Windows 10 V1809 Stopp des Rollouts – Erklärungsversuche

Der Stopp des Rollouts von Windows 10 Oktober 2018 Update (Version 1809) im Oktober beschäftigt die Gemüter auch weiterhin. Microsoft erklärt sich, warum es diesen Show-Stopper eigentlich hätte nicht geben dürfen. Und hinten herum erfährt man über inoffizielle Kanäle, dass ein weiterer (unbekannter) Bug das Rollout verhindert hätte.


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Ich muss schon sagen, das Windows 10 Oktober 2018 Update (Version 1809) ist ein äußerst dankbares Thema für einen Blogger. Ständig gibt es etwas neues zu berichten, auch wenn die Gründe für den Stopp des Rollouts scheinbar bekannt sind (siehe Windows 10 V1809: Ursache für Rollout-Stopp erklärt).

Microsoft erklärt, warum Windows 10 so gut ist

Ich habe es letzte Woche hier im Blog nicht thematisiert, aber Microsoft-Führungskraft Michael Fortin (Corporate Vice President, Windows) erklärt am 13. November 2018 in diesem Blog-Beitrag, warum Windows 10 von überragender Qualität ist und eigentlich von Version zu Version besser wird. 

Kumulierte Fehler in Windows 10
(Quelle: Microsoft, Zum Vergrößern klicken)

Die obige Grafik aus dem verlinkten Artikel ‘belegt’, dass die Summe der von Nutzern festgestellten Probleme (bezogen auf hunderter-Schritte pro Million Geräte) mit jeder Windows 10-Version geringer wird. die letzten Balken zeigen, dass pro Million Geräte nur noch so um die 200 Fehler auftraten (bekommt Microsoft aus der Telemetrie mit).

Allerdings ist die ‘Windows 10-Qualitätssicherung’ in einem komplexen Eco-System kein Pappenstiel. Entscheidend für die Diskussion über die Qualität von Windows 10 ist die schiere Größe des Windows-Ökosystems, in dem Zehntausende von Hard- und Softwarepartnern mitmischen. Es gibt über 700 Millionen aktive Windows 10-Geräte, auf denen über 35 Millionen Anwendungen (mit mehr als 175 Millionen Anwendungsversionen) installiert sind. Hinzu kommen 16 Millionen einzigartigen Hardware/Treiber-Kombinationen. Und täglich kommen neue Treiber, Firmware, Anwendungsupdates und/oder nicht sicherheitsrelevante Updates hinzu.

Auf den Punkt gebracht, sieht Michael Fortin ein sehr großes und dynamisches Ökosystem, das bei jedem einzelnen Update ständige Aufmerksamkeit und Sorgfalt erfordert. Microsofts Mission ist, dass Windows 10 trotz dieser Größenordnung und Komplexität “einfach funktionieren” kann.

An dieser Stelle kann man sich quasi schon verabschieden. Denn ein komplexes System wird nicht einfacher, indem ich ich daran herum bastele und zwei Mal im Jahr quasi eine neue Version herausbringe, in der potentiell Bugs stecken.

Der Bug, der das Rollout gestoppt hat, war nach der Lesart des Artikels quasi ein ‘Betriebsunfall der Geschichte’ und das erste Mal, seit es Windows 10 As a Service gibt. Betroffen war eh nur eine winzige Anzahl an Nutzern, aber Microsoft reagiert.


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Der Artikel enthält tausende Wörter, wie aufwändig und komplex das Ganze doch sei und dass Microsoft riesige Anstrengungen unternimmt, mit Windows 10 ‘echte Qualität’ zu liefern. Und ja, man hört auf seine Kunden und deren Feedback – dass der Show-Stopper in Form der gelöschten Nutzerdateien bereits von Insidern mehrfach gemeldet, aber nicht bemerkt wurde, war einfach Pech. Denn Microsoft schaut auf die Dashboards, die aus der Telemetrie irgendwelche Werte liefern. Sinken die unter einen Wert, ist die Qualität erreicht und der Rollout beginnt. Kann man so machen, darf sich aber nicht wundern, wenn das schief geht.

Fairerweise muss man zugestehen, dass Microsoft schon bestimmte Ansätze fahren muss, um die Masse der Variationen halbwegs beherrschen zu können. Ob aber das as a service-Konzept mit zwei Funktionsupdates pro Jahr samt den Frickeleien bei Apps und Funktionsänderungen auf der Benutzeroberfläche (Sticky Notes, Regedit und Notepad werden aufgenordet, die Systemsteuerung wird in die Einstellungen App umgezogen, es gibt helle und dunkle Designs und so weiter) hilfreich ist, steht auf einem anderen Blatt. Nutzern, denen Windows 10 beim Funktionsupdate alles zerdeppert hat, werden die Ausführungen Microsofts wie Hohn vorkommen. MS Power User hatte das Thema hier aufgegriffen, und bei deskmodder.de gab es hier ein paar Anmerkungen.

Fehler: Erst kein Glück und dann kommt Pech hinzu

Die Hauptkritik an obigem Fehler war ja, dass Windows Insider den Verlust der Dateien beim Funktionsupdate auf Version 1809 mehrfach gemeldet hatten. Es wurde berechtigt die Frage gestellt, ob Microsoft das Feedback der Insider wirklich liest. Eine Erklärung wäre, dass die schiere Masse an Feedback die Nadel im Heuhaufen unauffindbar macht. Aber am Ende des Tages gibt es (hinter vorgehaltener Hand) eine viel banalere Erklärung.

Zac Bowden von Windows Central hat das in diesen Artikel zum Thema aufgegriffen (ich bin die Nacht hier darauf gestoßen). Bowden hat wohl mit Leuten von Microsoft gesprochen, die ein paar Insides rausgelassen haben, aber ungenannt bleiben wollten. Die Ingenieure von Microsoft hatten tatsächlich die Berichte von Insidern über den Verlust ihrer Benutzerdateien nach einem Upgrade gelesen. Aber sie verwechselten diese Berichte mit einem anderen Problem. Einige Benutzer wurden beim Upgrade mit einem temporären Profil angemeldet, weil Windows 10 das reguläre Profil nicht laden konnte. Dann glaubten die Benutzer, dass die Dateien weg seien, obwohl sie noch im im ursprünglichen Profile vorhanden waren.

Dieser Problem mit dem temporären Profil für die Benutzeranmeldung konnte wohl nachvollzogen werden. Das zieht sich seit ewigen Zeiten durch Windows, und wurde daher wohl als nicht so gravierend eingestuft, um das Rollout nicht zu starten. Da dieser Fehler zur gleichen Zeit auftrat, wie der Bug, der die Benutzerdateien komplett löschte, wurde den Berichten der Insider nicht weiter nachgegangen. Man glaubte, die Ursache zu kennen und sortierte alles quasi in die ‘falsche Schublade’ ein. Das Unheil nahm seinen Lauf.

Ob das wirklich alles so trifft, wie das an Zac Bowden von Windows Central quasi ‘durchgestochen’ wurde, muss jeder selbst entscheiden. Zumindest Martin Geuß von Dr. Windows äußert hier so seine Zweifel – Presse hat Microsoft dadurch auf jeden Fall bekommen. Und bei der Anwenderschaft gibt es eh nur zwei Gruppen: Die, bei denen alles läuft und die nie Probleme haben – und der verschwindend kleine Rest, der das Ding nicht mal mit der Kneifzange anzufassen gedenkt. Und wie seht ihr das so?

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6 Antworten zu Windows 10 V1809 Stopp des Rollouts – Erklärungsversuche


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  2. Windoof-User sagt:

    Die Grafik kann man auch so verstehen, dass immer weniger Fehler gemeldet werden, da Microsoft solche Meldungen letztlich doch ignoriert. Das war mit Microsoft Connect seinerzeit auch nicht anders — und selbst in den Microsoft Github-Repos, wo Fehler meistens von Softwareentwicklern gemeldet werden, der Fall. Wer sich den Quellcode der Microsoft-Produkte genauer ansieht, versteht auch, warum es soviele Probleme mit der Software aus dem Hause Microsoft gibt. Mit professioneller Softwareentwicklung hat das Ganze jedenfalls nichts zu tun.

  3. Stefan Beck sagt:

    Hallo,
    ist ja fast wie bei dem Fiasko mit dem Hubble-Teleskop. Da wurde sich auf ein Messinstrument verlassen und prompt ging das in die Hose.

    Zumindest werde ich mit jedem Post, über die aktuellen Probleme mit Win 10, in meiner Entscheidung vom Frühjahr 2018 bestärkt, MS zu verlassen.

    Gruß,

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  5. Al CiD sagt:

    Daten-im-schwarzen-Loch-Fehler
    Spätestens bei differenzierter Analyse der Feedbacks und Fehlermeldungen hätte man daraus ableiten müssen, dass es verschiedene Fehler sind und einer davon aus der GEHT-GAR-NICHT Kategorie.

    Die Komplexität des Windows System ist denen selbst zuzuschreiben, wollte man doch schon (gefühlt) seit dem letzten Jahrtausend ein modulares und somit ein viel einfacher zu entwickelndes und pflegendes Windows entwickeln.

    “Microsoft erklärt, warum Windows 10 so gut ist” – weil weniger Fehler… AHA, dafür schwerwiegender, aber das zählt ja keiner…
    Das ist höchstens eine Beschäftigungsmaßnahme für IT-Admins… und ersetzt den Friseur

    Irgend wann wird man eh die Basis auf BSD oder Linux mit Windows-Desktop setzen und über eine Kompatibilität-Schicht “alte” Windows-Anwendungen laufen lassen… ;-)
    .

    • Bernard sagt:

      Das mit Linux und einer Windows-Kompatibilitäts-Schicht wird seit ca. 1998 immer wieder verkündet.

      Bis heute ist nichts passiert, ausser vielleicht Wine.

      Und Wine kann nicht einmal so etwas popeliges wie den Calc.exe ausführen… Leider.

      • Al CiD sagt:

        Tja, kann man mal sehen…
        Wenn sogar so etwas popeliges wie Calc.exe schon so komplex im WindowsUniversum ist… bestätigt nur meine Äußerung

        Nebenbei, Wine ist aus technischer Sicht schon ein heraus ragendes Produkt.

        • wufuc_MaD sagt:

          dem will ich, als noch junger linux user zustimmen!

          ganz im gegensatz zum taschenrechner. der ist / war außerdem in vb (visual basic) programmiert und nicht wie der windows kernel, in c

          alles in allem genügt mir diese erklärung absolut nicht.
          auch wenn ich berücksichtige, dass die massive programmier-gewalt, die gegen “power-user” und ihr powershell aufgewendet wird, in den ebenfalls immer komplexer werdenden abwehrmaßnahmen gegen spectre/meltdown begründet sein mag – gefühlte und tatsächliche einschränkung der privilegien des nutzers mag hier zum teil kollateralschaden sein.

          totale absicht war, dass mit dem update vom 17. september (und experimenteller-weise schon tage zuvor) viele, wahrscheinlich millionen windows-nutzer, zum upgrade auf die 1809 gedrängt wurden. mit dem update vom 26. september (man erinnere sich auch an die zügige “korrektur” 17134.319->320) wurde die bewusste schaffung von problemen dann abgestellt, die neuen probleme der 1809 traten erst später zutage, dass microsoft bei derart vielen nutzern daten löschen wollte unterstelle / glaube ich nicht (bei einigen 100%ig absichtlich, das behaupte ich).

          und dieses spiel vergesse ich nicht! empfehle auch anderen, dies im gedächtnis zu behalten wenns um die softwarebude microsoft geht…

          das upgrade auf wT ist nach wie vor, entgegen mehrfachen verlautbarungen.. kostenlos. was nichts kostet.. ist auch nichts wert (und da ist einiges dran)

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