Facebook (be-)zahlt Kids, um eine VPN-App zu installieren

Der nächste Skandal für Facebook kommt schon wieder um die Ecke. Das Unternehmen hat u.a. Kindern ab 14 und Erwachsenen bis 35 Jahren 20$ monatlich gezahlt, damit diese sich die modifizierte Onavo VPN-App auf ihren Geräten installieren. Damit wurden die Nutzer für Facebook gläsern.


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Aufgefallen ist dies bei einer Untersuchung. Zack Whittaker hat das Thema in nachfolgendem Tweet aufgegriffen und auf einen Artikel bei Techcrunch verwiesen.

Facebook muss schon sehr davon besessen sein, an Daten über seine Konkurrenten zu gelangen. Dem Bericht bei Techcrunch hat Facebook heimlich Leute bezahlt, um eine “Facebook Research” genannte VPN-Lösung zu installieren. Konkret handelt es sich wohl um eine App, die auf einem modifizierten Onavo VPN basiert.

“Facebook Research” ermöglicht dem Unternehmen alle Telefon- und Webaktivitäten eines Benutzers mit zu tracken, ähnlich wie mit der Onavo Protect-App von Facebook. Apple hatte diese App im Juni 2018 verboten und im August aus dem iTunes Store entfernt. Facebook umgeht jetzt den App Store und belohnt Teenager und Erwachsene, die Research App herunterzuladen und der App Root-Zugriff auf den Netzwerkverkehr gewähren. Das dürfte aber einen Verstoß gegen die Apple-Richtlinien darstellen. Denn das soziale Netzwerk kann die Telefonaktivitäten der Nutzer entschlüsseln und analysieren,wie eine TechCrunch-Untersuchung bestätigte.

Facebook gab gegenüber TechCrunch zu, dass man ein Forschungsprogramm betreibt, um Daten über die Nutzungsgewohnheiten zu sammeln, und das Unternehmen hat keine Pläne, mit dieser Praxis aufzuhören. Seit 2016 zahlt Facebook laut Techcrunch Nutzern im Alter von 13 bis 35 Jahren bis zu 20 US-Dollar pro Monat zuzüglich Vermittlungsgebühren, wenn diese die iOS- oder Android-App “Facebook Research” installieren und ihre Privatsphäre verkaufen. Facebook hat Benutzer sogar gebeten, ihre Amazon-Bestellhistorie als Screenshot abzufotografieren und einzusenden.

Will Strafach, ein Sicherheitsexperte von Guardian Mobile Firewall, gibt an, dass die App Facebook ermöglicht, wirklich fast alles auf dem Gerät sammeln kann:

  • Private Nachrichten in Social Media Apps
  • Chats aus Instant Messaging Apps (einschließlich Fotos/Videos, die an andere gesendet werden)
  • E-Mails, Websuchen, Webbrowsing-Aktivitäten und sogar aktuelle Standortinformationen

Der Benutzer macht sich also freiwillig gläsern. Das Programm wird durch die Beta-Test-Dienste Applause, BetaBound und uTest verwaltet. Dies sollte die Beteiligung von Facebook verschleiern. Das Ganze läuft in einigen Dokumenten unter der Bezeichnung “Projektatlas” – ein passender Name für die Bemühungen von Facebook, neue Trends und Konkurrenten auf der ganzen Welt zu erfassen und zu überwachen.


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Nachtrag: Laut diesem Beitrag hat Apple inzwischen die Facebook Research-App ebenfalls aus dem iTunes Store raus geworfen.


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14 Responses to Facebook (be-)zahlt Kids, um eine VPN-App zu installieren

  1. Hans van Aken sagt:

    Kindern und Jugendlichen ihre Daten ABKAUFEN? Die sind doch
    gar nicht geschäftsfähig! Und das schon seit 2016? Wo sind
    unsere Datenschutzbeauftragten? Wo ist unser Justizminister?
    Wo sind Polizei und Staatsanwälte? Wo die Wettbewerbshüter?
    BSI? Kinderschützer? Langsam reicht’s!

    • Dekre sagt:

      man kann schon mit Wattebällchen werfen. Das imponiert die Gegenseite ungemein. Es ist nichts neues. Es wird jetzt nur auf Internetnutzung verlagert. Muss ja wohl was geben, was man für das Geld machen muss.
      Ist wohl für Kinder strafbewehrt und schwebend unwirksam, zumindest in Deutschland. Die Frage der Rolle der Eltern kommt dabei auch ins Spiel. Was macht der Justizminister – Es gibt dafür mE ausreichend schon Gesetze. Bei Volljährige – andere Frage.
      Die Rechtsverfolgung harrt. Der Süßschaum oder wie der heißt, hat schon in so vielen Ländern gegen so viele dortige Regelungen verstoßen und was passiert – NCIHTS – Solange das Bundesjustizministerium die Leute animiert ihnen auf fazebuk und Consorten zu folgen – So können die sich gleich mit einbuchten.
      Ist immer das gleiche Spiel und immer die gleiche Ausrede von den ör-Medien und den Bundesministerien.

  2. oli sagt:

    Hm, interessante Strategie von Facebook: Hier, ich geb dir 20$, wenn du unsere Malware auf deinem Smartphone installierst :F. Ob das auch woanders funktioniert? Gibt ja Leute, die ihre Daten über den halben Globus verteilen, nur weil sie bei zig Gewinnspielen mitmachen…

    • Dekre sagt:

      Glücksspiele sind nur dafür gemacht, egal welche.
      Hier war es wohl so, dass der Nutzer regelmäßig Geld bekommt. Das ist bei Test von Medikamenten auch so. Die Pharma-Hersteller suchen oft Probanden für ihre Studien.

      Das Ganze ist bei Payback, Deutschland-Card und was es das so gibt generell auch so.

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  4. Bolko sagt:

    Auch wenn man Facebook nicht installiert hat und dort keinen Account hat, werden trotzdem Daten an Facebook übermittelt.
    Das geschieht durch das “Facebook Share”-Modul in den anderen Apps, denen man nicht ansieht, dass die Infos an Facebook schicken.

    Es werden auch die eindeutigen Werbe-IDs und Android-IDs übertragen.
    Das Facebook-Share-Modul befindet sich auch in Navi-Apps wie “Here”, “Maps.ME”, “Osmand”, so dass Facebook auch die Bewegungsprofile hat.
    Auch in manchen Dateimanagern, PDF-Readern etc befinden sich die Facebook-Module.
    Das ist inzwischen eine richtige Seuche.
    Vor allem wird man nirgendwo in der App darauf hingewiesen und es gibt auch kein Opt-Out. Es bleibt nur die Deinstallation übrig, sofern man überhaupt Kenntnis von diesen reinkompilierten Facebook-Modulen hat.

    Die versteckten Tracker-Module in den auf dem Smartphone installierten Apps kann man mit “Exodus Privacy” analysieren:
    https://play.google.com/store/apps/details?id=org.eu.exodus_privacy.exodusprivacy

    online-Suche für versteckte Tracker-Module in Apps:
    https://appcensus.mobi/

    https://motherboard.vice.com/de/article/439ebb/facebook-sdk-datenweitergabe-auch-ohne-facebook-account-tracking-kayak-shazam-spotify

    https://mobilsicher.de/ratgeber/schnueffel-module-in-apps-das-koennen-sie-tun

    • Günter Born sagt:

      Sorry, ist wegen der vielen Links im Spam gelandet – habe es erst jetzt gesehen.

    • oli sagt:

      Das erinnert mich an MS, mit ihrem einkompilierten Tracking-Code bei Verwendung von Visual Studio. Da hatte doch ein einfaches “HelloWorld”-Programm Verbindungen zu MS aufgebaut. Weiß gar nicht, was daraus geworden ist. Ist das immer noch so? Ich seh ähnlichen Tracking/Telemetrie-Mist immer nach der Installation vom SQL Management Studio. Die Telemetrie von SQL/Error-Reporting kann man ja noch abschalten, aber irgendwas mit vshubexe/Microsoft.VsHub.Server.HttpHost.exe/Microsoft.VsHub.Server.HttpHostx64.exe baut dann immer noch Verbindungen auf^^.

  5. der_Puritaner sagt:

    Da wir mittlerweile sehr viel über die höchst zweifelhaften Geschäftspraktiken von Facebook wissen muss man sich doch mal ernsthaft fragen wie die Monatlich noch Nutzer hinzugewinnen können.

    Ist das den Nutzern von Facebook tatsächlich so egal was mit ihren Daten geschieht? Oder sind die einfach nur Facebook Süchtig?

    • Günter Born sagt:

      Imho verlieren die eher Nutzer – zumindest in den wichtigen Segmenten der Youngster. Hab aber keine Zahlen.

      • Ralf Lindemann sagt:

        Stimmt, laut einer aktuellen Studie rangiert Facebook in der Beliebtheit unter deutschen Jugendlichen weit abgeschlagen (6 %). Die Top 3 sind: YouTube, WhatsApp & Instagram. – Könnte auch einer der tatsächlichen Gründe sein, warum Facebook die verschiedenen Angebote miteinander verknüpfen will … Plakativ gesagt: Wer die Jungendlichen verliert, verliert die Zukunft.

        Zitat aus der Studie:

        „Welche konkreten Online-Angebote begeistern Jugendliche in der Art und Weise, dass sie es ohne Antwortvorgaben spontan unter die Top 3 der liebsten Internetangebote schaffen? Die Liste wird mit deutlicher Führung vom Videoportal YouTube angeführt, das für knapp zwei Drittel der Jugendlichen zu einem ihrer drei liebsten Internetangebote zählt. Den zweiten Platz belegt der inzwischen multifunktionale Messenger WhatsApp, Platz drei geht an Instagram. Diesmal bereits auf dem vierten Rang folgt der Film- und Serienanbieter Netflix, der für knapp ein Fünftel der Jugendlichen der attraktivste Inhalteanbieter im Netz ist. Es folgen Snapchat und Google. Von jeweils sechs Prozent werden die Audio-Streaming-Plattform Spotify und Facebook genannt, weniger als fünf Prozent nennen Angebote wie Amazon Prime, Wikipedia oder allgemein Amazon, Twitter oder die meist für das Streamen von Videospielen genutzte Plattform Twitch.“
        Quelle: JIM 2018. Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland, hg. vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest, Stuttgart, 2018, S.34

        • der_Puritaner sagt:

          Eine Zusammenlegung der technischen Infrastruktur hinter den Chat-Funktionen würde zugleich eine Zerschlagung von Facebook erschweren. In der Politik kommen insbesondere seit dem Datenskandal um Cambridge Analytica immer wieder Forderungen auf, Facebook müsse gezwungen werden, sich von den Messaging-Diensten zu trennen.

  6. Nina sagt:

    Sollte das nicht heißen: “Facebook bezahlt Kids”? Außer natürlich Kids wäre jetzt eine Währung oder Zahlungsmittel.

  7. Tobi sagt:

    Apple hat darauf jetzt das Zertifikat von Facebook gesperrt, weshalb die internen Entwickler mächtig am Rudern sind. https://www.golem.de/news/zertifikatsrueckruf-apple-loest-grosse-probleme-in-der-facebook-zentrale-aus-1901-139092.html

    Pluspunkt für Apple

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