Gamer schuld an tödlichem US-Polizeieinsatz

Tragischer Vorfall am 28. Dezember 2017: Bei einem Swatter-Einsatz von US-Polizisten kam ein Unschuldiger zu Tode. Ursache für den Einsatz des US-Polizei-Einsatzteams (SWAT-Team) war ein gefälschter Notfallruf mit vorgetäuschter Geiselnahme als Ergebnis eines Streits zweier Gamer.


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Der tragische Vorfall zeigt, wie kaputt das US-System ist. Brian Krebs hat das Ganze hier dokumentiert – ein zweiter Beitrag findet sich bei Bleeping Computer.

Erklärung: Das Kürzel SWAT steht für steht für Special Weapons And Tactics. Es ist eine Bezeichnung für taktische Spezialeinheiten innerhalb einer Polizeibehörde, deren Mitglieder für polizeiliche Sonderlagen (Geiselnahme etc.) ausgebildet und ausgerüstet sind. In Deutschland werden die entsprechenden Aufgaben von den Spezialeinsatzkommandos (SEK) wahrgenommen.

Streit zweier Gamer auf Twitter eskaliert

Wenn ich den Beitrag bei Bleeping Computer richtig interpretiere, gerieten zwei Call of Duty-Spieler wegen eines Betrags von 1,5 US $ in Streit und trugen diesen auf Twitter aus. Ein Beteiligter veröffentlichte die persönlichen Daten des Kontrahenten auf Twitter, worauf dieser zurück schlug. Es wurde eine falsche Adresse angegeben und ein Notruf bei der US-Polizei abgesetzt. Im gefakten Notruf wurden eine angebliche Geiselnahme mit Toten angegeben.

Darauf hin rückte ein US-SWAT-Team zur angegebenen Adresse aus. Als ein 28 Jähriger zur Tür kam, wurde er wohl von einem US-Polizisten erschossen. Der Tote hatte mit der Sache nichts zu tun, war Vater zweier kleiner Kinder und spielte auch keine Online-Spiele.

Kann man als tragisch ansehen, aber das Ganze wirft ein Schlaglicht auf die kaputte US-Polizei-Landschaft und die Online-Community. Dass Unbeteiligte in den USA durch Polizeieinsätze mit Schusswaffen überdurchschnittlich oft zu Tode kommen, ist täglich in den US-Medien nachzulesen.

Was die Sache noch tragischer macht – Brian Krebs hat es gut herausgearbeitet: Es gibt einen wachsenden Personenkreis an Idioten, die den Polizeinotruf für Bombendrohungen oder SWAT-Einsätze missbrauchen und ihren Spaß daran haben. Einer der beteiligten Gamer stand mit Krebs wohl in Kontakt und gab zu, auch einen falschen Bombenalarm ausgelöst zu haben. Er hat seinen Spaß daran, solche SWAT-Einsätze zu provozieren. Mit den Folgen seines Handelns konfrontiert, gab er an, dass er nicht die Pistole abgefeuert habe. Nach den US-Gesetzen ist er aber des Mordes schuldig und es bleibt zu hoffen, dass er identifiziert, gefasst und verurteilt wird.

Meine Gedanken sind aktuell bei den Angehörigen des Getöteten – und eine Nebenbemerkung kann ich mir auch nicht verkneifen: Es gibt zwar keine Sippenhaft, und man sollte nicht alle Mitglieder der US-Gesellschaft, die in diesem Umfeld aufgewachsen sind, über einen Kamm scheren. Aber ich frage mich, ob es gut ist, wenn US-Firmen (deren Mitarbeiter in einem solchen Umfeld sozialisiert werden) meinen, an ihrem Wesen und ihren Produkten soll die Welt genesen.


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9 Antworten zu Gamer schuld an tödlichem US-Polizeieinsatz

  1. Nils sagt:

    Was ich noch nicht verstanden habe, warum die den an der Türe gleich ohne Vorwarnung und nähere Untersuchung direkt erschossen haben-

    Der Auslöser war sicher die Twitter Auseinandersetzung, der Rest aber doch eher nicht.

    • Tim sagt:

      Schau dir mal im Netz an wie solche Einsätze ablaufen… es gibt ja genug gefilmte Swatting Einsätze. Da braucht nur einer zu glauben eine Waffe zu sehen und der Spaß beginnt…

      Die gehen schon sehr Professionell vor und kennen das ja auch schon, aber für die Beamten ist es eben ein Einsatz und die sind halt nicht zimperlich und so lange nicht alle in Handschellen am Boden liegen ist alles unklar.

    • Nobody sagt:

      Die Vermutung liegt nahe, das bei solchen Spezialeinheiten die Leute versammelt sind, die keine Hemmungen haben erst zu schießen und dann zu fragen.

      • Tim sagt:

        Na ja… ist das nun bei der Bundeswehr oder Polizei hierzulande so anders?

        Wer so einen Job annimmt, hat halt Miami Vice im Kopf und hoffentlich nicht zuviel davon ;) . Für mich wäre so ein Job nix, denk ich mir so. Du musst halt eingestellt darauf sein, „angemessene“ Gewalt auszuüben, die beim anderen zum Tod führen kann, wenns der Einsatz erfordert. Im Nachhinein zu sagen, war nicht erforderlich, ist wie oft einfach.
        Wann ists zuviel und wann zu wenig… blöde Entscheidungen halt und nicht immer eindeutig so, wie es tags darauf in der Zeitung steht.

  2. Tim sagt:

    Als wäre es ein US Phänomen das Idioten anderen Leuten die Polizei ins Haus schicken oder anderes…

    Hierzulande gibt es sowas genauso, nur rechnet hier die Polizei halt nicht unbedingt damit, das auch Waffen dabei sind. Das man als Polizist in den USA vermeintlich verrückt genug ist schnell die Waffen zu nutzen und besonders hart vorzugehen, hat ja nun auch einen Grund, nämlich das wirklich jede Person bewaffnet sein kann.

    Es gibt auf Twitch und YouTube genug Material zu sehen, wo genau solche Aktionen laufen, obs nun Polizeibeamte sind, oder Damen vom leichten Gewerbe, Pizzaboten mit 50 Pizzen und hier in Deutschland fallen mir da auch ganz schnell Opfer ein.

    Der YT Kanal Tanzverbot ist ja sogar ein Kandidat, der damit fast schon Clicks generiert, denn wenn das noch erst gemeint ist, kann der einem wirklich Leid tun.

    Bei einem anderen nicht weniger schrägen Kanal (Drachenlord) gings sogar schon vor Gericht: https://motherboard.vice.com/de/article/9aqy9y/erstes-deutsches-swatting-hohe-freiheitsstrafe-fuer-drachenlord-hater

    Das ganze ist die moderne Form des klassischen Nachbarschaftsstreit auf die Spitze getrieben. Dem anderen einen Auszuwischen ist für viele halt das größte.
    Bis halt wirklich mal was passiert. Auch bei uns ist das ganze nur eine Frage der Zeit und auch hier ist es nur die Frage davon, wie viel man im Netz von sich preisgibt.

    Jedenfalls ist es kein „kaputtes USA“ Ding, sondern überall zu finden. In den USA kommt halt nur direkt ein SWAT Team und macht das ganze so besonders. Wer kommt eigentlich in Deutschland, wenn heutztage „Terrorverdacht“ besteht? Der mehr oder weniger freundliche, weil überarbeitete Streifenpolizist wohl kaum, oder doch?
    Mal zum drüber Nachdenken… Auch hier vielleicht nur eine Frage der Zeit.

    Idioten die sowas tun, sterben jedenfalls nicht aus…

    • Tim sagt:

      Witzig ist das in dem Bericht zum Gerichturteil erster deutsche Swatting Fall steht…

      Das sehen Beamte von der Polizei sicher anders und haben nicht umsonst schon versucht Aufklärung zu betreiben…

  3. Herr IngoW sagt:

    Das ist das was manchen früheren Einheiten in unserer Geschichte immer angedichtet wurde und wird:
    „Anruf/Ansprache nach Magazinwechsel“.
    In den USA ist das bei solchen Einsetzen nun mal Realität. In einem Land, indem man Waffen an jeder Ecke ohne große Probleme kaufen kann, nicht verwunderlich.
    Schließlich kann jeder eine Waffe haben.

  4. MR sagt:

    Mir tut es unendlich leid für die beiden Kinder, die ihren Vater nicht ersetzen können. Alles wegen so einem unwichtigen Blödsinn bzw wegen 1,50$.

    Ps: Einen „wachsenden Personenkreis an Idioten“ kann man auch bei uns in vielen Teilen durchaus erkennen.

  5. Günter Born sagt:

    Wie es aussieht, wurde die Person, die den Fake-Notruf auslöste (und das wohl gewohnheitsmäßig und gegen Geld öfters macht), festgenommen. Details finden sich bei Krebs on Security.

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