Mitarbeiterüberwachung: Trend in den USA

In den USA gibt es einen neuen Trend: Unternehmen überwachen jeden Schritt der Mitarbeiter. Dabei steht die Privatsphäre der Mitarbeiter auf dem Spiel. Einige Kurzinformationen zum Thema.


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Das Interesse der US-Unternehmen an der Überwachung ihrer Mitarbeiter scheint zu steigen. Ziel ist die Steigerung der Produktivität. Eine Umfrage von Gartner aus dem Jahr 2018 ergab,

  • dass 22% der Unternehmen weltweit Daten zur Bewegung ihrer Mitarbeiter erheben und verwenden,
  • 17% der überwachen Daten zur zur Ermittlung der Auslastung von Arbeitsplätzen
  • und 16% der Unternehmen verwenden Microsoft Outlook- oder Kalenderauslastungsdaten zur Mitarbeiterüberwachung.

Einige Patente, die letzte Jahr Amazon (Ultraschall-Armband zur Standortverfolgung) und Walmart (Geräuschüberwachung von Kassen-Scannern und Tütenrascheln zur Messung der Effizienz der Kassiererinnen) in Sachen Mitarbeiterüberwachung erteilt wurden, zeigen, wohin die Denkansätze gehen.

Microsofts Workplace Analytics ermöglicht es Arbeitgebern, Daten wie z. B. die Zeit für die Bearbeitung von E-Mails, für Besprechungen oder die Arbeitszeit nach Feierabend zu überwachen. Mehrere Unternehmen, darunter Freddie Mac und CBRE, haben das System getestet.

Ein recht beunruhigender Trend, wenn in Deutschland da auch klare Rechtsrahmen existieren, was geht. Die Mitarbeiter in den USA sind jedenfalls über diesen Eingriff in die Privatsphäre besorgt. Ein Blick über den Zaun in die USA erlaubt dieser Artikel von CNBC.


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17 Antworten zu Mitarbeiterüberwachung: Trend in den USA

  1. Nobody sagt:

    “Ultraschall-Zahnspange zur Standortverfolgung”
    Das kann doch nur ein ganz, ganz schlechter Scherz sein.

    • Anonymous sagt:

      Wurde falsch übersetzt. Im Artikel steht Bracelet, also ein Armband.

    • Nobody sagt:

      Nachtrag:
      In dem Zusammenhang fallen mir die teilweise “speziellen” Zustände vor der Wende ein. Damals habe ich im Osten in einem Großbetrieb gearbeitet und war gelegentlich unbemerkt während der Arbeitszeit für etwa zwei Stunden in der Betriebssauna. Das waren noch Zeiten.

      • RUTZ-AhA sagt:

        Na,ja, es gab schon jede Menge Gründe, weshalb die DDR faktisch zahlungsunfähig war. Es hat sich eben summiert :-)

        Und die Russen hatten keinerlei Skrupel, den Staat auszusaugen bis zum Exetus. Von der BRD haben sie ja nichts bekommen.

        Das hat sich dann geändert, als sie der Wiedervereinigung zugestimmt haben. Da wurden sie mit offiziell 80 Milliarden bedacht. Die sind dann wie immer größtenteils in dunklen Kanälen versickert.

      • Dekre sagt:

        Ach ja, es immer schön wie andere vor 30 Jahren gelebt haben, egal ob Ost oder West und was es damals für Freiheiten gab.
        Das mit der Betriebssauna ist bekannt. Man sollte aber da auch schon reserviert haben und so konnte man auch offiziell in die Sauna. Ich habe in der DDR zum Glück in den unterschiedlichsten Betrieben arbeiten zu können. Als junger Mensch sicherlich damals anstrengend, ab heute will ich es nicht mehr missen. So weiß ich unter anderem auch was echte Fließbandarbeit ist.

        Zum Thema – Das Überwachen ist der Sinn und Zweck aller dieser Dinger. Krankenkassen und Autoversicherer greifen schon jetzt in Deutschland darauf zurück. Es gibt Arbeitgeber, die Smartphone der Mitarbeiter voraussetzen. Sie stellen schon keine eigene.

        Unabhängig davon heißt das Stechuhr – Diese gibt es nach wie vor. Nur die technische Umsetzung ändert sich.

    • Günter Born sagt:

      War ein schlechter Scherz – bzw. ein Übersetzungsfehler von mir:

      Brace, die Zahnspange,
      Bracelets, die Armbänder

      Ist aber alles in allem ein schlechter Scherz, auch wenn die Hersteller betonen, das nicht nutzen zu wollen.

      Ihr habt den Test, ob die Aufmerksamkeitsschwelle am Ostermontag niedriger ist, bestanden ;-). Ein Glück, dass ich so aufmerksame Leser/innen habe – das ist jetzt nicht ironisch gemeint. Thumbs up.

      Zur Sache an sich: Das ist der Kontrollwahn der Chefs, die Anwesenheit mit Leistung kombinieren wollen. Ich erinnere mich an meine Industrietätigkeit, wo ich 15 Ingenieure und Software-Entwickler in meiner Gruppe hatte. Da nützte es nichts, wenn die Mitarbeiter nur anwesend waren oder in die Tasten gehämmert haben. Am Ende zählte, dass ein Projekt erfolgreich zu Ende gebracht wurde, so dass der Kunde zufrieden war. Ich habe manchem Mitarbeiter einen ‘Ausgangsschein für den Rechner’ geschrieben, so dass der aus dem Werk heraus kam. Dann galt meine Order ‘Du bleibt jetzt mal für 3 bis 5 Tage zuhause und arbeitest in Ruhe am Projekt’. Hat immer sehr gut geklappt – aber ich habe mit einem Bein in Richtung Abmahnung und Kündigung gestanden.

      Nur die Projekterfolge haben mich davor bewahrt, denn ich hing da in der typischen Sandwich-Position – nach oben dokumentieren, was das Zeugs her gibt – und nach unten den Leuten den Rücken freihalten, damit die unbehelligt von den Wirren eines Großunternehmens arbeiten können. War trotzdem eine geile Zeit, in der ich Projekte in Japan und Thailand mit Mitarbeitern abgewickelt habe. Aber irgendwann hatte ich die Nase voll und habe den Abflug gemacht – war wohl zur rechten Zeit, 3-4 Jahre später war keiner der Ingenieure mehr da (an Siemens verkauft).

      Danach folgten 25 geile Jahre als Schreiberling – aber die Zeit neigt sich langsam aber sicher auch dem Ende zu (wird da zu einen biologisch bedingten Exit kommen).

      • Dekre sagt:

        Irren ist menschlich sagte der Igel und stieg von der Kleiderbürste.

        Das mit den Zahnspangen wird bestimmt im Spionagebereich eingesetzt. Es sollte mich wundern, wenn das noch nicht umgesetzt wäre.

  2. Alfred Neumann sagt:

    Irgendwann bekommt jedes Baby bei der Geburt einen Chip implantiert, der als Perso, Reisepass, Geldkarte, Hausschlüssel udg. dient.

    Und NATÜRLICH werden Arbeitgeber verlangen, zugriff auf die Standortdaten zu haben.

    Ich frage mich dabei immer nur, zB das “Seehofers Geheimdienstgesetz” in DE, wie viel Angst müssen die Regierenden vor ihrem Volk haben, um so etwas ab zuwinken?

    Sollte in eine Demokratie nicht eher der Auftraggeber die Regierenden mehr überwachen?
    Aber wenn es so weiter geht, ist dies nicht mehr möglich.

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  4. nook sagt:

    “…aber die Zeit neigt sich langsam aber sicher auch dem Ende zu (wird da zu einen biologisch bedingten Exit kommen)…”

    OK, den Zeitpunkt hast gut gewählt.
    Gestern war -> “Auferstehung” ;-)

    Wir haben beide das gleiche Baujahr, ist ein guter Jahrgang ;-)

  5. RUTZ-AhA sagt:

    “Unternehmen überwachen jeden Schritt der Mitarbeiter. Dabei steht die Privatsphäre der Mitarbeiter auf dem Spiel.”

    Irrtum, das ist kein neuer Trend.
    Unser damalige Seniorchef kam Ende der 70 ‘s von einer Amerikareise zurück und hat uns mit Bullshit vollgesülzt.
    Er ließ extra einen Raum erstellen, in dem waren 7 Monitore für 7 Videokameras installiert, um seine 30 Leute dauerhaft überwachen zu können.
    Aufgrund einer angedrohten Klage seiner Mitarbeiter wurde alles wieder abgebaut und entfernt.

    • Gaga sagt:

      Nicht ganz so krass, aber die Schnüffelphantasien seitens Unternehmensleitung kommt mir bekannt vor…
      Zu Beginn einer früheren Tätigkeit als Leiter EDV/IT bei einem größeren Mittelständler (400 Mann), sollte ich täglich Telefonisten erstellen und an die GL weiterleiten. Sinn und Zweck dieser Aktion wäre gewesen zu kontrollieren, ob die Kollegen im Ein- und Verkauf private Telefongespräche führen.

      Ich hatte die Listen damals, mit Verweis auf den Datenschutzbeauftragten und Betriebsrat verweigert.

      Ein ähnliches Drama hatte ich etwas später in Bezug auf die Zeiterfassung (Ein-/Ausgangskontrolle, Stechzeiten usw…). Auch hier wollte die GL tiefe Einblicke in die Daten und den direkten Zugriff darauf (Client im GL Vorzimmer). Auch das hatte ich damals mit dem Verweis auf DSB und BR verweigert.

      War nicht einfach in solchen Verhältnissen zu arbeiten (man will ja keine Feinde, egal in welche Richtung). Der Druck von oben war enorm. In den Augen der GL hatte ich zu stark Schlagseite in Richtung Arbeiter und Angestellte. Das Bild, dass die “oben” ohnehin schon von mit hatten, hatte sich dann noch weiter verschärft. Meine Kollegen, quer durch alle Abteilungen, wollten mich als Kandidaten für die bevorstehende BR-Wahl der Angestellten (die Unterscheidung gab es damals noch) aufstellen. Diese Info war schneller in der GL angekommen als ich “Dank für das Vertrauen, aber…” sagen konnte. Da war der Ofen endgültig aus.

      • Hans Thölen sagt:

        Hallo Gaga !
        Da kann ich Dir nur absolut zustimmen.
        Mein Abteilungsleiter hat mir während meiner Zeit bei
        einem Betrieb mit ca. 400 Beschäftigten einige Male gesagt :
        Du könntest längst Vorarbeiter sein, aber Du bist zu eng
        mit den Interessen Deiner Arbeiterkollegen verbunden.

  6. BF sagt:

    Mein Eindruck ist, dass hochqualifizierte Mitarbeiter eher mehr Freiheiten als weniger bekommen. In einigen Jahren werden diese Mitarbeiter Mangelware sein – in einigen Berufen sind sie es jetzt schon. Und Generation Y und Z ist ist in der Regel nicht mehr bereit für den Job ihre Work-Life Balance aufzugeben. Arbeitgeber die in diesen Bereichen auf Überwachung setzen werden erleben, dass ihre besten Leute zu den Arbeitgebern wechseln die mehr Freiheiten bieten.

    Routinejobs werden sicherlich in den nächsten Jahren mehr und mehr durch Computer abgelöst. Ob man da vorher noch die Totalüberwachung einführt wage ich zu bezweifeln. Zumal es in Deutschland diesbezüglich andere Gesetze als in den USA und vielerorts Betriebsräte gibt.

    Ich persönlich kenne keine Firma bei der die Mitarbeiter ihre privaten Handys zu Firmenzwecken nutzen und die Zeche bezahlen. Wenn ich mein Firmenhandy nicht privat nutzen dürfte und würde dann wäre es bei mir am Wochenende ausgeschaltet. Für meine private Nummer (Handy und Festnetz) müsste man schon meine Bewerbungsunterlagen oder interne Datenbanken zu Rate ziehen auf die nur die Personalabteilung Zugriff hat.

    • RUTZ-AhA sagt:

      “Mein Eindruck ist, dass hochqualifizierte Mitarbeiter eher mehr Freiheiten als weniger bekommen. In einigen Jahren werden diese Mitarbeiter Mangelware sein – in einigen Berufen sind sie es jetzt schon.”
      Dieser Aussage stimme ich voll und ganz zu. An der Aufgabenstellung wächst jeder Mitarbeiter.
      Mitarbeiter, die Freiheiten bekommen, haben sich diese auch erarbeitet, denn geschenkt wird nichts. Im Gegenzug sind sie aber auch bereit, hohe Verantwortung zu tragen. Solange alles zur Zufriedenheit läuft, werden sie zumindest respektiert, ihr Wort hat Gewicht. Aber wehe, es geht etwas schief, dann bekommen sie die volle Ladung, und das oft zu Unrecht.
      Es ist ja nicht umsonst von hoch qualifizierten und erfahrenen Mitarbeitern die Rede, die wachsen aber nicht auf Bäumen.
      Und ich bemitleide jede Firma, die nicht auf Nachhaltigkeit achtet, indem sie diese kostbaren Ressourcen wertschätzt und hütet.
      In der Finanzkrise 2008 waren sehr deutlich die Unterschiede zu sehen.

    • Bernard sagt:

      “Und Generation Y und Z ist ist in der Regel nicht mehr bereit für den Job ihre Work-Life Balance aufzugeben.”

      Das stimmt NICHT.

      Die freuen sich wie kleine Kinder, wenn sie einen Praktikumsplatz bekommen.

      Und wenn man dann noch 500 Euro dafür bekommt, loben die den Chef über den Klee.

  7. kOOk sagt:

    Bei uns in der Firma wird gerade O365 eingeführt, im Zuge dessen entspann sich auch die Diskussion um Workplace Analytics. Hier im Betrieb hat niemand die Absicht das zu benutzen, es wird nicht aktiviert, da sind sich Management, Datenschutz und Betriebsrat einig. Aber auch wenn der Kunde es nicht will, die Daten fallen ja trotzdem in O365 an und der Tenant unserer Firma ist aus historischen Gründen in den USA. Wer hindert Microsoft daran, diese Analysedaten z.B. mit Linkedin-Profilen zu verknüpfen und in Ländern zu verwerten, in denen die DSGVO nicht gilt?

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