Home-Office Phantomschmerzen: Office-Sound-Konserven als Hit

Ich gestehe, ich kann es als jemand, der seit 27 Jahren freiberuflich im Home-Office alleine werkelt nicht nachvollziehen. Aber Leute, die Coronavirus-bedingt ins Home-Office gezwungen wurden, fehlt die Lärmkulisse eines Großraumbüros. Die vermissen die Störgeräusche der telefonierenden Kollegen, die Tastenschläge am Notebook, das Rattern der Faxgeräte und Drucker im Büro, so sehr, dass die sich entsprechende Sounds streamen lassen. Solche Konserven mutieren auf der Webseite myNoise.net zum Hit.


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Anfang 2020, noch vor dem Coronavirus-Lockdown, erhielt Toningenieur Stéphane Pigeon eine ungewöhnliche Anfrage: Ob er Bürogeräusche als Tonkonserve erstellen könne, wie technologyreview.com hier berichtet. “Ich sagte: ‘Nein, nein, nein, nein, das werde ich nicht tun!’ Ich dachte: ‘Das ist so verwirrend. Die Leute wollen diese Geräusche nicht hören.”, wird Pigeon zitiert. Pigeon betreibt die Webseite myNoise.net, die Leuten, die nach Hintergrundgeräuschen suchen, um sich auf die Arbeit konzentrieren zu können, zur Kultquelle geworden ist.

Büro, Geräusch, Notebook
(Quelle: Pexels, freie Verwendung)

Nachdem Pigeon aber weiterhin mehr und mehr Anfragen erhielt und dann der Coronavirus-Lockdown kam, gab er schließlich nach und machte sich an die Arbeit. Er nahm Bürogeräusche auf und stellte diese als Stream ‘Calm Office’ auf seine Webseite ein. Seit der Veröffentlichung im März 2020 gab es 250.000 Streams von ‘Calm Office’ , was es zu einem seiner beliebtesten Sounds auf myNoise machte.

Benutzer können die Lautstärke bestimmter Soundeffekte und Töne mit Hilfe einer Reihe animierter Schieberegler einstellen. Der Toningenieur Pigeon ist immer noch verwirrt, dass’Calm Office’ mit seinen klapprigen Tastenanschlägen, dem Surren eines Faxgeräts und den fernen Gesprächsströmen als Hintergrund-Sound so populär geworden ist, dass das Ganze in die Top-Download-Liste gekommen ist. Schon eine verrückte – oder eher kranke – Welt? Wie seht ihr das so?


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8 Antworten zu Home-Office Phantomschmerzen: Office-Sound-Konserven als Hit


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  2. Markus S. sagt:

    Ach ja. Wie vermisse ich die Schmatz-Geräusche des (fr)essenden Kollegen. Oder das Schreien des Ferngespräch führenden Kollegen. Ich weiß gar nicht, was ich mehr vermisse!
    Ich genieße diese wunderbare Home-Office-Zeit hier. Wirklich wunderbar. Ich freue mich zwar auch, wenn ich mal kurz ins Büro fahren muss und welche dort sind oder ich mit Kollegen telefonieren muss, aber dann ist erstmal wieder gut.

  3. woodpeaker sagt:

    Ein eindeutiges Zeichen von Degeneration der Menscheit.
    Die können wahrscheinlich auch nicht schlafen wenn sie nicht eine Mindestdosis von Lichtsmog haben.
    Es wird Zeit, dass der Letzte den Stuhl auf den Tisch stellt und das Licht ausmacht, sprich die Menschheit die Bühne freimacht für nachhaltigere Spezies.

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  5. Sansor sagt:

    Ich habe die App von myNoise schon seit längerem installiert. Geniale Sache. Allerdings geniesse ich die Sounds eines plätschernden Baches, das Rauschen der Blätter eines Waldes oder des Meeres, … das Klicken und Klappern von Tastatur und Drucker???
    Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Aber ich muss zugeben, ich war froh, als ich wieder im Geschäft arbeiten durfte. Aber wenn man alleine lebt, dann alleine arbeitet, dies über Monate, dann ist der gelegentliche Videochat vielleicht zu wenig.

  6. Ulf sagt:

    Die Geräuschkulisse der Kollegen, auch wenn es in Hörweite nur zwei sind, vermisse ich im Homeoffice kein Stück. Ganz im Gegenteil.

    Ich kenne aber auch Menschen, die ohne Lärm und Lichtgeflacker (Fernseher) nicht einschlafen können, von daher wundert mich auf dieser Schiene gar nichts mehr.

  7. Martin Ramp sagt:

    Kann das nicht beurteilen da ich als Admin eher Homeoffice einrichte als selbigen zu betreiben. Jedoch sind wir einer Meinung: Verrückte Welt. Danke für diesen Beitrag :D

  8. Onkel Hotte sagt:

    In welchen Büros arbeiten denn diese Leute? Das alles klingt nach frühen 90ern: ratterndes Fax, Drucker, Tastatuanschläge….
    Klingt irgendwie nach Amt oder Öffentlicher Dienst. Unser IT Manager ist ein besonderer Geizkragen unter den Dagoberts aber selbst wir haben Laserdrucker im separaten Raum, leise Tastaturen und Faxe sind halt in den Druckern integriet, falls jemand dies noch nutzt

    • Günter Born sagt:

      Los des Bloggers, dass seine Worte immer auf die Goldwaage gelegt und geglaubt werden.

      Wollte nur Nachfragen der Art ‘was hört Mann oder Frau denn da im Büro’ vorbeugen und habe kreativ dazu gedichtet, was mir gerade so einfiel – sollte besonders plastisch sein, ging wohl aber schief ;-).

      Ist zwar nicht politisch korrekt, aber … ersetze deine leisen Tastaturen und Laserdrucker durch Kollegin Quasselstrippe am Nachbarschreibtisch, die alle Kollegen den neuesten Tratsch in Dauertelefonaten miterleiden lässt, füge noch den pupsenden oder grantelnden Mittfünfziger in Reihe 4, sowie [… selbst ausfüllen …] hinzu – und es passt wieder.

      PS: Verbotene Werbeanrufe aus Callcentern erkenne ich immer am Hintergrundgeräusch und lege schon auf, bevor der Gegenüber los legen kann. Wenn da natürlich jemand auf die Idee kommt, sich so was als Hintergrundgeräusch zu streamen, obwohl er nicht im Callcenter sitzt, hat er bei mir Pech gehabt ;-).

      PS: Da wir hier natürlich nur diskriminierungsfrei bloggen, sind das natürlich alles erfundene Sachverhalte und ich habe die letzten 30 Jahre kein fremdes Großraumbüro mehr betreten. Aber ich vernehme das Raunen, das so was im Trend liegen täte.

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  10. Thomas D sagt:

    Moin Moin,

    Ich bin zwar auch im HO und habe meist Musik im Hintergrund laufen, aber was Ich hier zum Nachdenken bringen will ist eine andere Geschichte.
    Das Verhalten mit dem Hintergrundgeräusch ist nämlich Menschlich.
    Die Gewöhnung.

    Es geht hier um meine Mutter die in den 50ern geboren war.
    Sie ist richtig ländlich aufgewachsen und erst als Jugendliche ins Dorf gezogen.
    Später die üblichen Umzüge, ein paar Jahre war auch HH dabei.
    Am Schluß wohnten wir in einer Kleinstadt, allerdings an einer Bundesstraße die damals gerne mal als Umleitung der A2 genutzt wurde in den 80er und 90er.
    Und sind dann wieder zurück ins Dorf gezogen wo sie aufgewachsen war.

    Alle meinten zu Ihr das Sie es doch genießen müßte, diese Ruhe.
    Ihr Kommentar dazu:
    Von wegen Ruhe!!
    Nachts bellt mal ein Hund, Morgens sind die Vögel hyperaktiv, die Katzen mögen sich im Frühjahr auch sehr gerne und sehr gerne laut!

    ;-)

    Sie hatte selbst gesagt das sie den Krach der str. einfach ausschalten konnte.
    Die EinzelGeräusche aber viel mehr Aufmerksamkeit generierten :-)

    Von daher kann Ich die Abnahme Gründe sehr wohl verstehen wenn man daran gewöhnt ist und sie der Normal Zustand waren um in den “Flow” zu kommen.
    Es ist KRACH, den man aber ausblenden kann.
    Einzelgeräusche zuzuordnen ist viel Anstrengender.

    Nur mein Senf
    Thomas

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