Genauer hingeschaut: Vodafone und die Anzeige gegen Vertriebspartner

Es ging die Woche durch die Medien: Der Mobilfunk- und Internetanbieter Vodafon hat Anzeige gegen Vertriebspartner gestellt, die Kunden mit unsauberen Methoden Verträge untergeschoben haben. Nach dem Motto „Boah, die tun was“ siehe das Medien-Echo ganz positiv aus. Ich habe mir das Ganze als Wochenend-Thema aufgehoben, um ein klein wenig über den Schüsselrand so etwas nach links und rechts zu schauen und „den Hof zusammen zu kehren“. Beim Gesamtbild der zusammengekehrten Sachen tauchen möglicherweise mehr Fragen auf als Antworten gegeben werden.


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Vodafone und die Anzeige gegen Vertriebspartner

Der ursprüngliche Aufhänger für den Beitrag war dieser Golem-Artikel vom 21. Juli 2021, auf den ich bei Twitter gestoßen bin.

Vodafone und die Anzeige gegen Vertriebspartner

Der Sachverhalt ist schnell in einigen Sätzen zusammengefasst. Der Telekommunikationskonzern Vodafon hat Strafanzeige gegen Vertriebspartner gestellt, die mutmaßlich Kunden und das Unternehmen betrogen haben sollen. Der Hintergrund: Der Vertrieb der Vodafon-Leistungen läuft über eigene Vertriebspartner, die auf Provisionsbasis arbeiten. Dabei kommt es häufiger zu „Ungereimtheiten“, so dass der Kunde plötzlich Verträge über Leistungen erhält, die er so nicht wollte oder die einer nie so bestellt hat.

Laut den Meldungen in der Presse und dem Golem-Beitrag „gehe es im Wesentlichen um Vertragsabschlüsse und Buchungen von Angeboten ohne Zustimmung der Kunden“, wobei ein Sprecher von Vodafone mit einer Aussage vom 21. Juli 2021 zitiert wird. Golem zitiert den Vodafone-Sprecher so, dass Vodafone daneben Indizien dafür habe, dass bei Vertriebspartnern zur Verletzung datenschutzrechtlicher Bestimmungen gekommen sie. Den Bundesbeauftragten für Datenschutz sowie potenziell betroffene Kunden habe man informiert.

Es heißt zudem, dass Vodafone in den fertig ermittelten Fällen umgehend Strafanzeige gegen die Beteiligten erstattet und außerordentliche Kündigungen gegenüber Partneragenturen ausgesprochen habe. Laut Unternehmenssprecher sieht sich Vodafone durch Missbrauch bei Provisionen und Rabattierungen geschädigt. Kryptisch heißt es von Vodafone „Insgesamt haben wir rund 20 Themenkomplexe untersucht“ und ist wohl bei weiteren Fällen noch am prüfen.

Ließe sich möglicherweise „als bedauerliche Einzelfälle“ verorten, wenn 20 Themenkomplexe mit 20 Betrugsfällen gleichzusetzen wäre. Aber Sprache ist ja mitunter verräterisch. Für die Strafanzeigen durch Vodafone ist es klar, dass sich das Unternehmen geschädigt sehen muss. Was mir in den Berichten der letzten Tage in den Medien aber fehlt, ist die Sicht auf die Kunden. Denn diese sind am Ende des Tages die Dummen, sitzen sie doch auf Verträgen, aus denen sie nicht oder nur mit viel Mühe herauskommen.

Wenn etwas in Schieflage gerät

Ich verorte das Obige daher unter der Kategorie „Dampf aus dem Topf ablassen, bevor das Ganze explodiert“. Denn das Thema „Vertragsabschlüsse und Buchungen von Angeboten ohne Zustimmung der Kunden“ kommt mir immer wieder unter die Augen. Vor wenigen Wochen hatte ich den Blog-Beitrag Verbraucherschutz: Vodafone in 2020 Spitzenreiter bei Kundenbeschwerden veröffentlicht. Der fußt auf einer Auswertung des Bundesverbands der Verbraucherschutzzentralen. Wie schief das Ganze aus Kundensicht gewickelt ist, zeigen einige Fundsplitter.

Katze ein Internetvertrag untergeschoben

Den krassesten Fall hatte ich ja die Tage im Blog-Beitrag Vodafone: Da, wo der Katze ein Internetvertrag unterschoben wird veröffentlicht. Nein, es war nicht der 1. April, und der aus 2019 datierende Fall wurde von der Verbraucherschutzzentrale Bremen öffentlich gemacht. Eine Vertriebspartnerin von Vodafone hatte eine Kundin besucht und deren Katze einen Internetvertrag untergeschoben. Die Kosten wurden vom Konto der Kundin abgebucht, und diese kam nur mit Hilfe der Verbraucherschutzzentrale aus dem Vertrag.


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Kabelanschluss soll angeblich abgeschaltet werden

Ich hatte noch keine Zeit, den Artikel der Kollegen von teltarif aufzugreifen – das Thema ist mir aber bereits in Foren in ähnlicher Form untergekommen. Der Sachverhalt: Menschen, die in einem Haus mit Kabelanschluss wohnen, bekommen entweder ein Schreiben (Postkarte) oder Besuch von einem Vertriebler. Die Botschaft lautet „Der Voda­fone-TV-Kabel-Anschluss soll gesperrt werden – bitte rufen Sie den Voda­fone-Berater zur Termin­ver­ein­barung an“. Sprich, der Anschluss abgeschaltet werde, wenn nicht ein Vertrag für die Leitung xyz unterschrieben werde. Manchmal wird einem Kabelkunden, der nur TV benötigt, ein Internetvertrag aufgeschwatzt – oder wenn das nicht fruchtet, auch schon mal untergeschoben. Hier hat Vodafone bereits Vertriebspartner gekündigt, weil sich die Fälle häufen. Der Artikel ist ganz lesenswert.

Telefonverträge untergeschoben

Weiterhin hatte ich im Dezember 2020 den Beitrag Urteil gegen Vodafone wegen ‚fingierter‘ Vertragsabschlüsse per Telefon hier im Blog. Der Telefonkonzern Vodafone hatte seinerzeit eine juristische Schlappe im Hinblick auf ‚telefonisch abgeschlossene‘ (mutmaßlich untergeschobene) Vertragsabschlüsse kassiert. Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte gegen die Praxis geklagt und vor Gericht Recht bekommen – der Vertragsabschluss war ungültig, weil Vodafone einen Abschluss nicht belegen konnte.

Eine Darstellung der Innenansicht eines mutmaßlichen Vertriebsmitarbeiters findet sich in diesem heise-Forenpost. Und dieser Nutzerstimme entnehme ich, dass solche Sachen auch direkt bei Vodafone nicht auszuschließen sind. Wenn dieser Forenpost oder auch dieser Post den Tatsachen entsprechen – woran ich nicht zweifele – zeigt es die Schieflage – meine Oma meinte immer „Junge, der Fisch stinkt vom Kopf her“. 

Bei meiner Recherche bin ich dann auf diesen Beitrag bei Inside-Digital von Juni 2020 gestoßen, wo ein Ex Vodafone-Mitarbeiter bezüglich der Kunden-Abzocke ausgepackt hat. Auch dieser Beitrag von Business Insider wirft einige Schatten auf das „wir tun was“.

Fundstück nebenbei: Für einen Vertragsabschluss gilt mündliche Zustimmung reicht – da gilt die Anscheinsvermutung zu Gunsten des Unternehmens. Bei Vertragskündigungen ist eine Schrifterfordernis samt Nachweis der Zustellung erforderlich. Ein Schelm, wer böses dabei denkt – und die Politik samt Lobbyisten dabei im Hinterkopf hat.

Vertragsauflösung fast unmöglich

Es ist jetzt keine Lex-Vodafone, aber wer vor dem Problem steht, dass ein Vertrag für einen Internetzugang wegen Umzug nicht mehr benötigt wird, muss diesen mindestens noch drei Monate weiter zahlen. Ich hatte diesen Fall drüben im 50 Plus-Blog im Beitrag Vodafone: Du zahlst auch 3 Monate nach Umzug ins Pflegeheim den Kabelanschluss nach dem Hinweis eines Blog-Lesers aufgegriffen. Der Passus gilt für Telefon, Kabel- und Internetanschluss, die meist über 24 Monate laufen. Im Artikel von 2020 hatte ich ausgeführt, dass zwar ein Sonderkündigungsrecht bei einem Umzug ins Pflegeheim bestehe, im Sinne eines Interessensausgleichs aber mindestens 3 Monate nach dem Umzug noch zu zahlen sind.

Vodafone: Sonderkündigungsrecht
(Vodafone Sonderkündigungsrecht)

Dieser ZDNet-Artikel aus 2018 greift ein Urteil zum Sonderkündigungsrecht bei Internet-Anschlüssen auf, bei dem Vodafon Recht bekam. Die Kurzfassung: Auch drei Monate nach dem Umzug an einen neuen Standort, an dem der Vertragsanbieter den Anschluss nicht bereitstellen kann, muss der Kunde den alten Vertrag weiter bezahlen. Nennt sich laut (ich meine mich zu erinnern, dass es Wirtschaftsminister Altmeier war) „fairer Interessensausgleich“, was einige Anbieter weidlich ausnutzen.

Beim Strom- und Gasmarkt gibt es seit vielen Jahren ja die freie Anbieterauswahl. Ich habe einige Jahre Vertragshopping betrieben, bin nun aber seit vielen Jahren bei einem Gas- und bei einem anderen Stromanbieter. Beide bieten mir günstige Tarife bei fairen Vertragsbedingungen – für 20 Euro Vorteil muss ich nicht wechseln. Da klappt das also, die Anbieter versuchen mit  fairen Gesamtpaketen zu punkten, was offenbar Kunden überzeugt. Daher überlasse ich jedem Blog-Leser und jeder Blog-Leserin die Bewertung der obigen Vorgänge um den Anbieter Vodafone.

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6 Antworten zu Genauer hingeschaut: Vodafone und die Anzeige gegen Vertriebspartner

  1. Luzifer sagt:

    Sind bei Vodafone durchaus keine Einzelfälle und das man aus untergeschobenen Verträgen nur mit Androhung des Anwalts überhaupt rauskommt ist auch eher Standard als Einzelfall.
    Die Ganze Aktion „Vodafone und die Anzeige gegen Vertriebspartner“ ist da eher als PR Aktion zu sehen um das Image etwas aufzupolieren, bevor es eben doch in der breiten Masse aufschlägt.

    Schlimmer ist da eigentlich nur noch debitel-mogelcom! Da schließt du Verträge am besten auch nur im Beisein eines Anwaltes ab.

    Das Schlimme daran das die von unseren Politikern noch gedeckt werden.

  2. JG sagt:

    Jeder macht das. Als ich hier eingezogen bin hat mir ein Vertreter von Kabel Deutschland ständig unterstellt ich würde einen Anschluss nutzen den ich nicht bezahle, obwohl im Keller der TV-Kabelanschluss für meine Wohnung gesperrt war. Irgendwann war mir das zu bunt und ich rief den Herrn an und erzählte ihm das der Anschluss ja gesperrt sei und ich DVB T nutzen würde. Daraufhin erzählte er, dass man in X (weiß den Ort nicht mehr) ja schon DVB T abgeschaltet hätte und noch weitere Abschaltungen folgen würden. Mir egal war meine Antwort, dann stelle ich mir eine Satschüssel auf. Da fing er an mich am Telefon anzuschreien.

    Und vor 19 Jahren haben zwei Klassenkameraden damals für die Telekom vermutlich in einem Call Center gearbeitet, Bestandskunden angerufen und ihnen versucht zusätzliche Leistungen zu verkaufen. Selbst wenn die Leute es nicht wollten hat man einigen am Ende eine Auftragsbestätigung zugeschickt.

  3. A. Th. sagt:

    Mir egal, ob Vodafone rigoroser gegen ihre Klinkenputzer vorgeht. Btw, halte ich das ebenfalls für eine PR-Masche, um das Negativimage aufzuhübschen.

    Da ich ebenfalls zu den geprellten Kunde gehöre, werde ich sämtliche Verträge zum nächstmöglichen Zeitpunkt beenden.
    Es ist mir schnuppe, dass ich dann möglicherweise zu einem teureren Anbieter wechseln muss (davon abgesehen, dass die zweijährige Abzocke dank Vodafone den einst günstigen Tarif zunichte macht). Meinetwegen auch veraltetes DSL; letztes Jahr waren umfangreiche Sanierungsmaßnahmen im Kabelnetz, monatelang waren weder Fernseh-/Radio noch Internet durchgehend nutzbar, unangekündigt, keinerlei Hilfestellung vom Kundendienst, nichts.

    Man kann allen Vertragsnehmern anraten, endlich ihre Komfortzone zu verlassen und solche Unternehmen nicht mehr zu unterstützen.

  4. Wirrwarr sagt:

    Bei meinem Vater ist es noch krasser, die haben ihm nen Cube untergejubelt. Das kostete ihn jeden Monat satte 750 Euro. Ende des Jahres hatte er gekündigt und hoffte nun auf Ruhe, nix man rief ihn an und jubelte ihm wiederholt 2 Verträge unter. Jetzt muss es zu einer Verbraucherzentrale, das geht gar nicht und grenzt schon an sittenwidrige Verträge.

  5. Frank Lindner sagt:

    Jaja…immer die Aussendienstmitarbeiter oder Partneragenturen…..was sich Vodafone erlaubt um gezielt Partnershops oder Mitarbeiter los zu werden, ist nach meiner Meinung „kriminell“.Da werden Abmahnungen mit bewusst falschen Sachverhalten kreiert und dann noch mitgeteilt, man hätte „ sich nicht ausreichend entlasten können“ ( Rechtsstaatsprinzip bei Vodafone wohl anders )oder den Partner Shop einfach Zugang gekündigt… mit Anfrage auf erneute Freischaltung oder Neuanlage eines Zugangs wird dann argumentiert, der Shop solle doch erst einmal für die weitere Zusammenarbeit ein Konzept erstellen!? Häh ? … von diesem Konzept steht aber nichts in geschlossenen Verträgen die bereits seit über zehn Jahren bestehen.
    Ich wehre mich dagegen… David hat auch gegen Goliath gewonnen !!!

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