Peking: Exit von Windows und Fremd-PC-Technik in 3 Jahren

Chinas Regierung hat alle Behörden angewiesen, binnen drei Jahren alle PC-Komponenten und Software, die nicht chinesischen Ursprungs sind, gegen einheimische Produkte auszutauschen.


Anzeige

Es ist ein interessante Lehrstück: Während hierzulande über die Verwendung von Huawei-Technik in 5G-Netzwerken diskutiert wird, macht Pekings Führung Nägel mit Köpfen. Nachdem US-Präsident Trump einen Handelskrieg mit China gestartet und die Belieferung chinesischer Unternehmen mit US-Produkten (z.B. Googles Android oder Microsofts Windows) ausgesetzt hatte, zieht China die Konsequenzen. Diverse US-Medien berichten (unter Berufung auf einen Artikel der Financial Times), von der neuen Order Pekings. 

Behörden müssen bis Ende 2022 auf chinesische Technologien wechseln

Dem Bericht zufolge hat die Staatsführung Chinas den Wechsel von amerikanischer Hard- und Software zu lokalen Alternativen bis Ende 2022 beschlossen. Die Anweisung gilt für alle Behörden Chinas und soll das Land unabhängig von amerikanischer Technologie machen. Das Ganze passt auch in das globale Bild, nachdem China versucht, mehr Kontrolle über das Internet zu bekommen.

Seit 2017 gibt es das chinesischen Internetsicherheitsgesetz, in dem China nach Möglichkeiten sucht, das Internet besser zu kontrollieren und seine Daten innerhalb seiner Grenzen zu halten. Dazu gehört auch die Regel, dass alle Technologien “sicher” und “kontrollierbar” zu sein haben – etwas wo unsere Verwaltungen beispielsweise im Hinblick auf Windows 10 und Microsoft Office 365 die Köpfe in den Sand stecken.

Der Beschluss dürfte bei US-Technologiekonzernen wie Microsoft, Dell, HP, Apple etc. für einige Schmerzen sorgen. Denn damit bricht ein großer Markt weg. Aber auch Chinas Hersteller stehen in meinen Augen vor einigen Herausforderungen. Denn so manches Produkt ist schlicht auf ausländische Technologie in Form von Chips und Software angewiesen.

China ist nicht der einzige Staat, der US-Produkte in der IT-Technologie ersetzen will. Auch Russland hat die Abkehr von Windows, Office und US-PC-Technik und den Wechsel zu Produkten, die aus russischer Produktion stammen, beschlossen. Es wird spannend werden, zu beobachten, wie das Ganze abläuft. Aber es könnte einen Paradigmenwechsel einleiten, bei dem die Dominanz von US-Unternehmen in diesen Ländern gebrochen wird.

Noch spannender wird aber zu verfolgen sein, wie China unter diesem Zeichen weiterhin als Werkbank und Lieferant der Welt agieren will. Ich bin zudem bereits etwas älter und erinnere mich noch gut an die Zeiten, als Russland bzw. der Ostblock versuchte, mit der amerikanischen Rechnertechnik mitzuhalten, was aber nicht gelang.


Anzeige
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Windows 10 abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

20 Antworten zu Peking: Exit von Windows und Fremd-PC-Technik in 3 Jahren


  1. Anzeige
  2. paradigmshift sagt:

    Russland möchte ein von den USA unabhängiges und ausfallsicheres Internet, China sichert sich ebenfalls ab vor fremden Mächten.

    Gegen Autarkie ist grundsätzlich nichts auszusetzen, leider kommt sie überall auch mit Zensur.

    Aber will man das in Europa hetzt jeder dagegen in den Medien!

    https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Digitale-Welt/das-projekt-gaia-x.html

    Ich fand GAIA-X an sich eine gute Idee, aber hier werden Projekte keine Chance gegeben. Muss ja schlecht sein wenn es aus der EU kommt. Man fragt sich jedoch, wer steckt hinter der Negativpresse?

    Wir brauchen auch unabhängige Cloudanbieter, das EU-US-PrivacyShield funktioniert nicht.

  3. Bernhard Diener sagt:

    Nun… “Nägel mit Köpfen”…ist China da wirklich so schnell? http://web.archive.org/web/20160428005412/http://news.xinhuanet.com/english/china/2014-05/20/c_133347210.htm zeigt, dass die Pläne bereits 2014 teilweise umgesetzt wurden – abgeschlossen scheint es noch nicht.
    Auch den Zusammenhang zu Strafzöllen sehe ich eher widerlegt, dadurch dass bereits 2014 (siehe https://blog.zeit.de/china/2014/06/06/china-will-weg-von-microsoft/ ) geschrieben wurde, “[China rufe] dazu auf, sämtliche US-Technikunternehmen künftig zu meiden”

  4. Anzeige

  5. Dat Bundesferkel sagt:

    Hah, wir haben ja nicht mal eigene militärische IT-Infrastruktur. Ein Teil ist US kontrolliert, der andere Teil RU kontrolliert. Ich sage nur Projekt “Herkules”.

    Eine von der US-Mächten unabhängige IT wird sich erst dann etablieren, wenn sowohl China, als auch Russland einen eindeutigen militärischen Vorsprung vor den USA haben. Allerdings vermute ich, daß uns dann andere Systeme “diktiert” werden… so wirklich unabhängig ist die EU dann nämlich doch nicht.

    Wie auch immer. Ich bin verwundert, daß sich China so dermaßen viel Zeit gelassen hat. Gut aufgestellt waren sie schon mit den letzten Longsoon Prozessoren – nicht nur native Technologie, sondern auch noch dreiste hardwarebasierte Emulatoren westlicher Prozessortechnik. Nunja, durch den letzten Deal mit AMD dürfte das wohl auch ziemlich legal geworden sein.

    Schauen wir mal, was da kommt. Vor Kurzem wurde immerhin auch ein sehr interessantes µATX Mainboard auf ARM Basis von Huawei vorgestellt. Würde mich schon ein wenig reizen, damit herumzuspielen.

  6. Macollon sagt:

    Nun ja ob der Bericht der Financial Times so den Tatsachen entspricht, ist nun nicht so sicher. Regierungsstellen in Peking scheint dieser Plan bislang nicht bekannt zu sein.
    Aber das chin. Behörden stärker auf inländische Produkte besonders Software setzten, ist kein neuer Trend.
    China hat eine lange und schmerzvolle Geschichte in Bezug auf westliche Exportbeschränkungen. Die Erfahrung sitzt tief, und das Trump zuletzt tief den Finger in die Wunde gelegt hat, wird sicher Konsequenzen haben. Nicht nur bei Behörden, quasi jeder chin. Hersteller hat sich im Laufe dieses Jahres gefragt, wie zuverlässig US-Unternehmen noch als Zulieferer sind.

  7. Uwe sagt:

    China wird es schaffen, Russland wird es schaffen! Schlicht aus dem Grund, weil das Volk hinter dem Staat und gegen die USA steht. Es wird Jahre dauern und bis es sehr gut ist, viele Jahre. Lieber etwas weniger als was Gutes, das unkontrollierbar ist. Die EU steckt so im Windows Desaster, dass wir uns USA mit Windows beugen müssen. Allerdings hat sich in meinem Umfeld durch W10 einiges getan. Es sind Leute zu Linux gewechselt, die hatten das nie vor. Andere haben privat LTSC Versionen, die brauchbar sind. Da diese aber über Firmen teuer eingekauft werden müssen (das zum Thema kostenloses W10) kot…. die richtig rum. Ich gehöre dazu. Leider konnte ich einfach nicht einfach auf Linux wechseln. Aber in VMs läuft es und ich teste Software mit dem Endziel, Windows zu verbannen. Vor 5 Jahren hätte ich jeden ausgelacht, der mir das vorhergesagt hätte. Aber alleine der Wunsch nach höchster Stabilität und W10 Desaster-Updates zwingen mich dazu!

  8. Uwe sagt:

    Nachtrag: Intel liefert (auf Zwang) heute schon an Regierungsbehörden Systeme mit abgeschalteter ME. Das Kuckucksei, das in jeden Intel Proz. steckt. Bereits jetzt werden in kritischen Systemen keine TPM mehr genutzt, da diese in unbekannter Abhängigkeit zur ME stehen. Ein per “Fernwartung” destabilisiertes TPM lässt den PC nicht mehr starten. Und was dann? Heute ist alles vernetzt … Bahn, Strom, Krankenhäuser … gute Nacht …

  9. Anzeige

  10. Onkel Hotte sagt:

    Ich wünsche China dabei viel Erfolg. Im Gegensatz zu Russland damals hat China verdammt viel Knete und da Chinesen langfristig denken, könnte das was werden. Ist ja nicht in Stein gemeißelt, nur die USA könnten Chips und Betriebssysteme entwickeln. Müssen ja auch nicht unbedingt auf Kompatibilität achten.
    Und die EU schaut nur dumm aus der Wäsche nachdem alle IT Firmen ihr Wissen und ihre Schmieden nach Asien verhökert haben.
    Warte noch heute auf das europäische Super-Google.

  11. 1ST1 sagt:

    Man sollte Russland und China mal verdeutlichen, wieviele US-amerikanische Firmen und Privatleute am Linux-System (auch BSD usw. ) einschließlich darauf laufender Software beteiligt sind. Dann werden die merken, dass ihr Vorhaben völlig sinnlos ist, es sei denn sie schreiben innerhalb der 3 Jahre völlig unabhängig von Windows, Linux, BSD usw. ihre eigenen Betriebssysteme.

  12. Christian59 sagt:

    …wenn EXCEL wegkommt in China müssen sie halt wieder ein paar
    Holzzählrahmen mehr schnitzen ;-)
    …und statt WORD wird wieder die Schiefertafel mit quiiiietschenden
    Kreidestückchen benutzt :-)
    …und wegen FACEBOOK oder TWITTER? Einfach Rauchzeichen geben ;-)
    etc. etc.
    Gruss, Christian

  13. Die/Das/Der Genderkrankheit*er sagt:

    Aus meiner Sicht sind 3 Jahre zu wenig Zeit. Wenn man es seriös machen will, sollte man sich gegen 6 Jahre Zeit lassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.