Rambler.ru beansprucht Urheberschaft an NGINX-Code

In Moskau hat es im Büro von NGINX eine Razzia gegeben, bei der Sachen beschlagnahmt und der Entwickler des Webservers NGINX verhaftet wurde. Hintergrund: Der frühere Arbeitgeber rambler[.]ru beansprucht die Urheberschaft am NGINX-Code. Ergänzung: Der Schuss ging nach hinten los – Rambler will nichts mit der Durchsuchung zu tun haben. Hat ein Oligarch mit Anteilen an Rambler im Hintergrund seine Strippen gezogen? Einige Infos der NYT nachgetragen.


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Was ist NGINX?

NGINX ist eine von Igor Sysoev entwickelte, unter der BSD-Lizenz veröffentlichte Webserver-Software mit Reverse Proxy und E-Mail-Proxy (POP3/IMAP). Nginx wird (Stand März 2018) bei rund 67 % der 10.000 Webseiten mit dem höchsten Traffic verwendet.

Der Copyright-Claim und die Durchsuchung

Soweit so gut. Als Igor Sysoev den Webserver entwickelte, war er bei der russischen Firma rambler[.]ru beschäftigt. Die Entwicklung des NGINX-Pakets erfolgte aber, laut einem Interview aus dem Jahr 2012 von Igor Sysoev, in seiner Freizeit, hat also mit dem Arbeitgeber nichts zu tun. Der Arbeitgeber war wohl auch lange Zeit wenig an NGINX interessiert. Der NGINX-Server wurde zuerst auf den Webseiten Rate[.ee und zvuki[.]ru eingesetzt. Rambler begann die Verwendung erst, nachdem ein Kollege von Igor Sysoev danach gefragt hatte. Vor einer Woche erhob rambler[.]ru aber plötzlich Ansprüche auf den kompletten Quellcode, weil Igor Sysoev seinerzeit bei ihnen beschäftigt war.

Dem obigen Tweet ist zu entnehmen, dass es im NGINX-Büro in Moskau nun einen Polizeieinsatz gegeben hat. Dabei wurde der NGINX-Entwickler Igor Sysoev und sein Mitgründer Maxim Konovalov verhaftet.

Dem obigen Tweet nach verursacht Rambler seine Urheberschaft am NGINX-Code gegenüber NGINX durchzusetzen. Ob das Ganze eine russische Angelegenheit bleibt, und was das für den NGINX-Einsatz bedeutet, ist unklar. ZDNet hat die Gemengelage in diesem Artikel zusammen gefasst.

Rambler rudert zurück

Ergänzung: Es sieht so aus, als ob die ganze Aktion für Russland jetzt nach hinten geht. Ex-Rambler-Mitarbeiter und Chefs bezeichnen die Durchsuchung der NGINX-Büros in Moskau als 'Schande' und erklären, an den Vorwürfen sei an sich nichts dran. Offenbar herrschen in Russland Wildwest-Methoden, mit denen einflussreiche Oligarchen versuchen, die Macht über Firmen zu übernehmen.

Die Verantwortlichen der russischen Firma Rambler beteuern, nichts mit der Anordnung der Durchsuchung zu tun zu haben und versuchen momentan die 'Kriminalfall' NGINX Inc. hinter den Kulissen zu beenden. Auch der Kremel distanziert sich von der Aktion der Behörden. Zum Hintergrund: Offenbar war NGINX Inc. vor einigen Monaten von einer US-Investmentfirma F5 Networks übernommen worden. Da scheint dann in Russland jemand Geld gerochen zu haben.


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Die Rambler-Führung hat nach einer Dringlichkeitssitzung am Montag eine Erklärung herausgegeben, in der Lynwood Investments, ein in Zypern registriertes Unternehmen, das vom Milliardär Aleksandr L. Mamut, einem Hauptaktionär von Rambler, kontrolliert wird, beschuldigt wird, für das Strafverfahren gegen Nginx verantwortlich zu sein. Die New York Times hat hier einen interessanten Artikel mit weitergehenden Informationen veröffentlicht.


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