Realer Irrsinn Deutschland: Intelligente Stromzähler

2016 hatte der Gesetzgeber die Einführung von Smart Metern (Intelligente Stromzähler) beschlossen. Jetzt wird deutlich, welcher reale Irrsinn 2.0 in Deutschland tobt. Das Gesetz zur Einführung von Smart Metern ist eine Lizenz zum Abkassieren – Nutzen gleich Null. Hier einige Informationen.


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Über das Thema Smart Meter im Hinblick auf die Gesetzesinitiative hatte ich im Blog-Beitrag Gesetze: Privacy Shield, Smart-Meter, Anonyme SIM kurz hingewiesen. Das Volk hatte Europameisterschaft, während der Bundesrat dem Gesetz “Digitalisierung der Energiewende” zum flächendeckenden Einsatz von Smart-Metern zugestimmt hat.

Ein wenig zum Hintergrund

Die Zwangsbeglückung aller Haushalte mit intelligenten Zählern wurde z.B. bei heise.de und golem.de (und auch energieverbraucher.de) ausführlicher beleuchtet. Die Einführung soll stufenweise bis 2035 erfolgen. Die Argumentation muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Die Koalition setzte bei der Zustimmung im Bundestag angeblich eine EU-Richtlinie zur Energieeffizienz um, nach der 80% der Verbraucher bis 2020 mit intelligenten Stromzählen auszustatten sind, wenn dies als kostenwirksam angesehen wird.

Eine Kosten-Nutzen-Analyse von Ernst & Young kam 2013 zum Schluss, dass diese Maßnahme nicht kostenwirksam sei, die EU-Richtlinie musste also nicht umgesetzt werden. Private Verbraucher müssen übrigens mit bis zu 100 Euro/Jahr Kosten für die neuen Zähler rechnen – bei höheren Verbräuchen wird es noch teurer.

Die Verbraucherzentrale hat hier einen kurzen Beitrag zum Thema veröffentlicht. Einige Details hat auch Wikipedia hier zusammen getragen. Der SWR hat in diesem Beitrag darauf hingewiesen, dass sich die neuen Zähler ‘verzählen’. Vor allem: Die neuen Zähler verursachen, gegenüber den alten Ferrari-Zählern, die seit Jahrzehnten zuverlässig arbeiten, Zusatzkosten (100 bis 200 Euro/Jahr). Bei MVV.de gibt es einen Beitrag aus Sicht eines Energieversorgers – als Abnehmer kann man den intelligenten Stromzähler nicht verweigern.

Posse: Digitalisierung mit der Taschenlampe …

Es hat schon ein gehöriges Stück von Real Satire, was die Redaktion von scienexx.de in diesem Artikel aufdeckt. Dort schreibt man, dass die Stadtwerke Velbert ab November 2017 die Stromzähler ihrer Kunden austauschen. Die meisten Haushalte (ca. 89%) verbrauchen weniger als 6000 kWh/a und werden trotzdem bereits 2017 mit der so genannten „modernen Messeinrichtung“ versorgt (oben stand noch, dass das erst 2020 der Fall sein soll, wenn dies kostenwirksam angesehen wird). Aber das sind nur Peanuts bzw. Präliminarien.

Der Irrsinn wird deutlich, wenn man ins Detail geht. Die Geräte sind nicht vernetzt und werden, wie bisher, einmal pro Jahr von einem Mitarbeiter der Stadtwerke abgelesen. Es entstehen jedoch Mehrkosten von 20 Euro jährlich für den Messstellenbetrieb (der Stadtwerke Velbert). In der WAZ wird der Stadtwerke-Projektverantwortliche Michael Diermann folgendermaßen zitiert: „Mit den neuen Systemen bekommen Kunden einen besseren Überblick über ihren Stromverbrauch und so die Möglichkeit zu energiesparendem Verhalten.“ Die Kunden können ihren Verbrauch, z.B. beim ‘Toilettengang’ mit angeschaltetem Licht und Radio genau ablesen.

… PIN morsen mit der Taschenlampe

Aber wie geht das nun genau? Läufst Du in den Hausanschlussraum und tippst auf irgend eine Taste am Zähler, um den Verlauf des Energieverbrauchs zu bekommen? Weit gefehlt. Die Westnetz, Verteilnetzbetreiber und RWE-Tochter, erklärt die Vorgehensweise in einer „Kurzanleitung für den elektronischen Stromzähler EDL21“. An dieser Stelle bitte setzen und anschnallen.

Zur Bedienung des Zählers ist lediglich eine handelsübliche Taschenlampe notwendig, mit welcher der Lichtsensor auf der Vorderseite des Gerätes angeleuchtet wird.


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Das nachfolgende Foto zeigt die Frontseite des Smart Meters, wie es in der Bedienungsanleitung abgebildet ist. In der rechten oberen Ecke findet sich der Lichtsensor für den Morsecode.

Smart Meter
(Quelle: Bedienungsanleitung)

Der Kunde bekommt von den Stadtwerken nun eine vierstellige PIN mitgeteilt, um auf die Daten des intelligenten Stromzählers zuzugreifen. Hier die kinderleichte Vorgehensweise zur Eingabe der PIN, frisch aus Schilda importiert.

1. Leuchten Sie hierzu [gemeint ist die PIN-Eingabe] zweimal nacheinander kurz mit der Taschenlampe auf den Lichtsensor.

[Warten Sie, bis] In der zweiten Displayzeile „PIN“ erscheint und an der ersten Stelle die Ziffer 0 steht.

2. Leuchten Sie den Lichtsensor mehrfach nacheinander kurz an, bis Sie die erste Ziffer Ihrer PIN sehen (Beispiel: für die Ziffer „3“ leuchten Sie den Lichtsensor dreimal nacheinander kurz an).

Die Ziffernfolge beginnt jeweils von Neuem (0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 0, 1, 2, 3 …). Warten Sie danach drei Sekunden, die Eingabe springt nun auf die nächste Stelle.

3. Wiederholen Sie den Vorgang für die weiteren Stellen der PIN.

Sollten Sie versehentlich eine falsche PIN eingegeben haben, bleibt die zweite Displayzeile abgeschaltet. Bitte wiederholen Sie den Vorgang.

Nach der erfolgreichen PIN-Eingabe ist die zweite Displayzeile dauerhaft aktiviert und zeigt die aktuelle Leistung an. Sie können sich nun Ihre individuellen Verbrauchswerte jederzeit ohne erneute PIN-Eingabe durch kurzes Anleuchten des Lichtsensors anzeigen lassen. Sie können die PIN-Eingabe jederzeit wieder aktivieren und damit die zweite Displayzeile zum Schutz Ihrer individuellen Verbrauchswerte abschalten.

Lebt ihr noch, oder seid ihr gerade vor Lachen gestorben bzw. vor Verzweiflung aus dem Fenster gesprungen? Falls ihr noch Humor habt, lest euch die FAQ in der Bedienungsanleitung durch. Da erfahrt ihr, ob der Zähler bei falscher PIN-Eingabe gesperrt wird, was passiert, wenn die PIN verloren geht oder wie man die PIN-Eingabe deaktivieren kann. Komfortabel: Alles geht mit einer Universal-Taschenlampe – kein Spezialwerkzeug erforderlich. Und noch cooler: Die Kunden dürfen die Taschenlampen im Haushalt auch noch für andere Zwecke weiter verwenden. Wir erleben gerade eine Sternstunde der Digitalisierung.

PS: Die PIN ist nicht änderbar und bei 4 Stellen ist die ganze Geschichte auch nicht wirklich narrensicher – obwohl die gemorste PIN-Eingabe einen Brut-Force-Angriff etwas unwahrscheinlich macht.

Gut, das gilt für die Stadtwerke Velbert und deren intelligente Messeinrichtung, oder doch für alle Smart Meter in Deutschland? Weitere Jokes lest ihr bei scienexx.de in diesem Artikel nach.

Ergänzung: Hatte es im Hinterkopf, beim Schreiben des Blog-Beitrags aber vergessen. Beim Wissenschaftsmagazin spektrum.de beleuchtet man in diesem Artikel das Thema und fragt auch, wie sicher das Zeugs ist.

Ihr habt Tränen in den Augen und könnt nicht mehr lesen?

Die Jungs und Mädels von extra 3 haben das Ganze in einem Video von einem der Stromlieferanten erklären lassen. Das Ganze findet sich in der Mediathek zum Anschauen.  Herr Kallmeier zeigt euch die Vorteile des neuen Stromzählers. Hier ist das Video aus YouTube.

(Quelle: YouTube)

O-Ton Herr Kallmeier zum Morsen der PIN: ‘Das sollte eine möglichst helle Taschenlampe sein, damit die optische Schnittstelle tatsächlich auch die Signale empfangen kann’. So wie Herr Kallmeier das rüber bringt, glaubt der an die Technologie – oder man hat einen professionellen Schauspieler für dieses Video angeheuert. Ich glaube ihr werft euch weg vor Lachen, wenn ihr das Video anschaut. Und ich warte auf die Meldung in der Tageszeitung:

Herr Schulz wurde tot vor seinem Stromzähler gefunden, gefangen in der PIN-Morse-Schleife des Geräte und dann elendiglich verhungert. Dabei wollte Herr Schulz am Sonntag vor drei Wochen nur schnell mal den aktuellen Verbrauch ablesen. Seine Ehefrau hatte ihn nicht vermisst, ‘das schnell mal# dauerte bei meinem Mann immer etwas länger, erklärte seine Ehefrau. Meist tauchte mein Mann nach einem Tag wieder auf, um neue Batterien kaufen zu gehen. Aber er hatte sich letztens eine Taschenlampe mit Kurbelmechanismus zum Aufladen gekauft. Da muss dann etwas schief gegangen sein.

PS: Die Taschenlampe mit Kurbelmechanismus habe ich mir in voreilendem Gehorsam schon mal zugelegt (ist hier beschrieben: Für Notfälle: Per Dynamo aufladbare LED-Taschenlampe). Schönen Rest-(Wahl-)Sonntag euch allen – Trump und Amerika ist nichts dagegen.

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19 Responses to Realer Irrsinn Deutschland: Intelligente Stromzähler

  1. nook sagt:

    …Wie jedes an das Internet angebundene Gerät, ist ein Smart Meter für Hacker grundsätzlich erreichbar…
    -> https://www.verbraucherzentrale.de/smart-meter

    Freut mich, dann setze ich doch mal auf den ersten Hack aus einschlägigen Foren der meinen mir übergebügelten Smart Meter beim Zählen etwas runterbremst ;-)

    Jedes Gesicht hat 2 Seiten!

    Servus

  2. janil sagt:

    Ich hoffe das der Verbraucherschutz oder Stiftung Warentest irgendwann im Interesse der Verbraucher Klagen auf den Weg bringen werden. Allein der Irsinn, das die Zähler ungenau sind und trotzdem verbaut werden. Wer hat da bloß wieder die Lizenz zum Geld drucken herbei geschmiert. Sprich, welche Lobbyisten haben da wieder Geschenke verteilt?

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  4. Holger K. sagt:

    Mein letzter Informationsstand zu dem Thema war, dass die intelligenten Stromzähler alle eine Internetanschluss haben würden, da dann darüber die Netzbetreiber und Versorger Daten abrufen und damit den Energieverbrauch der Kunden bezüglich Lastspitzen besser planbar machen könnten.
    Der Nutzen für den Kunden wurde da nur als gering bis sehr gering betrachtet.

    Wenn nun aber intelligente Stromzähler ohne Internetanschluss in absehbarer Zeit für alle, die nicht mehr als 6000 kWh pro Jahr verbrauchen zwangsdurchgesetzt werden sollen, ist weder ein Vorteil für den Kunden noch für die Versorger/Netzbetreiber erkennbar und die Kosten soll der Kunde komplett übernehmen. Den Nutzen hätten dann nur die Hersteller bzw. Anbieter der Hardware.

    Tatsächlich ein Schildbürgerstreich ohnegleichen!

  5. woodpeaker sagt:

    Das ist nur einer der vielen Gründe, warum ich heute NICHT zur Wahl gegangen bin!

    Keiner, aber wirklich keiner (von ganz rechts bis ganz links), der Wasserköpfe unternimmt etwas dagegen, genauso wie gegen die mehr als gerechte!!! Verteilung der EEG.

    Mit Vertretung des Souverän hat das nichts mehr zu tun.
    Was unterscheidet uns, ausser den Bananen, von selbiger Republik. Obwohl das mit den Bananen bekommen wir auch noch hin.

  6. Herr IngoW sagt:

    Noch habe ich diesen UNSINN-Apparat nicht, hoffentlich bleibt es noch lange so.

    • Herr IngoW sagt:

      Oh, hab noch vergessen, das Video ist der Hammer! Ein absoluter Fortschritt bei der Digitalisierung? Wahrscheinlich in Richtung Steinzeit, da haben die das halt mit Feuern gemacht, da ist die Taschenlampe doch ein “Fortschritt” wenn da nicht die Batterien wären.
      Ob das Ding auch irgendwann mal richtig den Verbrauch zählt oder ob man jedes Mal nach der Ablesung klagen muss?

  7. fred59 sagt:

    Die Schildbürger haben zugeschlagen, die Hornberger Schützen haben getroffen und vielen Mitbürgrn mag das am A… vorbeigehen. Ich aber finde diese Machenschaften schon kriminell, zumal der Leidtragende doch wieder nur der Endverbraucher ist.
    Erinnert doch ein wenig an VW und Co.
    Sollte ich noch schnell die AfD wählen gehen??? Weiß aber nicht, wie die zu Schilda und Hornberg stehen!
    In Bezug auf ein gut funktionierendes Betriebssystem heißt es ja, man solle es laufen lassen,so lange es geht. Weshalb also ein Zählerwechsel, noch dazu auf Taschenlampentechnik. Frage mich, ob der Schauspieler aus dem Video weiß, wovon er da überhaupt spricht!

    Fred59

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  9. Nobody Private sagt:

    Da kann man nur hoffen dass Verbraucherverbände gegen einen Tausch auf so einen Strommesser erfolgreich klagen können

  10. Oldi-40 sagt:

    Hallo,

    ich verstehe den Aufschrei nicht.

    Wir befinden uns am Anfang von I(di)ot 4.0. Da wird alles smarter, billiger und einfacher für die Kunden.

    Tschau

  11. Dekre sagt:

    Danke @Günter für diesen Beitrag.
    So was kommt bei Dir öfter vor – und dass ist gut so!
    Ich habe zu Glühlampen (es ging wohl um ein anderes EU-Projekt, Staubsauer oder Kocher) mal auf ein Buch hingewiesen. Ich wiederhole es noch einmal:
    Lügendes Licht, von Worm/ Karstedt, ist bei Hirzel-Verlag (diesen hat der Apothekerverlag übernommen).

    Da ich (nicht nur zufälligerweise) die Unterschiede zwischen Glühbirne und Glühlampe beschreiben kann, kann ich nur sagen = Die Idioten werden immer größer und die die Geld dafür nehmen, um bestochen zu werden, werden auch immer größer.

    Zur Nachschau: Eine normale Glühlampe ist im Geld für die Hersteller abgegessen. Diese setzen auf Sparlampen – egal welches Licht – Es bringt aber in der Energiebilanz nichts. Es ist sogar schädlicher und irrsinniger. Da viele es über den normalen Mülle entsorgen, werden dadurch viele Edelmetalle entsorgt; gut das kann man auch einfacher haben. Aber für letzteres wird es noch ca. 10 Mil. Jahre dauern – Manchen können nicht warten.

    Diese Dummbatzen – welche immer mehr zunehmen – sind Lügner und haben von Physik etc keine Ahnung.

    • Dekre sagt:

      Nebenbei – Beim Hirzel-Verlag – nun übernommen vom Apo-Verlag, bekommt man noch u.a. sehr gute Bücher von Heisenberg (so auch zu seiner Unschärferelation) letzterers mit einer guten Einführung von Zeilinger. Herr Zeilinger ist nun auch im Ruhestand.

  12. Nobody sagt:

    Vielleicht findet sich einer, der eine Petition gegen den Bullshit startet.

  13. HubertD sagt:

    Wäre doch ein schöner Einsatzzweck für eine App: Morsezeichen senden kann die eine oder andere Taschenlampen App schon. Ganze Pin morsen, wäre einfach dazu zu programmieren.

    (nicht dass ich es für besonders sinnvoll halte jeden Furz per App erledigen zu wollen. Aber mei so ist die Welt halt)

  14. John sagt:

    Das ist ja ein Wahnsinn…

    Wenn ich es geschafft habe den PIN einzugeben kann jeder Einbrecher sehen ob ich die letzten Tage Strom verbraucht habe und weiß ob ich zu Hause bin ??

  15. Emil sagt:

    Werden wir als unmündige Bürger behandelt ? JA. Der Irsinn wird bereits mehrmals dar gestellt über diese Smartmeter. In Österreich kann ich dieses Ablehen !! Wie war das mit Europa ?? Es darf kein Bürger eines Europäischen Landes benachteiligt werden, wenn dieses in einem Lande möglich ist. Oder wie ar das : Handwerker aus Europäischen Länder benötigen keinem Meisterbrief mehr um hier zu arbeiten !!!!! Uns hier in Deutschland, wird ein Montagezwang auferlegt !!! Verbraucherverbände wehrt euch dagegen. Wier sind bereits dabei. Wir sind keine Hammelherde die ausgenutzt, abgezockt oder geschlachtet werden kann. Leute wehrt euch und schreibt es euerem Stromanbietern

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