Digitales Schlangenöl: Registry-Cleaner, Driver-Updater & PUPs

Zum Sonntag ist wieder einmal ein kleiner Beitrag zum Thema Schlangenöl für die digitale Welt fällig. Mit an Bord: Registry-Cleaner, Driver-Updater und PUPs.


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Gelegentlich befasse ich mich hier im Blog ja mit dem Thema Schlangenöl (siehe Linkliste am Artikelende). Die Definition von Schlangenöl (englisch snake oil) findet ihr hier bei Wikipedia. Für mich ist digitales Schlangenöl ein Synonym für Software, auf die viele Anwender schwören, die bestenfalls aber nichts nützt und schlimmstenfalls schadet.

So weit so schlecht. Jetzt könnte man zur Tagesordnung übergehen, denn ob ich hier rante oder ein Sack Reis in China umfällt, in Punkto “den Lauf der Welt ändern” bewirkt dies nix. Aber gelegentlich stoße ich ja auf Fundstellen von Dritten, die ähnliche Gedanken haben. Und dank eines Facebook-Postings eines MVP-Kollegen bin ich auf ein nettes Triptychon von Blog-Artikeln zum Thema Schlangenöl aus einer wohl “seriöseren Quellen” als mein Blog gestoßen. Wollte ich euch daher nicht vorenthalten.

Schlangenöl #1: Registry-Cleaner

Die Mär, dass man seine Registrierung bereinigen muss, um Windows wieder schneller und fehlerfreier zu bekommen, hält sich in Anwenderkreisen ja hartnäckig. In der Tat gab es in Zeiten von Windows 95 wohl mal einen Ansatz, dass eine aufgeblähte Registrierung zu Performance-Einbußen führte. Aber das Thema ist seit vielen Jahren, spätestens seit Windows XP durch. Registry-Cleaner nutzen nix, um aufzuräumen und zu tunen, schaden aber oft. Einzig spezielle Tools aus seriöser Quelle zur Beseitigung von Adware könnten noch als Registry-Cleaner für besondere Fälle durchgehen.

Ich habe deshalb mal vor langer Zeit den Blog-Beitrag Tuning-Tools, die Plage des 21. Jahrhunderts? verfasst, der ein wenig hinter die Kulissen schaut – und prompt auch Kommentare der Art “Sinnloses Geschwafel” kassiert. Ich könnte noch auf den etwas aktuelleren Artikel Ein kritischer Blick auf IObit Advanced SystemCare von MVP-Kollege Ingo Böttcher verweisen – der sich ein Tuning-Programm von IOBit vorgenommen hat. Aber die Propheten gelten im eigenen Lande nix – kann ich aber gut mit leben. Und ein jeder ruiniere seine Systeme so gut er eben kann …

Cleaner-SnakeOil

Nun bin ich auf eine “berufenere Quelle” gestoßen (mein Dank an den MVP-Kollegen Mike Halsey, der in einer internen Facebook-Gruppe auf diese Quelle hinwies). Auf Malwarebytes schwören ja viele Anwender – und die Jungs vom Malwarebytes-Team haben in der Kategorie “Social Engineering” einen wunderschönen Artikel Registry Cleaners: Digital Snake Oil veröffentlicht. Geht runter wie Öl (der Name Snake Oil ist Programm).

A word on registry cleaners.

One of the most common complaints we see on our forums, and from our users, concerns a particular category of program called “Registry Optimizers” or “Registry Cleaners” or “Registry Defragmenters”. For this post, we will just refer to them as registry cleaners.

In einer Art FAQ nehmen die Leute das Thema unter die Lupe, zitieren Microsoft “Microsoft does not support the use of registry cleaners. Some programs available for free on the internet might contain spyware, adware, or viruses.” und kommen am Ende zum Schluss: Registry-Cleaner sind digitales Schlangenöl. Der Artikel ist in Englisch, aber ganz lesenswert. Und wer kein Englisch kann, ich hatte ja die Artikel zu Tuning-Tools von Ingo Böttcher und mir verlinkt – beide sind in Deutsch.

Schlangenöl #2: Treiber-Updater

Die zweite Windows-Krankheit, die Anwender mit Schlangenöl kurieren wollen, betrifft das Thema Treiber-Updates. Da gibt es die berühmten gelben Warnungen im Geräte-Manager, wo Treiber Ärger machen.

Oder noch schlimmer, der Anwender bekommt diese Benachrichtigung vor den Latz geknallt.

Hier ist kein Treiber zu finden. So weit so schlecht – der Anwender müsste jetzt aktiv werden. In Microsofts Answers-Foren gibt es daher häufig Anwender, die mit solchen Problemen aufschlagen und man den Ratschlag geben muss: Aktualisiere deine Treiber. Aber nicht jeder Anwender ist da richtig fit – und Microsoft patzt da auch. Warum?


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Treiber kommen (bis auf wenige Ausnahmen in Form von generischen oder universellen Treibern) immer vom Hersteller der betreffenden Hardware. Wird Windows neu installiert, werden immer nur dort vorliegende “Basistreiber” (möglicherweise in veralteter Ausgabe) installiert. Und da gibt es Raum für Fehlfunktionen. Wer im Geräte-Manager den Weg zu den Treibereigenschaften findet, kann die Schaltfläche zur Treiberaktualisierung wählen.

Das wird aber nur funktionieren, wenn Treiber auf Windows Update bereitstehen oder lokal auf der Platte liegen (also vom OEM mitgegeben oder manuell heruntergeladen wurden).

In der Theorie sollen Treiberaktualisierungen zudem per Windows Update verteilt werden. Aber in der Praxis ist das Scheitern bereits Programm. Microsoft kann nur verteilen, was die Hersteller der Treiber einreichen und was die Microsoft Qualitätssicherung übersteht (ich gehe jetzt nicht auf das Thema “Qualitätssicherung” ein).

Für die Hersteller bedeutet das einen nicht unerheblichen personellen, zeitlichen und finanziellen Aufwand. Also verzichtet man darauf, die Treiber bei Microsoft zur Veröffentlichung per Windows Update einzureichen. Oder man findet einen Bug, behebt diesen, stellt den aktualisierten Treiber auf seinen Webseiten bereit und gibt diesen (im optimalen Fall) noch an OEMs weiter und schickt auch eine Kopie an Microsoft. Dann kann es aber Monate dauern, bis der revidierte Treiber per Windows Update verteilt wird. Und der Anwender steht im Regen.

Mit dem Konzept des Windows as a service ab Windows 10 könnte sich das Thema noch verschärfen. Durch die monatlichen kumulativen Updates, bei dem oft kein Bit auf dem anderen bleibt, werden Fehler in der Treiberimplementierung unweigerlich zu argen Kollateralschäden führen. Bestenfalls sorgen die OEMs von Notebooks eine Zeit lang dafür, dass aktualisierte Treiber auf den Geräteseiten bereitgestellt werden. Aber irgendwann ist da finito – und der Anwender müsste sich in die Niederungen der Treibersuche begeben. Wie man das professionell macht, hat mein MVP-Kollege Ingo Böttcher im Wiki-Artikel Wie und wo finde ich passende Treiber und wie installiere ich sie? zusammen geschrieben.

Viel Text, den man lesen, verstehen und anwenden müsste. Ist vielen Nutzern nicht bekannt, zu mühsam, oder sonst was. Und die Lösung kommt ja in Form von Treiber-Updatern, Driver-Boostern und wie die Dinger heißen, daher. So ein Progrämmchen angeworfen, schon werden die neuesten Treiber auf’s System genudelt – alles ist gut. Dumm nur, dass so mancher Nutzer anschließend in Microsoft Answers-Foren mit Problemen aufschlägt.

Auch hier könnte ich auf den Blog von MVP-Kollegen Ingo Böttcher verweisen, der 2013 den Blog-Post Treiber-Update-Tools und warum man sie nicht nutzen sollte veröffentlicht hat. Aber da hätten wir wieder den Propheten im eigenen Lande. Auch hier wieder ein netter Blog-Post der Redakteure von Malwarebytes. Diese haben den Beitrag Driver Updaters: Digital Snake Oil, Part 2 publiziert, der sich des Themas (allerdings in englischer Sprache) annimmt. Auch hier sollte man sich den Artikel mal in voller Länge antun (notfalls Google Translate bemühen).

Schlangenöl #3: PUP

Und nun zum letzten Teil des Triptychons – PUP steht für Potentially Unwanted Program, also Software, die nichts bewirkt, aber allerlei unnötiges oder schädliches Zeugs auf dem Rechner installiert. Die Vertreter der unter Schlangenöl #1 und Schlangenöl #2 genannten Tools kann man als PUP klassifizieren, installieren diese doch oft weitere Software im Beifang, die selbst ein normaler Anwender nicht mit der Kneifzange anfassen würde.


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Aber auch Anwender, die nicht auf Schlangenöl #1 und #2 setzen, kommen in den “Genuss von PUPs”. Denn immer mehr Download-Pakete von Anbietern kommen mit einem “Installer”, der bestenfalls Adware a la TuneUp, McAfee und was weiß ich und schlimmstenfalls Malware installiert. Selbst Chip.de scheint da do was mit Downloads von populären Programmen zu bündeln. Auch hier verweise ich mal wieder auf Ingo Böttcher, der das im Artikel Von der Odyssee, ein kostenloses Programm zu installieren… beschreibt.

In der Link-Liste am Artikelende meines Blog-Posts finden sich ebenfalls Beispiele, wo jemand nur einen Flash-Player oder ein JAVA installieren wollte, dann aber allerlei Goodies im Beifang bekam. Ich gestehe, es ist schon schwierig für einen Anbieter, wenn er die Serverkosten für Downloads tragen und finanzieren muss. Aber bei Adobe oder Oracle hätte ich angenommen, dass die keine Downloader mit Zusatzsoftware einsetzen müssten.

Egal, zurück zum Thema. Auch zum Stichwort PUP haben die bloggenden Redakteure bei Malwarebytes einen netten Artikel veröffentlich. Unter dem Titel PUP makers, Digital Snake Oil Part 3 findet sich alles, was man zum Thema wissen muss.

So, ist jetzt ein länglicher Beitrag geworden, obwohl ich nur drei Zeilen bloggen wollte. Aber vielleicht liest es ja trotzdem jemand. Und falls ihr gegenteiliger Meinung seid, Ergänzungen, Erfahrungen etc. habt, der Kommentarbereich ist eröffnet.

Anmerkung: Erstkommentare von Benutzern werden (weil hier im Blog täglich viele Tausend SPAM-Kommentare eintrudeln, aber nie zu 100 % gefiltert werden können) erst manuell von mir freigeschaltet. Und noch eine Bitte: Das Kommentarformular enthält ein Feld für eine URL – welches man leer lassen kann. Manche Nutzer tragen da ungültige oder Phantasie-URLs ein. Wäre mir ja egal – aber die Links sind dann ungültig, was Google nicht mag. Ich sitze dann oft hier, wenn ein Plug-In mal wieder viele hundert gebrochene Links meldet und bereinige diese URL-Felder in Kommentaren. Ihr helft mir enorm, wenn ihr einfach das URL-Feld frei lasst, wenn ihr keine sinnvolle URL eingeben könnt oder mögt. Danke.

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10 Kommentare zu Digitales Schlangenöl: Registry-Cleaner, Driver-Updater & PUPs

  1. Charles sagt:

    Danke für den Bericht. Man kann solche Sachen nicht genug schreiben ,bis es auch der Letzte vielleicht mal schnallt,dass man mit solchem Schlangenöl nur das Ende seines Rechners beschleunigt und nicht den Rechner selbst!

  2. IRON sagt:

    Auch von mir ein Danke für den aktuellen Beitrag. Kann man wieder schön verlinken.
    Du hast leider nur allzu Recht, wenn du schreibst, dass Propheten im eigenen Lande nichts gelten.
    Praktisch jedes Mal, wenn ich im Zusammenhang mit vermurksten Systemen, von denen bekannt ist, dass der User dort regelmäßig Programme wie CCleaner oder TuneUp einsetzt, erwähne, dass diese Tools mehr Schaden anrichten als nützen und die beschriebenen Probleme durchaus auf diese Tools zurückzuführen sind, kommen ein paar unbelehrbare Hanseln an und empören sich, wie nützlich die doch sind und dass SIE noch NIE irgendwelche Probleme damit gehabt hätten usw. usf.
    Speziell zu den Updatern: Da gehören auch umfassendere Softwareupdater dazu, die sich z.B. um Browser-Plugins kümmern wollen. Die sind mindestens genauso unnütz und gefährlich wie die für Treiber.

  3. Ingo sagt:

    Danke für die vielen Verweise! 🙂

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  5. Schön dass du das so anschaulich beschreibst…ich hatte jahrelang den cc cleaner in Gebrauch und habe bisher nicht gewusst was meinen alten Rechner so dermassen langsam gemacht hat. Nun habe ich mir einen neuen gekauft mit Win 10 und möchte nicht wieder die gleichen Fehler machen wie vorher.
    Deine Beshcreibung wird mir dabei helfen
    Danke und schönen Sonntag
    LG RoseMarie

  6. woodpeaker sagt:

    Mußte bei dem Artikel herzlich lachen, als meine Jugendsünden bei Win 98 hochkamen.
    CCleaner euphorisch eingesetzt und bei der Frage ob ich alle unbenutzen dlls löschen möge mit einem behrzten Ja beantwortet.
    Nun ja, danach saß ich drei Tage um alles wieder aufzuspielen.
    So Sachen prägen einen und man merkt sich das irgendwie!

    Alleine schon deswegen ein herzliches Danke.

    Aber wie so oft sitzen die meisten Fehler vor der Tastatur.
    Ich benutze den CCleaner eigentlich nur für die Autostarteinträge, da das schön übersichtlich dargestellt ist. Sicher etwas unvernünftig ein solches Programm nur wegen einer Sache auf dem Rechner zu haben.
    Auch bei den Treiberprogrammen oder den PUP (als Pauschalbegriff) Programmen gilt eigentlich immer der eine Grundsatz: Benutzen wer mag, aber nie automatisch und das Ergebnis sehr detailliert untersuchen und gegenkontrollieren. Kann manchmal helfen eine Entscheidung zu treffen, aber mehr nicht.

    Über Tuneup und Konsorten, na ja halt Schlangenöl. Gibt genügend User die hoffen mit solchen Tools aus z. B. einen Dualcore den Speed für einen Quadcore zu bekommen.
    Aber da kann erzählen was man will, hören will es nur keiner.

  7. Potrimpo sagt:

    Günter, danke für den sehr schönen Artikel.

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  9. Manfred Schuermann sagt:

    Gerade solche Blog-Beiträge wie der obige bewirken meist nicht mehr, als würde man seinen Namen in einen Ozean schreiben. So kommt auch eine Wahrheit gegen Gerüchte kaum an, wenn speziell PC-„Consumers“ lieber das, was sie glauben wollen, jeder Realität vorziehen.

    Und wer hält sich schon an die Maxime, einem System keine Veränderungen/Eigenwilligkeiten aufzudrücken, die es nicht selbst anbietet, keine Installationspfade zu ändern, nur Programme von namhaften und als seriös bekannten Anbietern zu installieren (was natürlich meistens auch etwas kostet) und an der Registry nur solche Änderungen vorzunehmen, die aus absolut seriöser Quelle für bestimmte Fälle empfohlen werden?

    Und wer ahnt schon, dass in vielen „Fach“zeitschriften Manipulationen an Systemen oder Applikationen empfohlen werden, die Probleme erst erzeugen, statt welche zu beheben?

    Doch „Jeder ist seines Glückes Schmied“ heißt es, aber beim PC führt das Schmieden nicht selten zu Desastern, denen oft erbärmliches Gejammer in Foren folgt. Wäre die Zeit, die jetzt verschwendet wird, vorher für sorgfältige Abwägungen aufgewendet worden, hätte sich manche Katastrophe vermeiden lassen. Das Hauptproblem steckt bekanntlich nicht in einem PC, sondern sitzt davor…

  10. Pingback: Windows 10: Rechner extrem langsam, Programme werden nicht mehr gestartet

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