Wonach Kinder im Internet suchen

Noch ein kleiner Infosplitter zum Sonntag für Blog-Leser/innen, die noch Kinder haben, deren Internetgewohnheiten noch von den Eltern überwacht werden sollen. Wonach suchen die Sprösslinge eigentlich? Es ist doch bestimmt nur das Eine, oder?


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Die Kids sind ja ständig mit ihren Smartphones im Internet unterwegs und kaum von den Dingern weg zu bekommen. ARD, ZDF und weitere Organisationen unterstützen die Aktion ‘Schau hin’, in der mit kurzen TV-Spots die Eltern dafür sensibilisiert werden sollen, zu verfolgen, was ihre Kinder im Internet alles so treiben. Auf der Webseite Schau hin lassen sich weitere Informationen zu dieser Aktion abrufen.

Kaspersky untersucht das Suchverhalten

Sicherheitsanbieter Kaspersky hat sich dieses Themas angenommen und mal nachgeschaut, wonach die Kids so suchen. Ich bin über folgenden Tweet auf das Thema aufmerksam geworden.

Da gibt es (zumindest für mich) schon Überraschungen. Das ‘Such-Konsum’ unserer Kinder ist eher nicht so problematisch.

Videos liegen auf dem 1. Platz

Momentan geht der Trend dahin, dass die Kids nach Videoinhalten suchen. Und was heißt das nun genau? Ganze 17,25% der Suchanfragen befassen sich mit Videos, die sich um Cartoons, Vlogs (das sind Video-Blogs) und Computerspiel-Streams auf YouTube und Twitch drehen.

Die Suche nach Cartons kann ich noch verstehen, auch Katzen- und Tiervideos gehen immer. Und dass Teens auf ihre YouTuber abfahren, ist auch bekannt. Interessant ist für mich, dass es den Kids wohl Spaß macht, Anderen beim Computerspielen zuzusehen. Da lassen Spieler eine Kamera mitlaufen, wenn sie ein Spiel absolvieren und übertragen sowohl den Bildschirm des Spiels als auch die eigenen Reaktionen samt Ton. Für mich oft ziemlich doof und langweilig, aber einigen Kids gefällt das wohl.

Ganz große Überraschung: Übersetzungsdienste

Wir Älteren sind ja noch mit Langenscheid & Co. groß geworden und haben Vokabeln aus Büchern gebüffelt. Gerade beim Einstieg war es oft schwierig, fremdsprachige Texte zu lesen und zu verstehen. Zu oft gab es Wörter, die unbekannt waren. Also im Wörterbuch nachgeschlagen – eine zähe Angelegenheit.


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Heute ist das einfacher, mit Deepl.com, Google Translate etc. gibt es im Internet Übersetzer, die einem sekundenschnell ein Wort oder ganze Sätze und Text aus diversen Sprachen übersetzen. Und da hat mich die Erkenntnis von Kaspersky schon umgehauen. Platz 2 mit 13,59% aller Suchanfragen umfasst Übersetzungsdienste, über die Wörter übersetzt werden. Das ist wohl ganz hilfreich, wenn die Kids auf fremdsprachigen Webseiten surfen. Das hatte ich jetzt wirklich nicht erwartet, denkt man, dass sich die Jüngeren doch auf allerlei sinnlosen Internetseiten herum treiben. Hier heißt es dann wohl eher: ‘Internet, da lernen wir für’s Leben’.

Und was liegt sonst so in der Gunst der Sucher?

Sozial Media liegt auch bei den Kids im Trend, wobei ich mir aber nicht sicher bin, ob das noch viel Generation Facebook punkten kann. Aber die Kaspersky-Untersuchung zeigt, dass im Umfeld der Online-Kommunikation noch was geht.

Die Statistiken zufolge beziehen sich 9,88% aller Suchanfragen Online-Kommunikation. Das bedeutet zuallererst Fotos teilen (-Sharing). Social-Media-Seiten wie: Facebook, Instagram, VKontakte und Tumblr werden auch gerne besucht und die Teens suchen wohl auch gezielt nach diesen Seiten.

Kaum Pornos

Viele Eltern sorgen sich ja darum, dass die Kinder sich (neben Computerspielen) auf einschlägigen Sexseiten herum treiben. Kaspersky bringt auch hier Licht ins Dunkel. Interessante Erkenntnis ist, dass das Thema Porno wohl weniger vorkommt als befürchtet.

Die Beliebtheit dieser Kategorien, die in unserem Ranking jeweils auf Platz vier (Spiele 9,09%) und fünf (Porno 8,59%) liegen. Kaspersky schreibt in der Studie, dass diese Werte allerdings deutlich zurückgegangen seien.

Die von Kaspersky angefertigten Statistiken zeigen, dass in den Jahren 2017-2018 nur 0,74% der Kinder auf Pornoseiten geklickt haben (zum Vergleich: 2016-2017 waren es 1,16% und im Jahr davor 1,49%). Es stimmt, dass sowohl Spiele als auch pornografische Inhalte in den allgegenwärtigen populären sozialen Netzwerken zu finden sind. Das Fazit,  dass die Kaspersky-Forscher ziehen: ‘Wir können mit Sicherheit sagen, dass sie für die aufstrebende Generation nicht von besonderem Interesse sind.

Hoffnung und doch Sorgen

Das sind sehr interessante Erkenntnisse – dass die Kids durchaus wissbegierig das Internet nutzen. Die Kaspersky-Studie hält noch eine angenehme Überraschung für die Eltern bereit: Platz 6 (4,86%) in der Liste der beliebtesten Suchanfragen ist bildungsbezogenen Themen gewidmet. So suchen englischsprachige Schüler beispielsweise nach Informationen über Weltraum und allgemeine Wissenschaft sowie nach Wörterbüchern und mathematischen Denksportaufgaben. Chinesische Kinder interessieren sich hauptsächlich für Geschichte und Kultur.

Da kann man ja durchaus noch Hoffnung haben, dass die Generation unserer Kinder beim Erwachsen eine Menge, auch aus dem Internet, mit nimmt. Interessierte Leser und Leserinnen finden den kompletten Bericht von Kasperky auf dieser Webseite.

Allerdings ist mir kürzlich ein Artikel aus dem medizinischen Umfeld in die Finger gefallen. Dort ging es um die manuellen Fähigkeiten von zukünftigen Ärzten und Chirurgen. Durch die fehlende Beschäftigung mit taktilen Anreizen (Spielen mit Bauklötzen etc.) und das ständige Herumhängen an Touchscreens, gehen die Studenten essentielle Fähigkeiten in diesem Bereich ab. Roger Kneebone, Professor of Surgical Education am Imperial College in London, sieht die Gefahr, dass in einigen Jahren solche Tätigkeiten nur noch von Operationsrobotern durchgeführt werden können. Der Artikel hier thematisiert dies von einer anderen Warte.


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1 Antwort zu Wonach Kinder im Internet suchen


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  2. ralf sagt:

    gibt’s eigentlich schon die berufskrankheit “grobmotoriker it”? ;-)

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