apps bemängelt:

Most of the apps I need to do my job failed to run or ran poorly on these laptops. I need OpenVPN to get access to our corporate network, but the 32-bit version gave me a driver error when I tried to install it. I use Photoshop Elements to edit images, but Adobe’s app is available only in 64 bit. I use Chrome browser to work with our various CMSes and Google Docs, and though it worked, it was sometimes sluggish.


Anzeige

Bei 32-Bit-Apps hakt es, 64-Bit-Apps laufen by design nicht. Geärgert haben die sich auch über den Google Chrome, man muss zwingend den Edge-Browser zum Surfen nutzen. Bevor ihr jetzt in den Nein danke-Modus verfallt, noch eine deutsche Stimme.

Bericht bei Dr. Windows

Martin Geuß hat wohl ein solches Gerät in Fingern gehabt und einen Artikel bei Dr. Windows eingestellt. Den Fotos nach zu urteilen hat er dieses Gerät aber wohl auf irgend einer Präsentation gesehen und kurz ausprobiert. Daher kann man fairerweise keinen tiefergehenden Test erwarten – was Martin auch schreibt. Seine Eindruck war aber sehr positiv, wenn ich den Artikel richtig interpretiere. Interessant sind seine Aussagen zur Performance:

Wie schnell läuft das volle Windows (Das NovaGo wird mit Windows 10 im S Mode ausgeliefert, auf dem Demo-Gerät hier lief allerdings Windows 10 Pro) auf dem für Smartphones konzipierten Snapdragon 835? Die Antwort lautet: Überraschend gut, erfreulich gut. Ich hatte eine Performance auf dem Niveau z.B. des Intel Atom x5 erwartet und wäre damit auch zufrieden gewesen, tatsächlich aber arbeitet das NovaGo spürbar flotter und mindestens auf dem Niveau eines Core m3, eher noch einen Tick besser. Tiefergehende Erkenntnisse kann natürlich erst ein ausführlicher Test liefern, der erste Eindruck ist aber vielversprechend.

Ich gehe davon aus, dass Martin sich auf die Windows 10 on ARM-Oberfläche und –Funktionen bezieht. Auf einem Demo-Gerät sind mit Sicherheit auch keine Apps installiert, die ständig abstürzen oder ruckeln und hakeln. Von daher ist die obige Aussage zwar interessant, aber ein Real World-Test könnte ein gänzlich anderes Bild ergeben (ich schreibe jetzt nicht ‘da hat man mit dem Vorführgerät einen Türken gebaut’).

Martin sieht in solchen Geräten die ‘Zukunft’, merkt aber an, ‘dass es gute Gründe gäbe, diese erste Generation zu überspringen, sei es wegen der noch nicht komplett geklärten Kompatibilität oder aufgrund der Tatsache, dass wohl noch in diesem Jahr die zweite Generation mit Snapdragon 845 auf den Markt kommen werde’. Diese kräftige Aussage auf Grund eines ersten Eindrucks hat mich dann schon erstaunt.

Und nun sind wir genau so schlau wie vorher: Ist Windows 10 on ARM nun die Zukunft oder eher die nächste Totgeburt. Das Versprechen ‘warten, bis zur nächsten Generation, dann wird alles super’ habe ich nun die letzten 40 Jahre in wechselnden Ausführungen verfolgt. Warten war da meist verlorene Zeit und führte zu enttäuschten Hoffnungen.

Ergänzung: Qualcomm verteidigt das Konzept

Nach den verheerenden Reviews in der US-Presse reagiert Qualcom mit mehreren Videos, die die Vorteile der Always connected PCs auf ARM-Basis mit Windows belegen sollen (wie MS Power User berichtet). Das erste Video befasst sich mit der Akkulaufzeit der Geräte.

(Quelle: YouTube)

Das nachfolgende Video demonstriert, wie schnell die neuen Geräte betriebsbereit sein sollen.

(Quelle: YouTube)

Und im letzten Video wird die Energieabstrahlung der Geräte, als Beleg für die Effizienz, verglichen.

(Quelle: YouTube)

Das Ganze ändert aber nichts daran, dass Windows 10 on ARM schlicht einen riesigen ‘Fingerabdruck’ (im Vergleich mit Android) aufweist. Und das Ganze ändert auch nichts am App-Schlamassel.

Ähnliche Artikel
Windows 10 on ARM: Erste Geräte angekündigt
Windows 10 on ARM: App-Einschränkungen dokumentiert


Anzeige
Dieser Beitrag wurde unter Geräte abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Windows 10 on ARM: Erstes Reviews; cool oder ernüchternd?


  1. Anzeige
  2. der_Puritaner sagt:

    Ja genau erste Generation überspringen und den nichtsahnenden Otto-Normal User das Gerät kaufen und Testen lassen, ist wohl die vernünftige alternative, wenn es schon mit normalen 32bit Apps Probleme gibt und sogar einige Apps aus den Store nicht Richtig laufen und nur der Edge zum Surfen in frage kommt wozu soll das Gerät dann gut sein, von der Akku Laufzeit habe ich mir auch etwas mehr Versprochen 11-12 Stunden finde ich ein bisschen mager, mein jetziges macht ja schon 9 Stunden mit.

  3. Holger sagt:

    Windows 10 on ARM wird nur dann etwas werden, wenn Apps nativ im Code vorliegen und voller 64-bit Support für Apps gewährleistet ist.
    Dass im Moment nur 32-bit x86-Apps emuliert werden, ist natürlich eine deutliche Spaßbremse, vor allem deshalb, weil der Trend zu immer mehr reinen ARM64 bzw. Intel 64-Apps geht.
    Dass Chrome sluggish läuft, verwundert mich nicht, der Browser ist ja bekanntlich ein Memory-Hog.
    Das habe ich vorhergesehen, ich habe Erfahrungen mit Emulationen (x86 unter PowerPC -> Virtual PC).
    RISC emuliert CISC, da geht ca. die Hälfte der Prozessorleistung flöten.

  4. Anzeige

  5. anthropos sagt:

    Zurück in die alte Zeit will die breite Masse wohl nicht, dahin wollte sie auch nie, die PCs waren ein Nischenprodukt.

    Jetzt wurden sie breit vermarktet, aber die Mehrheit konnte offensichtlich nicht gut umgehen mit Privatsphäre, Updates und deren Kontrolle, dass viele Systeme veraltet waren. Geht man davon aus, sind derlei Systeme die Zukunft, aber ich denke nicht, hoffe nicht, sie seien die ausschließliche Zukunft.

    Hoffen wir mal, dass das System nicht bekannt wird und bis zur Marktreife unter dem Radar der Massen fliegt: spart Ärger und schlechten Ruf.

  6. Günter Born sagt:

    Ergänzung: Qualcomm verteidigt das Konzept

    Nach den verheerenden Reviews in der US-Presse reagiert
    Qualcom mit Videos, die die Vorteile der Always connected PCs auf ARM-Basis mit Windows belegen soll.

    • Hab ich etwa über Qualcom ARM Prozessor gemeckert?

      Wobei mich 129 Sekunden Video Material nicht wirklich überzeugen, nur was soll ich 21 Stunden an einem Notebook Arbeiten mit dem ich weder Spielen noch begrenzt Video schauen kann, wer Arbeitet Tatsächlich eine so lange zeit an seinem Notebook ohne das eine Steckdose in der nähe wäre?

      Zumal es hier nicht um die Leistung des Qualcom ARM Prozessors sondern um die Umsetzung von Microsofts Windows 10 und dessen Apps ging.

  7. ExMicrosoftie sagt:

    Die Akkulaufzeit ist dann interessant, wenn man das Armgerät eher seltener, also nicht am Stück, benutzt.
    Ein Manager, der durch die Welt netter und immer mal wieder für kurze Zeit, was schreibt, liest, ändert. Das Totschlagargument hier ist der ultralange Standbymodus. Ein normaler Laptop würde das nur per Ruhezustand hinbekommen, und da dauert das Aufwachen deutlich länger. Also eine Laptopnutzung wie beim Handy, eben mal KURZ was tun, ist da gar nicht möglich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Hinweis: Bitte beachtet die Regeln zum Kommentieren im Blog (SEO-Posts/SPAM lösche ich). Kommentare abseits des Themas bitte unter Diskussion.