Frankreich lässt Googles und Microsofts Cloud für sensible Daten zu

Noch eine kleine Meldung zum Sonntag – das Thema dümpelt schon einige Tage hier herum. Einige der sensibelsten Staats- und Unternehmensdaten Frankreichs können mit der von Alphabets Google und Microsoft entwickelten Cloud-Computing-Technologie sicher gespeichert werden, wenn sie an französische Unternehmen lizenziert werden. Das hat die Regierung Mitte Mai 2021 mitgeteilt, wie Venturebeat hier berichtete.


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Diese Aussage ist Teil eines strategischen Plans des französischen Finanzministers Bruno Le Maire und zweier anderer Minister. Es wird die technologische Überlegenheit der USA in diesem Bereich anerkannt, und der Entschluss steht im Gegensatz zu früheren Forderungen europäischer Politiker nach vollständig einheimischen Alternativen. Denn Google und Microsoft dominieren zusammen mit dem Marktführer Amazon den Bereich der Datenspeicherung weltweit. Allerdings schürt dies in Europa (nach Verabschiedung des U.S. CLOUD Act in 2018) die Sorge um die Gefahr der Überwachung durch die USA.

„Wir haben daher beschlossen, dass die besten Unternehmen – ich denke da insbesondere an Microsoft oder Google – ihre Technologie ganz oder teilweise an französische Unternehmen lizenzieren können“, sagte Le Maire auf einer Pressekonferenz. Amazon hat er nicht erwähnt. Amazons Cloud-Business-Unit arbeitet aber über Partnerschaften mit mehreren großen französischen Unternehmen zusammen. Das betrifft auch das staatlich kontrollierten Telekommunikationsunternehmens Orange, wie Amazons General Manager in Frankreich Julien Groues gegenüber Reuters mitteilte.

Le Maire verglich die von ihm erwähnten Lizenzen laut Venturebeat mit denen, die in den 1960er Jahren im Bereich der zivilen Kernenergie zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten gesehen wurden. Ein sogenanntes „Trustworthy Cloud“-Label würde an die Unternehmen vergeben, die Cloud-Computing-Dienste anbieten, die die von Le Maire angesprochenen Prinzipien und andere von der französischen Cybersicherheitsbehörde ANSSI festgelegte Bedingungen respektieren. OVHcloud und Outscale von Dassault Systemes sind zwei französische Unternehmen, die diese Kriterien bereits erfüllen. OVHcloud gab Ende letzten Jahres bekannt, dass es eine Partnerschaft mit Google eingegangen ist, um seine Cloud-Computing-Kapazitäten auszubauen.

Google begrüßte die „Klarstellung“ der französischen Regierung und fügte hinzu, das Unternehmen unterstütze „die Notwendigkeit der höchsten Sicherheitsstufen.“ Microsoft meint, dies sei eine gute Nachricht für Frankreichs digitale Transformation „in völliger Unabhängigkeit“.


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4 Antworten zu Frankreich lässt Googles und Microsofts Cloud für sensible Daten zu

  1. Seita sagt:

    Der Satz ist doch ein Klopper:

    Microsoft meint, dies sei eine gute Nachricht für Frankreichs digitale Transformation „in völliger Unabhängigkeit“.

    Völlige Unabhängikeit und MS ist doch ein Wiederspruch in sich.

  2. Peter sagt:

    >> Ein sogenanntes „Trustworthy Cloud“-Label würde an die Unternehmen
    >> vergeben, die Cloud-Computing-Dienste anbieten, die die von Le Maire
    >> angesprochenen Prinzipien und andere von der französischen
    >> Cybersicherheitsbehörde ANSSI festgelegte Bedingungen respektieren.

    „Trustworthy Cloud-Label“ ? im Ernst ???
    Naja, jedenfalls einige Zeit später: „Aber, aber, aber … wir hatten Ihnen doch ein Zertifikat gegeben, ein ZERTIFIKAT mit STEMPEL und UNTERSCHRIFT und so …“

  3. Alles Nur geCloud sagt:

    Was Frankreich billig ist kann Deutschland nur recht sein, oder nicht?

    Was echauffieren sich die Germanen dass ihnen die tollen U.S. Konzerne und deren grandiose Leistungen nicht gefallen wuerden oder kommen immer mit ihrem Datenschutzwahn an?

    Deutschland wurde von den Amerikanern vor allem befreit. Aehm ich meine besiegt? Oder waren das die Russen?

    Nichts fuer ungut.

  4. 1ST1 sagt:

    Die Franzosen sind sehr pragmatisch, ich hoffe nicht blauäugig. Es wäre schön, wenn wir das in diesem Bezug auch sein könnten. Aber ich denke, erst müsste ein für Europa aktzeptables „Safe Harbour“ Nachfolgeabkommen her. Das wäre auch im Interesse von MS, Amazon, Google usw. die müssten da mal den Biden bearbeiten, dass sowas zustande kommt. Aber wenn ich aktuell lese, dass die Dänen der NSA dabei geholfen haben, deutsche Politiker auszuspionieren, dann wird da wohl nix draus, wenn das immer noch so läuft.

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