Software in 2019: Alles besser oder große Enttäuschung?

Inzwischen sind wir im Jahr 2019 angekommen, und leben im Zeitalter, in dem täglich neue Software-Updates hereinflattern. Wenn wir dem Marketing glauben können, macht jede neue App, jedes Betriebssystem-Upgrade und jedes Software-Update unser Leben schöner und reicher. Aber ist das wirklich so?


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Kurzer Schlenker: Moderne Autos arbeiten grob gesagt mit 98% dessen, was mit dem aktuellen Motordesign physikalisch möglich ist. Moderne Gebäude verwenden gerade genug Material, um ihre Funktion zu erfüllen und unter den gegebenen Bedingungen (von der Statik her) sicher zu sein. In diesem Bereich der Technik sehen wir eine Entwicklung, die zur optimalen Größe/Form/Last konvergiert.

Fails der Software-Entwicklung

Und im Bereich der Software-Entwicklung, wie schaut es da aus? Täglich lauern uns die Marktschreier aus den Marketing-Abteilungen auf und blasen uns ins Ohr, wie toll die nächste Version von Produkt xyz doch eigentlich sei. Höher, weiter, schneller – und teurer, die neuen Smartphones. Nur gibt es eine bedrückende Erkenntnis: Geräte, die vor zwei oder drei Jahren brauchbar waren, sind inzwischen hoffnungslos veraltet. Grund: Betriebssystem-Upgrades und aufgeblasene Apps fressen Ressourcen wie Hund.

Die Apollo-Computer und Fehlentwicklungen

2018 haben wir 50 Jahre Mondflug im Apollo-Programm gefeiert. Und am 24. Juli 2019 feiern wir den 50. Jahrestag der Mondlandung. Die Computer, die damals diese Raumflüge steuerten, hatten nur minimale Rechenleistung und Speicherkapazität, erledigten ihre Aufgabe aber. Heute hat ein Smartphone mehr Rechenpower, als die NASA seinerzeit über Rechenzentren bereitstellen konnte. Und trotzdem läuft das Zeugs zäh und ist oft unbedienbar.

Was wir in den achtziger Jahren mit simplen Texteditoren auf lahmen 80×86-Kisten blitzschnell erledigen konnten, kommt heute als App mit GUI-Schnickschnack auf Super-Duper-Systemen nicht in die Hufe. Irgend etwas läuft da gravierend falsch. Blog-Leser Markus K. hatte mir bereits Ende Oktober 2018 einen Link zu einem Blog-Beitrag Software disenchantment (Software-Enttäuschungen) geschickt. Der Autor des Artikels, Nikita, ist seit 15 Jahren Entwickler und macht sich einige Gedanken zu den Fehlentwicklungen der Software-Zunft. Als Sonntagslektüre, wenn man Englisch kann, ganz lesenswert.


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16 Responses to Software in 2019: Alles besser oder große Enttäuschung?

  1. Windoof-User sagt:

    So rosig war es in den 80ern dann doch nicht — auch damals wurde ein Haufen nutzlose Schrottware geliefert. Zudem gab es damals keine “Updates” im heutigen Sinne. So konnte es schon mal ein paar Monate/Jahre dauern, bis eine aktualisierte Version, wenn überhaupt, kostenpflichtig bereitgestellt wurde. Also ganz so finster sieht es heutzutage dann doch nicht aus.

  2. Nobody sagt:

    Im Laufe der Jahre bin ich Updates gegenüber immer skeptischer geworden. Mittlerweile sind automatische Updates wo immer es geht deaktiviert. Selbst Firefox Addons dürfen sich nicht selbstständig aktualisieren.
    Der im Artikel als positive Entwicklung erwähnte Vergleich mit Autos ist allerdings befremdlich. Genau da geht der Trend auch in die völlig verkehrte Richtung. Aufgeblasene, große, schwere und in der Leistung überdimensionierte Privatpanzer machen sich immer mehr breit.

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  4. nook sagt:

    Auf der einen Seite die Flut an updates und der marketingtechnische Zwang zu stetig “Neuem”.
    Auf der anderen Seite die fehlenden Sicherheitssupdates für “ältere” (2 Jahre?) Smartphones.

    Dann komm ab 2021 bloß nicht auf die Idee mit dem nicht mehr aktualisierbaren Smartphone oder Tablet auf “Deiner” (Verfügungsgewalt unter Android ;-) elektronischen Patientenakte (ePA/eGA) Zugriffsoptionen für Ärzte, Krankenhäuser etc. zu vergeben.

    • Tim sagt:

      Genau das ist der springende Punkt. Einerseits verfluchen alle die ständigen Updates, deaktivieren sie sogar, weil sie unerwünscht sind.

      Gleichzeitig werden aber von dem zum Teil gleichen Personen die Hersteller von Android Smartphones verflucht, weil sie nur ein oder maximal zwei Jahre Updates für das eigene Smartphone liefern….. verrückte Welt

      • Ralf sagt:

        Nein, das ist nicht der springende Punkt. Denn man muss zwischen Sicherheitsupdates unterscheiden und der augenblicklichen Mode, gefühlt alle fünf Minuten das Design der Programme und Systeme zu verändern. Ist inzwischen wie in der Mode, nur, weil es das Design schon gibt, muss es dringend grundlegend verändert werden. Mal hell, mal dunkel, mal bunt, dann wieder möglichst kontrastlos, …

        Man braucht sich nur einmal Gnome oder KDE als Bedienoberflächen auf der Linux-Seite anzusehen. (Um mal Windows als Streitpunkt auszulassen.) Wie oft da schon das Design und die Bedienung der Oberfläche geändert und vorübergehend stets deutlich verschlechtert wurde.

        Und an das Deaktivieren denkt man inzwischen ja auch nur, weil selbst jedes Sicherheitsupdate die Gefahr birgt, mehr Flurschaden anzurichten als die Sicherheit des Systems zu gewährleisten. Selbst die Minor-Updates von Apple sind da keine Ausnahme. Schon zweimal habe ich erleben müssen, dass nach einem solchen Sicherheitsupdate der Stromverbrauch derart gestiegen war, dass man nicht mal mehr durch die Nacht ohne Netzteil gekommen ist.

        Was wir dringend brauchen, sind stabile Betriebssysteme, die über einen längeren Zeitraum mit Sicherheitsupdates gepflegt werden. Und welche man dann für kritische Anwendungen wie mobiles Bezahlen, elektronische Steuererklärung, Patientenakte oder ähnlichen digitalen Schnickschnack verwenden kann. Und dieser Update-Service dann auch bei kommerziellen Firmen/Betriebssystemen monatlich Geld kosten kann. Man bezahlt ja auch monatlich Geld für den Internetzugang, warum nicht auch für ein stabiles gepflegtes Betriebssystem.

        Man muss sich doch nur mal den Irrsinn bei Microsoft anschauen. Da haben sie Windows 10 entwickelt, um die Systementwicklung zu vereinfachen. Herausgekommen ist durch die halbjährlichen Funktionsupgrades die Notwendigkeit, für die Pflege von mehreren verschiedenen Windows 10 Versionen die personellen Ressourcen zu verschwenden.

        • David Teichfloh sagt:

          Gute geschrieben, Ralf!
          Ich stimme dir voll zu. Inzwischen mache ich Updates nur noch, wenn ich vorher ein System-Backup vorliegen haben. Ich lasse ältere Programme laufen, weil ich weiß, dass “neue” Updates nur noch Probleme machen (können) oder “ungewollte” (von mir) Veränderungen/ Verbesserungen einbringen….
          Wie das in Zukunft mnal werden soll – ich will es mir gar nicht mehr vorstellen.

        • Bernard sagt:

          Gnome ist ein gutes Negativ-Beispiel. Die Funktionalität wurde von 2 zu 3 massivst verschlechtert.

          Zum Teil machen die Linux-Entwickler das aber nur, weil es aus der Windows-Welt als der letzte Schrei daherkommt und die Nutzer es wollen.

          (Wollen die es wirklich?)

  5. noname2019 sagt:

    wenn ich mir die praktische Seite anschaue, erledigt sich der Schriftverkehr mit Office 365 auch nicht schneller als vor 20 Jahren mit Wordperfect.

    DOS/Windows war damals die Basis, um die Programme für die Arbeit zu starten. Windows ist die Basis und nicht Selbstzweck. Inzwischen ist Windows was auch immer.

    Früher wurde Code optimiert. Ich hatte mehrere Programme auf einer Diskette. Heute interessiert sich keiner mehr für Optimierung. Kostet Zeit und Geld, die Niemand hat bzw. investieren will (hallo lieber BWL und VWL Spezies), zum Anderen gibt es doch genug Ressourcen (was kosten Prozessor und Speicher?). Durch die Optimierung fand man aber auch viele Fehler/Probleme, so dass später keine/wenige Patches notwendig waren.

    Leider ist die Entwicklung tatsächlich eine Enttäuschung. Wir beuten den Planeten aus um jedes Jahr neue Prozessoren, Platten, Smartphones, … zu haben. Aber effektiver arbeiten wird damit nicht.
    Was spricht gegen ein 5 Jahre altes Smartphone? Ich kann telefonieren, Nachrichten scheiben, navigieren und surfen. Was kann das neue Super-Duper-Phone denn mehr/besser? Für mich: Nichts. Für den Hersteller: Gewinn. Für die Erde: Verlust.

    Das künstlich erzeugte permanente Wachstum kombiniert mit der Gier des Menschen kann nicht gut gehen und unsere Enkel werden den Preis für unser Hybris zahlen.

    • timbuk du sagt:

      Hat aber mit der “Gier des Menschen” weniger, mit dem benutzten Wirtschaftssystem Kapitalismus – oder netter Marktwirtschaft – sehr viel zu tun.
      Denn in diesem System fehlen Dinge ganz (jeglicher moralische Aspekt) oder sie dürfen komplett ausgeblendet werden, soziale und ökologische Zusammenhänge. Bedeutet, soziale und/oder ökologische Kosten spielen zunächst keine Rolle für eine Produktion, dabei egal ob Produkt oder Dienstleistung. Weil sie erstmal ausgeblendet werden können. Komplett. Und erst wenn die Rendite gefährdet ist, bemüht man sich widerstrebend, sich mit diesen Kosten, die immer(!) entstehen bzw. verursacht werden, auseinanderzusetzen. Etwas.
      Über die damit verbundenen katastrophalen Folgen muss man sich dann nicht wundern. Und dies auch nicht immer wieder in den fast immer gleichen Litaneien beklagen. Ändern/abschaffen dieser massiven Systemfehler wäre besser.
      Die Analyse dieses “Systems” liegt übrigens seit > 150 Jahren auf dem Tisch. Und, haben wir irgendwas wirklich geändert? Zeit genug wäre da gewesen…

    • oli sagt:

      Kann hier nur meine vollste Zustimmung geben. Das Problem ist dann aber die Angst der Menschen vor Veränderung, die unweigerlich eintreten wird. Wenn wir diese ökologisch verträglichere Grundhaltung auch in andere Bereiche ausdehnen wollen bzw. irgendwann auch müssen, müssen wir uns vom aktuellen Wirtschaftssystem, zumindest in Teilen, verabschieden. Dein “Hallo” an BWLer/VWLer ist da glaube ich an die falsche Adresse gerichtet, da sie im “System” gefangen sind. Sowas geht nur über die Politik. Diese muss die Rahmenbedingungen schaffen, damit auch z.B. ein ökologisches und nachhaltiges Unternehmen “wettbewerbsfähig” wird. Mit der aktuellen Politik seh ich das nicht.

      • noname2019 sagt:

        über die Politik? Wer steuert denn die Politik? Lobbyvertretungen? Und wer sitzt dort an den Hebeln? Die, die Raubkapitalismus gelernt haben.

        • oli sagt:

          Hab doch geschrieben, dass die aktuelle Politik dazu nicht bereit ist. Aber weißt du, was das tolle an einer Demokratie ist? Du, ich und alle anderen Wähler in Deutschland können diese Politik abwählen oder dagegen demonstrieren gehen, man muss es nur machen. Hier in einem IT-Blog zu schreiben bringt da nicht viel (sry Günther :x). Aber wie man schön an unserer letzten Wahl sehen konnte, gibt es für die Masse der Wähler immer noch andere Prioritäten. Wahrscheinlich muss so ein trockener, heißer Sommer(+Frühling?+Herbst?) wie 2018 wohl noch öfter passieren. Der Mensch reagiert anders, wenn er direkt betroffen ist. Konnte man wieder schön an der Datenklau-Aktion der Politiker u. Prominenten sehen, die dann anschließend direkt Gesetzesänderungen forderten (als ob normale Bürger nicht schon vorher von Datendiebstählen betroffen gewesen wären).

  6. Micha sagt:

    Bis vor einen halben Jahr habe ich noch meinen Intel Pentium 4 2,8GHz Northwood mit 2,5GB RAM (2x512MB + 2x 1024MB Module) und ATI Radeon HD 3850 512MB zum Surfen im Internet benutzt. Drauf installiert war Windows 7 Pro x32. Nach aktivieren des Windows 7 Basisdesigns und deaktivieren des Searchindexers lief das sogar richtig zügig. Als Festplatte kam eine 120GB Western Digital am IDE Port zum Einsatz. Ein ADblocker war installiert. CPU RAM und Motherboard waren zu diesem Zeitpunkt schon 15 Jahre alt. Durch die Moderne AGP Grafikkarte konnte man sogar HD Videos Ruckelfrei wiedergeben bei einer CPU last die um die 10% lag.

    Mit Windows 10 auf einen Windows 8.1 PC sah das leider anders aus. Der 5 Jahre alte Office Laptop (APU A6 5200+8GB RAM) hat Windows 10 einfach nicht gepackt. Es lief nach ungefähr ein Jahr wie Kaugummi. Zusätzlich hat Windows 10 noch das Bios von Version 1.0 auf Version 1.4 geupgradet. Danach stürzte immer der Grafikkartentreiber ab. Seit gut 3 Monaten Läuft da wieder Bios 1.0 mit Windows 8.1 x64 drauf. Seit dem Rolback gab es keine abstürze mehr. Als Grafikkartentreiber kommt die Radeon Software 18.9.3 für Windows 7 x64 zum Einsatz.

    Wenn ich mir die RAM Nutzung von aktuellen Programmen auf meinen modernen PC anschaue ist das schon hart.

    Verbaut ist ein
    ASUS Croshair hearo VI
    AMD Ryzen 1800X
    32GB DDR4 RAM
    Eine Radeon RX 480 8GB
    Windows 7 x64 ist Installiert.

    Bei 12 Geöffneten Tabs in 4 Fenstern mit Mozilla Firefox werden ungefähr 8GB RAM genutzt. Die V-RAM auslastung liegt bei ungefähr 750MB.

    1GB wird zusätzlich für Prog DVB reserviert. Das ist aber von mir so gewollt. Ohne die Reservierung läuft das Programm irgendwie Instabil.

    Öffne ich jetzt noch das PC Spiel Diablo III läuft die RAM Auslastung auf ungefähr 16GB hoch. (4GB V-RAM last)

    Wenn das oben beschriebene alles gleichzeitig läuft treibt es den Virtual Committed Memory auf 18GB.

    Meines Erachtens leiden die meisten Geräte unter RAM Mangel oder falscher Bestückung der Speicherbänke. Single Chanel ist für AMD APUs oder Intel IGPUs tödlich da die Leistung massiv einbricht. Ein aufrüsten oder umrüsten durch den Nutzer ist aber meistens auch nicht möglich. Somit werden die Geräte zeitnah unbrauchbar langsam.

    Ein effizientes Betriebssystem in der Windowswelt wäre mal wieder eine echte Innovation.

  7. Hans van Aken sagt:

    Sehr schöne Kommentare.
    Da finden wir doch alle unsere Probleme wieder und können uns
    beruhigt sagen: wir sind es nicht schuld.
    Mein geliebtes Linux Mint mit dem großartigen Waterfox
    hängt und hakelt in letzter Zeit heftig, manchmal reagiert
    gar nichts mehr, incl. Thunderbird. Habe gestern mal den
    letzten Kernel probiert, schien etwas besser zu laufen,
    vielleicht auch nur “gefühlt”. Echter Fortschritt wäre:
    gnadenlose Vereinfachung, Entrümpelung, nicht auf die
    angeblich so formidable Geschwingigkeit von Chrome zu
    schielen, sondern das eigene System wirklich zu verbessern,
    und zwar nicht mit Blick auf die Youngsters, die jeden
    neuen Schnickschnack für “cool” halten, darüber werden aber
    oft die “altgedienten” User und deren Interessen nach
    Stabilität und guter Bedienbarkeit vergessen. (Gerade gab’s
    während dem Schreiben wieder eine Zwangspause von
    2 Minuten, das ist einfach unerträglich).
    Auch das “Muskelgedächtnis” muß berücksichtigt werden:
    es nützt mir nichts, wenn ich manche Sachen (Beispiel:
    RSS) in stunden- und tagelanger Arbeit anders einrichten
    muß, wenn danach die Abläufe andere sind und nicht mehr
    quasi unbewußt ablaufen, sondern ich praktisch jeden Tastendruck
    bewußt machen muß. Es nützt eben nichts, nur in Mathe
    und Physik gut gewesen zu sein, ein guter Entwickler sollte
    auch psychologisch versiert sein und sich vor allem in
    die Nutzer hineinversetzen können (und die sind in der Mehrzahl
    keine ITler, sondern normale Menschen). Autisten sollten
    da nicht die erste Wahl sein.

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