Meltdown/Spectre: Leistungseinbußen durch Patches – Teil 2

Wie stark wirken sich Patches für Meltdown/Spectre auf die Leistung von Systemen aus. Von Intel gibt es nun Aussagen und es kommen weitere Informationen, z.B. über kräftige Performancerückgänge bei SSD-Operationen vor.


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Im Blog-Beitrag Meltdown/Spectre: Leistungseinbußen durch Patches – Teil 1 hatte ich erste Informationen zu Leistungseinbußen zusammen gestellt. Dort wurden auch allgemeine Aussagen seitens Microsoft eingearbeitet. Aber es gibt inzwischen neuere Erkenntnisse.

Intel nennt Werte für Performance-Einbußen

Nach Microsoft hat nun der Prozessorhersteller Intel in diesem Blog-Beitrag Zahlen zu den Performanceeinbußen für Intel® Core™ Prozessor-Plattformen der 6., 7. und 8. Generation vorgelegt. Die Benchmarks wurden dabei unter Windows 10 durchgeführt. Die Kombination von Betriebssystem und Prozessor-Generationen verspricht optimale Ergebnisse – zumindest, wenn man die Aussagen von Microsoft aus dem oben erwähnten Artikel zugrunde legt.

  • Systeme mit 8. Generation (Kaby Lake, Coffee Lake) Chips und SSDs werden am wenigsten beeinflusst, der Leistungseinbruch liegt unterhalb von 6 Prozent.
  • Systeme mit 7. Generation Kaby Lake-H Mobile-Prozessoren werden so um die 7 Prozent Leistung einbüßen.
  • Systeme mit 6. Generation Skylake-S Chips büßen im Mittel 8 Prozent ihrer Leistung ein.

Allerdings sind dies optimistische Annahmen und Szenarien. Es kann Einsatzprofile geben, wo die Leistungseinbuße deutlich höher ausfällt. Engadget schreibt hier, dass Benutzer in bestimmten Fällen eine spürbarere Auswirkung bemerken. Beispielsweise können Benutzer, die Webanwendungen verwenden, die komplexe JavaScript-Operationen erfordern, eine etwas höhere Leistungseinbuße (bis zu 10 Prozent) feststellen. Und bei The Register findet sich der Hinweis, das Intel eine (wahrscheinliche) Verlangsamung von Server-Systemen bestätigt.

Einbrüche bei SSDs

Blog-Leser Leon hat mit einen Link zum Blog-Beitrag Patched Desktop PC: Meltdown & Spectre Benchmarked geschickt. Die haben verschiedene Benchmarks auf einem System ohne Patch, mit Windows Patch und dann zusätzliche mit BIOS-Update gefahren. Während es bei vielen Szenarien kaum Leistungseinbußen (2-4%) gab, brach die Schreib-/Leserate bei SSDs drastisch ein. Hier ist ein Diagramm aus dem Artikel:

SSD-Einbruch

Bei 512 KB Schreib-/Leseoperationen gab es Einbrüche bis zu 41 Prozent. Details zu diversen Tests finden sich auf dieser Techspot-Seite. Und in diesem Kommentar hat Tim hier im Blog den Hinweis auf diesen Gamestart-Beitrag gepostet (vielen Dank). Dort ist der Techspot-Beitrag in deutscher Sprache aufbereitet worden, falls jemand mit dem Englischen hadert. An in diesem Kommentar von Rainer Gras gibt es einen Link auf einen DiskMark-Benchmark, wo zwar Einbrüche auftraten, die aber nicht so gravierend wie oben angegeben sind. Und in diesem Google+-Beitrag stellt Kristian Köhntopp einige Überlegungen zum Leistungsverlust durch Meltdown/Spectre Patches an.

Artikelreihe:
Meltdown/Spectre: Leistungseinbußen durch Patches – Teil 1
Meltdown/Spectre: Leistungseinbußen durch Patches – Teil 2
Meltdown/Spectre: Google patcht Cloud ohne Leistungsverlust


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Weitere Updates (Internet Explorer, GDI) 3.1.2018
Windows10: Update KB4056892 killt AMD-Systeme (Error 0x800f0845)
Windows 7: Update KB4056894 macht Probleme (0x000000C4)
Kaspersky Endpoint Security 10 Update auf V10.3.0.6294
Windows Updates (KB4056892, KB4056894 etc.) für AMD temporär zurückgezogen AMD-GAU & AV-Ärger: Neues zu Windows-Sicherheitsupdates


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6 Kommentare zu Meltdown/Spectre: Leistungseinbußen durch Patches – Teil 2

  1. Nina sagt:

    6., 7., 8. Generation. Die Werte der Generationen davor kommen noch von Intel?
    Ach nee, so was hat ja eh keiner mehr. Alles klar, weitermachen.

  2. Cmd.Data sagt:

    die Webanwendungen verwenden, die komplexe JavaScript-Operationen erfordern

    Wobei man sich fragen muss, warum so ein Schwachsinn überhaupt programmiert wird!

    Nicht jeder ist per Standleitung an ein Rechenzentrum angebunden. So etwas krudes kann nur aus Silicon Valley stammen.

    Sicher ist, dass dieses Szenario für Intel neue Absatzchancen generiert… :-(

    • Tim sagt:

      Hust… schau dir mal Apps an?

      Sind doch häufiger Webanwendungen… nicht unbedingt immer JavaScript, aber doch.

      Der Schwachsinn ist normal, seit “Anwendungen” offline nicht mehr funktionieren!

  3. Axel sagt:

    Gefühlt, das mag ich betonen, gefühlt läuft seit gestern (komplette updates vorgestern) mein privater PC mit i5-4670 (4. Gen.) und WD SSD NACH Patch auch tatsächlich spürbar leistungsreduziert. Ich habe, leider (obwohl Software vorhanden), keine Zugriffstest auf die SSD davor-danach durchgeführt.
    Ich würde den Vergleich ansetzen, als wäre ich von einer SSD (auf der nur das OS läuft) auf eine HDD zurückgewechselt….

  4. Trillian sagt:

    Moin @ All!

    Gerade auf einem ThinkPad T450s die Schreib-/Leserate der verbauten Toshiba SSD mit und ohne installierten Security Only Update KB4056897 mit folgendem Ergebnis gemessen:

    I. Ohne installiertes Update KB4056897:
    ———————————————————————–
    CrystalDiskMark 5.2.0 x64 (C) 2007-2016 hiyohiyo
    Crystal Dew World : http://crystalmark.info/
    ———————————————————————–
    * MB/s = 1,000,000 bytes/s [SATA/600 = 600,000,000 bytes/s]
    * KB = 1000 bytes, KiB = 1024 bytes

    Sequential Read (Q= 32,T= 1) : 551.922 MB/s
    Sequential Write (Q= 32,T= 1) : 511.472 MB/s
    Random Read 4KiB (Q= 32,T= 1) : 379.054 MB/s [ 92542.5 IOPS]
    Random Write 4KiB (Q= 32,T= 1) : 170.782 MB/s [ 41694.8 IOPS]
    Sequential Read (T= 1) : 507.302 MB/s
    Sequential Write (T= 1) : 456.801 MB/s
    Random Read 4KiB (Q= 1,T= 1) : 21.336 MB/s [ 5209.0 IOPS]
    Random Write 4KiB (Q= 1,T= 1) : 74.925 MB/s [ 18292.2 IOPS]

    Test : 1024 MiB [C: 47.2% (56.4/119.5 GiB)] (x5) [Interval=5 sec]
    Date : 2018/01/12 15:20:23
    OS : Windows 7 Professional SP1 [6.1 Build 7601] (x64)

    II. Mit installiertes Update KB4056897:
    ———————————————————————–
    CrystalDiskMark 5.2.0 x64 (C) 2007-2016 hiyohiyo
    Crystal Dew World : http://crystalmark.info/
    ———————————————————————–
    * MB/s = 1,000,000 bytes/s [SATA/600 = 600,000,000 bytes/s]
    * KB = 1000 bytes, KiB = 1024 bytes

    Sequential Read (Q= 32,T= 1) : 539.747 MB/s
    Sequential Write (Q= 32,T= 1) : 496.189 MB/s
    Random Read 4KiB (Q= 32,T= 1) : 194.689 MB/s [ 47531.5 IOPS]
    Random Write 4KiB (Q= 32,T= 1) : 146.245 MB/s [ 35704.3 IOPS]
    Sequential Read (T= 1) : 428.068 MB/s
    Sequential Write (T= 1) : 384.658 MB/s
    Random Read 4KiB (Q= 1,T= 1) : 13.981 MB/s [ 3413.3 IOPS]
    Random Write 4KiB (Q= 1,T= 1) : 55.062 MB/s [ 13442.9 IOPS]

    Test : 1024 MiB [C: 47.1% (56.3/119.5 GiB)] (x5) [Interval=5 sec]
    Date : 2018/01/12 15:58:28
    OS : Windows 7 Professional SP1 [6.1 Build 7601] (x64)

    Summa summarum: Nach der Installation von KB4056897 sind in allen Testmodi deutliche Performance-Einbußen der SSD zu konstatieren.

    Tjo….

    (Das ThinkPad ist schon mit dem neuesten BIOS-Microcode-Update geflasht. Inwieweit dies die Performance der SSD zusätzlich beeinflusst habe ich jetzt nicht getestet.)

    • Musician sagt:

      ASUS Z170 Deluxe + i7 6700K + 32 GB RAM

      Testweise mal das neueste BIOS Update installiert, welches den Fix für diesen Rotz enthält, Windows 10 Pro samt allen Updates und dem Patch, weil ich neugierig auf die Auswirkungen auf dieses System war.

      Ergebnis:
      – NVMe SSD ca. 35-40% langsamer
      – Normale zusätzliche SSD ca. 15% langsamer
      – Massive Latenzprobleme, die vorher nicht vorhanden waren
      – Anwendungen ruckeln, die normal absolut flüssig laufen
      – Treiber des PCIe Studio Audio Interfaces crasht bei 2 von 3 Bootversuchen, sobald der MS Patch installiert ist.
      – Start der DAW + Laden der Plugins dauert ewig, geht normalerweise ratzfatz

      Ganz ehrlich? Ich habe keine Lust auf diese Schei*e bei einem Produktivrechner. Altes BIOS wieder rein, Backup Image des Systems (Windows 8.1) drauf = alles wieder einwandfrei. Keine Fehler mehr und wieder volle Geschwindigkeit.

      Gut das der Produktivrechner nicht am Internet hängt und nur an einer NAS.

      Der Rechner, über den ich hier jetzt schreibe, ist ein kleinerer Zwilling des Produktivrechners. Auch bereits mit BIOS Update, W10 und Patches (aber eben keine NVMe SSD). Den können Intel und Microsoft ruhig verseuchen und ausbremsen, soviel die lustig sind. Aber an meinen Produktivrechner lasse ich die nicht mehr ran. Spätestens jetzt ist die berühmte rote Linie DEUTLICH überschritten.

      Sollte die Hardware in Zukunft jemals den Geist aufgeben, werde ich SEHR genau gucken, welche Hardware und Software von welchen Herstellern dann verfügbar ist. Fest steht aber bereits, das es definitiv kein Windows 10 System sein wird im Produktivbereich.

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