Kurztest: Somikon Vorsatzlinsen fürs Smartphone

Vorsatzlinsen für Smartphones versprechen neue Effekte beim Fotografieren und sind bei einigen Nutzern recht beliebt. Man soll Makroaufnahmen, einen Fischauge-Effekt und auch Weitwinkelaufnahmen anfertigen können. Je nach Linsenset sind auch Teleobjektiv-Aufnahmen möglich. Ich habe mir mal einen Satz Vorsatzlinsen von Somikon zum Testen beschafft.


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Solche Vorsatzlinsen gibt es bei vielen Anbietern, u.a. bei Amazon.de. Ich habe mich für die Vorsatzlinsen von Somikon entschieden, die es beim Anbieter Pearl ab 6,90 Euro gibt. Konkret habe ich mir die Premium-Variante für 16,99 Euro schicken lassen. Das Vorsatzlinsen-Set besteht aus einem Weitwinkel-, Fischauge- und einem Makro-Objektiv.

(Quelle: Pearl)

Die Linsen können, wie nebenstehend zu sehen, auf einen Clip aufgeschraubt und dann über die Linsen einer beliebigen Smartphone-Kamera geklemmt werden. Dabei müssen die beiden unteren Linsen der Abbildung für den Fischauge-Effekt kombiniert werden. Was mir gut gefallen hat: Der Clip sitzt sehr fest auf dem Smartphone, so dass die Linsen nicht ungewollt abfallen. Auch ist die Lösung sehr einfach auf- und absteckbar und passt eigentlich an jedes Smartphone oder Tablet. Die Linsen lassen sich stabil an den Clip anschrauben. Der Lieferumfang umfasst folgendes:

  • Vorsatz-Linsen mit universellem Halte-Clip für Mobilgeräte mit integrierter Kamera, Clip-Maße: 22 x 55 x 24 mm, Gesamtgewicht: 49 g  
  • Fischaugen-Konverter für 180°-Panorama-Bilder
  • 10x-Makro-Konverter für Nahaufnahmen ab 13 mm Entfernung
  • 0,4x-Weitwinkel-Konverter für Panorama-Aufnahmen und Gruppenfotos

Es handelt sich um Premium-Glaslinsen für extra klare Bilder, die sich durch aufsetzbare Schutzkappen vor Kratzern und Stößen schützen lassen. Ein mitgelieferter Mikrofaser-Beutel dient zum Verstauen und Reinigen der Linsen. Zudem wurde eine deutsche Bedienungsanleitung versprochen. Die lag auch bei, hat bei mir aber erst einmal einen Fluch ausgelöst. Das Teil war so klein gedruckt, dass ich meine Kenntnisse der ‘angewandten Optik’ aus dem Physikstudium nutzen und zusätzlich zur Lesebrille eine zweite Lesebrille als Vorsatz aufsetzen musste. Mit 3 Dioptrien (statt 2.0) vergrößert konnte ich die Anleitung lesen. Ein paar allgemeine Hinweise ‘tue dies, lasse das’ aber keine Tipps zur Verwendung der Linsen (z.B. dass zwei Linsen, Makro und Fisheye, kombiniert werden müssen). Gut, möglicherweise habe ich zu viel erwartet und alle Welt weiß, wie man solche Vorsatzlinsen verwendet. Ok, fair bleiben – fast niemand liest so eine Anleitung – und so richtig gebraucht habe ich die auch nicht. Denn dass man die Linsen kombinieren muss, habe ich auch so herausgefunden, weil nur eine bestimmten Kombination an den Halteclip anschraubbar war.

Aber was taugen diese Linsen?

Mit dem Weitwinkel-Konverter sollen sich Landschaften und Städte-Ansichten einfangen oder Gruppenbilder anfertigen lassen. Das Fischauge-Objektiv ermöglicht spezielle Effekte und das Makro-Objektiv müsste alles ganz groß abbilden können. Ich hatte vorab den Artikel hier mit vielen Wow-Bildern sowie diesen Test gelesen.

Gut fand ich, wie leicht die Linsen mit dem Clip auf dem Nexus 4-Smartphone anzubringen waren. Bei den ersten Aufnahmen kam schnell Ernüchterung auf – ich hatte Linsen kombiniert und so keine wirklich guten Ergebnisse erreicht. Aber das Nexus 4 hat auch keine wirklich gute Kamera – und Optik lässt sich nicht mit Voodoo überlisten. Bei der Makrofotografie habe ich schnell gehadert und meine Grenzen erreicht.

Statt super Makroaufnahmen lernte ich, dass ich zittrige Hände habe, ich bekam den Ausschnitt kaum scharf fokussiert. Dann fehlte wieder das Licht, die Makroaufnahme wurde zu dunkel.

Mickrige Smartphone-Linsen haben einfach nicht die optische Lichtleistung eines Spiegelreflex-Objektivs. Und einen Ringblitz am Objektiv für Makroaufnahmen hat man dort auch nicht.


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Das obige Makrofoto, mit dem Samsung Galaxy S4 aufgenommen, ging noch, war aber auch nicht zufriedenstellend. Die nachfolgenden Aufnahmen sind leider auch nicht wirklich scharf geworden.

Ich schiebe das aber auf meine Unfähigkeit und die Grenzen der Physik, den Linsen wird das weniger anzulasten sein. Für Makroaufnahmen würde ich eher eine gute Kamera mit Makroobjektiv, Ringblitz und Stativ bevorzugen – aber das liegt etwas abseits dessen, was der Smartphone-Besitzer will.

Beim Schreiben des Blog-Beitrags kam dann bei einem schnellen Testschuss doch spontan Begeisterung auf. Das obige Foto zeigt die Bücherwand in meinem Rücken, wo neben viel Selbstgeschriebenem so allerhand sonstiges verstaut ist. Mein Büro ist eine Müllhalde, sagt meine Frau, obwohl ich den Ausdruck kreatives Chaos in der Schreibstube des Autors bevorzuge. Und hier die gleiche Aufnahme mit der Weitwinkel-Vorsatzlinse.

Da ist die ganze Wand zu sehen – werden Makrolinse und Weitwinkelobjekt zusammen geschraubt, ergibt sich der Fischauge-Effekt aus nachfolgendem Foto.

Da muss man aber genau schauen, dass der Halteclip richtig auf die Kameralinse aufgesetzt wird, sonst gibt es Verzerrungen. Lange Rede, kurzer Sinn: Bei den Weitwinkelaufnahmen wurde mir der Vorteil des Vorsatzlinsen-Sets schon deutlich. Teleobjektiv-Vorsatzlinsen hatte das Set nicht.

Mein Fazit: Schlecht finde ich das Vorsatzlinsen-Set für Smartphones nicht. Das Ganze ist solide von der Mechanik und die Linsen wohl brauchbar. Für Makrofotografie sollte man aber nicht zu hohe Erwartungen hegen und eine gute Smartphone-Kamera sowie eine ruhige Hand besitzen. Mir sind beim Test keine wirklichen Wow-Makro-Fotos gelungen. Wer aber über Erfahrung verfügt und gerne experimentiert, dürfte wohl seinen Spaß mit diesem oder ähnlichen Vorsatzlinsen-Sets für Smartphones haben.


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6 Kommentare zu Kurztest: Somikon Vorsatzlinsen fürs Smartphone

  1. Horst sagt:

    Schöner Bericht.
    Für das kleine Geld, bieten diese Smartphone-Vorsatzlinsen ein akzeptables Ergebnis.

    Bei kleingedruckten Anleitungen scanne ich diese erst einmal ein, oder suche diese im Netz nach einer PDF.

  2. Ralph sagt:

    Du hast einen wichtigen Punkt in Deinem Fazit ausgelassen: Du brauchst einen größeren Schrank für Deine Bücher, mein Lieber 🙂

    • Günter Born sagt:

      Nö, das regelt sich biologisch. Habe ich die ersten 20 Jahre so gut 10 Bücher pro Jahr veröffentlicht, läuft nach dem Sportunfall nicht mehr viel (bin aktuell bei 2-3). Werde das auch nicht mehr so gaanz lange machen (Rente droht). Und ganz links ist noch Platz – da werfe ich schon mal alte Schinken zum Zilog Z80 Prozessor mit dessen Instruktionssatz (nicht von mir geschrieben) in den Altpapier-Container – und die links heraushängenden Buchmanuskripte könnten auch weg ;-).

      Ach ja, Frau lauert auch: Da den ganzen Mist könnte man doch wegwerfen (na ja, der Mist ist ein großer Teil meines Lebens) …
      aber dann hätten wir eine ganze Regalwand frei.

      • Martin Feuerstein sagt:

        Dann doch bitte dem Computermuseum der Wahl spenden… habe noch einen „Kellerfund“ E-Technik-Bücher (ca. 20kg) aus der DDR im Büro liegen… weiß nicht so recht wohin damit, kann damit selbst leider wenig anfangen – zum Wegschmeißen aber definitiv zu schade, da dort Schaltungen erklärt werden, die man auch mit den im Hausgebrauch zur Verfügung stehenden Mitteln selbst bauen kann.

  3. steinwasser sagt:

    zu hohe Erwartungen?
    kann man dabei gar nicht haben, dazu bedarf es schon einer richtigen Kamera – und nicht schmaatfon-Gedöns. 😉
    Sowas ist nett zB. für Knipserei und auch sehr brauchbar, aber aus physikalischen und optischen Gründen immer einer wirklichen (guten) Kamera meilenweit unterlegen, v.a. wenns ins diffizilere optische (WW, macro…) geht. Wird auch immer so bleiben. Weil, was nicht geht, kann man auch mit Soft nicht „schönrechnen“, ist Augenwischerei. 🙂

  4. loford sagt:

    „Mickrige Smartphone-Linsen haben einfach nicht die optische Lichtleistung eines Spiegelreflex-Objektivs.“ – Das ist nicht richtig. Das Objektiv des Samsung S5 Neo z.B. hat eine Lichtstärke von f1,9, typische DSLR-Makro-Objektive wie z.B. Tamron 2.8/90 oder Pentax 2,8/50 haben etwas weniger als die halbe Lichtstärke. Das gilt jedoch nur für die Unendlich-Einstellung, im Makrobereich sinkt die Lichtstärke der DSLR-Objektive durch den erforderlichen großen Auszug deutlich, während Smartphone-Objektive keinen relevanten Auszug haben und Objektivvorsätze i.d.R. kaum Licht schlucken. Dazu kommt, dass mit der Sensorgröße die Schärfentiefe sinkt, d.h. an einer APS-DSLR muss man im Makrobereich wenigstens auf f8 abblenden. Bei f8 kommt nur noch 1/16 der Lichtmenge am Sensor an, im Makrobereich durch den Auszug ca. 1/32, man braucht also eine 32-fach größere Helligkeit für etwa die gleiche Schärfentiefe wie mit dem Smartphone bei Offenblende, eben deshalb nimmt man in der Makrofotografie mit der DSLR Stativ und Einstellschlitten oder Ringblitz, sonst verwackelt man aufgrund der benötigten langen Belichtungszeit.

    Ein höchstwahrscheinlich baugleiches Set (sogar die Objektivkappen haben die gleiche Beschriftung wie in Ihren Bildern) gibt es übrigens gerade bei Rossmann für 10 €, da ist noch ein LED-Ringlicht dabei. Ich hab’s mir aus Neugier gekauft; ich habe Objektive, da kostet ein Ersatz-Objektivdeckel ein Mehrfaches. Das Fisheye ist, wie bei Ihrem Beispielfoto zu sehen und wie ich erwartet hatte, für die Tonne, aber der Weitwinkelvorsatz zusammen mit dem Ringlicht ist für Videos, bei denen Verzeichnungsfreiheit völlig irrelevant ist, ganz brauchbar und setzt vor allem die kürzeste Einstellentfernung herunter. Ich geb’s trotzdem zurück und nehme ein Aukey PL-WD05 o.ä. für den dreifachen Preis – ohne Ringlicht und Fisheye. Aber beim Aukey sind die Linsen vergütet (weniger Störungen durch Streulicht, höherer Kontrast etc.) und es verzeichnet nicht. You get what you pay for.

    BTW Sind die Wände Ihres Büros tatsächlich mintgrün oder ist der Weißabgleich des Nexus‘ so schlecht? 😉

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