Microsofts Lobbyarbeit gegen Right to Repair

Microsoft hat wohl im Geheimen Lobbyarbeit gegen US-Initiativen in Sachen Right to Repair gemacht. Das steht gänzlich im Gegensatz zu anderen öffentlichen Verlautbarungen.


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Microsoft tut ja in öffentlichen Verlautbarungen immer so, dass dem Unternehmen das Wohl seiner Kunden am Herzen liegt. Allerdings kommen einem außenstehenden Betrachter da schon mal Zweifel. Bei der Surface-Tablet-Familie ist auffällig, wie viele Probleme es gibt und wie schlecht diese Geräte reparierbar sind (die sind faktisch unreparierbar – wie man in den regelmäßigen iFixit!-Beiträgen nachlesen kann).

Recht zur Reparatur

Wenn etwas kaputt geht, könnte man das reparieren. Das spart Geld, schont die Umwelt und ist nachhaltig (reduziert die Abfallmenge, die auf dem Schrottplatz anfällt). Aber wenn nur der Hersteller die Möglichkeit hat, kaputte Elektronik zu reparieren, wird es bitter für die Verbraucher. Der Hersteller kann den Preis für die Reparaturen bestimmen und den Nutzer auch dazu bringen, ein völlig neues Produkt zu kaufen. Apple ist da ein negatives Beispiel. 

In den USA wird daher hart um das Recht zur Reparatur (Right to Repair) zwischen Herstellern und Konsumenten gefochten. Viele Hersteller versehen ihre Produkte mit einem DRM-Schutz, um eine Reparatur zu verhindern. Im Oktober hatte ich im Artikel DRM-Hack zur Gerätereparatur in den USA bald legal über eine bahnbrechende Entscheidung der Bundesbehörden. Diese erklären, dass das Hacken eines DRM-Schutzes zur Reparatur von Elektronik-Komponenten durch Besitzer legal sei.

Inside-Informationen über Microsofts Lobbyarbeit

Jeff Morris, demokratisches Mitglied des Repräsentantenhauses behauptet, dass Microsoft die Verabschiedung von Gesetzen trotz starker überparteilichen Unterstützung blockiert hat. Das berichtet Nathan Proctor, Director, Campaign for the Right to Repair, in diesem US-Blog-Beitrag.

In einem Interview auf iFixit’s Repair Radio berichtete Jeff Morris, der einen Gesetzentwurf zum Recht auf Reparatur unterstützte, von Nachrichten der Straße, nach denen große Technologieunternehmen, insbesondere Microsoft, “kräftig Lobbyarbeit gemacht haben, um zu verhindern, dass der Gesetzesentwurf (als Bill bezeichnet) verabschiedet wird”. Morris sagt zwar, dass er keinen “schlagenden Beweis” präsentieren könne.

Die Lobbyarbeit erfolgte subtiler. Es gab einen Vorschlag für eine Steuer, um damit die STEM Ausbildung zu zahlen. STEM-Edudation ist ein Lehrplan, der auf der Idee basiert, Studenten in vier spezifischen Disziplinen – Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik – in einem interdisziplinären und angewandten Ansatz auszubilden

Im “Gegenzug für die Microsoft-Unterstützung dieser Steuer, lautete eine Bedingung, sollte der Gesetzentwurf zum Recht auf Reparatur zurückgezogen werden. Zudem wollte Microsoft eine weitere Datenschutzerklärung vorantreiben. Ich vermute, es ging um die Bill of Privacy Rights zum Datenschutz, die gerade vorgestellt wurde, wie Bleeping Computer hier berichtet.


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In Gesprächen der Aktivisten mit den Gegner des Recht auf Reparatur in Olympia wurde klar von den Abgeordneten der Gesetzesinitiative angesprochen, dass Microsofts strickt gegen dieses Gesetz sei. Den Aktivisten war laut Morris klar, dass das Unternehmen umfassend gegen das Gesetz Lobbyarbeit betreibt und dessen prominentester Gegner war. Details lassen sich hier und hier nachlesen. Es ist zwar nur eine Quelle, auf die sich das Ganze bezieht – aber für abwegig halte ich das Ganze nicht.

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3 Responses to Microsofts Lobbyarbeit gegen Right to Repair

  1. Nobody sagt:

    An vielen Stellen von Politik, Wirtschaft und Landwirtschaft gehört verlogene Heuchelei mittlerweile zum Geschäftsgebaren.

    • RUTZ-AhA sagt:

      “An vielen Stellen von Politik, Wirtschaft und Landwirtschaft gehört verlogene Heuchelei mittlerweile zum Geschäftsgebaren.”
      Das trifft den Nagel auf den Kopf, wenn du ‘an allen Stellen schreibst’.

  2. Roland Moser sagt:

    Kauft den Müll nicht, und dann habt ihr auch keine Probleme mit dem Müll.

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