Aus die Maus für MuT und Addison Wesley …?

Noch ein kleiner Blog-Beitrag in eigener Sache – hätte es eigentlich schon letzte Woche geben sollen, hab’s aber auf Wunsch des Verlags verzögert. Nachdem Autorenkollege Holger Schwichtenberg die Nachricht bei heise.de gebracht hat,  brauche ich mich auch nicht mehr an den Maulkorb zu halten. Ja, auch ich bin von betroffen, dass Pearson Deutschland GmbH bei der Marke Markt+Technik eine Menge Titel streicht (für die Marke Addison Wesley habe ich seit der Übernahme durch die Pearson Gruppe und dem Weggang aus Bonn nicht mehr geschrieben).


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War ein langer Weg, von den Anfängen des Verlags bis heute. Gestartet sind die Markt+Techniker mit kostenlosen Zeitschriften wie “Markt+Technik” (finanziert von der Familie von Quandt). Ich erinnere mich an die ersten Gehversuche, bei denen von mir 1986/87 erste Artikel über undokumentierte Befehle von Zilog Z80 Prozessoren etc. in diesen Zeitschriften publiziert wurden. Meine trickreiche Variante zum Aufrüsten eines Sinclair ZX81 auf 8 KByte RAM ohne externe Logikbausteine hat es damals aber genau so wenig in Markt+Technik-Publikationen geschafft wie mein erstes Buch über Locomotive Basic zum Amstrad PC 1512. Ist dann beim DMV-Verlag erschienen. Ach, und es gab auch weitere Artikel, die in deutschen Zeitschriften “unveröffentlichbar” waren, aber vom US-Magazin Dr. Dobbs Journal of Software Tools mit Kusshand genommen wurden.

Ab 1989 folgten bei Markt+Technik Bücher zur DOS-Programmierung, zu Programmiersprachen wie Turbo Pascal, QuickBasic, PowerBasic & Co. (basierten auf dem Locomotive Basic-Manuskript, die Programme und Texte wurden lediglich auf die betreffenden Programmiersprachen abgestimmt). Hat sich dann über die Jahre geläppert. Über Markt+Technik, Addison Wesley, Microsoft Press Deutschland/USA, Thomson Publishing wurden in den letzten 25 Jahren von mir etwas über 200 Bücher (incl. überarbeitete Neuauflagen und Übersetzungen) herausgebracht.

Aber nun herrscht (etwas) Tabula rasa im Karton – die Entwicklung war jedoch absehbar. Konkret wurde der Windows 8 Tricks-Titel “geschlachtet”. Das Manuskript ist zwar bereits in großen Teilen fertig, war aber, wegen diverser Office 2013-Titel im Dezember im Hinblick auf die Fertigstellung und den Erscheinungstermin des Buches zeitlich nach hinten verschoben.

Na ja, nun ist das Projekt erst einmal auf Eis gelegt – ein wenig doof, weil ich doch noch einiges an “Insides” auf der Pfanne hatte. Andererseits: Da ich als Autor bei einem 19,95 Euro-Titel gerade einmal 1 Euro an Tantiemen sehe, geht die Welt von diesem gecancelten Buchprojekt nicht unter.

Kann gut sein, dass ein anderer Fachverlag beim Manuskript zuschlägt und das Buch unter anderem Label herauskommt. Oder ich überlege mir andere Wege der Vermarktung. Ein zweiter Titel, der als Neuauflage geschlachtet wurde, betrifft den Seniorenbereich. Die restlichen, von mir im Markt+Technik-Programm befindlichen Titel sind weiter lieferbar, stehen im Verkauf auch auf den vorderen Plätzen und werden weiter angeboten. Zu Office 2013 habe ich gestern den zweiten Titel fertig gestellt, der nun auf dem Weg in Satz und Produktion ist (der erste Titel ist im Druck).

Also: “Noch raucht der Schornstein”, aber so richtig Kohle werden wir wohl nicht mehr nachlegen – zumindest nicht bei “diesem Ofen” ;-). Kommt irgendwo auch meiner Planung, mal eine Auszeit zu nehmen, um abseits der festgetretenen Pfade über neue Ansätze nachzudenken, entgegen. Vorerst werde ich wohl hier weiter bloggen und zu gegebener Zeit über neue Projekte berichten.

Aber es wird andere Titel als in der Vergangenheit geben. 3 Monate wie ein Blöder an Titeln zu HTML oder anderen Inside-Themen zu ackern, um dann von Noobs bei Amazon 1 Punkt Rezensionen zu kassieren, nur weil denen der Durchblick fehlt (gibt ausgewachsene Leute, die ein Einsteigerbuch kaufen und sich lauthals beschweren, dass die kompletten Funktionen und Insides nicht beschrieben werden), und am Ende des Tages 800 Euro an Tantiemen zu sehen, dazu habe ich echt keinen Bock mehr. Aus diesem Blickwinkel habe ich von meiner Seite bereits in den vergangenen Jahren zahlreiche Titel, z.B. zur Windows-Registry, zu Scripting, zur Programmierung, zu Linux, zu OpenOffice.org etc. auslaufen lassen. Nun, mal sehen, wie es weiter geht. Denn für “golfen bis zur Rente in 2020” fühle ich mich doch noch etwas zu jung.


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4 Kommentare zu Aus die Maus für MuT und Addison Wesley …?

  1. Phil sagt:

    Das ist wirklich schade denn dort gab es immer gute Bücher, hab erst zum Ende des vergangenen Jahres noch 2 Stück erstanden. Mal sehen wo die Autoren der Bücher nun hinwandern. Galileo Press böte sich ja an.

  2. Stephan Hahn sagt:

    … bei so ca. 200 Deutschsprachigen Buchveröfflichungen im Jahr für MuT und Addison Wesley …
    … das sind ja dann schon einige Autoren sein, die sich wie Du auch auf einmal Neu orientieren müßen …

    Ich wünsche Dir auf jedenfall alles , alles gute für die Zukunft und das Du

    „abseits … festgetretenen Pfade “ zum Erkenntnissgewinn für „neue Ansätze“ kommen magst.

    … und das sich für Dich neue Türen öffnen mögen !

  3. Günter Born sagt:

    Nachtrag: Zwischenzeitlich ist es offiziell – wie man seit heute im Buchmarkt.de nachlesen kann.

    Wird aber an zahlreichen Stellen neue „Pflänzlein“ geben. Mal schauen, was da zukünftig so wächst …

  4. Günter Born sagt:

    Und noch ein kleiner Nachtrag: Die Einstellung des Verlagsgeschäfts bei Markt+Technik und Addison Wesley wurde ja mit (gefühlt) ruppigen Methoden seitens der Pearson GF betrieben (wer Google nach dem Namen der GF befragt, wird fündig).

    Oder anders ausgedrückt – aus meiner momentanen Sichtweise wurden da unnötig (im Sinne einer armen Krämerseele) viel „Porzellan zerschlagen“ – und imho einige Millionen versenkt – die beiden Verlage – und mit Sicherheit der Lagerbestand – hätten sich sicher verkaufen lassen.

    Von daher habe ich mit Aufmerksamkeit diese Meldung im Buchreport vernommen, dass „Cheffe“ wohl zum Ende des Jahres auch abtritt. Eine Wertung verkneife ich mir, aber nur so viel: Sein Nachfolger beim Restverlag dürfte da keinesfalls zu beneiden sein.

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