Digitalisierung und Arbeit – ein Ausblick auf die Zukunft

Wie wird sich die Digitalisierung auf die künftigen Arbeitsplätze auswirken? Massenarbeitslosigkeit und Verelendung? Oder Chance auf ein besseres Arbeitsleben? Dazwischen liegen die Möglichkeiten.


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Die bezahlte Arbeit geht uns aus

Kürzlich hatte ich den Blog-Beitrag Die künstliche Intelligenz wird viele Arbeitsplätze zerstören zum Thema veröffentlicht. Es ist so, dass KI und Digitalisierung die künftige Arbeitswelt verändern wird. Der überwiegende Teil der Arbeitsplätze wird unmittelbar von der Digitalisierung betroffen sein. Viele Tätigkeiten können von smarten Computern übernommen werden. Automatisierung hat vor allem im Bereich der Fertigung in der Produktion Jobs gekostet. Bald wird auch Schreibtischarbeit davon betroffen sein.

Im schlimmsten Fall werden die Schreckensszenarien Massenarbeitslosigkeit und Verelendung breiter Schichten Wirklichkeit. Politisch ist nicht erkennbar, wie man darauf reagieren will. Aber es gibt auch positive Szenarien, die gezeichnet werden.

Arbeit auf dem Bau
(Quelle: Pexels/Pixabay CC0 Lizenz)

Was nicht funktioniert

Nein, es geht nicht darum, dass wir alle in Zukunft kleine Software-Entwickler werden. Und auch auf dem Bau oder im Handwerk werden nicht alle unterkommen. Die Landwirtschaft ist seit Jahrzehnten auf Mechanisierung optimiert, kann also auch keine Arbeitskräfte aufnehmen.

Doch positiv in die Zukunft?

Das Webmagazin t3n hat hier ein Interview mit Trendforscher Franz Kühmayer im Hinblick auf die Karrieren der Zukunft geführt. Sein Credo: Im Gehirnjogging können wir nur verlieren. Durch Rückbesinnung auf die Menschlichkeit eröffnen sich aber völlig neue Chancen. Zitat:

Franz Kühmayer, Trendforscher am Zukunftsinstitut, konzentriert sich in der Debatte auf die Rückbesinnung auf das, was uns Menschen einzigartig macht: Menschlichkeit – und wie wir sie für unsere Traumberufe von morgen nutzen können.

Die Kernthesen aus dem Interview machen Hoffnung, dass die Zukunft der Arbeit doch gestaltet werden kann:


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  • Wir können das Rennen gegen die Maschinen nicht durch Gehirnakrobatik gewinnen, sondern durch Rückbesinnung darauf, was uns als Menschen ausmacht – die Menschlichkeit.
  • Uns geht nicht die Arbeit aus, sondern die bezahlte Erwerbsarbeit, wie wir sie heute kennen. Die Gesellschaft und als Teil davon Wirtschaft und Unternehmen stehen nicht still.
  • Soziale Medien verändern die Sicht der Dinge und tragen massiv zu einer Steigerung der Transparenz auf allen Ebenen der Gesellschaft bei (trotz aller Filterblasen).

Seine Botschaft: Heute wissen wir nicht mehr, womit die Menschen in vielen Berufen vor 25 Jahren genau beschäftigt waren. Welche Berufe morgen gefragt sind und was die Menschen dann tun, wissen wir heute noch gar nicht. Der Ratschlag des Zukunftsforschers: Man sollte sich also nicht fragen, welchen Job man mal ergreifen will, sondern welches Problem man lösen will. Das soll den Blickwinkel verändern. Es wird aber nicht jeder als Problemlöser agieren können. Daher kommt es darauf an, wie Politik und Gesellschaft diesen Übergang im Hinblick auf die Menschen gestalten. Gibt es viele Verlierer und einige wenige Gewinner? Dass wird die Gesellschaft spalten und zerreißen. Oder schaffen wir es, den Wandel in einen Gewinn für Alle zu drehen? Manchmal bin ich optimistisch, dass das klappen könnte.


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4 Antworten zu Digitalisierung und Arbeit – ein Ausblick auf die Zukunft

  1. Herr IngoW sagt:

    Da müssen sich aber viele Firmen stark verändern, denn Menschlichkeit gibt es in den meisten Firmen nicht wirklich, sondern nur auf Druck von Aussen wird etwas in ganz kleinen Schritten besser. Es gibt keine Firma die freiwillig etwas für seine Belegschaft tut.
    Das passiert nur wenn Arbeitnehmer knapp werden oder unter Druck der Arbeitnehmer selbst zB. durch Streiks. Ohne diesen Druck wird nichts passieren und am Ende die Arbeitslosenzahlen steigen.

  2. Ein Mitmensch sagt:

    OT, dennoch strukturverwandt:
    Schon die (fortlaufend(e,) zu leise) Debatte um die dringendst notwendigen Maßnahmen zur Verringerung der Belastung der Atmosphäre mit von uns[1] freigesetztem CO2(eq) zeigt deutlich, daß die zunehmende Zuspitzung der Krise der auf Ausbeutung beruhenden Wirtschaftstätigkeit[2] nicht die ihrer Tiefe und Beschleunigung entsprechende Aufmerksamkeit, geschweige denn Bearbeitung, zukommt.
    So deuten z.B. weit über 90% der Modelle zur Veränderung der Niederschlagsverteilung daraufhin, daß der gesamte Mittelmeerraum arider werden, dadurch zunehmend schlechter zu bewirtschaften und wahrscheinlich innert 40-80 Jahren, selbst bei einer Begrenzung des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur auf "nur" 2° C (Dieser Wert wird bei business as usual in 30-40 Jahren erreicht sein), zu großen Teilen unbewohnbar werden wird. Allein im Vorderen Orient und Nordafrika leben z.Zt. ca. 500 Mio. Menschen … … Teile Südeuropas kommen hinzu.
    Ob es viele Verlierer geben wird??? – Ich schätze mal so übern Daumen 99%. :(
    "Die Gefahr [liegt] eher in unserem derzeit so mangelhaften Wissensstand und der Unfähigkeit der Institutionen, die Gesellschaft, wofern sich Anhaltspunkte für ernste Folgen abzeichnen, zu wirksamen Gegenmaßnahmen zu veranlassen." [4]
    "industriell erzeugte Probleme der Gegenwart, basierend auf Investitionsentscheidungen von gestern und den technologischen Innovationen von vorgestern, werden bestenfalls morgen auf Gegenmaßnahmen treffen, die eventuell übermorgen wirksam werden" (M.Jähnicke 1979, S. 33). [5]
    "Das Projekt Moderne bedarf der Ersten Hilfe. Es droht an seinen eigenen Anomalien zu ersticken." [6]
    Das System zerbricht an seinen inneren Widersprüchen.
    Die technologische Revolution frisst ihre Kinder.
    Die Hoffnung stirbt zuletzt. Glück Auf!

    [1] Rangfolge der v. d. Ländern historisch akkumulierten CO2(eq) Emissionen:
    PRC, USA, RU, IN, J, D, etc.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Treibhausgas-Emissionen
    [2] Allokation aller notwendigen Ressourcen (auch Arbeitskraft) zum möglichst niedrigsten Preis; Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste; Aneignung und Zerstörung der Allmende (Atmosphäre).
    [3] s. z.B.: https://www.mpg.de/10479763/klimafluechtlinge-naher-osten-nordafrika-klimawandel (*)
    [4] Global 2000, (1980), (dt.) S. 572 (*)
    http://www.geraldbarney.com/Global_2000_Report/G2000-German/G2000-German-Vol2-Chapters13.pdf
    https://en.wikipedia.org/wiki/The_Global_2000_Report_to_the_President
    [5] zitiert aus [6], S.343
    [5] Ulrich Beck, Risikogesellschaft, 1986, suhrkamp; S. 297; (Standardwerk der Soziologie) (*)
    (*) sehr lesenswert, geradezu Pflichtlektüre

  3. Markus W sagt:

    Guter Artikel. Ich kann mir da den Seitenhieb nicht verkneifen, wie armselig hier die politischen Äußerungen sind, die es in die Medien schaffen. Wenn Digitalisierung nur heißt: schnelleres Breitband und mehr Tablets in die Grundschulen, dann Gute Nacht.

    http://compeff-blog.de/2018/02/10/digitalisierungs-populismus-der-groko/

    Kann eigentlich das Digitalisierungsministerium auch wegdigitalisiert werden?

  4. Paul Brusewitz sagt:

    Doch, wir wissen es ganz genau, welche Arbeitsgebiete und Jobs zukunftssicher für Menschen sind. Es interessiert aber niemanden. Einfaches Beispiel:

    Früher standen auf Berlins U- und S-Bahnsteigen Menschen als Zugabfertiger und Servicepersonal. Diese sind alle verschwunden. Statt dessen hat man den Leuten eingeredet, dass Kameraüberwachung das coolste Ding seit der Erfindung des geschnittenen Brotes ist.

    Eine Kamera kann keine erste Hilfe leisten. Eine Kamera kann keinen Menschen aus dem Gleisbett holen, der da besoffen hineingestürzt ist. Eine Kamera kann nicht losrennen und einen Defibrilator holen. Sie kann auch nicht losrennen und mittels Feuerlöscher einen kleinen Brand löschen, bevor der größer wird. Eine Kamera kann keinen Streit schlichten. Eine Kamera kann auch keine verwirrte Person erkennen und beruhigend auf sie einwirken, bis professionelle Hilfe kommt. Eine Kamera kann auch nicht das Opfer einer Schlägerei (o. ä.) in einem Raum in Sicherheit bringen und Hilfe herbeirufen, falls die Schläger zurückkommen und noch eine Runde weiter machen wollen. Eine Kamera kann keine touristische Auskunft geben und nicht zum Verkehrssystem und seinen Preisen beraten. Eine Kamera kann noch nicht mal Verbrechen verhindern, sondern nur hilflos aufzeichen.

    Das Alles wissen wir. Die Arbeitsplätze, mit den Menschen, die das Alles könnten, haben wir trotzdem abgeschafft. Und genau das wären die zukunftssicheren Arbeitsplätze für Menschen mit Emphatie, Lebenserfahrung, sozialer Kompetenz u.a. Eigenschaften, die ein Roboter nicht hat.

    Parallel dazu veranstalten wir dann in den Medien Themenwochen zum Thema digitale Zukunft und Arbeitswelt und jammern, jammern, jammern …

    Ja, wird Alles ganz schlimm! Wir werden alle sterben! Und denkt denn niemand an die Kinder?

    Aber Hauptsache die Gehirnwäsche funktioniert noch. Da gibt es ein Bündnis für mehr Kameraüberwachung in Berlin. Die sammeln so erfolgreich Unterschriften, dass es am Ende sogar zum Volksbegehren ausreichen wird. Und für das Gesichtserkennungsprojekt am Südbahnhof haben sich auch ganz schnell genug Dumme als Testpersonen zur Verfügung gestellt. Bravo!

    Ich glaub' ich reg' mich gerade auf …

    MfG P. B.

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