Aus der Gruft: Microsoft Windows Script Host 2.0 Developer’s Guide

Lang ist’s her – vor 20 Jahren ist mein Buch ‘Microsoft Windows Script Host 2.0 Developer’s Guide‘ bei Microsoft Press in den USA erschienen. Über Twitter hat mich jemand darauf aufmerksam gemacht, dass jemand in Ungarn das Teil als Online-Version im Web hostet.


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Der größte Teil des Inhalts ist ‘nicht mehr wahr’ (Sicherheits-Updates des IE haben die Nutzung vieler Methoden unmöglich gemacht), und Teil 2 ist niemals bei MS Press USA erschienen (das Material gab es nur in deutsch bei Microsoft Press Deutschland).

Für forensisch/archäologische Forschungen hier der Link. Und ich verlinke mal die alte Seite des WSHBazar – das Zeugs ist 2018 auf borncity.de der DSGVO zum Opfer gefallen (den Aufwand, alles umzustricken, habe ich mir nicht mehr angetan).

WSH Bazaar

Damals (c), so um das Jahr 2000, war die Welt übrigens noch in Ordnung – wir hatten gerade das Year 2 K-Problem gewuppt, es gab keine Ransomware, keine Cloud, und von Windows 10 wussten wir auch noch nix. Heute ist die PowerShell die Qual der Wahl für Admins.


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8 Antworten zu Aus der Gruft: Microsoft Windows Script Host 2.0 Developer’s Guide


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  2. dliw sagt:

    und “jemand” macht das ohne Kenntnis des Autors – und wotts mit die tantajemen?
    ;-)

    • Günter Born sagt:

      Zur Frage a) Nein, ist ohne meine Kenntnis passiert, zur Frage b) nach 20 Jahren gibt es eh keine Tantiemen mehr (nach 2 Jahren sind Projekte in diesem Bereich mehr als tot).

      Ein paar Insides: Echt weh hat es getan, wenn Du mit viel Aufwand ein Buch im Bereich Windows x Business (z.B. Tricks) erstellt hast. Die Teile verkauften sich eh nur so la la, und vier Wochen nach Erscheinen fanden sich dann die Ebook-Kopien auf irgendwelchen Dark-Net-Seiten. Gingst Du in die ‘User-Bewertungen’ stand da ‘danke für’s Teilen, geilstes Ding, was ich in letzter Zeit gelesen habe’. Auf meinen Verkaufscharts sah ich dann, dass 14 Tage später die Verkäufe im Handel drastisch einbrachen. Von einer Auflage – ich glaube es war zu Vista – wurden dadurch nur 800 Exemplare verkauft (= 800 Euro Tantiemen für zig Wochen Arbeit). Wir haben vom Verlag zwar ‘Take-Downs’ gegen einige Plattformen erwirkt – aber an gleicher Stelle poppten dann andernorts zwei weitere Angebote mit Kopien auf.

      War der Zeitpunkt, wo ich einige Projekte beerdigt und nie wieder aktualisiert habe. Die ehrlichen Käufer haben zwar gejammert, weil es keine Neuauflagen gab – aber ich musste mich nicht mehr ärgern, dass mir die Butter vom Brot geholt wurde.

      Zum WSH-Titel: War auch ein Sch***ß-Projekt – hätte die Finger von der englischen Fassung lassen sollen. Es gab das Buch auf Deutsch bei Microsoft Press Deutschland – war ein Nachfolger meines WSH 1.0-Titels (und hat echt Freude bereitet). Beide Bücher waren seinerzeit Novitäten und liefen für das Genre ganz passabel.

      Das Thema hatte seinerzeit in meinen Augen Potential und ich wollte mehr. Ich hatte bei Microsoft Press USA nachgefragt, ob Lust auf eine Auflage in Englisch bestehe. Verlief zäh und dann im Sande, man wollte nicht springen …

      Also habe ich es Wrox in England angeboten und die haben sofort einen Vertrag geschickt. Kaum hatte ich den unterschrieben und den Chef-Lektor von MS-Press informiert, kam von diesem eine Mail: Mist, ist doof gelaufen, ging an mir vorbei. Wenn aus irgend einem Grund etwas bei Wrox dazwischen kommt, komm auf mich zurück …

      Hätte mich hellhörig werden lassen sollen. Und so bin ich zwischen die Räder der Wrox-Geschäftspolitik geraten. Bei Wrox lief es anfangs ganz gut – ich habe ein dickes Manuskript abgeliefert – Lektoren waren ganz happy. Wurde alles gesetzt und lektoriert und Freitags hieß es vom Lektor ‘in 14 Tagen ist gehen wir in den Druck’. Montags kam eine Mail vom Verlag: Sorry, wir treten vom Vertrag zurück und wollen das Buch mit dir nicht mehr machen.

      Kurze Recherche: Da prangte auf der Wrox-Webseite plötzlich ein neuer Autorenname für das Buch, aber mein Konterfei war auf dem Buchcover und es war auch an meine Gliederung angelehnt. Aus einer anonymen ‘Quelle’ bekam ich dann die Word-Dateien zugeschickt, die zwischen den Fachlektoren zirkulierten, um die Texte fachlich zu prüfen. Gab einige Anmerkungen, aber nichts gravierendes. Nur tauchte der Name des neuen Autors als Bearbeiter auf. Der hatte das Manuskript in die Finger bekommen, zeigte sich in den Kommentaren ganz enthusiastisch, hatte einen Namen in diesem Bereich und hat wohl jemanden bei Wrox überzeugt, das Projekt mit ihm zu machen. Damit war Wrox für mich gestorben …

      Habe dann eine kurze Mail an den Cheflektor bei Microsoft Press geschrieben und hatte kurze Zeit später einen neuen Vertrag … und bin dann zwischen die Räder der US- und ‘Weltpolitik’ geraten.

      Kurz vor Fertigstellung des überarbeiteten US-Manuskripts schlug bei Microsoft die berühmte ‘chinese Wall’ zu – wegen des Wettbewerbsverfahrens der US-Kartellbehörde gegen Microsoft mussten Windows- und Office-Entwickler getrennt werden und durften keinen Kontakt mehr pflegen. Führte dazu, dass Anfang 2000 überall das große Stühlerücken in Redmond begann.

      Chef-Lektor und Editor, mit denen ich schon andere Projekte gewuppt hatte, waren plötzlich weg. Ein neuer Kopf meldete sich ‘hey, ich bin dein neuer Lektor’. Als ich nachhakte, was man brauche, kam ‘ein 1.000 Seiten-Titel wäre ober-cool’ zurück. Material hatte ich genügend und hab noch ein paar Seiten geschrieben. 10 Tage später das Manuskript rüber geschickt und alles lief scheinbar smooth.

      Durch die lange Verzögerung war plötzlich WSH 2.0 draußen – und ich Doofkopp habe eine kurze Mail in die USA geschickt ‘wir sollten WSH 2.0 berücksichtigen’. Antwort ‘ja, machen wir, fang schon mal an, da was einzuflicken’.

      So 6 Wochen später kam eine Mail ‘Hey, ich bin xyz, dein neuer Lektor. Wir haben einen neuen Ukas und dürfen keine 1.000 Seiten-Titel mehr machen. Kannst Du das Manuskript auf 500 bis 600 Seiten kürzen.’

      Scheibenkleister, also kurz nachgedacht und vorgeschlagen: Lasse uns das Projekt in zwei Bände a 500 – 600 Seiten aufteilen. Band 1 das oben gegenständliche WSH Developers Guide und Band 2 das Advanced WSH Developers Guide mit echten Insight. Zwei Tage später hatte ich das Ok.

      Ich habe also das Manuskript zum vierten Mal überarbeitet und für Band 1 fertig gemacht. Ging dann durch das Lektorat, in den Satz und in den Druck …

      Klug durch die Vorgeschichte geworden, fragte ich beim Lektor an: ‘wir haben ja jetzt Band 1 fertig und im Vertrieb. Es gibt viele Querverweise auf Band 2 im Buch – soll ich mit dem Manuskript anfangen?’

      Zwei Tage später kam eine Mail ‘Hey, ich bin xyz, dein neuer Lektor. Und sorry, aber unser Marketing hat vorigen Freitag entschieden, Band 2 zumindest vorerst nicht zu machen …’.

      Hab dann die Zusammenarbeit mit Microsoft Press USA gestoppt und nur noch für den deutschen Zweig geschrieben. War auch gut so, denn kurze Zeit später kam 9.11 mit dem Anschlag auf das World Trade Center. Ab da ging mit den USA nix mehr – Homeland Security hat alles dicht gemacht.

      Wie sagte meine Oma immer: ‘Wer weiß, wozu das gut war’ und Recht hatte sie. Ab 2013 wurden dann Pearson Education und später Microsoft Press sowie O’Reilly Deutschland platt gemacht (siehe Aus für O’Reilly Deutschland). War für mich zwar doof, weil ich Umsatzträger verlor, und immer wieder bei einem neuen Verlag mit den Buchprojekten von vorne anfangen musste. Aber für die Mitarbeiter der Verlage war das drastischer, denn der Job war von heute auf morgen weg.

      Ich selbst habe mich dann im März 2015 durch den Sportunfall noch für 18 Monate in die Arbeitsunfähigkeit geschossen, aber es trotzdem gewuppt bekommen, wieder als Autor ans Fliegen zu kommen – ab Oktober 2016 halt als Blogger.

      Sind dann die Stories aus dem Nähkästchen eines Autors … hätte mich bei manchem von den ca. 300 Buchprojekten besser auf den Rücken gelegt und an den Füßen gespielt. Wäre entspannender und mit weniger Brass verbunden gewesen ;-).

      PS: Muss dann immer grinsen, wenn ich lese, dass in Deutschland keine Startup-Kultur existiert und in den USA so alles great ist. Ich habe es zumindest anders kennen gelernt und mich hierzulande durchgebissen. Was man halt in den Medien mitbekommt, sind die Erfolgsgeschichten von Apple, Facebook, Google, Microsoft 6 Co. – nicht aber die vielen kleinen Projekte, die über die Wupper gegangen ist.

      Kaufen wollte mich auch keiner (wäre ja nur mit meinen Ideen gegangen). Ach ja, reich heiraten ging in dem Alter auch nicht mehr – wer hätte einen abgefackten Autor noch gewollt – schei* Leben ;-).

  3. Bernard sagt:

    Kennt jemand eine verünftige Einführung (Buch, Online-Kurse, etc) in die PowerShell?

    Von MicroSoft gibt es leider nur hier und da einen Fetzen Information, den Rest muss man selbst suchen.

    Und leider gibt es häufige Versionswechsel, was die Situation erschwert.

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