Top 3 der Hardware-Defekte am Windows-PC lösen

Wenn der Rechner nicht mehr will und richtig muckt, ist guter Rat teuer. Neben Softwarefehlern können auch Hardware-Defekte zu bösen Problemen und Bluescreens führen. Im Artikel werfe ich einen kurzen Blick auf die Problemzonen und gebe einen allgemeinen Überblick, was man tun kann.


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In der Regel sind es Software-Fehler oder Defekte im Betriebssystem, die einen PC und dessen Nutzer aus der Fassung bringen. Gerade hat es mich selbst böse getroffen – eine Festplatte machte die Grätsche – Nachts noch mit dem System gearbeitet, normal heruntergefahren und am Morgen wurde ich beim Starten mit einem fetten BlueScreen begrüßt.

Der Hinweis UNMOUNTABLE_BOOT_VOLUME und der Stopp-Code 0x000000ed klingt nicht nur übel, sondern ist es auch. Über die genaue Ursache und wie ich dem Problem recht schnell auf die Spur gekommen bin, werde ich noch separat berichten. Heute geht es mehr um allgemeinere Fragen zu Hardware-Problemen. Und da passt es wie die Faust auf’s Auge, dass mir die Tage zufällig eine Anleitung von IT Sentinel zur Verfügung gestellt wurde, die ich hier veröffentlichen darf. Ich habe die Anleitung gegenüber der Originalfassung aber angepasst bzw. überarbeitet.

Defekte selbst diagnostizieren und beheben

Mit etwas Fachwissen ist es möglich, die meisten Fehler und Defekte des Systems auszumerzen. Hier im Blog geht es ja in zahlreichen Artikeln diesbezüglich so richtig zur Sache (wobei ich Hardwaredefekte weitgehend ausklammere – von daher passt der Artikel ganz gut). Kommt man bei der Diagnose und Fehlerbehebung nicht weiter, helfen praktische Technik-Guides und Anleitungen im Netz weiter.

Bezüglich Softwareproblemen gilt: Mittlerweile sind die meisten Programme und Software-Kompositionen so aufgebaut, dass sie auch ohne Programmierkenntnisse zurückgesetzt, deinstalliert oder neu-aufgespielt werden können, ohne dass man dabei größeren Schaden am restlichen PC anrichten kann. Bleibt der Monitor aber nach dem Starten komplett schwarz, fährt der PC kommentarlos herunter oder verabschiedet sich mit einem sogenannten Bluescreen, sind es oftmals Hardwaredefekte, die das Problem auslösen. Zum Thema “Bildschirm nach dem Starten schwarz” gibt es mehrere Artikel im Blog (notfalls die Suche verwenden)

Bluescreen auslesen und auswerten

Sofern sich das System mit dem sogenannten Bluescreen verabschiedet, hat man möglicherweise Glück im Unglück. Mit etwas Glück zeigt Windows genau an, woran es aktuell mangelt und weshalb das System heruntergefahren wurde. Um eine solche Bluescreen-Meldung sinnvoll auswerten zu können, müssen ein paar Punkte beachtet werden:

1. Bluescreen aufmerksam lesen: Direkt in der zweiten Zeile wird nach dem Einleitungssatz „A Problem has been detecteted and Windows has been shutdown to prevent damage to your computer.“ (siehe obiges Foto) das Problem genannt, meist in einer eher kryptischen Schreibweise. Notieren Sie sich diesen Begriff!

2. Googeln Sie den Begriff „Bluescreen + den eben notierten Begriff“. In der Regel lässt sich so schon aus den ersten Ergebnissen erkennen, ob es sich um Festplatte, Arbeitsspeicher oder andere Elemente handelt.


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3. Ist klar ersichtlich, um welches Hardwareelement es sich handelt, tauschen Sie dieses aus. Dafür benötigen Sie ein voll funktionstüchtiges Ersatzmodell.

Bei dem von mir Eingangs erwähnten Bluescreen war schnell klar, dass es etwas mit einer sterbenden Festplatte oder einem SATA-Controller zu tun haben muss. Hier konnte ich mit der Diagnose ansetzen und die Festplatte als Ursache identifizieren. Wer vor dem Problem steht, dass der BlueScreen zu schnell verschwindet, weil das System neu bootet – oder weil er nicht dabei war, als das System mit Bluescreen ausgefallen ist, hat weitere Diagnosemöglichkeiten. Hier möchte ich auf meine Artikelreihe zur BlueScreen-Analyse im Blog verweisen, die das ganze Thema vom Einstieg bis zur Auswertung von Memory-Dumps beleuchtet.

Totalausfall – nichts geht mehr!

Aber was tun, wenn der PC sich komplett ohne diese Info verabschiedet und nicht mehr auf den Power-Button reagiert? Als erstes empfehle ich, sich Gedanken um die Datensicherung zu machen. Beim oben skizzierten Festplattenausfall hatte ich zwar ein Systembackup und auch einige Dateien gesichert – aber nicht alles. Ergo habe ich als erstes versucht, zu retten, was zu retten war. Also System mit Windows PE booten und Daten auf einem USB-Medium (ich hatte eine zweite Festplatte) sichern. Wenn die Hardware streikt und man auch unter Windows PE nicht mehr booten kann, weil beispielsweise der Arbeitsspeicher oder die CPU streikt, ist guter Rat teuer. In diesem Fall bleibt nur, sich in detektivischer Kleinarbeit auf die Suche nach dem Defekt machen. Die Möglichkeiten eines Hardwaredefekts sind zwar extrem vielfältig, es gibt aber ein paar Spitzenreiter, die so immer wieder auftauchen. Zu den Top 3 zählen:

Netzteil-Defekt:

Auftreten: PC startet und reagiert gar nicht mehr

1. Wichtig: Ziehen Sie als erstes das Netzkabel, so dass der Rechner stromlos ist.

2. Öffnen Sie das Gehäuse des PCs an der Rückseite und überprüfen Sie, ob die Steckverbindungen des Power- und des Reset-Buttons fest auf dem Motherboard stecken.

Anschließend kann man testen, ob der Rechner nach Herstellen der Netzwerkverbindung wieder hochfährt. Tut sich nichts, können ambitionierte Bastler noch testen, ob die Erkennung der Einschalttaste defekt ist.

1. Ziehen Sie die Steckverbindung des Power-Buttons vom Motherboard ab.

2. Überbrücken Sie die beiden freiliegenden Metallstifte kurz mit einer Krokodilklemme oder einem Schraubenzieher.

Dies sollte aber nur von erfahreneren Nutzern ausprobiert werden. Der PC sollte jetzt hochfahren. Tut er dies nicht, ist davon auszugehen, dass das Netzteil einen Defekt hat. Tauschen Sie (bei entsprechender Erfahrung) das defekte Netzteil aus, oder lassen Sie das System in einer Fachwerkstatt reparieren.

Festplatten-Defekt:

Auftreten: PC stoppt während dem Hochfahren und meldet, dass kein Datenträger installiert sei; der PC fährt mit entsprechender Bluescreen Meldung herunter

1. Besorgen sie eine neue Festplatte und laden Sie beispielsweise die Software Clonezilla herunter. Mit dieser erstellen sie einen 1:1 Klon ihrer alten Festplatte.

2. Tauschen Sie die alte Festplatte gegen die neue aus und fahren Sie den PC hoch. Hat das Klonen funktioniert, können Sie mit ihrem bekannten System weiterarbeiten.

Sollte dies aufgrund des Defekts nicht mehr möglich sein, und lässt sich das System nicht mehr auf die neue Festplatte clonen, muss das gesamte System, inklusive aller Treiber neuinstalliert werden. Das kostet Zeit und Nerven. Alternativ liest man ein Backup mit einer Systemabbildsicherung ein. Dieses Szenario habe ich bei meinem Festplattenausfall verwendet, da ein 1:1-Kopieren nicht möglich gewesen wäre.

Arbeitsspeicher-Defekt:

Auftreten: Bluescreen Meldung; PC fährt gar nicht hoch; PC bleibt beim Hochfahren hängen

1. Einer der häufigsten Hardwaredefekte sind Defekte am Arbeitsspeicher. Da hier meistens mehrere Riegel verbaut sind, ist auch die Fehlersuche aufwendiger. Bauen Sie alle Riegel bis auf einen aus und versuchen sie den PC neu zu starten. Klappt das problemlos und treten keine Probleme auf dann haben Sie den defekten Riegel bereits entdeckt. Ist dem nicht der Fall, wiederholen Sie den Schritt mit jedem einzelnen Riegel.

2. Alternativ können Sie den Speicher auch über das Programm Memtest überprüfen. Das setzt aber voraus, dass der PC zumindest kurzzeitig noch hochfährt und läuft oder ein Zweit-PC zur Verfügung steht.

Die Windows-Speicherdiagnose lässt sich z.B. aufrufen, indem Sie im Windows 7-Startmenü oder in der Windows 8/8.1-Startseite “Speich” eintippen und dann die Windows-Speicherdiagnose anwählen. Windows startet im Windows PE-Modus und stellt Funktionen zum Speichertest bereit.

Prozessor-, Grafikkarte– und Motherboard-Defekt:

Selbstverständlich können neben den bereits genannten Komponenten auch noch die restlichen Hardware-Elemente des Systems beschädigt sein. Zu den häufigsten Problemen zählen hier Prozessor- und Motherboard-Defekte. Tritt ein Prozessor-Defekt auf, gibt es keine Alternative, als diesen gegen ein neues Modell auszutauschen. Tritt der Defekt am Mainboard auf, muss dieses ausgetauscht werden. Oftmals entwickelt sich durch ein defektes Mainboard auch ein Defekt am Prozessor. Im schlimmsten Fall müssen bei einem Mainboard-Defekt direkt beide Elemente getauscht werden. Grafikkarten lassen sich problemlos austauschen, man ist nicht verpflichtet, dasselbe Modell noch mal einzubauen und kann so beim Ersatz-Austausch sinnvoll aufrüsten.

Wichtig: Bitte beachten Sie, dass wenn Sie eine defekte Komponente wie Mainboard oder Prozessor gegen ein nicht baugleiches Modell austauschen, das gesamte System neu zu installieren ist. Beim Austausch von Grafikkarten, Speicherriegeln, Festplatten oder Netzteilen ist dies nicht der Fall!

Ein im Blog-Beitrag nicht behandeltes Thema ist die Problematik, dass bei Systemen ab Windows 8 die Lizenzschlüssel in den ACPI-Tabellen des BIOS/UEFI abgelegt sind. Beim Mainboard-Wechsel geht diese Information verloren und Windows lässt sich nicht mehr aktivieren. Hier ist man auf den Support der PC-Hersteller angewiesen, die entsprechende Mainboards mit Aktivierungsschlüsseln bereitstellen.

Ersatzteile, Zweit-PC und externe Hilfe

Gerade bei Hardware-Reparaturen macht es Sinn, einen Zweit-PC zu besitzen. Dabei kann es sich um ein bereits ausrangiertes älteres Modell handeln, das aber noch reibungslos funktioniert. Im Idealfall kann man dann in diesem System einzelne Bauteile des defekten PCs einsetzen und dort auf Funktionalität überprüfen.

Bezüglich der Ersatzteile ist das so eine Sache. Kaum ein Nutzer wird sich aktuelle PC-Bauteile direkt doppelt kaufen, um einem Defekt vorzubeugen. Auch hier empfehlen wir einen ausrangierten PC aufzuheben und dessen Bauteile als Ersatzteillager zu nutzen.

Kommt man partout nicht weiter und kann den Defekt nicht lokalisieren, hilft nur noch, sich direkt an einen versierten Experten wie die eingangs erwähnte Sentinel-IT aus Hamburg zu wenden. Das Hamburger Unternehmen ist einer von vielen Anbietern und oftmals die letzte Möglichkeit, wenn man selbst mit seinem Latein am Ende ist.

Tipp: Hat man den Defekt lokalisiert und das Bauteil ausgetauscht, ist von Interesse, wie es zu dem Defekt kam. Häufigste Ursache sind Alterserscheinungen der Bauteile. Gegen diese kann man leider nur wenig ausrichten. Dennoch sollte man zum Beispiel bei einem Festplattendefekt überprüfen, welche Temperaturen um die Platte herum entstehen. Übermäßige Hitzeentwicklung und Staubverschmutzungen verkürzen die Lebenszeit der Teile enorm! Das gilt auch für die restlichen Bauteile. Abhilfe schaffen hier passende Kühlsysteme und regelmäßige Innenraum-Reinigungen.


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