CeBit hat fertig! Alle Messen sind jetzt gelesen

Die Meldung geistert schon den ganzen Tag durch die Medien: Die Deutsche Messe AG hat das Ende der CeBit verkündet – im Jahr 2019 wird es also keine CeBit mehr geben.


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Ein kurzer, aber schmerzloser Tweet der CeBit-Macher hat das bestätigt, was Branchenbeobachter schon länger erwartet haben.

Der Tweet verweist auf eine englischsprachige Pressemeldung der Deutsche Messe AG. Die deutschsprachige Presseerklärung findet sich hier. Kurze Begründung:

Angesichts rückläufiger Flächenbuchungen für die CEBIT 2019 bereinigt die Deutsche Messe ihr Veranstaltungsportfolio. Die industrienahen Digitalthemen der CEBIT werden in der HANNOVER MESSE weitergeführt, für die übrigen Themenfelder der CEBIT sollen inhaltlich spitze Fachveranstaltungen entwickelt werden, die sich gezielt an Entscheider ausgewählter Branchen richten …

Damit schließt sich für mich der Kreis – denn ich kenne noch die Zeiten, wo die betreffenden Themen auf der Hannover-Messe angesiedelt waren. Damals war die Hannover Messe für mich als junger Ingenieur im Automatisierungsbereich eine Art Pflichtprogramm.

Eigene Betrachtungen

Als die CeBit dann 1986 als separate Messe ausgegliedert wurde, gab es noch interessante Themen. 1983/84 wurden die ersten IBM-PC/XT in Europa eingeführt und Stände von Vobis oder Markt + Technik, Data Becker, Sybex oder anderen Verlagen waren Pflichtprogramm für Geeks. Irgendwann begann es aber ‘zu bröckeln’ – und ich erinnere mich, eine regelrechte Abneigung gegen die CeBit entwickelt zu haben.

Denn bei meinem damaligen Arbeitgeber (ein großes Chemieunternehmen) hieß es ‘Born, fahren Sie mal zur CeBit und schreiben sie einen Bericht’. Also morgens um 5:00 Uhr in einen Werkswagen geklettert, nach Hannover geschüsselt und etwas planlos durch die Hallen gelaufen. Gut, es gab einiges an Prospekten und Messezeitungen, aus denen ich meinen ‘Bericht’ zusammen lügen konnte. Das Direktorium war zufrieden und ich hatte wieder ein Jahr Ruhe.

Reißleine gezogen – seltene Besuche

1993 habe ich dann die Reißleine gezogen, dem damaligen Arbeitgeber die rote Karte gezeigt und mich als freier Autor auf eigene Füße gestellt. War am 1. Oktober 2018 genau ein viertel Jahrhundert her. Seit dieser Zeit brauchte ich nicht mehr zur CeBit – und ich war erinnerungsmäßig genau drei Mal seit 1993 wieder in Hannover.


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Einmal wurde ich durch Markt+Technik vergattert ‘wäre gut, wenn sie da aufkreuzen könnten’ – war 1998, und ich bekam einen Pokal für ein Windows 95-Büchlein, was damals 60.000 Mal verkauft worden war (die 100.000 verkaufte Exemplare habe ich um 200 Stück verpasst, weil Microsoft Windows 98 so zwei Wochen zu früh herausgebracht hat). Woran ich mich noch erinnere? Der Pokal war so ‘Blech’, dass er schon im Auto zusammen gefallen ist – ich habe den Sockel mit Widmung behalten, der Metall-Kelch ging ins Altmetall. Sagte ich nicht schon ‘das ist alles Mist’?

Und dann war ich irgendwann mit Sohnemann zur CeBit. Er war gerade im Studium und hellauf begeistert, mit Vattern zur CeBit zu dürfen. Gut Markt+Technik hatte damals zur Autorenveranstaltung geladen. Die Begeisterung des Jungen nahm aber zunehmend ab, nachdem wir einige Stunden durch die CeBit-Hallen gelatscht waren. Auf der Heimfahrt meinte Junior nur ‘was war das denn für ein Schrott?’ – war also nicht nur ein Generationenproblem.

Mein letzter Besuch – bei der Intel Blogger-Hütte

Der letzte Besuch ist auch schon einige Jahre her – damals hatte Intel eine Blogger-Hütte auf der CeBit und Blogger wie Caschy lungerten da herum. Auch in diesem Jahr musste ich feststellen, dass die CeBit nicht mehr meine Welt war: Laut, bunt, schrill, aber die Informationen, die ich gebraucht hätte, konnte das Personal an den Messeständen nicht liefern. Also habe ich mir die Infos direkt per Internet beschafft. Und damals gelangte ich auch zur Erkenntnis, dass aus mir wohl kein ‘anständiger Blogger wird’ – zu fremd waren mir die Gestalten, die in der Blogger-Hütte rum hingen.

Bin ich einzig?

Gut, ich sage es mit Adenauer ‘ich bin wohl einzig’ – und es lag an mir, dass die CeBit gescheitert ist. Aber Hand aufs Herz: Die richtigen Informationen habe ich seit vielen Jahren schon immer direkt per Internet oder Telefon von den Firmen und Entwicklern bekommen, und nicht auf Messen abgreifen können. Zur Kontaktpflege könnten Messen dienen – aber da war für mich eher die Frankfurter Buchmesse relevant. Von daher heißt es von mir ‘fare well CeBit – ich werde dich nicht vermissen’ (und alleine schon aus dem Grund, weil ich zur CeBit jedes Mal unter heftigem Augenjucken und Schnupfen litt – heute weiß ich, dass es eine Allergie auf Birkenpollen war, die mich jeweils zur CeBit quälte).

Aber nun seid ihr dran. Wie sind eure Erinnerungen an die CeBit? Seid ihr mit heißem Herzen da hin gefahren? Und dann mit dicken Papiertaschen voller Prospekte und Kugelschreiber zurück gekommen? Oder war die CeBit ein No Go? Der Kommentarbereich ist offen.


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7 Antworten zu CeBit hat fertig! Alle Messen sind jetzt gelesen


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  2. HerrGott sagt:

    Ich glaub es war so 2002 als ich die Cebit mal besuchte, als Nebenprodukt eines Besuches bei Freunden in Hannover. Ich konnte schon etwas mehr als nur den Computer einschalten und wollte Infos. Beim wollen war es geblieben, alles nicht mein Ding da gewesen. Und den Werbemüll wie Kulis, Demos und bunte Hefte hab ich gar nicht erst genommen. Mir kam es vor wie der Jahrmarkt der Eitelkeiten.
    Egal, ist eh nun Geschichte.
    Und, als Bemerkung am Rande: Caschy ist für mich ein Verkaufskanal und irrelevant.

  3. Martin Feuerstein sagt:

    “Vobis oder Markt + Technik, Data Becker, Sybex” – kennt die noch einer? :-D hab bei Vobis als Schüler mal ein Praktikum absolviert, von Data Becker ist mir der Wohnungsplaner (und der “Wohnungsplaner 3D”) in Erinnerung, nicht zuletzt Grußkartendesigner und was die noch so alles hatten…

    “und Blogger wie Caschy lungerten da herum”… das wird der aber nicht gerne hören.

    war irgendwann um 2012/2013 mal auf der CeBIT, da waren die Hallen noch voll von “China”-Händlern/Herstellern. Für mein Frauchen hab ich da einen Dokumentenscanner gesehen (und per Vorverkauf geschossen). Als das Ding dann ca. 2 Jahre später ankam, war das schon ein alter Hut, der Nutzwert war zum Zeitpunkt eher gegen null (im Studium wäre das für sie noch ganz nett gewesen, um Buchseiten zu kopieren/fotografieren). In den letzten Jahren war ich noch zwei Mal da, war mal ganz nett bei APC eine Führung über den Stand zu kriegen, aber auch kein weltbewegender Wissensgewinn, bei eon mal durch den Smart-Home-Truck.

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  5. Holger sagt:

    Ich bin nur ein einziges Mal dort gewesen, das war im Jahr 2000 und ich muss sagen, dass sich für mich der Besuch absolut nicht gelohnt hat. Lag vielleicht auch ein wenig daran, dass ich am Morgen, bevor es los ging, einen Hexenschuss bekam und nur mit Schmerzmitteln dort umherlaufen konnte.

    Schon damals war zu spüren, dass der Reiz nicht mehr so groß war, weil Computer und alles was dazu gehört einfach schon zu selbstverständlich waren. Ich fand schon damals, dass man vollmundigen Ankündigungen mit einem gesunden Misstrauen begegnen sollte und erst einmal abwartet, bis das neue Produkt auf dem Markt und die gröbsten Bugs beseitigt sind. Diese Haltung habe ich bis heute bewahrt.

    Informieren kann man sich heute längst über andere Kanäle und es ist auch Zeit und Geld sparender, wenn man nicht eine längere Autofahrt dafür benötigt, zum Ort der Information zu kommen. Davon abgesehen tuen einem nach nur 6 Stunden herumlaufen auf dem Messegelände abends die Füße weh.

  6. Joe_Gerhard sagt:

    Für mich ist es eine späte Genugtuung, dass die Deutsche Messe es derart vergeigt hat. Man hat mich als Fachbesucher schließlich lange genug geärgert. Von 1984 an war ich auf der Hannover Messe und dann auf jeder Cebit. “Tonnen” von Wissen, Kontakten und auch Unterlagen (die es sonst damals nirgendwo gab) habe ich nach Hause getragen (Kulis und viele witzige Gadgets waren auch dabei).

    Der geschäftliche Nutzen war in den ersten Jahren riesig, die körperlichen Antrengungen enorm. Auch in den Neunzigerjahren traf man noch die Fachleute, die wirklich helfen konnten, wenn man komplexe Aufgaben und Fragen mit sich herumtrug. Große Aufträge wurden vorbereitet oder abgeschlossen, die Messerabatte gerne mitgenommen, das hat sich gelohnt.
    Der Messebesuch wurde sorgsam geplant und war genau getaktet, Turnschuhe zum Anzug machten das viele Laufen erträglicher.

    Über die Jahre wurde es immer trostloser und uninteressanter, irgendwann 2012 oder 2013 war dann meine letzte Cebit, ich war es leid und der Nutzen ging gegen Null.
    In den letzen Jahren wurde ich mit Freikarten und sogar freien Mahlzeiten überschüttet, ein schlechtes Zeichen. Immer mehr, für mich und meine Brötchengeber wichtige Unternehmen, kamen nicht mehr zur Messe, und ich konnte sie verstehen.

    Mit dem Auto bin ich seit 2005 oder so nicht mehr hingefahren (sogar zum Teil von der Ehefrau gefahren worden), zu groß das Verkehrschaos, zu unverschämt die Messegesellschaft. Mit dem Zug, erst IC dann ICE ging es auch, aber eine komfortable Anreise bis zum Eingang ist anders.

    Messen sind großartige Chancen für Branchen, auch für die IT, siehe Computex oder sogar die CES, aber Hannover hat es vermasselt. Glück für die, die nicht mehr hin müssen und Glück für die, die es nicht mehr bezahlen müssen. Keine Träne weine ich der Cebit nach.

  7. Al CiD sagt:

    War auch seit Anfang der 80er fast jedes Jahr auf der Messe in Hannover, als E-Techniker und IT-Mensch, später teilweise auf beiden Messen im selben Jahr…
    Das Interessante war meist hinter den Kulissen, egal ob Industrie oder Cebit, alles andere war der Erinnerung nach Anstrengung pur.

    Das letzte Mal war ich 1999 auf der Cebit, da bin ich über 2000 km weit angeflogen, 3 Tage absoluten Hetze und Stress… es ging bei uns um verschiedene Themen, Schwerpunkt war aber VoIP im Unternehmensbereich…
    Dann ging es wieder 2000 km zurück, 2 Wochen lang die für die Geschäftsführung aufgearbeiteten Infos mit realen Angeboten und Praktiken für Unternehmen zusammen gestellt… dann 2 Wochen KOMA… seitdem nie wieder Hannover.

    • Al CiD sagt:

      Nachtrag – Auch sehr in Erinnerung geblieben:
      Sobald am späten Nachmittag Feierabend war sah man dann die ganze Meute, die meisten davon Asiaten, in der Bayrischen Hütte und eine Stunde später tanzten die, die noch nicht abgesoffen waren, auf den Tischen… auch eine Bemerkung wert.
      ;-)

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