Foto-App Ever trainiert Gesichtserkennung mit Benutzerfotos

Gerade ist mal wieder eine App wegen krummer Praktiken aufgeflogen. Die Firma, die die Foto-App Ever entwickelt hat, nutzte von den Benutzern auf Everalbum hochgeladene Fotos von Personen heimlich, um eine Funktion zur Gesichtserkennung für andere Produkte zu trainieren. Diese Gesichtserkennungssysteme sollen dann an Polizei und Militär verkauft werden.


Anzeige

Die App Ever

Ever ist eine App, die sowohl für Android als auch für iOS über die jeweiligen App-Stores gratis erhältlich ist. Die App verspricht den Leuten, ihre Fotos für immer sicher in der Cloud (Everalbum) zu speichern.

[Die App] schützt die Fotos Ihres Lebens, so dass Sie sich keine Sorgen machen müssen, sie zu verlieren. Ever sichert Ihre Fotos und Videos automatisch auf allen Geräten und Fotoquellen, so dass Sie jederzeit darauf zugreifen können. Sie können dann Platz auf Ihrem Gerät freigeben, indem Sie Fotos aus Ihrer Kamerarolle entfernen.

Foto-App Ever

Nutzer können bei Bedarf Speicherplatz in der Cloud über In-App-Käufe erwerben. Klasse Sache, nie mehr Sorgen, dass wichtige Fotos für immer verloren gehen – obwohl ich so etwas nicht über den Weg trauen würde, zu oft haben Anbieter plötzlich die Segel gestrichen und Fotos gelöscht.

Gesichtserkennung mit Nutzerfotos trainiert

NBC News deckt nun in diesem Artikel die dunkle Seite der App auf. Was 2013 als eine weitere Cloud-Speicher-App begann, hat sich zu einem weitaus lukrativeren Geschäft, das als Ever AI bekannt ist, entwickelt. Die Betreiber nutzen die von den Benutzern in die Cloud hochgeladenen und geteilten Fotos von Personen, um das Gesichtserkennungssystem des Unternehmens zu trainieren. Dieses Gesichtserkennungssystem bietet Ever dann privaten Unternehmen, Strafverfolgungsbehörden und dem Militär an.

Die Nutzer der App wurden darüber natürlich nicht informiert. Ursprünglich fand ist in den Nutzungsbedingungen der Firma nur ein Hinweis, dass die Fotos der Benutzer zur Verbesserung der Produkte des Anbieters dienen könnten (Your Files may be used to help improve and train our products and these technologies). So etwas findet aber auch tausendfach in Microsoft-Dokumenten, wenn es um die Erfassung von Telemetriedaten geht. Erst als NBC News das Unternehmen Everalbum kontaktierte, wurde die Privacy Webseite um einen kurzen Hinweis ergänzt:

Ever uses facial recognition technologies as part of the Service. Your Files may be used to help improve and train our products and these technologies. Some of these technologies may be used in our separate products and services for enterprise customers, including our enterprise face recognition offerings, but your Files and your personal information will not be. Your Files, and any personal information contained in them, are not shared with or provided to third parties.

Zudem reserviert sich das Unternehmen das Recht, Daten (E-Mail, Telefonnummern) aus Adressbüchern oder Informationen aus Sozial Media-Konten abzurufen und dem Benutzerkonto zuzuordnen. Irgendwie ein Volltreffer, die sitzen wie die Spinne im Netz und warten, bis die Beute vorbei kommt.

“Das sieht nach einer ungeheuren Verletzung der Privatsphäre der Menschen aus”, sagte Jacob Snow, ein Anwalt für Technologie und bürgerliche Freiheiten bei der American Civil Liberties Union of Northern California. “Sie machen Fotos von den Familien der Menschen, Fotos von einer privaten Foto-App und verwenden sie, um Überwachungstechnologie aufzubauen.” Mir schoss nur ‘Eat your own dog foot’ durch den Kopf. Cloud wird bei den Amis ja gehyped und jeder, der das nicht nutzt, ist schlicht doof und ‘old school’. Der Fall zeigt erneut, dass sich Daten ihren Weg, sozusagen auf ‘natürliche Weise’, zum Missbrauch suchen. The Verge hat hier einen Artikel mit ergänzenden Informationen publiziert.


Anzeige
Dieser Beitrag wurde unter App, Sicherheit abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Foto-App Ever trainiert Gesichtserkennung mit Benutzerfotos

  1. RUTZ-AhA sagt:

    In meinen Augen sind das Schwerstkriminelle und sollten als solche verfolgt und auch bestraft werden. Denn sie handeln mit Vorsatz, indem sie gezielt das Vertrauen der Nutzer missbrauchen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.