China: Videos von privaten Überwachungskameras im Verkauf

[English]In China haben Hacker wohl ein neues Geschäftsmodell entdeckt. Zehntausende Videos von gehackten Sicherheitskameras werden online verkauft. Viele dieser Videos sind zwar ziemlich langweilig und zeigen Menschen, die nur in ihren Häusern oder Hotels sitzen. Aber die  online als „Home-Video-Pakete“ verkauften Videoclips können durchaus auch brisanteres Material enthalten. Es hat sich wohl ein kriminelles Netzwerk etabliert, die auch heimlich Überwachungskameras in Hotels installieren, um die Gier chinesischer Nutzer an „herausfinden, was der Nachbar so in seinen vier Wänden macht“ zu befriedigen.


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Die South China Morning Post hat das Ganze in ihrer englischsprachigen Ausgabe aufgedeckt. Der chinesische Sender Henan Television hatte wohl vorher über das Thema berichtet. Das Videomaterial zeigt Clips von Kameras, die von Hausbesitzern aus Sicherheitsgründen installiert wurden. Weiteres Material stammt von Kameras, die wohl heimlich in Hotels, Umkleidekabinen und Schönheitssalons installiert wurden.

Die Videos werden je nach Inhalt zu einem bestimmten Preis angeboten und über soziale Medien verkauft, wie der Fernsehsender am Montag in einer Undercover-Reportage berichtete. Videos aus Hotels mit wenig Aufreger-Potential gehen für rund 3 US $ über den Tresen, währendVideoclips, die Nacktheit oder sexuelle Handlungen beinhalten, jeweils 50 Yuan (8 US$) kosten.

Wer dann eine Real-Time-Peep-Show haben will, kann das als „Festpreis-Mahlzeit“ buchen. Leute können die IDs und Passwörter von Kameras in 10 Haushalten für nur 70 Yuan (US$11) kaufen, während 10 Hotels plus 10 Haushalte 150 Yuan (US$23) kosten und 20 Hotels plus 20 Haushalte für 258 Yuan (US$39), so ein anderer Verkäufer.

In einem Gruppenchat auf QQ, einem Instant-Messaging-Dienst des Tech-Giganten Tencent, sagte der „Gruppenleiter“ eins Anbieters, dass er Zehntausende von Videos auf Lager habe. Er innerhalb von 20 Tagen im Februar über 8.000 Videos in einem Gruppenchat geteilt. Diese Gruppenchat-Mitglieder waren VIP-Mitglieder, die die Videos dann an ihr Netzwerk verkaufen würden.

„Ich habe so viele Videoclips, dass man sie nicht alle innerhalb von sechs Monaten fertigstellen kann, selbst wenn man 24 Stunden am Tag zuschaut“, wird der Mann aus einer anderen Voice-Chat-Aufnahme zitiert. Der Verkäufer versprach im Chat, alles zu liefern, was ein Kunde sich vorstellen könne. Dabei bot erauch eine Möglichkeit an, Geld zu verdienen: „Wenn Sie Geld verdienen wollen, können Sie mein Agent sein – sie zu einem niedrigeren Preis von mir bekommen und zu einem höheren Preis verkaufen. Ich habe ein Dutzend Leute, die durch das Land reisen und überall Kameras installieren. Selbst wenn das Hotel das herausfindet, verlieren wir nur eine Kamera, die ein paar hundert Yuan wert ist. Wir schneiden ein paar Clips, um sie online zu verkaufen, und damit decken wir den Verlust.“

Videos, die das ganz normale Familienleben zeigen, werden immer beliebter, wird der Mann zitiert. Ist aber recht tröge, die Chinesen scheinen – jahrzehntelange Konditionierung sei Dank – ziemlich abgefackt zu sein. So in der Art „was macht der Nachbar, erwischen wir ihn bei etwas verbotenem oder peinlichem“. In einem in der QQ-Gruppe geteilt Video wurde eine dreiköpfige Familie mit einer versteckten Kamera aufgenommen, als sie in einer Gastfamilie Urlaub machte. Die Mutter lag auf dem Sofa und war mit ihrem Mobiltelefon beschäftigt. Der Vater war halbnackt und hatte eine Gesichtsmaske aufgelegt, während ihr Kleinkind vor ihnen spielte. Das Video dauerte 8 Stunden. „Solche Videos sind primitiv. Viele Leute mögen so etwas heutzutage, beobachten die Privatsphäre der Leute, was sie gerade tun … Wissen Sie was, ich habe dieses Video mehrere hundert Mal verkauft“, sagte er. Armes China.


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8 Antworten zu China: Videos von privaten Überwachungskameras im Verkauf

  1. Dat Bundesferkel sagt:

    Dafür braucht es aber kein „armes China“, dieser Beobachtungstrieb ist auch hierzulande äußerst stark ausgeprägt… Voyeurismus in Reinform.

    Der gefragteste Klassiker natürlich „Hidden Cam“ XXX Videos, wo Pärchen beim privaten Stelldichein – oder noch besser – eine Affaire / Seitensprung beobachtet werden kann. Der Renner auf einschlägigen Portalen.
    Aber auch stinknormale Wohnungs- und Ladenaufnahmen(!) werden hierzulande gesucht und gesuchtet/konsumiert. Dafür gibt es einschlägige Sammelseiten, die ungeschützte Kamera-Urls zur freien Nutzung darstellen. Ich verzichte jetzt mal auf ein exemplarisches Beispiel, das können auch die bekannten Suchmaschinen liefern.

    Aber anscheinend vereinsamen die IT-Nerds und Smombies zunehmend, so daß sie auf derlei Angebote zurückgreifen müssen. Es wird Zeit für ein reboot des reallife… oder wie Peter Lustig wiederholend mitteilte: „Abschalten!“.

    Tante Edith meint: „Hah, das haben die Cloud-Befürworter davon!“ – wenn man schon Security-Cams nutzt, sollte man diese auch im eigenen Heimnetz belassen.

    • Günter Born sagt:

      Ich stelle fest, diesbezüglich bin ich ja schon wieder totaler Noob …

      • Dat Bundesferkel sagt:

        Naja, nicht N00b, eher „nicht vorbelastet“ – was in diesem Fall tatsächlich eine äußerst positive Eigenschaft ist. ^.^

        Aber wie gesagt, leider kein „armes China-only“-Phänomen.

    • Chris sagt:

      Die Cloud zu meiden hilft aber nur bedingt.

      Wenn schon billig Wlan Steckdosen eine Aktivierung an einem China Server erfordern, dann sage ich Danke aber ohne mich.

      Ich habe bisher noch keine Überwachungskamera, weil deren Sicherheit mäßig ist und ich vor allem nicht weiß, wie ich sie richtig absichern kann.
      Fehlende Firmware Updates oder mangelnde Sicherheitseinrichtungen tun da sein Übriges.
      Selbst Ring soll ja von Problemen betroffen sein.

      • Dat Bundesferkel sagt:

        Sicherheitskameras dürfen unter gar keinen Umständen eine Cloud-Abhängigkeit, egal in welcher Form, vorweisen. Ansonsten sind sie völlig sinnfrei.
        Da ist es völlig schnurz, ob das nun eine Cloud in China ist, oder unter dem Deckmantel von ABUS/BOSCH läuft.

        Selbst wenn es nur unter dem Deckmantel läuft: „Cloud braucht man ja nur für die Konfiguration der Kamera“, ist es vorbei. Damit hast Du bereits das Heimnetz penetriert und Tür und Tor geöffnet.

        Eine Kamera muß zwingend lokal betrieben und konfiguriert werden können, wenn sie einen eigenen Webserver (notfalls veraltete Software) hat, ist es immer noch gut. Denn sie bleibt unter Deiner Kontrolle, sofern Du auch auf Verkabelung achtest und nicht „aus Bequemlichkeit“ auf W-LAN setzt.
        Natürlich muß man den Datenfluß der Kameras stark einschränken und wirklich nur das durchlassen, was für den Betrieb auch nötig ist.
        Ein Dauergefunke (z.B. automatische Updatesuche) zum Hersteller ist kontraproduktiv und ein Sicherheitsrisiko (Paradox, nicht wahr?).

        Den Zugriff von außen kannst Du dann via VPN realisieren (bitte keine 3rd Party Lösung von Anbietern wie NordVPN… dann kannst Du Dir das VPN auch gleich schenken).

        • Chris sagt:

          Vielen Dank.

          Eine verkabelte Überwachungskamera kommt hier aufgrund des Aufwandes leider nicht in Frage.
          Eine Wlan Lösung würde schon besser aussehen, auch wenn die Sicherheit nicht mehr 100%ig wäre.
          Hier geht es wieder eher um die Sicherheitslücken.

          Mit einem eigenen VPN habe ich leider keine Erfahrung.
          Eine Fritz VPN wäre vermutlich kaum besser.

          • Dat Bundesferkel sagt:

            W-LAN kannst Du vergessen, ist viel zu leicht zu knacken – selbst vom Nachbarsjungen nebenan, der ein bisserl mit Kali-Linux herumspielt. Dann eher schauen, ob Du ein proprietäre Funklösung mit Verschlüsselung findest (da fällt mir aber ad-hoc nichts Gescheites ein).

            Eigenes VPN klingt wilder, als es tatsächlich ist. Das ließe sich durchaus via OpenVPN und einem Raspberry Pi 4 (kleinstes Modell genügt, Speicherbedarf ist gering, aber 1 Gb LAN ist eine sinnvolle Option, insbesondere wegen den Latenzen, nicht wegen der Geschwindigkeit, die eh nicht voll ausgefahren wird – Anbindung via USB) realisieren.

            VPN ist sogar auf der FRITZ!Box passabel zu gebrauchen, WENN Du a) keine Mietbox hast, b) die Protokolle TR-069 und SNMP deaktiviert hast und auf den Service „MyFRITZ“ verzichtest.

            a) und b) sind leider untrennbar bei Vodafone miteinander verdongelt. Leider macht man sein internes Netz damit dem Provider zugänglich (wie auch in der Box hinterlegte Paßwörter).

            Wenn der Aufwand für eine Kabelmontage tatsächlich dermaßen hoch ist, bist Du besser damit beraten, auf eine Ü-Cam zu verzichten. Daß jemand von außen in Dein (Schlaf-)zimmer blickt, ist noch das geringste Übel. Bin ich als Netzwerker erst einmal in Deinem Cam-Netzwerk drin, kann ich mehr Unfug anstellen, als Dir lieb ist. Das kannst Du dann nur dämpfen, wenn Du Dich mit subnetting (kleine Hürde) und v-lans (größere Hürde) auskennst.

    • Ärgere das Böse! sagt:

      Es würde schon genügen, dass die Smartphones, ausser fürs Telefonieren, nur 1 Stunde am Tag frei zur Benutzung wären.

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