Kommt das Aus für die Luca-App?

Sicherheit (Pexels, allgemeine Nutzung)Ich hole nochmals das Thema Luca-App hoch. In den kommenden Wochen laufen die Ein-Jahres-Lizenzen der deutschen Bundesländer für die umstrittene Luca-App ab. Die App galt ja in bestimmten politischen Kreisen mal als Hoffnungsträger zur COVID-19-Kontaktverfolgung. Technisch und datenschutzmäßig umstritten, konnte die App nie die von politischer Seite und den Entwicklern propagierten Erwartungen erfüllen. Jetzt scheint sich der Wind gedreht zu haben und es könnte das Aus für die Luca-App drohen.


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Luca-App: Die Idee war gut

Ich erinnere mich noch an die Anfänge der Thematik, als der Rapper Smudo durch Talkshows tingelte, um die Luca-App vorzustellen. Die Idee hinter der App war ja durchaus interessant. Smudo wollte der Veranstaltungsbranche ein Werkzeug an die Hand geben, trotz Coronavirus wieder Events stattfinden zu lassen und bei eventuellen Infektionen mit COVID-19 die Betroffenen schnell ausfindig zu machen.

Benutzer können sich per Luca-App in Veranstaltungen, Restaurants, Kliniken, Geschäften etc. registrieren und brauchen so keine Kontaktdaten auf Papier abzuliefern. Die Luca-App für Mobilgeräte sollte anhand dieser Registrierungen die Verfolgung von Kontaktpersonen durch Gesundheitsämter erleichtern. Und so kam es, dass 2021 13 von 16 Bundesländern Lizenzen der Luca App gekauft haben.

Aber Desaster mit Ansage

Von Beginn an stand die Luca-App aber wegen der technischen Implementierung in der Negativ-Kritik. Es gab Lizenzärger (siehe Lizenzärger: Die Luca-App und die Open Source-Klippen) und schwere Sicherheitslücken (siehe Hack dein Gesundheitsamt, die Luca-App machte es möglich). Fachleute kritisierten das Konzept der Datenspeicherung auf einem privaten Server als nicht transparent und ein Risiko für den Datenschutz. Der Fall, dass die Polizei in Mainz kürzlich Kontaktdaten aus dem Luca-System gesetzwidrig zur Zeugenermittlung nutzte, bestätigte die Befürchtungen der Datenschutzexperten.

Trotz dieser Kette an Unzulänglichkeiten und Ungereimtheiten zogen Politiker in den Länderregierungen das Thema Luca-App durch. Politisch Verantwortliche hatten es aber versäumt, Transparenz über den tatsächlichen Nutzen vertraglich festzulegen, wie ich im Blog-Beitrag Posse Luca-App: Teuer, Nutzen zweifelhaft, und Prüfung verweigert erläutert habe. Laut der Quelle LucaApp Performance Monitor hat die neXenio GmbH mehr als 30 Millionen Euro an Steuergeldern für die LucaApp kassiert. Das ist alles kein Pappenstiel, wäre aber gut investiert, wenn die versprochene Funktionalität zur Kontaktverfolgung Wirkung gezeigt hätte.

Inzwischen ist klar: Das Projekt Luca-App ist technisch ein Desaster, hat viel gekostet und ist aus Sicht der Kontaktverfolgung schlicht nutzlos – ich hatte dieses Fazit kürzlich im Blog-Beitrag Luca-App: Irre teuer, technisch kaputt, unsicher und nutzlos gezogen. Hinzu kommt, dass die Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts inzwischen die gleiche Funktionalität bereitstellt. Immerhin ist es nun so, dass die von den Bundesländern faktisch vorgeschriebene Verwendung der Luca-App inzwischen gefallen ist. Die CWA wurde erst Ende 2021 zur Kontaktverfolgung zugelassen.

Kommt das Aus für die Luca-App?

Neigt sich damit die Nutzung der Luca-App dem Ende zu? Für mich ist es interessant, wie in den letzten Wochen die Stimmung bezüglich der Luca-App gekippt ist. Fachleute waren nie von diesem Ansatz überzeugt – aber in der Politik und in der Presse gab es immer wieder den Ansatz: Die App ist das Beste, was wir haben, gebt ihr doch eine Chance (siehe z.B. diesen heise-Beitrag, wo der hessische Datenschutzbeauftragte im Sommer 2021 noch eine pragmatische Lösung für die App forderte). Ließe sich sogar noch mittragen, wenn die Verantwortlichen des Herstellers mitgezogen hätten.

Aber mir ist eigentlich nur gegenwärtig, dass berechtigte Kritik von den Entwicklern abgebügelt wurde und Probleme äußerst schleppend oder gar nicht behoben wurden. Von den Gesundheitsämtern, die ja Vorteile aus der App ziehen sollten, wird wohl nur noch abgewunken, wenn es um die Nutzung geht. Es bringt nichts. Aus Datenschutzgründen müsste eigentlich jeder Nutzer die Luca-App von seinem Smartphones deinstallieren und maximal auf die Corona-Warn-App setzen.

Vor einigen Tagen wurde dann bekannt, dass das Land Schleswig-Holstein seine Lizenz mit der Culture4Life/neXenio GmbH, einer Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts und einiger Kulturschaffender, auslaufen lässt. Beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) findet sich dieser Artikel zum Thema. Eine Sprecherin des Schleswig-Holsteinischen Landkreistages wird von der Deutschen Presse-Agentur so zitiert, dass die Entscheidung zur Kündigung mit Wirkung zum März vor allem deshalb gefallen sei, weil die Corona-Landesverordnung seit September 2021 keine Pflicht mehr zur Erhebung der Kontaktdaten beinhaltet. O-Ton: Da sich dies – entgegen anderslautender Anregungen von unserer Seite, zum Beispiel mit Blick auf Veranstaltungen und Gastronomie – nicht geändert hat, besteht kein Grund, an Luca festzuhalten.


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Luca-App überflüssig

Im Artikel Luca-App: Irre teuer, technisch kaputt, unsicher und nutzlos hatte ich nicht nur berichtet, dass die Entscheidung über die weitere Lizenzierung der App in Baden-Württemberg noch aussteht. Dort hatte ich auch erwähnt, dass der Rheinland-pfälzische Landesbeauftragte für den Datenschutz, Dieter Kugelmann, laut obigem Tweet die Frage aufgeworfen hat, ob die Luca-App überhaupt noch gebraucht wird.

Aktuell berichtet heise in diesem Artikel, dass die drei Bundesländer Bremen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ihre Lizenz für die App nicht verlängern. Die Gründe:

  • Das Brandenburger Gesundheitsministerium (MSGIV) führt Datenschutzgründe an
  • Bremen will kündigen, weil die App bei der Kontaktverfolgung keinen großen Mehrwert bietet
  • Beim Land Mecklenburg-Vorpommern hatten Gerichte festgestellt, dass die Vergabe des Auftrags für die Luca-App rechtswidrig war (siehe Urteil: Ankauf der Luca-App durch Mecklenburg-Vorpommern unwirksam).

Die Bundeländer Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen haben nie einen Vertrag abgeschlossen. Sieht so aus, als ob die Nutzung der Luca-App jetzt kippt. In diesem NDR-Artikel habe ich nun staunend die Aussage von Hannes Federrath, Informatik-Professor der Universität Hamburg gelesen:

Die Luca App war schnell und konnte eine Lücke schließen, die Restaurantbesitzer und Veranstalter bei den Dokumentationspflichten entlastet hat. In Zeiten hoher Inzidenzen sind die Gesundheitsämter allerdings nicht in der Lage, diese Kontaktverfolgung zu leisten.

Federrath meint, die App habe ihren Zweck erfüllt. Dies gelte allerdings nur in Zeiten niedriger Inzidenzen, in denen die Gesundheitsämter in der Lage waren, Kontakte nachzuverfolgen. Angesicht steigender Inzidenzen ist das Werkzeug also nutzlos, eine Lizenzverlängerung wäre also gutes Geld schlechtem Geld hinterherzuwerfen. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) ist mir am Wochenende mit dem Artikel Warum Experten auf eine Abschaffung der Luca-App hoffen zuvorgekommen und transportiert die gleiche Botschaft.

Die Bundesregierung macht inzwischen auf ihrer Webseite Werbung für die Corona-Warn-App (CWA) als Mittel zur Bekämpfung von Corona. In diesem RND-Artikel kommt der Rapper Smudo zur Zukunft der App zu Wort. Das ist legitim und es ist klar, dass er sich gegen dieses Ende seines Projekts stemmt – kann ich sogar nachvollziehen. Aber die Karre wurde in den Dreck gefahren und es sieht nach "teurem Lehrgeld" aus, welches letztendlich für eine weitgehend nutzlose App ausgegeben wurde.

Ergänzung: Die Kollegen von heise haben gerade diesen Artikel veröffentlicht – die Geschäftsführung von Culture4Life/Nexenio arbeitet an einem neuen Geschäftsmodell für die Luca-App, das auch nach der Pandemie funktionieren soll. Die App soll "Partner der Gastronomie" werden und auch Bezahlfunktionen bereitstellen. Blog-Leser Ralf wies in diesem Kommentar auf diesen Tagesschau-Beitrag hin, nach der die Betreiber die Preise für Lizenzen senken wollen.

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14 Antworten zu Kommt das Aus für die Luca-App?

  1. janil sagt:

    Nach dem Datenabruf durch die Gesetzeshüter ist die App von allen Geräten deinstalliert worden. Die CWA und CovpassApp reichen.
    Wer hätte denn gedacht, dass unsere Polizei auf die Handydaten der App zugreifen würde…(hüstel). Bei einer ähnlichen App gab es den gleichen Vorgang eines Datenabrufs, der Hersteller rief zur Nutzung der CWA auf und seine App zu löschen. So lautete jedenfalls die Meldung.

  2. Ralf S. sagt:

    Da die Luca-App-Macher wohl ihre Felle davon schwimmen sehen, kommen sie den Bundesländern nun in Preis- und Lizenzlaufzeitgestaltung entgegen:

    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/corona-luca-app-101.html

    Interessant, was dann so plötzlich alles geht … ;-)

  3. 1ST1 sagt:

    Beim RKI/SAP/Telekom das waren letztes Jahr Schnarchnasen, die hätten die Kontaktnachverfolgung mit QR-Codes in Veranstaltungsorten viel schneller implementieren können und müssen. Das war ja von Anfang an angekündigt, aber da haben sie sich von Luca quasi die Wurst vom Brot ziehen lassen. Luca hat diese Idee wahrscheinlich nur von der CWA-Ankündigung geklaut und musste diese Idee nur schneller umsetzen und hat somit erstmal gewonnen. Mich hatte das letztes Jahr schon geärgert, dass hier die Länder noch Geld für eine zweite App verschwendete, obwohl die CWA das mit den QR-Codes im Sommer auch konnte – mit den 30 Mille hätte die CWA-Entwicklung sicher beschleunigen lassen können. Noch mehr hat mich dann geärgert, dass die QR-Unterstützung der CWA lange kaum genutzt wurde, überall Luca, und das auch kaum jemand – insbesondere in der Politik – von dieser CWA-Funktion wusste. Was bei CWA auch dumm gelaufen ist, ist der Teil der Kontaktverfolgung mit realen Namen und Kontaktdaten, denn das kann man in der CWA als Schnellprofil für Coronatests schon länger ablegen, hätte man optional benutzen können, dass der Benutzer im Falle einer Warnung die Daten an das Gesundheitsamt sendet. Auch doof finde ich, dass die CWA nicht aktiv warnt, wenn sie etwas feststellt, nein, man muss selbst in die App rein, das gehört verflucht nochmal auf den Sperrschirm des Smartphones. Ich habe so vor Kurzem erst so eine Warnung verpasst, als ich dann mal reingeschaut habe, war das schon 14 Tage rum.

    • Paul sagt:

      Also ich sehe ein rotes Zeichen wenn die CWA nicht genug Speicherplatz hat.
      Naiv war ich davon ausgegangen daß das auch bei einem Positiven Test so wäre. Ist das nicht so?

      • sibilator sagt:

        Also bei mir kommt immer "Es liegt eine neue Meldung bezüglich Ihrer Corona-Warn-App vor" als Benachrichtigung, wenn sie mal wieder ein erhöhtes Risiko festgestellt hat und rot geworden ist…
        Ich benutze iOS, so zur Info…

    • Paul sagt:

      "Überall Luca" lag daran das explizit diese App gesetzlich vorgeschrieben war. War wohl ein einmaliger Fall erfolgreicher Lobby Arbeit(oder sagt man schon Korruption?)

      • Faro sagt:

        Nur in wenigen Bundesländern wie Brandenburg (oder war es MeckPomm?). Erfolgreiche Lobbyarbeit bei ahnungslosen Politikern führt zum wirtschaftlichen Erfolg.

    • Jerowski sagt:

      Jup, richtig konfiguriert (Rechte) meldet sich die App – mit einer wohl aus Datenschutzgründen sehr neutralen Meldung – in den Benachrichtigungen und auch auf dem Sperrbildschirm. Sollte sowohl unter iOS als auch Android funktionieren.

  4. Paul sagt:

    Wo bleibt der Untersuchungs-Ausschuß?

    Irgendwas ist da schiefgelaufen, wenn doch alle gesagt haben tut es nicht. Und sie es trotzdem taten.
    Bei Scheuer war es ja aber auch so.Seine eigenen Leite rieten ab dem EU Urteil zu unterschreiben, aber er tat es ohne Not trotzdem.
    Was ist in unserem Staat los?

  5. thone sagt:

    Irgendwie war diese App von Anfang an
    …tja wie soll ich sagen
    nicht gut oder evt. nicht professionell genug umgesetzt
    wenn auch die Idee ganz gut ist

    aber, es gab in den letzten Monaten immer wieder Bedenken
    über die Datensicherheit oder Nutzung der App, und .. und ..
    die Nachricht über den (miss)brauch durch die Polizei hat ja scheinbar dem
    ganzen negativen Nachrichten nur noch einen Sahnehäubchen verliehen

    Ob nun Smudo oder ein anderer Promi daran verdient
    ist mir egal….wenn's denn fehlerfrei funktioniert
    dies scheint nicht der Fall zu sein
    das hin und her -> Veranstalter -> Nutzer -> Gesundheitsamt
    und das ganze wieder zurück oder umgedreht

    ich bin kein Programmierer, also habe ich auch keine bessere Lösung

    • Ralf S. sagt:

      Es geht ja nicht nur ums "gut machen" usw., sondern auch darum, dass man einfach keine zwei – mehr oder weniger gleichen – Apps braucht! Da wurde mal wieder jede Menge unseres Steuergeldes verpulvert. Die Corona-Warn-App alleine reicht aus, da sie das ganze Gedöns inzwischen auch kann und von Anfang an hätte können können/sollen/müssen … Das Teil alleine, war schon mit horrenden Kosten verbunden.

      Aber seit wir die Pandemie haben, wird weltweit ja nur so mit den Billionen um sich geworfen, als wenn es kein Morgen gäbe … Das Ergebnis sehen wir in der "ja nur vorübergehend" (wer's glaubt …) hohen Inflation. Hoffentlich gibt das keinen Flächenbrand bzgl. weltweite Währungskrise und so. Aktuell: Türkei und viele Schwellenländer und in der EU die üblichen Pleitestaaten, die sich eh nur noch dank der "großzügigen" EZB überhaupt über Wasser halten können. Wehe einer von denen kippt …

  6. ich_mal_wieder sagt:

    Wunder da doch auch keinen mehr, dass die Reichsten (Deutschen) in der Pandemie noch reicher geworden sind und die Schere noch weiter geöffnet ist, oder?
    Siehe auch https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/oxfam-corona-ungleichheit-101.html

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