lizengo: Webseite des Gebrauchtsoftware-Anbieters verschwunden

ParagraphAnfang des Monats erreichte mich eine Mail meines Tippgebers in Sachen Gebrauchtsoftware-Anbieter mit dem kurzen Satz "lizengo – die Webseite ist jetzt auch weg". Damit endet eine der Stories, die sich hier im Blog über eine Reihe von Beiträgen hingezogen hat. Als ich gegenüber dem Schreiber der Mail ein "war zu erwarten" äußerte, kam nur lapidar die ironisch gemeinte Frage "Wie löse ich jetzt mein Edeka Gutschein Code ein?" zurück. Daher heute nochmals eine kurze Zusammenfassung des Sachverhalts.


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Dieses Ende war zu erwarten

Lizengo ist ja ein in Köln ansässiger Händler von Gebrauchtsoftware, wobei dieser vorgeblich 'Lizenzen von Softwareprodukten' wie Windows oder Office für kleines Geld verkauft. Bekannter wurde dieser Anbieter, als er seine 'Gebrauchtsoftware' über den Lebensmittelhändler Edeka per 'Software-Kärtchen' vertickte (siehe Links am Artikelende). Das schlug Wellen und Edeka beendete die Zusammenarbeit, während Microsoft eine Anzeige wegen Betrugs gegen die Geschäftsführer von lizengo stellte (eine Firma kann juristisch ja nicht belangt werden, sondern nur die Geschäftsführer).

Dann hatte die Staatsanwaltschaft Köln am 18. August 2020 Hausdurchsuchungen beim Gebrauchtsoftware-Händler lizengo veranlasst. Es ging wohl um eine Beweissicherung wegen des Verdachts auf Betrug mit Microsoft-Aktivierungskeys. Ich hatte im Blog-Beitrag Hausdurchsuchung beim Gebrauchtsoftware-Händler lizengo berichtet.

lizengo Serverwartung (seit 31.10.2020)

Seit dem 31. Oktober 2020 ist die Shop-Seite des Anbieters von Gebrauchtsoftware, lizengo.de, nicht mehr funktional, sondern im Serverwartungsmodus (siehe obiger Screenshot). Ich hatte bereits im Blog-Beitrag lizengo seit 31.10.2020 offline, was ist da los? darüber berichtet.

Ende November 2020 folgte dann der Blog-Beitrag Konkurs: Gebrauchtsoftwareanbieter lizengo stellt Insolvenzantrag über den letzten Schritt des lizengo-Geschäftsführers. Für Beobachter war zu erwarten, dass die Webseite des Anbieters von Gebrauchtsoftware, das in Köln ansässige Unternehmen lizengo, binnen kurzer Zeit aus dem Web verschwindet. Denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass der vom Insolvenzgericht bestellte Insolvenzverwalter den Betrieb weiter aufrecht erhalten könnte. Ergo wird der Insolvenzverwalter die Auflösung der Firma betreiben und in dieser Folge auch die Webseite abschalten lassen.

linzengo: Cloudflare DNS-Fehler

Genau das ist nun passiert – seit Anfang Februar 2020 wirft der Aufruf der Seite einen Cloudflare-DNS-Fehler aus. Die Domain lizengo.de existiert wohl noch, aber deren DNS-Einträge scheinen auf Cloudflare zu zeigen, wo die Auslieferung der Seiteninhalte gestoppt wurde. Faktisch ist die Seite tot.

Edeka-Gutschein-/Gebrauchtsoftwarekäufer angeschmiert

Die Käufer der Edeka-Gutscheinkärtchen für Windows oder Office oder die Leute, die sich eines der vermeintlich günstigen Gebrauchtsoftware-Angebote gekauft haben, schauen nun endgültig in die Röhre. Wird ein Key für ein gekauftes Produkt (von Microsoft) gesperrt, lässt sich dieses nicht mehr aktivieren. Der Bezug eines "Ersatzkeys" über lizengo, um das Produkt weiter verwenden zu können, endet damit. Trifft natürlich Privatnutzer und Käufer in Firmen – dürfte aber vor allem für IT-Dienstleister unangenehm werden, die solche Deals für ihre Kunden abgeschlossen haben. Genau vor diesem Szenario hatte ich einige dieser IT-Dienstleister hier im Blog und in einem direkten Mail-Austausch gewarnt (und mir teilweise geharnischte Diskussionen eingefangen).


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Nun ist faktisch wahrgeworden, was aus rechtlicher Sicht eigentlich längst klar war. Im Blog-Beitrag Konkurs: Gebrauchtsoftwareanbieter lizengo stellt Insolvenzantrag hatte ich bereits geschrieben: Käufer der lizengo Keys haben meiner Einschätzung nach allerdings schlechte Karten. Bei einer Sperre konnte sich der Kunde an lizengo wenden und bekam dann einen neuen Key. Das dürfte nun eher wohl nicht mehr der Fall sein – was vorher lizenzrechtlich schon wertlos war, ist jetzt (vermutlich) auch praktisch wertlos. Hier gilt ‚Versuch macht klug' – langfristig dürfte aber da ‚Klappe zu, Affe tot' gelten.

Denn nach dem Rechtsverständnis von Microsoft haben diese Käufer niemals eine gültige Lizenz erworben, sondern bekamen nur einen Lizenzschlüssel, der zwar eine Aktivierung der Produkte ermöglichte, aber juristisch wohl eher nicht zur Lizenzierung führte. Zum Thema insolvenzsicherer Übergang einer Gebrauchtlizenz hatte ich übrigens in der am Beitragsende verlinkten Artikelreihe was geschrieben. Jetzt liegt ein Fall vor, der die praktische Bedeutung dieses Aspekts wie unter einem Brennglas sichtbar macht. Selbst wenn die Käufe legal waren, verfügen Käufer der Gebrauchtsoftware über keinen Nachweis der Lizenzierungskette und können den von der Rechtsprechung geforderten Nachweis der Erschöpfung nicht führen.

lizengo, der lange Abstieg?

Mit der Abschaltung der Webseite geht eine viele Jahre währende Geschichte zu Ende, die ich zeitweise im Blog begleitet habe. Es war im Jahr 2014, als die Abato GmbH zwecks Handel mit Gebrauchtsoftware gegründet wurde. Idee war es, Business-Kunden nicht mehr benötigte Lizenzen von Software aus Firmen zu verkaufen. Das ist legal und kann mit entsprechender Gestaltung und den notwendigen Nachweisen für Business-Kunden eine sehr interessante Option sein. Mir liegen Informationen von Firmen vor, die das auch so als Geschäft vertreiben und entsprechende Deals mit Behörden oder Firmen abwickeln. Aber da geht es nicht um Windows-Angebote von 30 Euro oder Edeka-Gutscheinkärtchen für Windows und Office, sondern um Großaufträge mit tausenden von Lizenzen.

Das war auch der Stand, als ich Anfang 2018 hier im Blog über das Angebot von lizengo berichtete. Seinerzeit hatte ich eine Recherche durchgeführt – für Geschäftskunden wollte der Anbieter das Lizenzmanagement samt Dokumentation im Hinblick auf Audits der Lizenzgeber übernehmen. Und die B2B-Kundenreferenzen wie Polizei Oberbayern, Deutscher Bundestag und weitere lasen sich auch nicht wie Windeier. Allerdings muss die Geschäftsführung der Firma an einer Stelle "falsch abgebogen" sein – denn in den Folgemonaten erreichten mich Leserhinweise (alles Käufer von Einzelprodukten), die Zweifel am Geschäftsmodell nährten, welches von lizengo auf seiner Webseite propagiert wurde.

Softwarekauf bei Edeka

Bewog mich, bereits im August 2019 im Blog-Beitrag Edeka, lizengo und die verkauften Microsoft-Lizenzen – Teil 1 die Warnung "ich würde die Finger davon lassen" zu kommunizieren. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Kooperation mit dem Anbieter – auf Grund mir vorliegender Informationen – längst beendet, während andere Medien die Aktion "Software kaufen bei Edeka" (siehe obiger Ausriss) noch feierten und alles als solide einstuften. Der weitere Verlauf der Geschichte ist ja bekannt bzw. meine Ausführungen lassen sich in den am Artikelende verlinkten Blog-Beiträgen nachlesen.

Du kannst bei dem Spiel nur verlieren

Im Sinne von "das lange Ende kommt noch" – ich habe es bisher nicht im Blog thematisiert: Mir liegen Informationen von ehemaligen Angestellten des Firmenkonglomerats sowie aus anderen Quellen vor, die ein gewisses Licht auf die Vorgänge werfen. Ich werde jetzt nicht aus dem Nähkästchen plaudern, sondern verweise auf den Post eines Nutzers mit dem Alias SocialDistance im Golem-Forum. Die dortigen Ausführungen decken sich mit dem, was ich so am Rande als externer Beobachter sowie über Tipps von Insidern mitbekommen und bei Recherchen über Besitz-/Gesellschafter- und Geschäftsführerverhältnisse diverser Gebrauchtsoftware-Anbieter über Northdata herausgefunden habe.

Wer bei Northdata nach diversen Firmennamen und Geschäftsführern sucht, stößt auf Konstruktionen, die zwar rechtlich zulässig sind. Aber mir will einfach nicht einleuchten, warum man gleich mehrere Unternehmen gründen muss, die alle den gleichen Geschäftszweck und die gleichen Kundengruppen haben – es sei denn, man will etwas verschleiern und "Konkurrenz" am Markt suggerieren. Liest man dagegen die im Golem-Forum verlinkten Posts, macht das alles Sinn.

Auch wenn man auf andere Gebrauchtsoftwareanbieter abstellt, die vielleicht bei eBay auftreten und dann recherchiert, stößt man auf Firmengeflechte und Namen, die unweigerlich Fragen aufwerfen. Aus diesem Grund vermeide ich es hier im Blog auch, Anbieter zu nennen, die Gebrauchtsoftware rechtssicher an Käufer übertragen – denn was gestern noch solide schien, könnte morgen schon tot sein.

Aber es gibt sie trotzdem, Anbieter, die das Geschäft mit Gebrauchtlizenzen wohl solide abwickeln. Nur tummeln die sich nach meiner Beobachtung nach ausschließlich im Business-to-Business-Bereich, wo es um Auftragssummen von vielen Tausend Euro geht – der Kauf von Einzelpaketen von Gebrauchtsoftware (Office, Windows) kommt dort faktisch nicht vor. Für die praktische Seite kann ich an dieser Stelle ein Fazit ziehen: "Lasst die Finger von den Gebrauchtsoftware-Angeboten bei eBay oder in anderen Shops, wenn ihr nicht Großeinkäufer einer Firma seid, oder die Haken und Ösen dieser Deals nicht kennt – denn das geht schief."

Übrigens: Der nächste Anbieter von Gebrauchtsoftware hat sich scheinbar selbst vom Markt genommen (siehe Gebrauchtsoftwareanbieter lizenzfuchs.de nicht mehr erreichbar?).

Artikelreihe:
Edeka, lizengo und die verkauften Microsoft-Lizenzen – Teil 1
Fallen beim Online-Softwarekauf – Teil 2
Fallen beim Online-Softwarekauf: Lizenzhürden – Teil 3
Fallen beim Online-Softwarekauf: Die Lizenzfrage  – Teil 4
Falle: Billige Software-Lizenzen – neue Erkenntnisse – Teil 5
Falle: Inkassoforderung nach Kauf von Gebrauchtsoftware im Amazon Marketplace  – Teil 6
Fallen beim Online-Softwarekauf: Neue Erkenntnisse – Teil 7
Neues zu Fallen bei (Office-)Lizenzen bei Edeka – Teil 8
Microsoft klagt gegen lizengo wegen 'Billig-Lizenzen' – Teil 9
Billig-Lizenzen: Neues zu lizengo, Edeka und Microsoft – Teil 10
Falle: Office 365 Business/Microsoft 365-app-Abonnement vom 'Reseller' – Teil 11

Hausdurchsuchung beim Gebrauchtsoftware-Händler lizengo
lizengo seit 31.10.2020 offline, was ist da los?
Exit bei Gebrauchtsoftware-Verkäufern? lizengo, Lizenzfuchs & Co. im Wartungsmodus
Gebrauchtsoftware-Verkäufe: Offenkundige Betrugsfälle
Konkurs: Gebrauchtsoftwareanbieter lizengo stellt Insolvenzantrag
lizengo: Webseite des Gebrauchtsoftware-Anbieters verschwunden
Gebrauchtsoftwareanbieter lizenzfuchs.de nicht mehr erreichbar?


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14 Antworten zu lizengo: Webseite des Gebrauchtsoftware-Anbieters verschwunden

  1. Thorky sagt:

    Das heißt, die Sicherungsdateien mit dem Windows-Code, den ich damals hier im Gewinnspiel gewann, kann ich von den Festplatten putzen und aus dem Mailordner werfen? 😂

    Hatte den Code nie eingelöst, da man ja bis heute von Windows 7 oder 8.1 auf Windows 10 upgraden kann, ich ihn also nie brauchte. Ist also kein Drama. 😁

    • Günter Born sagt:

      Ging mir im Kopf herum. Im Prinzip sind die jetzt wertlos, wenn der Key gesperrt wurde. Und vorher waren die, im Sinne von 'ich habe eine Lizenz', (zumindest nach meinem heutigen Wissen) rechtlich zwischen Lizenzgeber und lizengo umstritten. Wobei ich die Quelle der Keys nicht kenne, es können ja auch Retail-Keys für Einzelsysteme gewesen sein.

      Diese 'Glücksfälle' gibt es wohl vereinzelt, wie ich von meinem Tippgeber gehört habe. Das ganze Thema ist so komplex geworden, dass ich kaum noch durchsteige. Der Tippgeber, der Gebrauchtsoftware in größerem Umfang beschafft, greift häufig auf Microsoft zurück, um zu klären, ob ein Angebot legal in seiner Organisation einsetzbar ist. Das ist aber kein Weg, den ein Einzelkäufer oder ein kleiner IT-Dienstleister gehen kann.

    • Mark Heitbrink sagt:

      Da es in diesem Artikel um 'können' vs. 'dürfen' geht. Der legale Upgrade Weg von 7/8.1 auf 10.endete am 29.07.2016

      Seit dem kann man es noch, aber darf es nicht.

      • Hansi sagt:

        Eine Behauptung, bitte Fakten nachliefern.

        • Günter Born sagt:

          Nun ja, die offiziellen Termine für das Auslaufen des kostenlosen Upgrade von Win 7/Win 8 und Win 8.1 wurden von Microsoft klar kommuniziert.

          Das Thema gilt ja sowieso nur für Consumer – und die Leute im KMU-Bereich, die Maschinen mit Einzellizenzen genutzt haben.

          Mir ist keine einzige Quelle im MS-Universum bekannt, die klar benennt "Upgrade ist weiter zulässig" – es wird nur stillschweigend geduldet – was nicht heißt, dass es legal ist, wenn es hart auf hart kommen sollte.

          • Steter Tropfen sagt:

            Es ist schon eine bedenkliche Welt, in der Microsoft nach Gutdünken bestimmen kann, was legal ist und was illegal.

            Die können bekanntlich durchaus Dinge unterbinden, die sie nicht mehr wollen – ich erinnere nur an den Download des Defenders für Windows XP ab 2014. Kann einem also keiner erzählen, dass das Win10-Upgrade nur „versehentlich" noch funktioniert.
            Rein juristisch ließe sich aus der öffentlich dokumentierten, fortgesetzten Duldung durchaus eine stillschweigende Zustimmung herauslesen. Aber wenn es gegen große US-Konzerne hart auf hart kommt, fechten unsere Juristen gegen Windmühlen.

  2. Tim sagt:

    Da werden wohl einige 'Kunden' am eigenen 'Geiz' ersticken jetzt.

    Vielleicht ist es aber auch ganz einfach.
    Für die paar Kunden, die jetzt noch "alte" Lizenzen erwerben wollen, lohnt sich keine ganze Firma. So ne Nummer wie mit Edeka, war womöglich der letzte Versuch, überhaupt noch Kunden zu erreichen. Ende der Fahnenstange erreicht.

    Privat hatte praktisch jeder die Möglichkeit, günstig bis umsonst an eine Win10 Lizenz zu kommen, oder auf Alternativen wie Ubuntu, oder Manjaro Linux etc umzusteigen, was mittlerweile kein Teufelszeug für IT-Fanatiker mehr ist.

    Und im Zusammenhang mit Corona ist es der ideale Zeitpunkt, sich per Insolvenz abzuseilen.

    Das Thema klassische Lizenzen ist halt tot und eigentlich auch überhaupt nicht real kontrollierbar gewesen, erst recht nicht, seit betreten des 'Neulands'.

    Shit happens, be happy

    • Potrimpo sagt:

      Was hat Dein Beitrag mit dem Artikel zu tun? Grad der Brückenschlag zwischen Insolvenz und Corona, der ist faszinierend – und völlig am Thema vorbei.

      Es geht im Artikel auch nicht darum, ob klassische Lizenzen "tot" sind – damit verdienen Firmen reichlich und aktuell mehr denn je -, sondern um Gebrauchtlizenzen dubioser Herkunft, die ja, wie man aus allen Artikeln der Reihe herauslesen kann, durchaus kontrolliert werden.

      Du bist tatsächlich der Auffassung, der Edeka-"Deal" sei der letzte Versuch gewesen, überhaupt noch Lizenzen "an den Mann" zu bekommen?

      Das Gegenteil war der Fall, hier wollte man ganz groß absahnen – was mit reellen Lizenzen durchaus machbar gewesen wäre -, man hat blöderweise die Rechnung ohne den Wirt (Microsoft) gemacht, der die Lizenzen eben kontrolliert hat.

      Der "Notausgang" Insolvenz ist der rechtlichen Grundlage des Geschäftsmodell geschuldet, nicht Corona.

      Irgendwie ist Dein ganzer Beitrag nur verwirrend, zumal Günter das Thema nun ausführlich abgehandelt hat.

      • Tim sagt:

        >>Du bist tatsächlich der Auffassung, der Edeka-„Deal" sei der letzte Versuch gewesen, überhaupt noch Lizenzen „an den Mann" zu bekommen?

        Öhm, ja.

        Edeka ist nun nicht wirklich sowas, wie ein IT Dienstleister in Sachen IT Hard- oder Software (Das traue ich eher Aldi zu), nen Edeka PC gabs meines Wissens noch nicht und wir reden hier somit von reiner Laufkundschaft. Das ist der 'geringste' Kunde, wirtschaftlich betrachtet. So Grabbeltisch, weißte?
        Der 'Deal', um es mit deinen Worten zu sagen, war Verzweiflung, oder zumindest ein Testballon.

        Allerdings glaube ich schon, das man Edeka nun nicht als Hehler bezeichnen kann und die schon ne Rechtsabteilung haben.
        Einfach nur hingehen und alle dubios zu nennen, ist hier ein bissel schwierig.

        Was legal und illegal ist, ist hier einfach schwer einzuschätzen.
        Was Microsofts Wünsche und Träume angeht genauso, wie der große Traum erfolgreicher Gebrauchtlizenzverkäufer zu werden, oder als Privatperson seine ungenutzten Spiele, oder Anwendungen zu verkaufen.
        Alles nicht mehr so einfach zu durchschauen.

        Graubereich trifft es wohl am ehesten. Am Ende müssten das wohl, wie so oft, Gerichte eindeutig klar stellen.

        • Günter Born sagt:

          Nur folgende Ergänzungen:

          – Edeka ist (als genossenschaftlich organisierter Einkaufsverband des deutschen Einzelhandels) juristisch aus der Sache raus, und die jeweiligen Märkte sind in der Geschichte nur der Gutscheinverkäufer (hatte ich in den Beiträgen auch angedeutet).
          – Es wurde m.W. bei dem Deal niemals von "Lizenzen", die verkauft wurden, gesprochen.
          – Was legal oder illegal ist, legt nicht Microsoft fest, sondern wird von Gerichten definiert. Es gibt ja inzwischen einschlägige Urteile, an die sich Käufer und Gebrauchtsoftwareverkäufer halten und das Ganze rechtssicher abwickeln können.

          Nur zum letzten Punkt: Das läuft halt nicht bei einer 10 bis 30 Euro-Lizenz für Otto-Normalverbraucher. Und Graubereich trifft das Ganze eher weniger – wer recherchiert, trifft teilweise auf etwas, was ich als mafiöse Strukturen bezeichnen würde. Da geht es – nach meinem persönlichen Eindruck – nicht um ´ich tue etwas gutes und nutze die Rechtslage, um den Leuten günstige Lizenzen bereitzustellen', sondern alleine um die Frage ´wie kann ich möglichst viel Kohle scheffeln, bis der Laden zu geht'. Anders ist nicht zu erklären, dass einzelne Händler die Produkte über China oder aus dubiosen Education-Quellen beschaffen, was eindeutig den gefällten Entscheidungen im Sinne des Erschöpfungsgrundsatzes bei der Lizenzierung von Software innerhalb der EU widerspricht.
          Das ist eindeutig kein Graubereich mehr, der Verkäufer weiß, dass das nicht von der Rechtsprechung gedeckt und illegal ist. Nur dadurch scheint die Staatsanwaltschaft Köln genügend Anhaltspunkte für die Hausdurchsuchungen im hier genannten Fall gehabt zu haben. Es gibt aber genügend weitere Händler, die mit diesem Ansatz segeln – bin gespannt, wann es dort mit Durchsuchungen soweit ist.

          Nur abschließend: Es war nicht ganz einfach – ich habe auch etwas länger gebraucht, bis ich das Ganze einordnen konnte. Denn Gebrauchtsoftwareverkauf kann vom Verkäufer rechtssicher für den Käufer abgewickelt werden (genau das hatte ich lange im Fokus, bis ich dann auf die Ungereimtheiten wie Keys aus China etc. aufmerksam gemacht wurde). Daher habe ich die Sachverhalte und Facetten ja ausgiebig in der Artikelreihe beleuchtet. Es mag sich also niemand hinstellen und behaupten ´haben wir ja nicht wissen können'. Unschön ist, dass große Magazine die Edeka Gutscheinkarten-Geschichte lange als seriös bezeichneten, obwohl deren Redaktionen auf die Ungereimtheiten hingewiesen wurden – ich war da teilweise über cc involviert.

          Dass es von Edeka ziemlich doof war, den Deal mit den Gutscheinkarten einzugehen, ist eine andere Geschichte – aber ich schätze, die Rechtsabteilung von denen hat ihre Hausaufgabe gemacht. Die haben ja auch Gutscheinkarten für iTunes, Google Play, xBox etc. sowie die vielen Prepaid Smartphone-Anbieter. Ich denke, das war für den betreffenden Einkäufer ein Vorgang unter vielen, wo niemand in der Rechtsabteilung die Legalität und Seriösität der Sache an sich, sondern nur die juristische Seite der Vertragsgestaltung samt Haftung geprüft hat.

          Und der Image-Schaden für die Marke Edeka ist (von mir zumindest gefühlt) nicht wirklich wahrehmbar. Der Verbraucher sieht nur die tolle Edeka-Werbung, wo die Metzgereiverkäuferin untet dem Slogan 'wir lieben Lebensmittel' die Wurst mit dem Messer auf ein zehntel Gramm genau abhackt oder der Bauer auch die letzte Tomate, die vom Erntewagen fällt, für Edeka rettet. Kann ich sogar ein Stück weit nachvollziehen. Wo es bitter wird: Das Volk mag Brot und Spiele und billig …

    • Günter Born sagt:

      Zum "Das Thema klassische Lizenzen ist halt tot …": Es steckt noch ein Beitrag in der Pipeline, dass dieses Spiel jetzt bei Abos weiter geht. Kommt die Tage im Blog.

  3. Ein Käufer sagt:

    Zufall oder nicht? Der Webauftritt *ttps://www.softwareonlinekaufen.eu/ zeigt aktuell auch "Unsere Seite ist aufgrund von Wartungsarbeiten momentan nicht erreichbar."

  4. Micha sagt:

    Die "Softwarehexe" verkauft noch Windows 10 Pro für 16,90€.

    Wenn Microsoft die Mehrfach aktivierungs Produktschlüssel abschafft wäre das Problem gelöst.

    Microsoft könnte dafür sorgen das jeder Produktschlüssel nur noch auf einen Gerät zur gleichen Zeit laufen darf. Sofern sich 2 PCs mit dem gleichen Produktschlüssel melden verliert dann halt einer die Aktivierung.

    • Chris sagt:

      Das ein Key mehrmals genutzt werden kann kommt aus dem Firmenbereich. Diese Volumenlizenzen sind dafür da das der Admin auf X Geräten immer den selben Schlüssel benutzen kann und nicht für jedes Gerät ein eigenen Lizenzkey verwalten muss. Ein klarer Vorteil was die Verwaltung von Geräten und Keys angeht.

      Diese Volumenkeys haben eine maximale Anzahl an Aktivierungen, diese ist aber höher als die Anzahl der erworbenen Lizenzen. Das kommt daher das in Firmen öfter mal Rechner ausgetauscht oder neu aufgesetzt werden, Keys also öfter für Aktivierungen genutzt werden. Diese Mehrzahl der Aktivierungen dient der Vereinfachung, sowohl für die Firma, als auch für den MS Support.

      Beispiel:
      Eine Firma kauft 20 Win 10 Lizenzen und bekommt für diese 20 Lizenzen 50 Aktivierungen, darf aber nie mehr als 20 gleicheitige Aktivierungen nutzen. Die Firma aktiviert auf 20 PCs den Key, hat somit also noch 30 Aktivierungen übrig. Im Laufe der Zeit werden 10 Rechner ausgetauscht, auch diese Rechner erhalten den Key, womit von den 50 Aktivierungen noch 20 übrig bleiben. Zu guter letzt wird die Firma Opfer eines Ransomware Angriffes, alle PCs müssen neu aufgesetzt werden. Womit die letzten 20 Aktivierungen verbraucht werden.

      Dieser ganze Vorgang konnte bis hier dank der höheren Zahl an möglichen Aktivierungen ohne Kontakt zu MS allein von der Firma umgesetzt werden.
      Für weitere Aktivierungen mit dem Key müsste die Firma jetzt erstmal in Kontakt mit MS treten. Erklärt man MS glaubhaft warum man 50 Aktivierungen verbraucht hat, schaltet MS auch weitere Aktivierungen auf diesen Key frei, damit die Firma nicht sich nicht für jede weiter Aktivierung an MS wenden muss. Das entlastet den Aufwand für die Firma und für den MS Support. Vor allem wenn man jetzt mal nicht über 20 sondern 10.000 PCs und Lizenzen redet.

      Andereseits, jeder der Ahnung hat kann die noch vorhandene maximal Anzahl an Aktivierungen auslesen und damit Schindluder treiben. Oh, mein Key von Händler XY kann noch 500x aktiviert werden, da verkaufe ich den Key bei Ebay für kleines Geld solange, bis ich feststelle das die Restaktivierungen auf 0 fällt. Dann kaufe ich wieder ein Key bei einem Anbieter und Verkaufe diesen Key bis er Richtung 0 läuft. Und das ganze immer und immer wieder. Natürlich wird jedes mal der Account gewechselt und der alte gelöscht.

      Dumm gelaufen für die seriösen Händler und dumm gelaufen für Kunden die dann so einen Key erworben haben.

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