Smart Home: Verbraucher bleiben skeptisch

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat eine Umfrage unter Verbrauchern bezüglich Smart Home durchführen lassen. Das Interesse an Smart Home ist weiter gering und der Hauptkritikpunkt ist fehlender Mehrwert.


Anzeige

Hintergrund der Aussage

Smart Home ist ja eines der Buzzwords, die seit Jahren im Internet, auf Konferenzen oder in Veröffentlichungen der Industrie genutzt wird. Man könnte zum Eindruck gelangen, dass jeder Verbraucher, der nicht mit Smart Home-Lösungen arbeitet, hoffnungslos zum alten Eisen gehört. Würde man einen der Verbände von VDE bis Bitcom befragen, käme sicherlich ‘ein extrem wichtiges Thema, hängen Millionen Arbeitsplätze daran’ zurück. Aber wie sieht es wirklich aus?

Apple HomeKit

Der Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) wollte wissen, wie das Thema Smart Home bei Verbrauchern ankommt. Denn die Verbraucher müssen die Produkte ja kaufen und einsetzen. Die hopp Marktforschung wurde daher beauftragt, eine Umfrage durchzuführen. Kurzfazit der von der hopp Marktforschung im Auftrag durchgeführten Umfrage ist, dass viele Verbraucher nach wie vor bei der Nutzung von Smart Home Geräten Zurückhaltung zeigen.

„Obwohl die Vernetzung des Zuhauses mit intelligenten Geräten zunimmt, stehen viele Verbraucher dem Smart Home kritisch gegenüber. Sie sehen den Mehrwert dieser Produkte nicht, haben Angst vor Datenweitergabe und finden die Produkte zu teuer “, sagt Thomas Engelke, Teamleiter für Energie und Bauen beim vzbv.

49 % der Befragten haben kein Interesse an Smart Home

Interessant bis ernüchternd sind allerdings die Ergebnisse der der repräsentativen Online-Umfrage. So äußerten sich zwar 57 Prozent der Befragten, dass sie ziemlich genau wüssten, was Smart Home sei.

  • Knapp die Hälfte (49 Prozent) der Befragten hat jedoch kein Interesse an Smart Home.
  • Nur neun Prozent wollen Smart Home Produkte und Dienstleistungen in jedem Fall nutzen.

Die wichtigsten Kritikpunkte an Smart Home betreffen den fehlenden Mehrwert (64 Prozent), die Angst um die Weitergaben von persönlichen Daten auch an Unbefugte (49 Prozent), die Angst vor Hackerangriffen (47 Prozent) und die zu hohen Kosten (47 Prozent).

Die Vernunft der Masse?

Als ich die obigen Zahlen las, schoss mir spontan ‘sind die Leute vernünftiger als erwartet’ durch den Kopf. Ich selbst bin in Bezug auf Smart Home extrem zurückhaltend, sehe sich doch weder die Finanzierbarkeit noch den wirklichen Nutzen. Die oft zitierte intelligente Heizungsregelung, die die Temperatur absenkt, wenn die Bewohner eines Hauses nicht anwesend sind, ruft bei mir Stirnrunzeln hervor. Bei modernen, gedämmten Objekten mit Fußbodenheizung macht so etwas nur bei einer längeren Abwesenheit Sinn. Und ob ein elektronisches Thermostatventil am Heizkörper was bringt, da mache ich mal ein Fragezeichen dran.


Werbung

Zwei weitere Punkte, die mich umtreiben: Als Häuslebauer, die unter den Baukosten stöhnen, erscheinen die Zusatzausgaben für Smart Home so lebensnotwendig wie ein Furunkel am Hintern. In Zeiten, wo Leute schon mal nachdenken, die Bauvorschriften zu lockern, um ‘billiges bauen’ zu ermöglichen, dürfte Smart Home einen schweren Stand haben. Der Benutzerkommentar hier bringt es ganz gut auf den Punkt.

Und als Jemand, der aus dem Handwerk kommt, weiß ich, dass das Zeugs nicht nur gekauft, installiert und in Betrieb genommen werden muss. Später kommt die Wartung hinzu. Genau dort entsteht dann ein Aufwands- und Kostenblock, der die meisten Projekte zum Klotz am Bein mutieren lässt. Ich selbst habe bei der Projektion meines Hauses vor 20 Jahren eine Regenwasserzisterne samt Hauswasserwerk auflegen lassen. Ich wollte was für die Umwelt tun. Gerechnet hat sich die Investition bis heute nicht, und da ist simple Mechanik mit Schwimmerschaltern, Förder- und Druckerhöhungspumpen sowie eine Drucküberwachung verbaut. Wie oft musste ich in den 20 Jahren Reparaturen ausführen, weil Pumpen, Druckschalter oder Schwimmerschalter den Geist aufgaben. Bei meiner Rolladensteuerung ist es ähnlich. Wenn schon simple Technik streikt, wie schaut es mit dem IoT- und Smart Home-Zeugs aus?

Wenn ich dann denke, dass ich noch 20 technische Einheiten im Smart Home beaufsichtigen und warten muss, kann ich die Vorbehalte der Leute verstehen und nachvollziehen. Aber ich bin da vermutlich zu viel Old-School, der den Update-Zirkus und ‘alle 2 Jahre muss alles neu gemacht werden’, nicht mehr versteht.

Smart Home darf Verbraucher nicht schlechter stellen

Der vzbv hat einige Leitlinien für Smart Home in seiner Meldung zusammen gefasst. Verbraucher dürfen im digitalen Smart Home gegenüber dem analogen Zuhause nicht benachteiligt sein. Das betrifft die Sicherheit, die Rechte und die Kosten. So muss zum Beispiel rechtlich geregelt werden, wer haftet, wenn bei Fehlprogrammierung Heizungsschäden entstehen oder der Kühlschrank auftaut.

Software-Updates, insbesondere Sicherheits-Updates müssen in regelmäßigen Intervallen und über die gesamte Lebensdauer des Gerätes zur Verfügung gestellt werden. Zwei Jahre reichen dafür nicht aus. Smart-Home Geräte, die Energie einsparen sollen, müssen sich rechnen und dürfen unter dem Strich für die Verbraucher nicht zu Zusatzkosten führen. (via)

Kontrastprogramm: Alle wollen Smart Home

Als Gegenstimme habe ich noch ein Pressemitteilung der Interhyp Gruppe, die mich vor einigen Tagen unter dem Titel Sicherheit und Komfort beim Neubau: Drei Viertel der Deutschen würden auf Smart Home setzen erreichte. Laut einer Studie würde die Mehrheit beim Neubau Heizung, Licht oder Schließsysteme digital steuern. Manche sorgen sich um Datenschutz und hohe Kosten.

Steuerbare Jalousien, mobile Heizungsregelung, Einbruchsschutz: 77 Prozent aller Deutschen würden Smart-Home-Anwendungen bei einem Immobilien-Neubau erwägen. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage von Interhyp unter 1.000 Befragten. „Smart-Home-Lösungen bei Neubauimmobilien sind gefragt. Interessenten sollten die Kosten bei der Baufinanzierung berücksichtigen. Für intelligente Baumaßnahmen gibt es sogar passende Förderprogramme, um die Sicherheit, den Wohnkomfort oder die Energieeffizienz zu erhöhen“, sagt Mirjam Mohr, Vorständin der Interhyp AG, Deutschlands größtem Vermittler privater Baufinanzierungen. Interessenten sollten zinsgünstige Kredite und Zuschüsse frühzeitig prüfen lassen.

Zahlen bitte

Auf dem ersten Platz bei Smart Home Anwendungen steht das Thema Sicherheit. Laut der Erhebung würden bei einem Neubau 55 Prozent der Deutschen eine Sicherheitsüberwachung erwägen. Auf dem zweiten Rang folgt für gut jeden Zweiten (49 Prozent) eine digitale Wärmeregelung. Eine smarte Lichtsteuerung wäre für 46 Prozent eine Überlegung wert. Das Interesse an einer Smart-Home-Sicherheitslösung nimmt mit dem Alter zu: Während unter den 18- bis 29-Jährigen 48 Prozent den Einbau erwägen, sind es unter den über 65-Jährigen 60 Prozent.

Gründe für das Interesse an Smart Home

Diejenigen, die sich für Smart Home interessieren, wurden nach den Gründen gefragt. Die Mehrheit verspricht sich demnach, die Sicherheit im Haushalt zu erhöhen (66 Prozent), Strom zu sparen (54 Prozent) und sich das Alltagsleben zu erleichtern (52 Prozent). Technologiebegeisterung führten 31 Prozent an.

Nur knapp ein Viertel (23 Prozent) aller Befragten finden Smart Home nicht interessant. Nach den Gründen gefragt, nannten sie Datenschutzbedenken (37 Prozent) und die Sorge vor hohen Anschaffungskosten (34 Prozent) oder hohen Betriebskosten (25 Prozent). Eine zu komplizierte Technologie befürchten 23 Prozent.

Über die Umfrage: Im Auftrag von Interhyp hat Statista 1.000 Menschen in Deutschland zum Bauen befragt. Die Umfrage ist national repräsentativ nach Alter und Geschlecht.

Ich finde es immer wieder interessant, wie konträr doch ‘Umfragen’ sein können. Spontan hätte ich die Wertigkeit der Umfrage des Bundesverbands Verbraucherzentralen als höher bewertet. Denn die haben keine Interesse, das Thema hoch zu jubeln. Erinnert mich an die Zeit, als ich im Bereich Lärm/Umweltschutz Umfragen ‘politisch’ verkaufen musste. Die Befragungen waren valide. Hat damals ein größeres Medienecho ausgelöst und selbst eine Anhörung vor einer Fluglärmkommission habe ich seinerzeit unbeschadet überstanden. Am Ende des Tages gab es Verbesserungen für die Betroffenen. Was ich damals mitgenommen habe: mit einer entsprechenden Gestaltung der Fragen hätte man auch andere Ergebnisse erzielen können – es kommt auf die Verpackung an.

Ähnliche Artikel:
SmartHome und die Sicherheit
Avast: 15,5 % der Smart Home-Geräte mit Sicherheitslücken
Update auf iOS 11.2.1 fixt HomeKit-Remote-Sicherheitslücke
iRobot: Der (Daten-)Staubsauger?
eco Verband warnt vor Smart Home Hacks
Sicherheitsinfos zum 4. Mai 2016
Neues von Nest … und den SmartWatches
Gewitterstürme und IT-Infosplitter …
MEDION® Smart Home Portfolio als Sets erhältlich


Anzeige
Dieser Beitrag wurde unter Smart Home abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Smart Home: Verbraucher bleiben skeptisch

  1. Wolfgang sagt:

    “So muss zum Beispiel rechtlich geregelt werden, wer haftet, wenn bei Fehlprogrammierung Heizungsschäden entstehen oder der Kühlschrank auftaut.”

    Derartigen Problemen gehe ich von vorne herein aus dem Weg, wenn ich das “Zeug’s” nicht verwende.
    Es mag vielleicht altmodisch klingen, aber es ist auch bisher “ohne” gegangen. Man hat halt ein bisserl mitdenken müssen…

    • Wolfgang sagt:

      Übrigens: Beí uns in Wien werden jetzt die guten alten Ferranti-Stromzähler durch “Smartmeter” ersetzt. Damit man ‘leichter seinen Strombedarf managen’ kann, weil ja der Verbrauch viertelstündlich übertragen wird. Dadurch erspart man sich auch das Ablesen vor Ort !?! (Was bei uns ohnehin der Kunde machen musste.)
      Meiner Meinung nach dient das nur dazu, genau dann den höchsten Tarif verrechen zu können, wenn man am meisten verbraucht hat. (Was man natürlich erst im Nachhinein weiß!)
      Es gibt selbstverständlich ein “Opt-out”: Nur erschöpft sich das darin, dass man seinen Verbrauch dann nicht mehr mit der Smartphone-App abrufen und somit kontrollieren kann. Das Smartmeter wird dennoch installiert und betrieben.
      Verar…. in Reinkultur.

  2. Nobody sagt:

    Herr Kalkofe hat vor einiger Zeit zu dem Thema ein amüsantes Video gemacht. Leider ist nicht mehr auf Youtube, sondern nur noch auf Facebook mittels Flash Player verfügbar. Den habe ich bereits vor Monaten entsorgt. Bei Interesse mal suchen nach “Kalkofe – Geflashte Manager”.

  3. Werbung

  4. Walter G. sagt:

    Wirklich sinnvoll und nützlich ist an SmartHome eigentlich wenig. Man sollte sich bei der Hausautomation auf die wichtigen Dinge konzentrieren. Ich habe bei uns im Keller vor wenigen Tagen ein Frühwarnsystem auf analoger Basis fest installiert, das uns mit 100 dB Piezo-Ton auch aus dem Schlaf holen wird, wenn eine der 50 Jahre alten Wasserleitungen undicht werden sollte. Das war es aber dann auch schon mit der Automation. Mit wenigen Euro vorbeugend größeren Schaden vermeiden, ganz ohne Internetanbindung. Da eh meist einer von uns zuhause ist, ist das Risiko, dass der Keller trotzdem volllaufen wird, nur sehr gering.

  5. Roland Moser sagt:

    “…Genau dort entsteht dann ein Aufwands- und Kostenblock, der die meisten Projekte zum Klotz am Bein mutieren lässt…”
    Darum geht es, um den Konsumenten noch mehr abzuzocken.

  6. janilis sagt:

    Meiner Meinung nach sollen da sowieso nur Bedürfnisse geschaffen werden, die eigentlich kein Mensch hat. Finde es persönlich nur sehr interessant und gut, das es bei Smarthome einfach nicht richtig funktionieren will. Da gibt es auch so eine Brille, braucht man angeblich auch sein Smartphone mit dazu, da will das auch nicht so richtig funktionieren. Warten wir ab, denke mit sinkendem IQ der Masse, wird dann auch der Verkauf ansteigen. (Haben ja alle nix zu verbergen…)

  7. Nobody Private sagt:

    Smart Home, nun für mich ist es ein wenig Sicherheit, ein bisschen mehr Spielzeug zur Bequemlichkeit und viel Baustelle.
    Ja, viele Geräte sind teuer, die aus China, manchmal auch von anderen Europäischen Firmen, etwas preisgünstiger, dafür werden diese dann oft nicht, oder nur teilweise unterstützt. Da meistens aus diversen Gründen kabellose Geräte im Einsatz sind kommen mindestens noch Batteriekosten dazu. Manche Batterien halten 2 Jahre, manche auch nur deutlich kürzer :-). Das einige Geräte auch nach ca 2 Jahren den Geist aufgegeben, kommt noch dazu. Okay, einige Firmen decken ihre “Softwarewartungskosten” durch den Preis der von ihnen angeboten Geräte, muss man akzeptieren auch wenn die Wartung anders ist als erhofft.
    Einige private Projekte sind da auch recht gut, mit anderen Abstrichen.
    Unterm Strich bin ich momentan enttäuscht, gefühlt bewegen wir uns da auf Spielzeugniveau, wobei echtes technisches Spielzeug da schon bessere Qualität hat.

  8. Werbung

  9. Klaus KNX sagt:

    Ich denke trotzdem, dass intelligente Gebäudeautomation kommen wird. Wenngleich es in privaten Haushalten vielleicht noch etwas länger dauert, aber gerade bei kommerziellen Neubauten merkt man ja, dass sich immer mehr für ein Green Building entscheiden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.