Apple iOS 12 vorgestellt: Genügsamer, AR und mehr

Erwartungsgemäß hat Apple gestern auf der WWDC 2018 sein iOS 12 vorgestellt und die erste Beta an Entwickler freigegeben. Das neue Betriebssystem für iPhone, iPad, iPod soll vor allem genügsamer werden und auf der gleichen Hardware wie iOS 11 laufen.


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Die von Apple selbst verordnete Kur, langsamer in der Entwicklung zugunsten verbesserter Qualität zu werden, könnte erste Früchte tragen.

iOS 12, der Performance-Booster

Wer ein iOS-Gerät aus einer älteren Generation hat, kennt das Leid: Jedes iOS-Update macht das iPhone, iPad, iPod langsamer. Ich bin hier vor langer Zeit aus diesem Schweinezyklus ausgestiegen und hänge mit iOS 10 auf einem iPad 3 fest. Tippen ist extrem zäh, surfen in einem Browser feiert Gedächtnisminuten bis die Seiten gerendert werden – und zurück auf eine ältere iOS-Version geht nicht, da Apple das blockiert.

Mit dieser Apple-Experience soll nun Schluss sein – vermutlich wurde der Druck im Kessel (geplante Obsoleszenz) einfach zu groß. Mit dem neuen iOS 12 verspricht Apple wahre Wunderdinge, denn erstmals stehen Leistungsverbesserungen (sprich Performance) im Vordergrund. Apple sagt: iOS 12 wurde entwickelt, um alltägliche Aufgaben auf dem iPhone und iPad schneller und reaktionsschneller zu gestalten und die Leistung im gesamten System zu verbessern.

  • App-Start bis zu 40 % schneller im täglichen Einsatz. Selbst wenn im gesamten System viel los ist, können Anwendungen, so verspricht Apple, bis zu doppelt so schnell gestartet werden,
  • Die Animationen sollen im gesamten System flüssiger ablaufen. Dinge wie das Control Center aufrufen, beim Multitasking wischen oder in Apps scrollen, sollen flüssiger und reaktionsschneller erfolgen.
  • Die Kamera startet bis zu 70 Prozent schneller, ein gewichtiger Faktor, um missglückte Schnappschüsse und Selfies am iPhone zu erstellen.
  • Die Tastatur erscheint bis zu 50 Prozent schneller und das Tippen reagiert schneller.

Vom 2013 eingeführten iPhone 5s bis hin zum aktuellen iPhone X soll iOS 12 nicht nur laufen, sondern sogar Leistungsverbesserungen für die meisten dieser Geräte bringen. Eine Updateliste für diverse Geräte findet sich bei heise.de. So verspricht es Apple, man wird sehen.

Shared Argumented Reality (AR)

Das neu vorgestellte ARKit 2 ermöglicht es Entwicklern, innovative AR-Anwendungen für die iOS-Plattform zu entwickeln. Es gibt neue Tools zur Integration von gemeinsamen AR-Erlebnissen, die an einen bestimmten Ort gebunden sind, Objekterkennung und Bildverfolgung. In Zusammenarbeit mit Pixar wurde ein neues offenes Dateiformat für AR entwickelt. Das macht es nach Apples Meinung einfach, AR fast überall in iOS zu erleben. Selbst Anwendungen wie Messages, Safari, Mail, Files und News sollen AR und leistungsstarke Grafik- sowie Animationsfunktionen liefern. Dieses Video gibt einen Einblick in die Ideen von Apple.

(Quelle: Apple)

Weitere Neuerungen

Natürlich dürfen Neuerungen in Emoijs oder Fun-Kamera-Effekte nicht fehlen – die Käufer müssen ja bespasst werden. Bei der Kommunikationslösung Facetime sollen Gruppenunterhaltungen mit bis zu 32 Teilnehmern möglich werden.


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Neue Emoijs in iOS 12(Quelle: Apple)

Siri Shortcuts

Siri Shortcuts sollen einen schnelleren Weg bieten, Dinge zu erledigen, wobei jede App mit Siri arbeitet. Die Siri-Intelligenz kann eine Aktion zum richtigen Zeitpunkt vorschlagen – sei es, um morgens einen Kaffee zu bestellen oder ein Training am Nachmittag zu beginnen. Benutzer sollen Verknüpfungen anpassen können, indem sie einen einfachen Sprachbefehl erstellen, der eine Aufgabe startet. Es lassen sich neue Verknüpfungsanwendungen herunterladen, um eine Reihe von Aktionen aus verschiedenen Anwendungen zu erstellen, die mit einem einfachen Antippen oder einem benutzerdefinierten Sprachbefehl ausgeführt werden können. Für Entwickler ist es einfach, die Vorteile dieser neuen Funktion mit Hilfe von Shortcut-APIs zu nutzen.

Fotos

Eine neue Registerkarte “For You” zeigt die beliebtesten (Foto-)Momente an einem Ort und kombiniert Erinnerungen und gemeinsame iCloud-Alben. Eine neue Funktion zum Freigeben von Fotos soll das Teilen von Fotos mit Freunden einfacher machen. Freunde, die Fotos erhalten, werden aufgefordert, alle Fotos und Videos, die sie von derselben Reise oder Veranstaltung haben, freizugeben – so steigern wir den Gruppendruck.

Suchvorschläge zeigen die wichtigsten Ereignisse, Personen, Orte, Gruppen, Kategorien und letzten Suchen an, und neue Suchfunktionen ermöglichen es den Benutzern, mehrere Suchbegriffe zu kombinieren, um genau die richtigen Fotos zu finden.

Die Entwöhnungsfunktionen

Mit Do Not Disturb, Notifications und Screen Time versucht Apple erstmals die iPhone-Sucht der Benutzer in den Griff zu kriegen. Neue, in iOS 12 integrierte Tools helfen Nutzern, die Zeit, die sie mit ihren iOS-Geräten verbringen, zu verstehen und zu kontrollieren.

Neue Modi in “Nicht stören” enden automatisch, basierend auf einer bestimmten Zeit, einem bestimmten Ort oder einer bestimmten Aktion. “Nicht stören” während der Schlafenszeit hilft Menschen, einen besseren Schlaf zu erhalten, indem das Display gedimmt und alle Benachrichtigungen auf dem Sperrbildschirm bis zur Aufforderung am Morgen ausgeblendet werden.

Um Unterbrechungen zu reduzieren, bietet iOS 12 dem Anwender mehr Möglichkeiten, die Zustellung von Benachrichtigungen zu steuern. Sie können sofort Benachrichtigungen verwalten, die leise zugestellt oder komplett abgeschaltet werden. Gruppierte Benachrichtigungen erleichtern die gleichzeitige Anzeige und Verwaltung mehrerer Benachrichtigungen.

Screen Time bietet Benutzern detaillierte Informationen und Tools, die ihnen helfen, die Zeit, die sie mit Anwendungen und Websites verbringen, besser zu verstehen und zu kontrollieren. Tägliche und wöchentliche Aktivitätsberichte zeigen die Gesamtzeit, die in einzelnen Apps verbracht wird, die Nutzung über App-Kategorien hinweg, wie viele Benachrichtigungen empfangen werden und wie oft das iPhone oder iPad abgeholt wird.

Screen Time gibt Eltern auch Zugriff auf den Aktivitätsbericht ihres Kindes direkt von ihren eigenen iOS-Geräten mit Family Sharing in iCloud und ermöglicht es ihnen, Zeiten zu planen, in denen die Verwendung des iOS-Geräts eines Kindes eingeschränkt werden kann, z. B. während der Schlafenszeit.

Wenn ich das so lese, stellt sich mir die Frage: Wie hast Du nur ohne diese neuen Funktionen die letzten Jahrzehnte überlebt. Meine Handys sind aus, Benachrichtigungen interessieren mich nicht – aber: Es nervt, ständig am iPad über irgendwelche Ereignisse wie Geburtstage von Leuten, die mich interessieren, oder Ereignisse, die mir am Arsch vorbei gehen, informiert zu werden. Die Amis haben es mit ihrem Optimierungswahn versaut! Auch Microsoft rudert bei Windows 10 zurück – aber das nutze ich ja glücklicherweise nicht.

Datenschutz und Privatsphäre

Bei iOS 12  steht die Verbesserung von Datenschutz und Sicherheit an erster Stelle. In Safari hilft die erweiterte Intelligent Tracking Prevention, Social Media-Buttons “Gefällt mir” oder “Teilen” zu blockieren und Widgets zu kommentieren, die Benutzer ohne Erlaubnis verfolgen. Safari präsentiert nun auch vereinfachte Systeminformationen, wenn Benutzer im Internet surfen, so dass sie nicht mehr anhand ihrer Systemkonfiguration verfolgt werden können. Safari erstellt, füllt und speichert nun auch automatisch starke Passwörter, wenn Benutzer neue Online-Konten erstellen und kennzeichnet wiederverwendbare Passwörter, damit Benutzer sie ändern können.

Zudem wurden diverse App-Features eingeführt. Eine Übersicht findet sich in dieser Apple-Presseinfo sowie in der Preview-Feature-Liste (beide Englisch). heise.de hat hier noch einen deutschsprachigen Artikel mit den Neuerungen. Klingt alles nicht so wirklich schlecht – aber ich stelle fest, dass meine Welt auch künftig ohne iOS 12 auskommen wird.


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