Obsoleszenz, das Surface RT und die Reparaturkosten

Manchmal liegen die Dinge in der Luft, die vordergründig nichts miteinander zu tun haben. In diesem Beitrag möchte ich den Bogen zwischen Microsoft Surface und dem Themenfeld der geplanten Obsoleszenz und “Kaufen für die Müllhalde” schlagen.


Anzeige

Unter geplanter Obsoleszenz versteht man in Geräten “eingebaute Schwachstellen”, die frühzeitig den Ersatz eines Geräts erfordern. Kostet 100 Milliarden Euro pro Jahr, wie dieser Bericht angibt. Unabhängig davon hatte ich hier im Blog ja bereits mehrfach (u.a. hier) auf dieses Problemfeld – z.B. in Form nicht reparierbarer Geräte, fehlender Ersatzteile oder nicht wechselbarer Akkus – hingewiesen. Gerade habe ich hier noch den Artikel von heise.de mit dem Titel “Aufstand gegen geplante Obsoleszenz” gelesen. Es wird dabei das im Auftrag der Grünen erstellte Gutachten zur geplanten Obsoleszenz thematisiert. Derivat: Wir werden uns zukünftig umbesinnen müssen, wenn wir als Gesellschaft umweltmäßig nachhaltiger agieren und als Verbraucher nicht ständig über den Tisch gezogen werden wollen.

Und wie kommen wir zum Microsoft Surface?

Tablet PCs sind “in” und ein gutes Geschäftsfeld – zumindest für Apple und ggf. noch für Samsung. Mit dem Surface RT und Surface Pro wollte Microsoft da ebenfalls punkten. Kunden kann man nur raten “Finger weg” von diesem Teil. Im Artikel Surface Pro Teardown und Windows für Geräte hatte ich darüber berichtet, dass iFixit für das Surface Pro ein teardown (also eine Demontage) durchgeführt haben. Ziel ist es, die Einzelteile zu begutachten. Nebeneffekt: Man lernt auch etwas über die Reparierbarkeit der Geräte. Und für das Surface Pro hat man den “Reparierbarkeitsindex” mit 1 angegeben, die schlechteste mögliche Einstufung in einer Skala von 10 möglichen Punkten – sprich so schlecht oder noch schlechter als die iPads – und genau so schlecht wie das HTC One. Wäre also das erste “Finger weg” Indiz zum Thema.

Nun lese ich hier bei Dr. Windows, dass eine Reparatur des Microsoft Surface RT pauschal 303 Euro kosten soll. Man hat in Deutschland 24 Monate gesetzliche Gewährleistung über den Händler. In den USA gelten nur 12 Monate Gewährleistung. Dort wird eine Verlängerung der Frist unter dem Namen Microsoft Complete für 99 US $ für 12 Monate angeboten.


(Quelle: Microsoft)

Geht das Surface RT kaputt und sind die 6 Monate Gewährleistung abgelaufen – in der der Hersteller nachweisen muss, dass ein Mangel vorliegt – segelt man als Kunde schon in tückischen Gewässern. Nur wenn nach den 6 Monaten glasklar ist, dass ein Produktmangel vorliegt, wird Microsoft die Reparatur übernehmen. In Zweifelsfällen, oder wenn jemand ein Malheur passiert ist, will Microsoft eine Service-Pauschale von 303,45 Euro erheben. Egal, was da zu reparieren ist. Martin Geuß berichtet im Artikel sogar, dass ein Anwender beim Kundendienst nach den Kosten für einen Akku-Tausch außerhalb der Garantiezeit gefragt habe. Die Antwort: der Akku-Tausch außerhalb der Gewährleistungszeit schlägt sogar mit 469,99 US Dollar zu Buche – man bekommt dann ein generalüberholtes Surface Pro zum Austausch. Zum Vergleich: der Akku-Wechsel beim iPad kostet pauschal 99 Euro – auch kein Freundschaftspreis, aber im Vergleich zum Microsoft Surface echt ein Schnäppchen. Zweiter “Finger weg”-Punkt.

Wenn es bis jetzt noch Zweifel gab: Wer sich angesichts dieses Sachverhalts noch ein Surface RT oder Surface Pro zulegt, ist entweder mit dem Klammerbeutel gepudert, hat zu viel Geld (bzw. zahlt wohl zu wenig Steuern) oder dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

Ähnliche Artikel:
a: Kaufen für die Müllhalde: Stoppt endlich Apple!
b: Stirbt Windows RT einen frühen Tod?
c: Surface Pro Teardown und Windows für Geräte
d: Geplante Obsoleszenz die 2. – FujiFilm-Kameras
e: HTC One: Unreparierbar und schlaffer Akku


Anzeige

Links:
1: Murks nein danke: Obsoleszenz
2: Heise-Artikel zum Thema
3: Surface RT: Reparatur kostet pauschal 303 Euro


Anzeige
Dieser Beitrag wurde unter Surface abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Obsoleszenz, das Surface RT und die Reparaturkosten


  1. Anzeige
  2. Roland.B sagt:

    [Als Spam markiert von Antispam Bee | Spamgrund: Server IP]
    Wo führt das noch hin?
    Das ist doch der reinste Konsumterror!
    Da werden die Kunden systematisch über den Tisch gezogen, und die dabei entstandene Reibungshitze noch als Nestwärme verkauft.

    Hier wäre doch mal ein Tätigkeitsfeld für Grüne, Green Peace u. Co. Anstatt uns mit Kohlekraftwerk-Pseudo-Todesopfer-Statistiken zu manipulieren könnten sich solche Institutionen doch mal mit den großen Konzernen anlegen. Aber leider ist Agieren schwieriger als polemisieren.
    Auch an diesem Problem können mal wieder nur die Verbraucher selbst mittels Kaufverhalten etwas ändern.
    Deshalb hier mein Aufruf:

    VERBRAUCHER ALLER LÄNDER WEHRT EUCH!!!

    Roland.B

    • Günter Born sagt:

      Zum Tätigkeitsfeld für Grüne, Greenpeace & Co: Lies diesen Blog-Beitrag und diesen Artikel.

      Meine EU-Beschwerde wegen Verstoss die EU-Batterrierichtlinie 2006/66/EG” wurde zwar abgebügelt (weil kein Verstoß festgestellt wurde und die Richtlinie Akkuwechsel mittels Brechstange zulässt). Aber im März habe ich, nach Aufforderung, einige Anregungen für zukünftige Gestaltung von Mobilgeräten – auch im Hinblick auf Akku-Wechsel durch den Verbraucher – an die Europäische Union, Generaldirektion Umwelt, Direkction C – Nachhaltiges Management von Ressourcen, Industrie & Luft – ENV.C.2 – Abfallwirtschaft – gesandt. Gerade heute habe ich die Rückmeldung bekommen, dass die “Anregungen” im Hinblick auf Fitniss-Checks zu bestimmten Abfallströmen (siehe) im Auge behalten würden. Wenn da mehr Verbraucher aktiv gegenüber der EU-Kommission werden – und auch lokale und EU-Politiker anschreiben, bewegt sich irgendwann was.

      Aber man braucht nur heise.de zu besuchen und in den Foren zu Artikeln über Obsoleszenz mitzulesen, um mitzubekommen, wie ein Teil unserer Zeitgenossen – vorwiegend männlich, Alter < 40, hormongesteuert und allwissen - so tickt. Oft nur noch peinlich.

  3. Benschi sagt:

    Hei mein Display ist gesprungen weil mit das tablet von 50 cm runtergefallen ist ich wohne in Österreich und hab es im Saturn gekauft , meine frage ich hab eine normale Garantie für 2 Jahre , kann ich es zur einer gratis Repertoire bringen oder kostet die reperatur etwas wenn sie was kostet wie viel.
    Würde mich über eine Antwort sehr freuen

    Lg benschi

  4. Anzeige

  5. Günter Born sagt:

    Ein gesprungenes Display wird nicht durch die Garantie abgedeckt. Was es kostet, kann nur Microsoft bzw. deren Wartungspartner sagen. Martin Geuß von Dr. Windows hat hier was zu geschrieben. Die Reparatur dürfte demnach mindestens die Service Pauschale von 303,45 Euro kosten. Aber schau mal diesen Beitrag an, vielleicht kannst Du noch 10 Euro durch einen Online-Reparaturantrag sparen.

    Hoffe, es hilft dir weiter.

  6. Verena sagt:

    “Wer sich ein Surface RT zulegt, hat zu viel Geld” ?!??
    Ich finde nicht, dass man bei 300 € für einen fast vollwertigen PC mit grandioser Akkulaufzeit und 1A Support meckern kann.
    Dass Apple im Vergleich dazu so “günstig” sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Gerade da bezahlt man doch mindestens 200€ allein für den Apfel auf dem Rücken des entsprechenden Geräts.

    Wie gesagt, ich halte nicht viel von diesem Artikel.
    Objektivität ist wohl etwas anderes.

  7. Günter Born sagt:

    @Verena: Deine persönliche Meinung bleibt dir unbenommen – und mit dem “Klammerbeutel” wollte ich dir auch nicht auf die Füße gestiegen sein.

    Im Text konnte ich auch nicht erkennen, irgendwo soufliert zu haben, dass Apple günstig sei (lies ggf. meine Blog-Beiträge zum iPad, falls der Eindruck eines Apple Fanboys entstanden sein sollte). Dass die Service-Pauschale von Apple für’s iPad günstiger ist als die von Microsoft für’s Surface, liegt beim Zahlenvergleich wohl auf der Hand …

    Kernaussage meines Blog-Beitrages, in dem es um Obseleszenz ging, war, dass das Surface RT und Pro so gut wie unreparierbar ist. Wenn jemand dort der ex und hopp-Mentalität verbunden ist, mag das angehen. Ich vertrete aber die Meinung, dass man sich da schon Gedanken machen sollte. Wenn alle Kunden das vorher bedenken, würden die Hersteller sehr schnell umschwenken.

    Von daher sind deine zwei letzten Zeilen dir gerne gegönnt – allerdings kann ich sie an Hand des Artikelinhalts nicht ganz nachvollziehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.