238 Android Apps in Google Play wegen Ads entfernt

Google hat wohl 238 Android-Apps aus dem Google Play Store geworfen, weil diese zu viel Werbung angezeigt haben und die Geräte faktisch unbenutzbar wurden. Die chinesischen Entwickler hatten ein Plugin in den Apps versteckt und ließen die Werbung erst 24 Stunden bis 14 Tage nach der Installation loslaufen, um Google auszutricksen. Die Konsequenzen für die Entwickler: So gut wie keine.


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Das berichtet Arstechnica in diesem Beitrag. Aufgefallen ist das Ganze dem Sicherheitsanbieter Lookout. Die 238 Android Apps hatten wohl eine Installationsbasis von über 440 Millionen Nutzern.

Was war passiert?

Entwicklern war es gelungen BeiTaAd, als Adware bekannt, so gut in Android-Apps zu verstecken, dass diese die Google Prüfung überstand. Die Apps waren so beliebt, dass sie mehr als 440 Millionen Installationen verzeichnen konnten.

Das Problem: Das BeiTaAd-Adware-Plugin war so aggressiv, dass sie mobile Geräte fast unbrauchbar machte, teilten Forscher des Mobile Security Providers Lookout am Dienstag mit. Lookout sagt ganz klar, dass die Entwickler BeiTaAd in den Apps versteckt hätten, um Google zu täuschen. Die Adware wurde in der Emojis-Tastatur TouchPal und 237 anderen Anwendungen gefunden.

(Quelle: Lookout)

Alle Apps wurden von dem in Shanghai ansässigen chinesischen Unternehmen CooTek, im Google Play Store veröffentlicht. Bei dieser Installationsbasis dürften die Werbeeinnahmen schon signifikant gewesen sein.

Getrickst und übertrieben: Die Interna der Adware

Nach der Installation verhielten sich die Apps zunächst normal. Dann, nach einer Verzögerung von 24 Stunden bis 14 Tagen, begann das versteckte BeiTaAd-Plugin mit der Auslieferung von Anzeigen aus den Apps heraus. Diese Anzeigen erschienen auf den Sperrbildschirmen der Benutzer und lösten Audio- und Videoanzeigen zu scheinbar zufälligen Zeiten oder sogar während das Telefon im Ruhemodus war oder während Telefonanrufen aus. Nutzer diskutierten dieses Verhalten des BeiTaAd-Plugin schon länger in Android-Foren wie hier.

A friend messaged me this morning with a problem on her phone. She’s trying to remove a plugin called BeiTa Plugin and thinks it may be malware, but she hasn’t been able to remove it with any malware removers from the Playstore. She says it’s a virus or trojan, but I can’t find much, if any, info on this online. Any suggestions on how to remove or identify this?

Im zitierten Thread versuchte jemand Informationen zu finden, wie das BeiTaAd-Plugin deinstalliert werden könne. Ein Benutzer hat diesen Screenshot gepostet:


Werbung

Werbeanzeige unter Android(Quelle: androidforums.com)

Die Anzeige verdeckt den gesamten Bildschirm. Wenn das ständig aufpoppt, wird das Gerät unbenutzbar. In der App-Liste tauchte dann das Plugin auf.

(Quelle: androidforums.com)

Ein Nutzer schreibt im Thread, dass seine Frau genau das gleiche Phänomen habe. Es gibt Werbeanzeigen, sporadisch auch mitten in einem Telefonat, wenn der Wecker klingelt, oder wenn sie eine andere Funktion ihres Telefons benutzt. Es sei extrem ärgerlich und macht ihr Handy fast unbrauchbar.

Der Sicherheitsanbieter Lookout gibt in diesem Beitrag noch Hinweise, wie die Entwickler das Plugin versteckt haben. Lookout hat das Verhalten von BeiTaAd an Google gemeldet. Die Apps wurden anschließend entweder aus dem Play Store entfernt oder aktualisiert, um das missbräuchliche Plugin zu entfernen. Arstechnica schreibt, dass es keine Anzeichen dafür gibt, dass CooTek von Google gesperrt oder anderweitig bestraft wird, weil sie gegen die Nutzungsbedingungen von Play in dieser Größenordnung verstoßen und ihre Maßnahmen verschleiert haben. Die restlichen 237 CooTek-Apps, die das Plugin eingebettet haben, sind am Ende des Lookout-Posts aufgeführt


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7 Responses to 238 Android Apps in Google Play wegen Ads entfernt

  1. RUTZ-AhA sagt:

    Und immer wieder lese ich, Apps am besten nur aus dem sicheren Google Play Store installieren.

    Ich weiß schon, warum ich mit Google nichts am Hut habe :-)

  2. Steter Tropfen sagt:

    Früher wurde man gewarnt, bloß nicht irgendwelche Spaßprogrämmchen auf dem PC zu installieren und insbesondere Freeware zu misstrauen. Es gab auch genügend abschreckende Beispiele, wie man sich damit das System versauen konnte. – Und dabei waren die Rechner da noch nicht mal dauerhaft online!

    Jetzt, wo die Leute ihre persönlichen Daten (und die ihres gesamten sozialen Umfelds) in ihre smarte Gehirnprothese bzw. diverse Clouds ausgelagert haben, gehört es zum Lifestyle, genau oben genanntes zu praktizieren. – Selbst schuld.

    Wenn ich dann auch noch lese, dass die Adware-Schleudern für ihren Spam tatsächlich Werbeeinnahmen bekommen, dann offenbart das für mich die Perversität von Internet-Werbung: Die Firmen zahlen also nicht dafür, dass ihre Werbung angeklickt wird (geschweige denn nur für tatsächliche dadurch generierte Kundenkontakte bzw. Käufe), sondern fürs bloße Anzeigen ihrer – aha, da bekommt das Wort „Anzeige“ einen ganz neuen Sinn.
    Die Zeche zahlen wir alle über die Einkaufpreise.

    • Ralf Lindemann sagt:

      Hm … „Die Firmen zahlen also nicht dafür, dass ihre Werbung angeklickt wird (geschweige denn nur für tatsächliche dadurch generierte Kundenkontakte bzw. Käufe), sondern fürs bloße Anzeigen …“ – Das war eigentlich schon immer das Wesen von Werbung, auch im vordigitalen Zeitalter. Die sogenannten „Streuverluste“, das also Werbung weder zu Kundenkontakten noch zu Käufen führt, bzw. teilweise nicht mal die anvisierte Zielgruppe erreicht, waren dabei schon immer eingepreist. … Das ändert aber nichts daran, dass deine Kritik im Grundsatz zutrifft. Adware-Schleudern sind eine kranke Fehlentwicklung. Braucht sich niemand wundern, wenn es mit der Akzeptanz von Online-Werbung nicht weit her ist …

  3. Werbung

  4. Knusper sagt:

    Henry Ford hat mal gesagt, dass ihm schon klar ist, dass die Hälfte seiner Werbeausgaben rausgeschmissenes Geld ist – nur habe ihm noch niemand verraten, welche Hälfte.

    • RUTZ-AhA sagt:

      Henry Ford war eben ein schlaues Kerlchen und wesentlich intelligenter als heutige Marketing Fuzzies :-)
      Und weil letztere so verblödet sind [erkennbar an unterirdischer Qualität] glauben sie allen Ernstes, viel hilft viel.

      • Ralf Lindemann sagt:

        Gehört eigentlich nicht hier her, weil Off-Topic. Aber da Henry Ford zweimal erwähnt wurde, eine kleine Ergänzung: Ja, der Typ war ein schlaues Kerlchen, Erfinder der Fließbandausbeutung …, aber leider war er auch ein übler Antisemit, Verfasser einschlägiger Hetzschriften, mit ideologischen Verflechtungen zum Nationalsozialismus. Henry Ford ist als historische Persönlichkeit interessant, als Vorbild taugt er aber nicht.

        • RUTZ-AhA sagt:

          Wenn du recht hast, sollst du es auch haben :-)

          Ist mir alles bekannt, aber dafür habe ich ihn auch nicht gelobt.

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