Windows 10: QR-Code im BlueScreen

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Microsofts Windows 10-Entwicklung auf “Facebook-Niveau” angekommen ist, dann ist dieser erbracht. Microsoft hat in der neue Build 14316 der Windows 10 Insider Preview einen QR-Code im BlueScreen unterbracht.


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Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

Die Information kam wohl erstmals in der spanischen Website microsoftinsider.es auf, wo jemand auf die Anzeige des QR-Codes im BlueScreen hinweist. Zwischenzeitlich hat auch ein Nutzer hier auf reddit.com berichtet, dass der folgende BlueScreen mit QR-Code in seiner VM auftrat wurde (gehe mal davon aus, dass es kein Hoax ist – er hat den Crash wohl manuell erzwungen – dieser MS-Beitrag zeigt, wie man einen BSOD provoziert).

So weit, die dürre Neuigkeit. Bevor jetzt erste Leute mit “Boah, die machen was” umfallen, ich halte das Ganze für eine ziemliche Schnapsidee – daher mein obiger Satz von der “Facebookisierung der Betriebssystementwicklung”. Wenn Du in den Kindergarten gehst, wirst Du Kids treffen – eher kein geeigneter Ort, an dem Du seriöse Informationen abholen kannst. Und so sehe ich das Ganze bezüglich Windows 10. Das ganze Windows 10 verkommt zwischenzeitlich zur Gimmick-Schleuder und entfernt sich mit Lichtgeschwindigkeit von dem, was ich als Arbeitspferd auf einem Desktop-System im betrieblichen Umfeld erwarte. OK – es ein eine Preview – und da kann das Feature auch wieder rausfliegen (falls einer der Amis den Blog-Post liest und versteht).

Mal unter den Teppich geblickt …

Warum? Sezieren wir das Ganze doch mal etwas. Da kneten also erwachsene Menschen bei Microsoft einen Algorithmus in die BSOD-Routinen, die einen QR-Code generiert. Den kann dann der unbedarfte Nutzer, der mit dem Goodie begrüßt wird, abfotografieren und per entsprechender App zur Website “da wird dir geholfen” springen. Oh cool …

Musst Du allerdings schnell sein – denn die BSODs verschwinden, wenn Windows 10 genügend Daten gesammelt hat. Dann hilft nur noch ein Blick in die Ereignisanzeige (falls das System wieder bootet), wo der QR-Code wohl nicht auftaucht. Aber es geht noch weiter …

Die angegebene Website http://windows.com/stopcode leitet den Benutzer momentan zu obiger Site um. Und da erhältst Du mal wieder eine Null-Info (gut, der obige Screenshot ist gefakt). Aber mal zum Mitschreiben: Die Site wird von der gleichen Firma betrieben, die es seit vielen Monaten nicht schafft, akkurate und zeitnahe KB-Beschreibungen für Updates rauszugeben. Und die sollen plötzlich hilfreiche Infos zu Stop-Codes verfassen können? Wenn ich nach dem Stop-Code oder dessen Fehlertext suche, herrscht momentan kein Mangel an Treffern im Web …

Ich nix Technik-Kauderwelch verstehen …

Nächster Punkt: Ob es einem unbedarften Nutzer hilft, wenn sein Windows 10-System auf dem Kreuz liegt, dass er zu einer Stop-Code-Seite mit ein wenig technischem Kauderwelch geleitet wird? Der hat keine Ahnung, was Windows PE ist und wie eine Startreparatur auf der Konsole vorzunehmen ist. Mich beschleichen doch arge Zweifel, ob das Ganze sinnvoll ist. Richtig cool wäre ja, wenn man als Benutzer keinen BlueScreen zu Gesicht bekäme. Ich mag mich irren: Gefühlt treten die Dinger in Windows 10 gehäuft auf. So oft, wie ich bei Windows 10 schon auf Testmaschinen mit BlueScreens beglückt wurde, habe ich das unter Windows 7 nie erlebt. Der letzte BSOD unter Windows 7 wurde durch eine sterbende Festplatte verursacht und liegt 2 Jahre zurück.

Keep it simple! Beispiele aus der Weltraumfahrt

Noch ein Punkt: Statt Gimmicks wie QR-Codes zu posten, hätte es ein Stop-Code samt einem Kurzlink im BSOD-Screen in der Art http://windows.com/stopcode/0x39 auch getan. Dann kann ich die URL in einem zweiten System im Browser eintippen und gut ist.

Das Ganze erinnert mich doch arg an die Raumfahrtprogramme der Amis und der Russen. Weil die normalen Kugelschreiberminen in der Schwerelosigkeit nicht funktionieren, haben die Amis einen irren Aufwand getrieben, um einen weltraumtauglichen Kugelschreiber zu entwickeln. Die Russen waren da pragmatisch, haben zwei Bleistifte mit an Bord genommen und gut war. Ähnlich bei Brems- und Navigationsmanövern: Die Russen hatten eine Stoppuhr, nach der die Manöver ausgeführt wurden. Die Amis hatten komplizierte Computerprogramme, mussten aber auch schon mal auf Stoppuhren, die als Backup dabei waren, zurückgreifen.


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Security: Wie flach kann man bei Microsoft eigentlich noch werden?

Letzter Punkt: Einen BSOD inklusive QR-Code kann ich auch faken – Petya ist das Proof of concept. Wo ist das Problem? Es ist so ungefähr ein Jahr her, dass Unbekannte QR-Codes auf Plakaten überklebten. Wer die QR-Codes abfotografierte und den Link aufrufen ließ, wurde auf eine Webseite mit Schadroutinen umgeleitet. Bei QR-Codes ist es eminent, dass sich die Leute die Links nicht mehr mit Sinn und Verstand ansehen. Und ganz neu, quasi von der “bleeding edge”, ein Fundstück New JavaScript attack infects your phone and changes your router’s DNS settings.

David Geer hat 2013 im Artikel The dangers of QR codes for security auf das Sicherheitsproblem hingewiesen. Auch dieser Artikel behandelt das gleiche Thema. Und zur Aufmunterung – die bösen Jungs wissen, wie man QR-Codes nutzt. Der Artikel Rokku Ransomware Uses QR Codes to Help You Pay for Your File ist auch ganz nett. So gesehen: Rüdiger Weiß bezeichnet Windows 10 als Botnetz (Warnung vor “Botnetz” Windows 10 …) – da befinden sich die Microsoft-Entwickler in bester Gesellschaft (es sei denn, die QR-Code-Nummer wäre ein riesiger Hoax – ich habe nach wie vor keine Build 14316 zum Testen).

Unter dem Strich: Ich halte das Ganze für Augenwischerei und für eine ziemliche Schnapsidee. Obwohl – wenn ich so meinen obigen Text lese, halte ich das Thema QR-Code im BlueScreen für einen ausgemachten Hoax (ok, ist eine Preview, da haben die Entwickler viel Zeit, was auszuprobieren, die Bugs kann man immer noch in den Release-Versionen nach und nach beseitigen). Und jetzt könnt ihr mit eurem “Boah, coole Idee von Microsoft” kommen. (via)

Ähnliche Artikel:
Warnung vor “Botnetz” Windows 10 …


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7 Kommentare zu Windows 10: QR-Code im BlueScreen

  1. Paule21 sagt:

    Boah, coole Idee von Microsoft.

    Ich sag mal so, ob da ein kurzer Link und ein QR-Code zu finden sind, ist mir am Ende egal, Hauptsache ich finde auf der verlinkten Seite dann auch wirklich nützliche und umsetzbare Infos. Genau das liegt aber das Problem, Microsoft hat es bis heute nicht geschafft verständliche Fehlermeldungen zu generieren und schon gar keine Infoseiten mit vernünftigen Lösungen. OK, Ausnahmen bestätigen die Regel.

  2. Nils sagt:

    Mir ist das ehrlich gesagt relativ egal, ob dort nun ein QR-Code oder ein kurzer Link angezeigt wird. In den letzten Jahren habe ich ohnehin keinen Bluescreen mehr zu sehen bekommen. Nur warum da nun so ein großes Fass aufgemacht wird, verstehe ich nicht so ganz. Ist eher so eine Meldung wie der berühmte Sack Reis.

    Wobei, wenn man es sich ein bisschen überlegt und nicht alles Neue an Windows 10 immer gleich verteufelt, ist das auch gar nicht so schlecht mit dem QR-Code. Wenn der Rechner nicht funktioniert ist die erste Alternative für viele das Smartphone um ins Internet zu kommen. Und dort ist es einfach bequemer und schneller einen QR-Code einzuscannen als eine URL am Smartphone einzutippen.

    Ob auf der verlinkten Seite dann was nützliches steht oder nicht, hat mit der Tatsche ob nun ein QR-Code oder eine URL angegeben wird, nicht zu tun. Der Inhalt der Seite wird nicht besser oder schlechter wenn ein QR-Code oder eine URL angegeben ist.

    • Ralf sagt:

      Dann muss aber viel Hauptspeicher vorhanden sein, sonst wird die Zeit nicht ausreichen, um den QR-Code einzuscannen. Wichtiger wären wohl bessere Einträge im Ereignisprotokoll, die man nach dem Neustart auswerten könnte. Bislang ist da immer recht wenig mit anzufangen.

      Und ja, leider sehe ich mit Windows 10 wieder Bluescreens (nachdem Windows 7 nach den anfänglichen Schwierigkeiten mit USB und Windows 8.1 friedlich gesinnt waren). Die Fehlerbehandlung in der Threadverwaltung scheint noch nicht so ganz das Wahre zu sein.

      Vielleicht ist das Ganze ja aber auch nur für die Tests bei Microsoft. Wobei sich mir die Frage stellt, warum ein Betriebssystem, das noch einen QR-Code vor dem Neustart anzeigen kann, es nicht auf die Reihe bekommt, einen geordneten Neustart auf die Reihe zu bekommen …

  3. Nils sagt:

    Naja, aber ob die Zeit nun zu knapp ist um den QR-Code einzuscannen oder ob die Zeit zu knapp ist, sich die URL abzuschreiben, bleibt sich auch gleich 😉

    Ich will damit nur sagen, dass es wichtigere Dinge gibt, als die Tatsache ob dort nun ein QR-Code angezeigt wird oder nicht.

  4. Unter Windows 10 hatte ich Privat bisher auch noch keinen BSOD, vielleicht ein paar ziemliche nervige Probleme mit inkompatiblen Treibern was aber eigentlich nicht wirklich an Windows liegt und ob da nun ein QR-Code oder ein Link steht ist mir eigentlich völlig Wurscht, wozu gibts BlueScreenView http://www.nirsoft.net/utils/blue_screen_view.html der auch unter Windows 10 Funktioniert.

  5. Petra sagt:

    Mir hilft das alles nicht weiter. Ich kann mit meinem PC nicht mehr arbeiten, weil er ständig neu gestartet wird, inzwischen alle 5 Min. Aber ich finde nirgends etwas, was da falsch ist und was ich berichtigen kann. Ich habe allein lange gebraucht, um überhaupt diese Seite zu finden. Erst hielt ich das mit dem QR-Code für einen Witz und habe mein Virenprogramm laufen lassen! Jetzt kann ich nur an meinem Laptop arbeiten, weil ich nicht weiß, wie ich den Fehler beheben kann!

    • Der Blue Screen ist ein Hinweis auf einen gravierenden Fehler (Hardware, Treiber, Software) – der QR-Code liefert lediglich den Hinweis, wo man bei Microsoft bezüglich des Fehlers nachsehen kann. Dir wird ein Stop-Fehlercode genannt, über den Du Hinweise auf die Ursache finden könntest.

      Ohne detaillierte Kenntnisse würde ich den Rechner in professionelle Hände eines PC-Supporters geben, damit dieser die Ursache für die BlueScreens herausfindet.

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