IT-Störungen in Münchener Verwaltung, ist LiMux schuld?

Ich hatte ja häufiger hier im Blog über LiMux und den Wechsel zu Windows/Office in München thematisiert. Nun gibt es einen Leserhinweis auf Probleme im Bereich der öffentlichen Verwaltung in München, die sich möglicherweise auch auf IT-Versagen zurückführen lassen könnten. Hier eine kurze Information zum Thema.


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Hintergrund: das in München eingesetzte Linux sowie die darauf laufenden Anwendungen stehen in der Kritik. Vor einiger Zeit haben die Stadtverordneten von München die Ablösung von LiMux und den Wechsel hin zu Windows 10 und Office 365 beschlossen. Das hat durchaus für Unverständnis und Kritik von Außenstehenden gesorgt.

Nun hat mich Blog-Leser Tom W. vor einigen Wochen auf einen Aspekt hingewiesen, der auf deutliche Implementierungsschwächen der Münchner IT hindeutet. Der Artikel hier beschreibt Chaos im Münchner KVR (Kreisverwaltungsreferat) auf Grund von IT-Störungen. Tom schreibt dazu:

Ich weiß, dass ist nicht opportun, aber “DAS” ist die Realität, die wir seit Jahren in München mit LiMux haben.

Das heißt zwar nicht, dass Linux scheisse ist, es drückt aber aus, was Realität in München ist. Nicht “Köfferchen”, nicht vermeintlicher “Dogmatismus” sondern schlichtweg scheiß Umsetzung.

Wir sind uns sicher, das liegt nicht an “LiMux” bzw. “Linux”, es liegt aber an der angeblich toll eingeführten Umsetzung des Projektes. Und wenn am Ende nur Scheiße rausgekommen ist, wundert Dich das wirklich, dass man wieder zurückrudert?

Noch ist die Rückbesinnung auf Windows nicht vollführt, sondern noch krasse Ausbildung von “LiMux”.

Wie hättest Du anhand solcher Zustände als verantwortliche Person gehandelt? Alles weiterlaufen lassen wie bisher?

Nun ja, wie Tom zur Aussage ‘dass solche Meldungen nicht opportun seien’ kommt, erschließt sich mir nicht ganz. Gehe ich die verlinkten Presseberichte durch, ist es wohl ein Mix aus ‘zu wenig Personal im VKR’ und ‘Probleme mit der IT, die Termine nicht beliebig schnell vergeben kann’. Ob da der Rücksturz auf Windows 10 und Office 365 wirklich Abhilfe schafft, da würde ich aus heutiger Sicht ein Fragezeichen dran machen. Wird man sehen, wenn das Projekt abgewickelt ist.


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10 Antworten zu IT-Störungen in Münchener Verwaltung, ist LiMux schuld?

  1. StefanU sagt:

    Also ich kann in keinem Fall hier einen Zusammenhang mit LiMux erkennen.

    Das Personalproblem im KVR hat nichts mit IT zu tun. Personal für öffentliche Verwaltungen wird auch in Zukunft nicht mehr ausreichen zu bekommen sein.
    Zum genannten IT-Problem: Da hakt es in einer (neuen) FACHanwendung. Und auch daran würde sich in der Situation nichts ändern, wenn der Wechsel zu MS vollzogen wäre.
    Zu den grundsätzliche Struktur-Probleme empfehle ich den accenture-Bericht:
    https://www.ris-muenchen.de/RII/RII/DOK/SITZUNGSVORLAGE/4277724.pdf
    Sollte sich auch jeder IT-Verantwortliche/Admin mal angeschaut haben. Da entdeckt man doch die ein oder andere eigene Leiche im Keller :-)

    Gruß
    Stefan

    • Bernard sagt:

      Die bekommen kein Personal, weil sie keine Stellen ausschreiben!

      Ich würde gern im öffentlichen Dienst arbeiten, bei all den Privilegien, die die (noch immer, trotz TVöD) haben.

      Und als Quereinsteiger bekomme ich dort nichts.

  2. Steter Tropfen sagt:

    Die dritte Komponente im Mix soll aber nicht unterschlagen werden: Häufiger auftretende Software-Probleme, die dann zu tageweisen Ausfällen ganzer Ämter führen und den vorhandenen Bearbeitungs-Rückstau immens anwachsen lassen.

    Das ist mehr als ein nicht optimal funktionierender Terminvergabe-Algorithmus oder ein erkrankter Sachbearbeiter. Angesichts der (gefühlten) Häufigkeit fragt man sich tatsächlich, ob nicht doch LiMux schuld ist.
    Würde München Windows verwenden, könnte man als Außenstehender zumindest besser beurteilen, wo die Fehlerursache liegt. Denn sobald Microsoft Mist baut, merkt es ja die ganze Welt…

    • StefanU sagt:

      Egal welche Software(-Basis) dort eingesetzt wird, die Geheimniskrämerei bleibt.
      Somit wirst du als außenstehender auch nicht schlauer. Und warum soll man das bei MS besser beurteilen können?
      Wenn du dir mal den oben genannten Bericht anschauen würdest, wüsstest du, wo die Ursachen liegen und du könntest auch Schuld ableiten. Diese ist fast ausschließlich organisatorischer Natur. Selbst accenture (als MS-Partner) hat sich nicht aus dem Fenster gelehnt und behauptet, LiMux wäre schuld.
      Da fehlen einfach Ressourcen, um einen ordentlichen IT-Betrieb zu gewährleisten und die Organisationsstruktur trägt ihr übriges bei.

      Noch zu:
      “Angesichts der (gefühlten) Häufigkeit fragt man sich tatsächlich, ob nicht doch LiMux schuld ist.”
      Wie kannst du das ableiten??? Wie steht es denn um die gefühlte Häufigkeit mit MS-Software (Man lese diesen Blog)?
      Wenn ich höre, wie oft bei unseren Kunden (meist rein MS) Dienste ausfallen…

      Gruß
      Stefan

      • Potrimpo sagt:

        Ich will nicht mehr alle Argumente aufführen. Tatsache ist aber, dass das LiMux-“Projekt” insbesondere an den Projekt-Verantwortlichen gescheitert ist. Das liegt nicht am Produkt Linux, sondern ausschließlich an dem Umgang mit dem Projekt LiMux.

        Stichpunkt:

        – Einführung 2006
        – Übergang in den Regelbetrieb Dez. 2013

        Im gesamten (damit meine ich den gesamten) Zeitraum gab es regelmäßig (massive) Störungen des Betriebsablaufs.

        Das konnte man im Zeitraum bis Dez. 2013 akzeptieren, was danach passiert ist, ist ein Possenspiel erster Klasse.

        Im Dezember 2013 wurde mit großem Brimborium das “äußerst erfolgreich” abgeschlossene! LiMux-Projekt gefeiert.

        Zu diesem Zeitpunkt funktionierten nicht einmal 30% der Formulare und diese rudimentär.

        Begründung der Projektleitung: Das war nicht das Ziel

        – Bis heute (23.4.2019) wurden sind zig Formulare, die unter Windows NT eingeführt waren und funktionierten, entweder nicht funktionsfähig oder nur rudimentär mit höherem Aufwand

        – Bis noch 2017 wurde behauptet, dass es “keinerlei” Probleme im Betrieb gäbe und es auch keinerlei Mitarbeiterbeschwerden oder Bürgerbeschwerden gäbe (wohlgemerkt, es geht um den Ablauf im Betrieb).

        Wenn ich eine derartige Behauptung aufstelle, so muss der Betrieb gewährleistet sein. Das war er aber bis heute nicht.

        Natürlich gibt es mannigfaltige Gründe für einen nicht ordnungsgemäßen Betrieb (an erster Stelle Personal – fehlend oder ungeschult) – zu behaupten, es gäbe keine Probleme ist haarsträubend.

        Auch eine Beurteilung der Mitarbeiter-Situation, Organisationsstruktur etc. ist zwingend Aufgabe eines solchen Projekts – nicht nur hinstellen einer IT-Infrastruktur, die den Geschäftsbetrieb gar nicht abbildet.

        In der ganzen Diskussion wird vergessen, dass es hier nicht um Linux als solches, sondern um die Umsetzung von LiMux in die Behördenstruktur der Stadt München geht – dazu gehört auch, die Struktur und das Arbeitsfeld abzubilden, damit mindestens gleichwertig wie “früher” (2006) und nicht schlechter gehandelt werden kann. Und das ist definitiv nicht der Fall.

        Hier haben sich Verantwortliche an die Aussagen des “Projekts” gehalten und sind dabei derbe auf die Schnauze gefallen.

        Natürlich können die Projektverantwortlichen jetzt sagen, wir konnten uns in die Personalplanung nicht einmischen – dazu passen aber die öffentlich geäußerten Inhalte nicht. Diejenigen Verantwortlichen haben ab 2014 nichts anderes zu tun gehabt, als sich selbst zu feiern und die Schuld auf andere abzuwälzen.

        Ein Beispiel aus der Praxis:

        Ich persönlich habe vor 4 Jahren versucht einen Personalausweis ausstellen zu lassen. Zeitaufwand 4 Tage á ca. 4 Stunden und 1 Tag á ca. 1 Stunde. Warum: Die ersten 3 Mal war die Verbindung zum Server nicht vorhanden, beim 4. Mal (Abholung) war keine Connection zum Kassensystem vorhanden, so dass nicht verifiziert werden konnte, ob ich bereits gezahlt hatte, beim letzten Mal klappte es dann mit der “minimalen” Wartezeit.

        Ich bin da kein Einzelfall – ich habe mehrere Freunde im KVR und war auch durch die Familie und andere Freunde “Kunde” im KVR.

        Das zieht sich seit Jahren, namentlich seit 2006.

        Mich wundert nicht, dass die Stadt die Reißleine zieht. Ob es besser wird, weiß ich nicht (wenn, dann nur mit besserer Planung, ansonsten wird es genauso aussehen), schlechter geht’s nimmer.

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  4. Simon sagt:

    Ich sehe das Hauptproblem bei den Mitarbeitern bzw. der Chefetage. Den Mitarbeitern ist eher weniger ein Vorwurf zu machen, bei der relativ schlechten Bezahlung muss man damit rechnen, dass sie sich wohl kaum “den Arsch” aufreißen.

    Ich bin selbst dort tätig und könnte in der freien Wirtschaft ohne Probleme innerhalb von einem Tag einen anderen Job finden, bei dem ich 30-50% mehr verdiene. Warum ich das nicht tue? Ich arbeite 1-2 Tage im Büro und den Rest im Homeoffice. Meinen Chefs ist es quasi egal was ich mache, daher nutze ich die Zeit auch gerne privat. Dank dieser außerordentlich guten Work-Life-Balance kann ich über das “geringe” Gehalt hinwegsehen. Viele Kollegen handhaben das ebenso.

  5. Steter Tropfen sagt:

    Es freut mich, hier nun tatsächlich Insider-Stimmen zu lesen, die man sonst in der offiziellen Berichterstattung über die Münchner Verwaltungsmisere nicht findet.

    Scheinbar handelt es sich v.a. um ein „Erdungsproblem“ der Entwickler, die in ihrem Elfenbeinturm nur genau ihre Aufgaben abgearbeitet haben, ohne zu überlegen, ob sich damit in der Praxis auch arbeiten lässt. Hier mangelte es offenbar mal wieder an der Koordination.
    Ein Lehrer und Fachbetreuer hat mir ähnliches über die Unterrichts-Digitalisierung erzählt: Einerseits ausgefeilte Funktionen, die der Anbieter mit glänzenden Augen vorführte. Andererseits völlige Blindheit für das, was die Lehrer mit dem System im alltäglichen Unterricht tatsächlich machen wollen.
    In beiden Fällen aber auch: Alleingänge auf Landkreisebene, für die eine externe Softwarefirma beauftragt wird, deren Leute niemals selbst im Anwendungsbereich gearbeitet haben. Da will eine Kommune isoliert für sich das Rad neu erfinden, maßgeschneidert und gleich komplett mit Speichen und Gummiprofil, anstatt dass der Staat mit gebündelter Kraft und internen Fachleuten eine solide Grundlösung für alle entwickeln lässt, die dann nach und nach – ebenfalls für alle – erweitert wird.

    – Was nun eben doch wieder auf ein typisches Linux-Problem zurückführt: Die individuelle Frickelei hochspezialisierter Entwickler, die bestenfalls noch mit einem Kreis anderer Entwickler kommunizieren, aber Anwenderkritik als Lautäußerung einer fremden Spezies empfinden.

    • Bernard sagt:

      Man muss aber auch ehrlich sagen, dass Anwender sehr oft nur “das funktioniert nicht” sagen, ohne jede vernünftige Hilfestellung.

      Auf die Frage “Was funktioniert nicht?” kommt keine Antwort oder höchstens “Nichts funktioniert mehr.”, auf die Aufforderung “Bitte zeigen Sie mir genau, wie sie vorgegangen sind.” die Antwort “Das weiss ich jetzt nicht mehr genau, aber ich möchte den gleichen Bildschirmschoner wie zuhause haben.”

      Ich schüttele sehr oft den Kopf über gutverdienende Erwachsene, die unfähig sind, einen immer wieder auftretenden Fehler auch nur annähernd zu beschreiben.

      Auch Aussagen wie “Mein Rechner zuhause ist viel schneller.” sind einfach nur blöd und helfen nicht weiter.

  6. iztok sagt:

    Munchen goes to M$ ….

    M$ goes to Linux/open source:

    OS:
    https://devblogs.microsoft.com/commandline/announcing-wsl-2/

    Browser:
    https://nakedsecurity.sophos.com/2019/04/15/microsofts-edge-browser-reborn-after-chromium-makeover/

    Mobile:
    .. is already opensource/Unix,/Linux

    Cloud:
    .. is already opensource/Unix,/Linux

    Munich had some smart people working in IT years ago … Now they got a new chief in town, that knows how to go back into the past with technology … everybody goes into OS, Linux (even Microsoft) and Munich goes back …

    Sad story ….

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