Neues zum Windows 10-“Zwangs-Upgrade” …

Noch ein kleiner Infosplitter zum Thema Windows 10 und dem von Microsoft forcierten “Zwangs-Upgrade” für Windows 7 SP1- und Windows 8.1-Nutzer. Es gibt nun einen Einblick, wie das Microsoft Management so denkt.


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Hintergrund: Mary Foley und Paul Thurrott haben am 23. Dezember 2015 ein Windows Weekly mit Microsofts Marketing-Chef Chris Capossela durchgeführt/aufgezeichnet. Das Ganze ist in englisch und etwas dröge anzusehen – ich bin nicht so ein Freund langatmiger Videos (fast 2 Stunden). US-Medien wie z.B. neowin.net habe es dankenswerter weise übernommen, die relevanten Passagen rauszuziehen und zu transkribieren. In diesem neowin.net-Artikel finden sich einige Aussagen. Im Web ist mir nur die Aufregung um das “Surface Phone” unter die Augen gekommen.

Was das MS-Management denkt …

Interessanter sind aber für mich die Aussagen von Capossela – im Abschnittt “Windows 10 Upgrade Push(iness)” des neowin.net-Artikels nachzulesen. Ab ca. Minute 27.00 geht es um Windows 10. Zitat (laut neowin.net):

“really trying to push people to get to Windows 10… we’re going to keep at it,” … “it’s hard to move anyone to a new model without angering some people.” …

Übersetzt: Microsoft setzt alles daran, die Leute auf Windows 10 zu zwingen (man möchte die Fragmentierung beenden) – und Microsoft ist es egal, ob man dabei Leute vergrätzt (meine freie Interpretation – obwohl ich fairerweise sagen muss, dass Capossela im Interview davon spricht, ‘dass man für Maschinen, die Windows 10 können, eine Art Mittelweg finden wolle, um die Nutzer darauf upzugraden’ – er spricht von “right balance”). Dabei wird die Aussage vom “better place” (Windows 10) benutzt.

“We do feel a responsibility to get people to a much better place. … We do worry when people are running an operating system that’s 10 years old, that the next printer they buy isn’t going to work well… or [they get] Fallout 4 and it doesn’t work on a bunch of older machines.”

Wenn ja alles mit Windows 10 klappen (und einiges im Sinne Kundenfreundlichkeit geändert) würde, könnte man ja über einen Wechsel nachdenken. Aber so fluten die Leute hilfesuchend die Foren, weil Microsoft es bei Windows 10 Updates häufig nicht gebacken bekommt. Ab Minute 33 geht es übrigens um die Benutzerdaten und deren Schutz. Was Microsoft denkt, lässt sich auch in folgenden (von neowin.net transkribierten) Aussagen festmachen:

We’re willing to put up with some level of discomfort if we feel like we’re getting more and more people to a safer, better operating system that’s frankly better for everyone in the ecosystem… it’s better for Intel, Dell, HP… our customers.

Nur mal langsam zum Mitschreiben: Da hat Microsoft irgendwann eine Software Windows 7 verkauft, mit der Garantie, bis Januar 2020 Support und Updates zu liefern. Und jetzt versucht Microsoft die Kunden, die – aus vielfältigen Gründen – auf Windows 7 oder Windows 8.1 bleiben wollen oder müssen, mit eigenen Methoden (als Discomfort umschrieben) zum Wechsel zu zwingen. Dabei hängt Microsoft den Vorstellungen nach, dass Konsumenten ihre Rechner wie ein Mobilgerät aktualisieren sollten. Und von neowin.net wird er zitiert, dass die obere Führungsriege bei Microsoft in diese Entscheidungen einbezogen sei.

Satya Nadella and the senior leadership team are intimately involved in influencing the upgrade screens and language presented to users of Windows 7 and 8, providing direct feedback to designers for what is clearly a strategically important experience for Microsoft.

Ich hatte es bereits erwähnt: Wenn ich ein Mobilgerät habe, welches bei jedem Update die Grätsche macht, wird es Zeit, den Hersteller zu wechseln. Ich weiß nicht, wie es euch geht – aber mit diesem Interview (wenn das offizielle Microsoft-Position ist – und daran kann man schwerlich zweifeln), hinterlässt dies –in meinen Augen – einen äußerst schalen Geschmack. Als verlässlicher Partner im Bereich geschäftlicher Lösungen hat sich Microsoft imho rausgeschossen.

Ach noch was: Die Diskussion, dass Windows 10 Enterprise LTSB-SKUs ja anders gehandhabt werden (siehe z.B. diesen heise.de-Artikel), zieht hier übrigens nicht. Der kleine Gewerbetreibende, Freiberufler, Handwerker, Arzt, Notar etc. mit einigen PCs hat eben keinen Volumenlizenzvertrag, kann also maximal auf Windows 10 Pro setzen. Aber möglicherweise interpretiere ich das mal wieder zu eng.

Noch eine Anmerkung: Ich hatte eingangs erwähnt, dass ich nicht so ein Freund überlanger Videos bin. Hört man in die Session rein, klingt vieles harmlos und einlullend. Da ich den Sprech von Capossela nicht mehrfach abhören wollte, habe ich mich auf die Mitschriften von neowin.net bezogen – im Vertrauen darauf, dass diese korrekt sind. Ihr könnt ja bei Bedarf das Video (zur eigenen Meinungsbildung) selbst abhören.

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21 Responses to Neues zum Windows 10-“Zwangs-Upgrade” …

  1. Eike Justus sagt:

    Diese Ignoranz gegenüber dem Kunden-Wohlbefinden ist eine Frechheit! Bislang war ich mit meinen W10-Systemen (3 von 4, plus 8 betreute im Bekanntenkreis) mit zum Glück nur geringen Geburtswehen immer positiv eingestellt. Was aber diese Informationen in mir anrichten, schmerzt sehr.
    Ich bin versucht, meine Kooperationsbereitschaft in das Gegenteil zu verkehren, sprich
    – aus dem einen Insiderprogramm auszusteigen,
    – wo es geht, Steine in den Weg zu legen, und
    – weiteren Ratsuchenden keinen Umstieg mehr zu empfehlen.

  2. Paule21 sagt:

    Aber jetzt sind wir doch mal ehrlich, wirklich überraschend kommen diese Aussagen ja nicht und welchen Weg Microsoft seit einigen Jahren bereits eingeschlagen hat, ist für jeden zu sehen und zu verstehen. Satya Nadella trägt für diese Entwicklung die Verantwortung, vieles wird auf seine Anweisungen hin umgesetzt. Solange also Nadella die Zügel in der Hand hält, wird Microsoft diesen Weg nicht verlassen sondern kosequent weiter verfolgen. Wir, die normalen Endanwender sind für Microsoft bedeutungslos, wir bekommen was hingeklatscht und sollen und dafür bedanken. Unsere Probleme nimmt Microsoft nicht ernst, auch wenn sie immer wieder so tun, als wenn unsere Meinung in die Windows-Entwicklung hineinspielen würde.

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  4. KB sagt:

    Microsoft war ja noch nie dafür bekannt, dass es sich für Kundenwünsche interessiert, aber so langsam reicht es.
    Mein Windows 7 läuft einwandfrei und nach dem Motto “Never change a running System” wäre es Kamikaze in ein völlig unausgereiftes W10 zu wechseln.
    Sicherheitsaspekte von MS sind ja lachhaft, denn Windows war seit Erscheinen der ersten Version noch nie sicher.
    Ich hoffe, wir können den Zwangsmaßnahmen noch lange genug Paroli bieten, dank der Hilfe von diesem Blog.

    • André sagt:

      einfach den Wert bei DisableOSUpgrade unter HKLM\SOFTWARE\Policies\Microsoft\Windows\WindowsUpdate auf 1 setzen, nicht mehr den Defender nutzen und niemals das Update KB3035583 installieren. Schon ist man von der Win10 Update- Malware befreit.

      • ThoBo sagt:

        Oder, wenn man die Faxen richtig dicke hat, wie ich:
        auf PC & Laptop im Win 7 die Netzwerkkarte deaktivieren.
        Im täglichen Gebrauch >> nur noch Ubuntu.

      • Sam sagt:

        “nicht mehr den Defender nutzen”?? Könntest du mir das mal erklären bitte. Bei mir läuft der nämlich noch. Inwieweit besteht denn hier auch eine Gefahr?

  5. Nobody sagt:

    Es bleibt spannend.
    Konsequenterweise müsste als nächstes die Ankündigung kommen, dass der Windows 7 Support erheblich eher als geplant beendet wird.

    • sandy sagt:

      Das wäre allerdings echt das Letzte! Nicht jeder Rechner ist für den Umstieg geeignet, und es kann echt nicht sein, dass man wegen dieses Zwangs letztlich ein kaputtes Gerät hat! Microsoft gibt mir sicher kein Geld für ein Neues!

      Ich dachte, gegen das Zwangsupdate würde mittlerweile gegen Microsoft vorgegangen?! War das doch nur ein Gerücht, und die setzen jetzt tatsächlich mit Gewalt ihren penetranten Willen durch?

  6. Pingback: Anonymous

  7. Blupp sagt:

    Wie wär es denn, analog zur Browserwahl die es seit 2009 gab, mit einer OS-Auswahl vor dem Zwangsupgrade? Microsoft scheint ein gewisser Nutzerschwund ja egal zu sein, dann könnten sie diesen Service doch anbieten.

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  9. anthropos sagt:

    Ich bin mit allen Rechnern inzwischen gewechselt, sogar mein Iconia läuft mittlerweile besser, wenn auch nicht ohne Macken, was aber unter Windows 8.1 ebenfalls der Fall war.
    Die Einstellung von Microsoft kommt nicht überraschend, alles hat darauf hingedeutet; sie wollen alten Ballast abwerfen und wer sich daran klammert, wird irgendwann mitfliegen.

    Ich leiste allerdings keinen Widerstand nur um des Widerstands willen, das endet in einem Kampf gegen Windmühlen. Insofern kann ich mich nicht beklagen, wie Windows 10 sich weiterentwickelt hat und ein Blick in Foren zeigt, dass es schon immer viele Fehler und Probleme in Windows gegeben hat, da ist Windows 10 nicht das erste Windows, das Forum um Forum geflutet hat mit Fehlermeldungen.

  10. Johnny Thunder sagt:

    Am besten hat mir ja die Druckeransage gefallen.
    “We do feel a responsibility to get people to a much better place. … We do worry when people are running an operating system that’s 10 years old, that the next printer they buy isn’t going to work well… or [they get] Fallout 4 and it doesn’t work on a bunch of older machines.”

    Die Leute sollen doch kein instabiles altes Schrottsystem (Windows 7) nutzen.
    Dabei sind gerade bei Windows 10 meist noch gar keine Treiber verfügbar und es kommt zu Problemen, während unter den Vorgängerversionen alles passt.

    Da lügt sich die Führungsetage also entweder in die Tasche oder hat mal wieder keine Ahnung wie es in der Praxis aussieht.

    • André sagt:

      das hat das Management nie. Die reden sich ihre ausgedachten PR Phrasen so lange ein bis sie es glauben (siehe Sinofsky mit dem Win8 PR Gebrabbel und Lügen um ihren Murks zu erklären).

  11. christian sagt:

    Ich habe mir mit einem Script geholfen und welches mittlerweile massenhaft Verbreitung im Verwandten-, Berufs-, Bekannten- und Freundeskreis gefunden hat. Das Original stammt von Butsch.ch. Es deinstalliert automatisch alle Tracking- und Zwangsupdates und blendet sie anschließend aus. Außerdem werden einige Registry-Werte gesetzt welche verhindern sollen, dass ein Win10 Upgrade vorgeschlagen wird und den Haken unter ‘Empfohlene Updates auf die gleiche Weise wie wichtige Updates bereitstellen’ ‘ entfernt, sodass zukünftig ähnliche Updates nicht aus Versehen doch installiert werden. Das Script selbst beinhaltet alle unerwünschten Updates für Win7 und Win8/Win8.1.

    Außerdem habe ich die Scripte erweitert, sodass bereits zu Beginn per Weiche geprüft wird welches OS installiert ist. Das spart einige Zeit bei der Installation bzw. beim Prüfen ob entsprechende Updates installiert sind. Außerdem werden die Trackingdienste auf dem entsprechenden Rechner deaktiviert und ebenfalls per Batch in die hosts-Datei einige dutzend Trackingdomains von Microsoft geschrieben die gegen 0.0.0.0 laufen bzw. prüfen ob die Einträge bereits existieren und falls nicht, diese dann nachtragen – für diejenigen im Bekanntenkreis die schlecht zu konfigurierende Router oder keinen Firewall haben.

    Die Liste ist in den letzten Monaten ziemlich gewachsen. Vorbereitungstools für zukünftige Upgrades, Verbesserungen zur Prüfung von Upgradfähigkeiten des Rechners, Verbesserungen im Tracking. Zu einigen davon gibt es keine klare Aussage seitens Microsoft bzw. nur schwammige, nichts sagende Formulierungen…

    KB2952664
    KB2976978
    KB2977759
    KB2990214
    KB3021917
    KB3022345
    KB3035583
    KB3044374
    KB3046480
    KB3050265
    KB3050267
    KB3058168
    KB3064683
    KB3065987
    KB3065988
    KB3068708
    KB3072318
    KB3075249
    KB3075851
    KB3075853
    KB3080149
    KB3083324
    KB3083325
    KB3083710
    KB3083711
    KB3112343
    KB3112336

    Bei Interesse, kann ich die Scripte gerne (hier) bereitstellen.

    • Günter Born sagt:

      Danke, hab dir gerade eine Mail zukommen lassen.

    • Sam sagt:

      Schön, daß du hier mal einiges aufgelistet hast!!

      Das hätte man hier ruhig mal als separates Thema machen können, finde ich. Andere hatten das ja auch schon mal angeregt.

      Na ja; Jedenfalls deckt sich das im großen und ganzen mit meiner Liste deinstallierter bzw. ausgeblendeter Updates. Ich habe das jedoch alles händisch gemacht.

      Der Auslöser mich damit zu beschäftigen, war die bei mir unter Windows 7 plötzlich verschwundenen Updatebenachrichtigungen im Systray, damals im August ging das los. Schuld waren hier in erster Linie sämtliche Updates für den Update Client ab July 2015.

      Auch wenn ich es bis jetzt im Griff habe, die Benachrichtigungen bei mir wieder da sind und ich bislang auch von Windows 10 verschont geblieben bin, hätte ich… JA, Interesse an diesem Skript!

      Und natürlich: HAPPY NEW YEAR an alle hier.

      • christian sagt:

        Sollte der aktuell auf dem Rechner genutzte Client aktualisiert werden, dann wird dieser als ‘kritisches/wichtiges Update’ von Microsoft veröffentlicht werden. Alle seither veröffentlichten ‘verbesserten’ Update-Clients lassen sich alle problemlos deinstallieren bzw. müssen garnicht erst installiert werden. Alles was MS nicht als ‘Wichtig’ oder ‘Kritisch’ deklariert, betrachte ich erst einmal ‘kritisch’ :) Und bisher lag ich sehr häufig richtig mit meiner Paranoia.

        Die obige Liste beinhaltet Win7 und Win8 Updates. Im dem von mir genutzten Script behandele ich die Updates-Listen getrennt (einfacher zu managen und schneller zu (de)installieren.

        PS: Günter wird demnächst das Script und eine kleine Dokumentation dazu veröffentlichen. Wobei da noch viel Luft nach oben ist für Verbesserungen. :D

  12. Sam sagt:

    Hierzu passt auch schön der heute auf heise.de erschienene Artikel http://www.heise.de/newsticker/meldung/32C3-Kryptologe-warnt-vor-dem-Botnetz-Windows-10-3057063.html

    Ein Zitat daraus: “Dazu komme, dass Microsoft dem Anwender die Kontrolle über die eigene Hard- und Software mit Windows 10 weitgehend entziehe, monierte der Leiter des Cryptolabs in Amsterdam.”

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