Unter Windows 7 gebrannte Daten-CDs mit eingebautem Kompatibilitätsproblem?

In den Newsgroups zu Windows Vista bin ich bereits häufiger auf Nachfragen gestoßen, dass mit Bordmitteln gebrannte Daten-CDs sich nicht auf Rechnern unter Windows XP oder auf dem Mac lesen lassen. Meist haben wir das dann auf fehlerhafte Brenner, Laufwerke oder Rohlinge geschoben – zumal sich die Kompatibilitätsprobleme auf meinen Systemen nicht nachstellen ließen. Zwischenzeitlich bin ich unter Windows 7 rein zufällig auf eine Merkwürdigkeit gestoßen, die eine Erklärung für diversen Ärger mit "Selbstgebranntem" liefern könnte.


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Warum geht es genau?

Nun, unter Windows Vista oder Windows 7 lassen sich CDs und DVDs mit Bordmitteln recht einfach als Datenmedien brennen. Bei der Vorbereitung eines neuen Rohlings fragt Windows noch, ob dieser im Lifedateisystem oder im Mastered Modus (Windows Vista) zu formatieren ist. Unter Windows 7 wird das Lifedateisystem als "Wie ein Flashmedium" bezeichnet.

Aus meinen etwas älteren Insider-Titeln zu Nero (z. B. Nero 7 Premium Reloaded – Geheime Tricks. Nero 7 Premium Reloaded – Geheime Tricks) weiß ich noch, dass dahinter entweder ein UDF-Dateisystem (Lifedateisysstem) steckt oder der Datenträger im Multisession-Mode im ISO 9660-Format gebrannt wird.

Wo liegt das Problem?

Nun, eigentlich ist es kein richtiges Problem sondern eine Vorgabe der Microsoft-Entwickler, in welchem Mode die Datenmedien gebrannt werden. Ich bin nur durch Zufall darauf gestoßen, da ich momentan ziemlich viel mit virtuellen Maschinen arbeite und dort aus Komfortgründen häufig ISO-Dateien über CD-Laufwerke einbinde. Diese ISO-Dateien enthalten ein Abbild des Datenträgers im ISO 9660-Format. Anfertigen lassen sich solche ISO-Images über Programme wie ImgBurn. Ein Leserkontakt, dem ich auch die Verwendung dieses Tools zum Anfertigen von Images empfahl, lieferte die Rückmeldung, dass das Programm nix tauge und nicht funktioniere.

Da ich mit ImgBurn bereits mehrere ISO-Images (z. B. vom Windows 7 Installationsdatenträger) gezogen hatte, schien mir die Leserrückmeldung sehr unwahrscheinlich. Aber dann bin ich wieder einmal auf etwas erstaunliches gestoßen. Als ich versuchsweise einen unter Windows 7 erstellten Reparaturdatenträger testweise mit ImgBurn in eine ISO-Datei kopieren wollte, ging das nicht wie erwartet. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ImgBurn mir meldete, dass das Medium nicht ISO-kompatibel sei und der erste Track im ISO 9660 Mode 2 Form 1 vorliege. Beim Kopieren in eine .iso-Datei müssen die Datensätze daher in das Mode 1-Format umgewandelt werden. Mir war der Hintergrund sofort klar – da der Entwickler von ImgBurn aber ein Scherzbold ist, meldet sich das Programm in einem Dialogfeld, in dem eine Episode aus den Yedi-Rittern verhackstückt wird. So erkennt nicht jeder sofort des Pudels Kern.

Eine Analyse des Tracks mit IsoBuster bestätigt mir, dass Windows 7 offenbar die etwas eigenwillige Kodierung mit Mode 2 Form 1 benutzt (wobei ISO 9660 als Dateisystem angegeben wird). Analysen angefertiger Daten-CDs zeigten das gleiche Bild.


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Meine erste Reaktion war, dass das ziemlicher Unsinn ist, da ISO 9660 Mode 2 Form 1 eigentlich für Disks im Videobereich mit kombiniertem Daten- und Audio-/Videomaterial (fehlertolerante Speicherung von Informationen) genutzt wird. Eine Recherche zeigte mit aber, dass die Norm ISO 10149 Neuerungen mit sich brachte.

Der bei Multisession-Medien verwendete Mode CD-ROM/XA kennt auch zwei neue Formate für Multimedia-Anwendungen, die aber nicht mit dem ISO 10149 Mode 2 identisch sind. Der CD-ROM/XA Mode 2/Form 1 ist zwar prinzipiell für Datentracks zulässig, sollte aber aus Kompatibilitätsgründen vermieden werden. Der Mode CD-ROM/XA Mode 2/Form 2 sollte dagegen ausschließlich für Audio- und Videomedien (und niemals für Daten) verwendet werden.

Was hat das für Konsequenzen?

Im ersten Moment keine. Auf den zweiten Blick kann es aber an mehreren Stellen haken. Bei ImgBurn muss man aufpassen, dass beim Kopieren in eine ISO-Datei nicht automatisch auf das BIN-Format umgestellt wird. Die Dateinamenerweiterung lässt sich im ImgBurn-Dialogfeld explizit wählen. Bei .iso als Ziel muss man ImgBurn über die entsprechende Schaltfläche gestatten, die Mode2 Form1-Daten in eine ISO 9660-ISO-Struktur umzuwandeln. Bei anderen Programmen zum Anfertigen von ISO-Images wird das wohl automatisch passieren. Und beim Kopieren von CDs aus Presswerken, liegt üblicherweise das ISO 9660-Format bereits vor und ImgBurn arbeitet wie erwartet.

Die Verwendung des CD-ROM/XA Mode 2/Form 1 hat aber noch eine andere Komponente, die mir dann schlagartig klar wurde. Es wäre die logische Erklärung, warum manche Leute mit unter Windows Vista/Windows 7 gebrannten Datenmedien Probleme auf älteren Laufwerken und unter anderen Windows-Versionen haben. Unterstützen diese Laufwerke keinen CD-ROM/XA-Mode, kann der Datenträger nicht gelesen werden.

Anmerkung: Die Moral von der Geschicht? Ideal wäre es gewesen, wenn die Brennfunktion einen Singlesession-Modus angeboten hätte. Da viele Leute aber moderne optische Laufwerke und Brenner verwenden und auch auf Brennprogramme zurückgreifen, dürften die Kompatibilitätsprobleme selten auftreten. Falls mal jemand auf die Thematik stößt, wäre hier eine Erklärung zu finden.

Weiterführende Informationen:

[1] Gute Übersicht über CD-Standards (Inhalt der “farbigen” Bücher)
[2] CD-Recordable FAQ Kapitel 2
[3] Wikipedia-Artikel zu ISO 9660 (englisch)


Weitere Infos zu Windows 7 finden sich in meinen Windows 7-Tricks-Titeln.


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4 Responses to Unter Windows 7 gebrannte Daten-CDs mit eingebautem Kompatibilitätsproblem?

  1. Marc sagt:

    ich weiß nicht ob meine Erfahrung/”Problem” mit og in Verbindung zu bringen ist.
    Systemreparatur-Datenträger kann man in Win7 erstellen + wird gefragt ob man auf CD oder DVD brennen will. Da es sich hier um wenig Daten handelt, nahm ich eine CD. Der entsprechende Einsatz war jedoch nicht möglich, selbst bei mehrmaligen Versuch.
    Erst der Einsatz einer DVD brachte den gewünschten Erfolg, nämlich dass der PC von der DVD bootete.

    • Klaus sagt:

      Danke für die Hinweis. Inhaltlich kann ich dies so nicht bestätigen. Hier liegt eine normale CD-R auf meinem Schreibtisch, die als Systemdatenträger gebrannt wurde. Bootet einwandfrei (auch wenn ich eine englische Benutzeroberfläche erhalte). Wenn die CD nicht bei dir bootet, würde es bedeuten, dass das optische Laufwerk keine Multisession-CDs lesen könnte. Da ich postuliere, dass es sich um den Brenner handelt, mit dem die Rettungs-CD gebrannt wurde, wäre dies allerdings sehr merkwürdig. Testen könnte man dies, indem man die CD mit ImgBurn in eine ISO überführt und diese erneut unter Windows 7 auf eine CD brennt. Wenn das Medium dann bootet, hieße es Bingo – noch einen Schnitzer gefunden.

      Tipp: Es gibt einige Leute, die mit der Erstellung des Reperaturdatenträgers Probleme haben. Auf der Neosmart-Webseite können Sie Reparaturdatenträger für Windows Vista und Windows 7 als ISO herunterladen und auf CD brennen.

  2. Lukas sagt:

    Ich hab den Artikel oben jetzt wirklich nicht ganz verstanden^^ Das führt vermutlich auch sehr tief in die Materie. Fakt ist aber: ich habe das beschriebene Problem. Mit Windows gebrannte CDs kann ich auf älteren Windows Versionen und auf einigen DVD-Playern (die zwar Daten-Disks lesen können müssten) nicht nutzen. Ich wähle immer den Modus für abgeschlossene Medien, da ich diesen generell für kompatibler halte. Aus deinem Text schließe ich aber gegenteiliges? Ich soll den ersten Modus wählen?
    Naja, das Problem wird noch irritierender, insoweit ich seit kurzem ein alternatives brenn-Programm (CDBurnerXP) nutze, das Problem aber bestehen bleibt. Auf neuen PCs und auf einigen DVD-Playern (bisher allesamt von ALDI) funktionieren sie, bei den anderen geräten eben nicht…

    • Günter Born sagt:

      @Lukas: Deutet im ersten Schritt wohl eher auf Laufwerks-/Brennerprobleme hin. Auf meinen Blog-Beitrag und einen Foreneintrag bei MS Answers kamen keine Rückmeldungen. Wenn das im Beitrag beschriebene Problem bei dir relevant ist, würde das Einlesen des per Medion gebrannten DVD-Mediums mit ImageBurn samt Speichern in eine .iso-Datei helfen. Dann das Ganze in ImgBurn auf einen neuen Rohling brennen. Bei diesen Schritten wird die “exotische” Vorgabe für den Mode angepasst.

      Da Du von DVDs sprichst, nehme ich eh an, dass diese im UDF-Format vorliegen. Da trifft der oben genannte Fall imho eh nicht zu, da dort nicht das ISO 9660 Dateisystem verwendet wird – mag mich aber täuschen.

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