Bill Gates: Ohne Wettbewerbsverfahren hätte Windows Phone gewonnen

These von Bill Gates: Wenn es Anfang der 2000er Jahre kein Verfahren der US-Wettbewerbsbehörden gegen Microsoft gegeben hätte, würden wir heute mit Windows Phone-Geräten statt mit Android telefonieren.


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Am 6. November 2019 hat Microsoft-Gründer Bill Gates auf der New York Times DealBook Conference gesprochen. Das Interview mit Gates lässt sich über nachfolgendes Video ansehen.

(Quelle: YouTube)

In einem Interview ging Gates auch auf das Versagen bei Windows Phone im Vergleich mit Android ein. CNBC hat hier einen Artikel dazu, Neowin.net hat es hier aufgegriffen und Martin Geuß schreibt hier was dazu.

Microsofts Mitbegründer Bill Gates denkt, dass die Leute heute Windows Mobile anstelle von Android verwenden würden, wenn die kartellrechtlichen Ermittlungen des US-Justizministeriums gegen Microsoft ihn und das Unternehmen nicht abgelenkt bzw. beschäftigt hätten.

Laut Gates hat er “keinen Zweifel daran, dass die Kartellklage schlecht für Microsoft war”, da sich das Unternehmen sonst mehr auf die Entwicklung des mobilen Betriebssystems konzentriert hätte. Das Wettbewerbsverfahren habe ihn von Windows Mobile abgelenkt, so dass er schließlich “das Thema Mobilbetriebssystem vermasselte”. Gates bezeichnet es ja als seine größte Niederlage, dass er gegen Android mit Windows Phone verloren habe.

Gates sagte auch, dass Microsoft “drei Monate zu spät mit einer Veröffentlichung [einer neuen Windows Mobile-Version]” gewesen sei. So habe Motorola das betreffende Smartphone mit Android veröffentlicht. Obwohl Gates keine Einzelheiten nannte, könnte sich das auf das in den USA vermarktete Motorola Droid beziehen. Dieses erschien mit Android und wurde in den USA dank des starken Marketing-Push von Verizon und Motorola in 250.000 Exemplaren in den Markt gedrückt. Damals wurden die US-Verbraucher erstmals auf das Android-Betriebssystem aufmerksam.

Rückblick: Passt das zusammen?

Nun ja, ich kann Bill Gates in seinen Ausführungen nicht widersprechen, da ich nicht dabei war. Aber zumindest ein Fragezeichen will ich dann doch an die Geschichte machen, da das Ganze irgendwie nicht so richtig zeitlich zusammen passt.


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Wenn ich mich richtig erinnere, startete das Kartellverfahren 1998 und im Jahr 2000 kam es zur berühmten ‘Chinese Wall’, bei der die Entwicklungsabteilungen von Windows und Office getrennt wurden. Das war eine Auflage der US-Kartellbehörden. Bill Gates trat im Jahr 2000 vom Vorsitz bei Microsoft zurück und wechselte in den Aufsichtsrat. Steve Ballmer führte dann die Geschäfte von Microsoft als CEO.

Persönliche Erinnerungen an 2000/2001

Meine persönliche Erinnerung: Ich habe so ab 1997/1998 direkt für Microsoft Press USA geschrieben. Ich hatte zwei Bücher zur Registrierung von Windows 95/98 in Englisch für Microsoft Press geschrieben – und das Kapitel zur Registrierung im Windows 98 Ressource-Kit stammte aus meiner Feder.

Gleichzeitig war ich zur Jahrtausendwende mit einem 1.000 Seiten-Manuskript zu Windows Scripting Host (WSH) auf Anforderung des amerikanischen MS Press-Lektorats befasst – und kam irgendwie unter die Räder. Denn die waren 2000 bei Microsoft USA plötzlich aufgescheucht wie die Hühner und es ging drunter und drüber – fand ich komisch, da Microsoft Press nichts mit den kartellrechtlichen Ermittlungen zu tun hatte. Aber bei Microsoft hatte es ein ‘Stühlerücken’ gegeben, wo die Mannschaft durchgeschüttelt wurde. Wirkte sich auch auf Microsoft Press aus.

Als das Manuskript irgendwann im Sommer 2000 fertig war, gab es als Folge der Umorganisation die damalige Mannschaft an Lektoren nicht mehr. Der nun zuständige Lektor teilte mir betreten mit, dass nur noch Bücher mit 600 Seiten Umfang genehmigt würden (vorher hatte MS Press nach einem 1.000 Seiten-Manuskript gefragt). Ich schlug vor, das Material auf zwei Bände a 500 Seiten aufzuteilen – was auch genehmigt wurde. Da das Projekt des ersten Bands aber einige Male hin und her ging (WSH 2.0 war durch die lange Verzögerung erschienen und ich musste den Text kräftig überarbeiten), habe ich vor dem Start von Band 2 nachgehakt, wer denn zuständig sei und ob ich nun anfangen könne. Zu meiner Überraschung erfuhr ich, dass das Projekt gut 6 Wochen vorher vom Microsoft Marketing gekippt worden war. Nur hatte mir niemand das mitgeteilt.

Die 9/11-Zäsur

Später kam dann noch 9/11 hinzu, wodurch faktisch nichts mehr mit Microsoft USA ging. Ich erinnere mich auch noch ziemlich gut, dass es ab 9/11 für mich als deutscher Autor unmöglich wurde, mit Microsoft Press USA zusammen zu arbeiten. Ich hatte damals aber als Erkenntnis aus dem 2000er Debakel mit dem letzten Buch-Projekt bereits die Reißleine gezogen und nichts mehr für Microsoft Press USA gemacht (alles lag auf Eis) – Bücher von mir erschienen ab diesem Zeitpunkt nur noch bei Microsoft Press Deutschland.

Der Zeitstrahl – da passt was nicht

Kommen wir zurück zum Thema: In der Zeit nach 2000 fiel dann die Entwicklung von Longhorn, welches Windows XP ablösen sollte und dann in das glücklose Windows Vista mündete. Erst 2009 wurde mit Windows 7 ein neues Desktop-Betriebssystem freigegeben, welches sich am Markt behaupten konnte.

Schauen wir uns den Zeitstrahl an, relativiert sich die obige Aussage von Gates dann doch etwas – oder ich habe was falsch verstanden. Android kam im September 2008 erstmals auf den Markt, während das Motorola Milestone (in den USA als Motorola Droid bekannt) im November 2009 veröffentlicht wurde. Microsoft kam mit seinem Windows Phone (7.1) am 8. November 2010 heraus. Auch wenn die Entwicklung eines Mobil-Betriebssystems ein paar Tage dauert: Als Gates vom Posten des CEO zurück trat, dauerte es noch 9 Jahre bis zum Erscheinen eines Android-Geräts. Und Microsoft hatte erst ein Jahr später sein Windows Phone fertig.

So richtig passt die Geschichte für mich daher nicht wirklich zusammen. Aber vielleicht habe ich bloß was falsch verstanden. Und offen gesagt: Wenn ich mir jetzt auch noch eine Windows Monokultur auf Smartphones vorstelle, bin ich echt froh, dass es anders gekommen ist. Die kriegen bei Microsoft ja nicht mal mehr das Desktop-Betriebssystem so auf die Reihe, dass die Leute mit arbeiten können.


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17 Antworten zu Bill Gates: Ohne Wettbewerbsverfahren hätte Windows Phone gewonnen


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  2. chriscrosser sagt:

    …danke günni für deinen beitrag!
    …wäre es andersrum gelaufen, würde BG wahrscheinlich noch einige
    Millionen mehr in soziale projekte spenden…

    aber das argument:

    “Wenn ich mir jetzt auch noch eine Windows Monokultur auf Smartphones vorstelle, bin ich echt froh, dass es anders gekommen ist. Die kriegen bei Microsoft ja nicht mal mehr das Desktop-Betriebssystem so auf die Reihe, dass die Leute mit arbeiten können.”

    …das werde ich mir heute noch mehrmals auf der zunge zergehen lassen!
    ;-)

  3. Max sagt:

    Dafür hat nun Google gewissermaßen ein Quasi-Monopol inne und es sieht nicht besser aus, wenn man es mit den Problemen von Windows bei Microsoft sowie macOS und iOS bei Apple vergleicht; die Softwarequalität hat überall spürbar nachgelassen. Wir Konsumenten sind die Tester geworden, schließen kosten wir nichts. ;)

    Und ein Bill Gates hat auch noch Leute unter sich (gehabt), die dafür bezahlt werden, dass sie auch mal denken und nicht nur stur Aufträge oder Projekte abarbeiten. Und ich meine, die kritische Presse hätte auch der PR-Abteilung Microsofts ein Dorn im Auge sein MÜSSEN, wenn es um die Reputation des Konzerns geht.

    Also so ganz kaufe ich die Story von Gates auch nicht ab.

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  5. Roland Moser sagt:

    Jetzt haben die Google-Gnome mit ihrem Müll-Android eine Monopol-Stellung. Wo ist die zuständige Behörde, welche diesen Ramsch-Laden voneinander nimmt? Und dann können sie den Google-Pfeifenköpfen auch gleich noch die Benutzer-Oberfläche vorschreiben, aber bitte etwas brauchbares, und nicht das Tri***–Gedöns wie jetzt.
    Die Benutzer-Oberfläche ist so etwas von total durchgeknallt. Am Huawei-Smartblöd wird es kaum liegen.

  6. Andy sagt:

    Das Kartellverfahren hätte auch anders ausgehen könne: 1.) Zerschlagung der Fa. Microsoft, 2.) Anklage gegen das Management wegen Verschwörung

    Ich kann mir schon vorstellen, dass das Kartellverfahren Nervenbudget kostete und man dadurch suboptimale Grundsatzentscheidungen getroffen hat.

    Das Argument mit Motorola passt im Zeitstrahl tatsächlich nicht.

  7. Ralf Lindemann sagt:

    „So richtig passt die Geschichte für mich daher nicht wirklich zusammen … “ – Das sehe ich auch so: Bill Gates ist ein sehr reicher Mann, der viel Zeit hat, Märchen zu erzählen …

  8. Robert sagt:

    Sollte Gates da von seinem “Baby” Microsoft sprechen, hat er vermutlich weiter mitgefiebert und darüber nachgedacht, auch wenn er formell nicht mehr am Ruder war.

    Aus meiner Sicht liegt er vollkommen richtig. In den Anfängen der heimtauglichen Rechner und Programme konnten sich dank “Neuland” unkontrolliert Wildwest-Manieren ausbreiten, weil lange keine Behörde überhaupt eine Idee davon hatte was “public domain” ist, was Programmieren mit Urheberecht zu tun haben könnte oder wie schnell sich eine Kopie anfertigen lässt. Mit der Untersuchung der Kartellbehörde mussten eventuell fragwürdige Geschäftspraktiken Angesicht der möglichen Zerschlagung wie bei Bell unbedingt eingestellt werden. Sonst hätte man auch auf diesen Zug aufspringen können. Gates Rücktritt war wohl ein Teil des Deals.

    Dieses Stühlerücken sorgte vielleicht auch für hilfreichen Nebel bei Ermittlungen mithilfe von Interviews in den Abteilungen. Wer kann da schon Code lesen oder diesen bestimmten Personen oder Abteilungen zuordnen ;-)

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  10. Dat Bundesferkel sagt:

    Irgendwie scheint der liebe Bill an Demenz zu leiden. Vielleicht geht er noch einmal in sich, weshalb Windows Phone letztlich nicht Fuß gefasst hat.

    Vorweg: Ich habe damals selber die hervorragenden Lumias genutzt. War auch sehr zufrieden mit den Geräten, aber… – und jetzt kommt es – … das Softwareangebot war einfach zu überschaubar. Der Nutzen der Programme nicht gegeben.
    Microsoft gelang es nicht, Fremdentwickler für den Windows Store zu gewinnen. Es sprangen immer mehr nach und nach ab, so daß nur noch Microsoft eigene Anwendungen und dubiose AdWare Entwickler zurückblieben.
    Und da Microsoft nach und nach immer mehr eigene Anwendungen abgekündigt hatte, war das Phone schlichtweg nur noch zum telefonieren zu gebrauchen.

    DAS hat Windows Phone das Genick gebrochen… nicht irgendwelche Ermittlungen…

    Wie gesagt, ich war sehr zufrieden mit den Geräten, aber der Nutzen nahm letztlich von Monat zu Monat erheblich ab.

    Jetzt nutze ich halt mein Android mit eigenem WebDAV, CalDAV, CardDAV, Mail-Server, eigener Cloud, eigenem XMPP-Server – und alles brav integriert. Unter Windows Phone war es nur anteilig möglich… und wie bei Windows 10 heute teilweise nur mit Kniffen (Einrichtung Adressbuch muß ich mit dem Apple Zugang schummeln, um eigene Serverdaten eintragen zu können… traurig!)

  11. wufuc_MaD sagt:

    schtasks /Change /TN “Microsoft\Windows\Shell\FamilySafetyMonitor” /Disable /reallysupress

    das ist eine dieser zeitfressenden aufgaben die “man” deaktiviert und die trotzdem immer wieder laufen,.

    kurz und schmerzlos, danke!

    wir bleiben jetzt länger wach um updates zu installieren, nicht wahr?! hatespeech V2H2

  12. Mich@ sagt:

    Ich plante den Umstieg von Android auf Windows Phone. Habe verschiedene Artikel gelesen und wurde überzeugt als MS Continuum auf den Markt geworfen hatte. Das neue Lumia 930 wird Continuum unterstützen! WOW! Die Entscheidung ist gefallen. Anschließend kam die Ernüchterung – Das 930 unterstützte dieses Feature nicht. Und selbst wenn, richtig funktionieren tat es ja sowie so nicht. Aber egal, ich war nun Besitzer eines W Phones! Als dann keine Updates mehr von Apps erschienen, der Store täglich weniger Inhalt angeboten hatte und ich bestimmt 30 Sekunden benötigte um eine dumme Whatsapp zu lesen habe ich mein 930 im Forum von Martin verschenkt. Nun bin ich wieder bei Android gelandet und erfreue mich über die Performance meines Op3T!
    Mmn hätte Ms sich etablieren können. Einfach mal das OS pflegen, mehr Werbung machen. Wie war noch die Schlagzeile aus USA? Alle Cops in NY bekommen Nokia 950 Geräte! Hätte wenn und aber alles richtig funktioniert, wäre das eine Prima Werbung gewesen für das OS! Aber wer schlechte Saat verteilt, erntet nicht!

  13. Bernard sagt:

    dass es ab 9/11 für mich als deutscher Autor unmöglich wurde, mit Microsoft Press USA zusammen zu arbeiten

    Zeigt sehr schön, dass er dort nur Vollhonks gibt.

    Was neue Techniken angeht: Microsoft war immer einen Schritt hinterher.

    OS/2: Multitasking. Win 3.x: Hahahahaaaaah.

    Internet: Microsoft wollte sein eigenes Netzwerk dagegen setzen. Haaaahahahahaha.

    Microsoft Bob: Muuuuuhahahaahaaaahahaaa.

    Microsoft Zune: War nichts. iPod hat gerockt.

    wmv/wma: Proprietärer Mist-Codec.

    Etc. pp.

    • Paul Brusewitz sagt:

      >Was neue Techniken angeht: Microsoft war immer einen Schritt >hinterher.

      Nicht bei Windows Phone. Dort war man vom Sicherheitskonzept, von der Nutzung/ Integration in KMU und von der Einfachheit der Bedienung her den Android-Smartphones weit voraus. Leider hat man sich dann darauf ausgeruht, statt weiter voran zu gehen.

      Schade, dass MS so stur war, das Ganze kpl. in die Tonne zu treten und nicht an andere Smartphone-Hersteller zu lizensieren. Die Nachfrage war da. Die defizitäre Hardware-Produktion hätte man ja ruhig einstellen können. Niemand produziert, um Geld abzuschaffen.

      Und gar nicht daran zu denken, wenn MS Windows Phone 8.x einfach zu Opensource Software erklärt und den Code freigegeben hätte. Dann hätten wir heute Smartphones mit einer wirklich ergonomischen und Bedienerfreundlichen GUI und bräuchten solche Verrenkungen wie z.B. Senioren-Smartphones gar nicht.

      Naja … Zu spät.

      Freundliche Grüße
      P.B.

  14. Frank sagt:

    Bill hatte zu der Zeit Windows CE und CE Phone. Das wollte nur keiner haben. Anspruchsvolle Anwendungen liefen (Lizenzfrei) auf Linux. Sein Imageverlust in der Öffentlichkeit hat sicher auch dazu beigetragen. Dem Erfolg des Smartphones (Steve) nichts abringen zu können ist seine Bürde.

  15. wufuc_MaD sagt:

    dass er einen großteil seines vermögens und der ihm verbleibenden lebenszeit (ticktock) dazu einsetzt menschen innovativ zu beseitigen hat er auch im neusten interview unmissverständlich geäußert; zugegeben auf subtile und maximal berechnende art und weise! das überfordert schlicht den otto-normal-terroristen. das ist meine hoffnung (so ähnlich). da letztlich nicht alle berechtigte gründe (vergleiche: geeignete mittel) haben etwas zu verbergen gibts je nachdem auch nichts zu befürchten.

    die kameraperspektive ist etwas unglücklich geraten, aus deal wurde zeitweilig deadlock.. das kann passieren, jeder macht fehler, oder zufall.

    es konnte nicht nach updates gesucht werden da der windows update dienst nicht läuft.. ein paar unerwartete cpu-fails sind dazwischen gekommen. mit uso-core-worker und sha-2 wurde die zuverlässigkeit aber stark verbessert.

    der mann ist nicht das problem, ich schätze ihn sogar für seine direktheit, hab ich so nicht so ganz erwartet.

    in diesem sinne!

  16. Uwe Bieser sagt:

    Meines Erachtens hatte der Tod von Windows mobile/Windows Phone mehre Ursachen.

    Windows mobile besaß noch keine Unterstützung für kapazitive Bildschirme. Als – im Gegensatz zu den Windows phones von HTC und Co. – das Iphone 2G in 2007 mit einem kapazitiven Bildschirm auf den Markt kam, konnte es von vorneherein auf diesen Bildschirm setzen und hatte dadurch von Beginn an einen technologischen Vorsprung. Die zuvor noch hippen resistiven Displays galten schlagartig als unpraktisch, weil immer ein Stift verwendet werden musste und diese kein multitouch ermöglichten.

    Es war keineswegs so, dass es für Windows mobile keine Anwendungen gab. Im Gegenteil gab es anfangs durchaus einige brauchbare Anwendungen, deren Bedienerfreundlichkeit ich in der Androidwelt bis heute nicht mehr angetroffen habe.

    Den Nachteil der fehlenden kapazitiven Unterstützung versuchten Hersteller mit übergestülpter Software zu kaschieren, die den Einsatz von Touchscreens erlaubte, jedoch aufgrund der z. T. Eingabeflächen diverser Apps spezielle Eingabestifte erforderlich machte.

    Nach Windows mobile 7 gab es dann mit Windows Phone 8 den radikalen Schnitt, der schlagartig sämtliche alten lieb gewonnenen Apps auf dem neuen Betriebssystem unverwendbar machte. Einen größere Gefallen konnte man der Konkurrenz natürlich gar nicht machen, als den zwangsweisen Neustart von Null an, der natürlich auch die Option zulässt, auf eine Konkurrenzplattform zu wechseln. Die App-Entwickler hatten angesichts des erkennbaren Erfolgs der Konkurrenzplattformen auch keine Lust ihre Apps von Grund auf neu zu schreiben und warteten erstmal ab, wie die Verkaufszahlen von Windows 8 phone anliefen. Dank der ausbleibenden Apps erwartbar schlecht. So gab es selbst nach 12 Monaten immer noch keine Fahrtenbuch App für Windows phone 8. Die erste auf dem Windows store erhältliche Fahrtenbuch-App war eine Hobbyentwicklung und nicht Finanzamt tauglich. Microsoft hätte das Betriebssystem mit Anwendungen für den Businessbereich pushen müssen und den Bling-Bling Markt mit dem eintausendsten Taschenrechner anderen überlassen sollen.

    Traurig an Android ist doch, dass mein altes 70€ Lumnia deutlich häufiger Updates erhielt, als mein Edel-Android Endgerät.

    Die Metro Oberfläche von Windwows phone bietet zwar weniger Gestaltungsmöglichkeiten, dafür ist die Bedienung auch weniger widersprüchlich.

    • Ulf sagt:

      Ich sehe da noch einen Punkt, der um 2010 herum gar nicht so unwesentlich war: die Synchronisation mit Outlook, wohlgemerkt per Kabel und nicht per EAS. Bei Windows Mobile funktionierte es, bei vielen Android Geräten funktionierte es und sogar mit dem iPhone funktionierte es – nur mit dem neuen Windows Phone, da funktionierte es *nicht*: “Cloud” und “over the air” sei schließlich die Zukunft und WP7 sein ein Consumer-Produkt hieß es von Microsoft damals. Ich denke, damit hat man sich ohne Not viele Windows Mobile User aus dem KMU-Bereich vergrault – und wer mal weg ist, der kommt auch so schnell nicht wieder.

  17. Uwe Bieser sagt:

    OS2 ist keine Entwicklung von Microsoft und hatte im Gegensatz zu Kooperationspartner IBM auch relativ schnell den Misserfolg erkannt und die Reißleine gezogen.

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